Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis
von Ellen G. White

„Ueberwindung und Endsieg der Gottgetreuen

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Die Bibel, eine Schutzwehr

 "Ja, nach dem Gesetz und Zeugnis! Werden sie das nicht sagen, so werden sie die Morgenroete nicht haben." (Jes. 8, 20) Dem Volke Gottes wird die Heilige Schrift als Schutz gegen den Einfluss falscher Lehrer und gegen die truegerische Macht der Geister der Finsternis vor Augen gestellt. Satan wendet jede moegliche List an, die Menschen zu hindern, sich Kenntnisse aus der Bibel anzueignen; denn deren deutliche Aussagen enthuellen seine Taeuschungen. Bei jeder Wiederbelebung des Werkes Gottes wird der Fuerst des Boesen zu groesserer Betriebsamkeit angespornt; nun gelten seine aeussersten Anstrengungen einem letzten Kampf gegen Christus und seine Nachfolger. Die letzte grosse Taeuschung wird sich bald vor uns entfalten. Der Antichrist wird seine erstaunlichen Werke vor unseren Augen ausfuehren. Das Nachgebildete wird dem Echten so genau gleichen, dass es unmoeglich sein wird, beide zu unterscheiden, ausser durch die Heilige Schrift. Mit ihrem Zeugnis muss jede Behauptung und jedes Wunder geprueft werden.

 Jene, die versuchen, allen Geboten Gottes zu gehorchen, werden angefeindet und verlacht werden. Sie koennen nur in Gott standhalten. Um die vor ihnen liegende Pruefung bestehen zu koennen, muessen sie den Willen Gottes verstehen, wie er in seinem Wort offenbart ist; sie koennen ihn nur ehren, wenn sie eine richtige Vorstellung seines Wesens, seiner Regierung und seiner Absichten haben und auch danach handeln. Nur wer seine Seele mit den Wahrheiten der Bibel gestaerkt hat, wird den letzten grossen Kampf ueberstehen. Jeder wird durch die an ihn gerichtete Frage geprueft: Soll ich Gott mehr gehorchen als den Menschen? Die entscheidende Stunde ist jetzt sehr nahe. Stehen unsere Fuesse auf dem Felsen des unveraenderlichen Wortes

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Gottes? Sind wir vorbereitet, fest zu bleiben bei der Verteidigung der Gebote Gottes und des Glaubens an Jesus?

 Vor der Kreuzigung erklaerte der Heiland seinen Juengern, dass er getoetet werden und aus dem Grabe wieder auferstehen wuerde, und Engel umgaben sie, um seine Worte ihren Herzen und Gemuetern einzupraegen. Die Juenger aber erwarteten eine irdische Befreiung vom roemischen Joch und konnten den Gedanken nicht ertragen, dass Jesus, der Mittelpunkt ihrer Hoffnung, einen schmachvollen Tod erleiden sollte. Die Worte, an die sie sich haetten erinnern sollen, entschwanden ihrem Gedaechtnis, und als die Zeit der Pruefung kam, waren sie unvorbereitet. Jesus Tod zerstoerte ihre Hoffnungen vollstaendig, als ob er sie nie auf sein Sterben hingewiesen haette. So wird uns in den Weissagungen die Zukunft ebenso deutlich erschlossen, wie sie den Juengern durch Christi Worte erschlossen wurde. Die Ereignisse, die mit dem Ende der Gnadenzeit und dem Vorbereitungswerk fuer die Zeit der Truebsal in Verbindung stehen, werden uns klar veranschaulicht. Aber Tausende haben ein Verstaendnis fuer diese wichtigen Wahrheiten, als waeren sie ihnen nie offenbart worden. Satan wacht, um jeden Einfluss von ihnen abzulenken, der sie zur Seligkeit tauglich machen koennte. Dann wird die truebselige Zeit sie unvorbereitet finden.

 Wenn Gott den Menschen so wichtige Warnungen sendet, dass der Prophet sie darstellt, wie heilige Engel sie verkuendigen, die mitten durch den Himmel fliegen, dann verlangt er von jedem vernuenftigen Wesen, die Botschaft zu beachten. Die furchtbaren Strafgerichte, die gegen die Anbetung des Tieres und seines Bildes ausgesprochen wurden, (Offb. 14, 9-11) sollten alle zu einem eifrigen Studium der Weissagungen antreiben, damit sie erfuehren, was das Malzeichen des Tieres ist, und wie sie vermeiden koennen, es anzunehmen. Aber die meisten Menschen haben taube Ohren fuer die Wahrheit und wenden sich den Fabeln zu. Der Apostel Paulus erklaerte im Hinblick auf die letzten Tage: "Es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht leiden werden." (2. Tim. 4, 3) Diese Zeit ist jetzt da. Die Menge wuenscht keine Bibelwahrheit, weil diese sich mit den Begierden des suendigen, weltliebenden Herzens nicht vertraegt; und Satan versorgt sie mit dem Blendwerk, das die Menschen lieben.

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 Aber Gott will ein Volk auf Erden haben, das die heilige Schrift, und nur diese allein, beibehaelt als Richtschnur aller Lehre und als Grundlage aller Reformen. Die Meinungen gelehrter Maenner, die Ergebnisse der Wissenschaft, die Glaubenssaetze und Beschluesse von Kichrenversammlungen, zahlreich und uneins wie die Kirchen, die sie vertreten, die Stimme der Mehrheit - weder das eine allein noch sie alle zusammen koennen als Beweis fuer oder gegen irgendeinen religioesen Glaubenspunkt betrachtet werden. Ehe wir irgendeine Lehre oder Vorschrift annehmen, sollten wir ein deutliches "So spricht der Herr!" als Beweis dafuer verlangen.

 Satan ist staendig bemueht, die Aufmerksamkeit auf Menschen statt auf Gott zu richten. Er verleitet das Volk, Bischoefe, Geistliche und Theologieprofessoren als Fuehrer zu betrachten, statt die Heilige Schrift zu erforschen, um ihre Pflicht zu erfahren. Wenn er dann den Verstand dieser geistlichen Fuehrer beherrscht, kann er die Menge nach seinem Willen beeinflussen.

 Als Christus kam, um Worte des Lebens zu verkuenden, hoerte das gemeine Volk ihm gern zu; und viele, sogar Priester und Obersten, glaubten an ihn. Aber die fuehrenden Koepfe der Priesterschaft und die tonangebenden Maenner des Volkes waren entschlossen, seine Lehren zu verdammen und zu verschmaehen. Obwohl alle ihre Anstrengungen, Anklagepunkte gegen ihn zu finden, scheiterten, obwohl sie den Einfluss goettlicher Macht und Weisheit, der seine Worte begleitete, fuehlten, blieben sie doch bei ihren Vorurteilen; sie verwarfen die deutlichsten Beweise seines Messiasamtes, damit sie nicht gezwungen waeren, seine Juenger zu werden. Die Widersacher Jesu waren Maenner, die zu ehren das Volk von Kindheit an gelehrt worden, deren Autoritaet es sich bedingungslos zu beugen gewohnt war. Wie kommt es, fragten viele, dass unsere Obersten und weisen Schriftgelehrten nicht an Jesus glauben? Wuerden diese frommen Maenner ihn nicht annehmen, falls er Christus waere? Der Einfluss solcher Lehrer war es, der die Juden dazu verleitete, ihren Erloeser zu verwerfen.

 Diesen Geist, der jene Priester und Obersten bewegte, bekunden auch jetzt noch viele, die von ihrer Froemmigkeit viel Aufhebens machen. Sie weigern sich, das Zeugnis der Heiligen Schrift hinsichtlich der besonderen Wahrheiten fuer diese Zeit zu pruefen. Sie verweisen

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auf ihre grosse Zahl, ihren Reichtum und ihre Volkstuemlichkeit und blicken geringschaetzig auf die Verteidiger der Wahrheit herab, die sie als wenige, arme und unbeliebte Leute ansehen die einen Glauben haben, der sie von der Welt trennt.

 Christus sah voraus, dass die ungebuehrliche Machtanmassung, wie sie von den Schriftgelehrten und Pharisaaeern geuebt wurde, mit der Zerstreuung der Juden nicht aufhoeren wuerde. Er hatte einen prophetischen Blick fuer die Geschichte menschlicher Machterhebung zur Beherrschung des Gewissens, die zu allen Zeiten ein schrecklicher Fluch fuer die Kirche gewesen ist. Seine furchtbaren Strafreden gegen die Schriftgelehrten und Pharisaeer sowie seine Warnungen an das Volk, diesen verblendeten Fuehrern nicht zu folgen, wurden als Mahnung fuer die kuenftigen Geschlechter aufgezeichnet.

 Die roemische Kirche beschraenkt das Recht, die Heilige Schrift auszulegen, auf die Geistlichkeit. Gestuetzt darauf, dass diese allein imstande sei, Gottes Wort zu erklaeren, entzieht sie die Bibel dem gewoehnlichen Volk.(*)Wenn auch die Reformation allen Menschen die Heilige Schrift gab, so hindert doch der gleiche Grundsatz, den Rom geltend machte, viele in den protestantischen Kirchen daran, die Bibel fuer sich selbst zu studieren. Sie werden unterwiesen, ihre Lehren anzunehmen, wie die Kirche sie auslegt; und es gibt Tausende, die es nicht wagen, irgend etwas anzunehmen, das ihrem Glaubensbekenntnis oder den bestehenden Lehrsaetzen der Kirche entgegengesetzt ist, sei es auch noch so deutlich in der Schrift offenbart.

 Obgleich die Bibel viele Warnungen vor falschen Lehrern enthaelt, ueberlassen doch viele auf diese Weise die Bewahrung ihrer Seele der Geistlichkeit. Es gibt heute Tausende von sogenannten Christen, die keinen andern Grund fuer ihren Glauben angeben koennen, als dass sie von ihren religioesen Fuehrern so unterrichtet wurden. Sie lassen die Lehren des Heilandes beinahe gaenzlich unbeachtet und setzen unbedingtes Vertrauen in die Worte der Prediger. Sind diese aber unfehlbar? Wie koennen wir unsere Seelen ihrer Fuehrung anvertrauen, es sei denn, dass wir aus Gottes Wort wissen, dass sie Traeger des Lichtes sind? Mangelnder moralischer Mut, den von der Welt eingeschlagenen Weg zu verlassen, verleitet viele, den Fusstapfen gelehrter Maenner zu folgen; und durch ihre Abneigung, selbst zu forschen, werden sie

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hoffnungslos in den Ketten des Irrtums festgehalten. Sie sehen, dass die Lehren der gegenwaertigen Wahrheiten in der Bibel klar hervorgehoben sind, und sie fuehlen die Macht des Heiligen Geistes, der ihre Verkuendigung begleitet und doch lassen sie sich durch den Widerstand der Geistlichkeit von dem Licht wegfuehren. Obwohl die Vernunft und das Gewissen ueberzeugt sind, wagen diese verblendeten Seelen nicht, anders zu denken als der Prediger. Ihr persoenliches Urteil und ihr ewigen Wohl werden dem Unglauben, dem Stolz und Vorurteil eines andern geopfert.

 Auf mannigfaltige Weise wirkt Satan mit Hilfe menschlichen Einflusses, um seine Gefangenen zu binden. Er sichert sich ganze Scharen, indem er sie mit den seidenen Banden der Zuneigung an jene bindet, die Feinde des Kreuzes Christi sind. Gleichviel mit wem man so verbunden sein mag, ob mit Eltern, Kindern, Ehegatten oder Freunden, die Wirkung ist die gleiche; die Gegner der Wahrheit ueben ihre Macht aus und beherrschen das Gewissen, und die unter ihrer Gewalt stehenden Seelen haben nicht genuegend Mut oder sind nicht unabhaengig genug, ihrem eigenen Pflichtgefuehl zu gehorchen.

 Die Wahrheit und die Verherrlichung Gottes sind untrennbar miteinander verbunden; es ist unmoeglich, Gott durch irrige Ansichten zu ehren, wenn wir die Bibel zur Hand haben. Viele behaupten, dass es nicht darauf ankomme, was man glaube, wenn man nur recht lebe; aber das Leben wird durch den Glauben gepraegt. Wenn Licht und Wahrheit uns dargeboten werden, und wir machen uns die Gnadengabe, sie zu hoeren und zu erkennen, nicht zunutze, so verwerfen wir diese Gabe im Grunde genommen; wir ziehen die Finsternis dem Lichte vor.

 "Manchem gefaellt ein Weg wohl; aber zuletzt bringt er ihn zum Tode." (Spr. 16, 25) Unwissenheit ist keine Entschuldigung fuer den Irrtum oder die Suende, wenn man jede Gelegenheit hat, Gottes Willen zu erkennen. Ein Wanderer kommt an eine Weggabelung; ein Wegweiser zeigt, wohin jeder Weg fuehrt. Laesst er ihn ausser acht und schlaegt er den Weg ein, der ihm der recht zu sein scheint, so wird er sich doch hoechstwahrscheinlich, mag er noch so aufrichtig dabei sein, auf dem verkehrten Weg befinden.

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 Gott hat uns sein Wort gegeben, damit wir mit dessen Lehren vertraut werden und selbst wissen, was er von uns verlangt. Als der Schriftgelehrte zu Jesus kam mit der Frage: "Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?", verwies ihn der Heiland auf die Schrift, indem er sagte: "Wie steht im Gesetz geschrieben? Wie liessest du?" (Luk 10, 25. 26) Die Unwissenheit kann weder alt noch jung entschuldigen, noch von der Strafe befreien, die die Uebertretung des Gesetzes Gottes nach sich zieht, weil sie eine getreue Darstellung jenes Gesetzes sowie seiner Grundsaetze und Anforderungen zur Hand haben. Gute Absichten genuegen keineswegs; auch reicht es nicht hin, da zu tun, was man fuer recht haelt oder was der Prediger fuer recht erklaert. Das Heil der Seele steht auf dem Spiel; jeder muss fuer sich selbst in der Schrift forschen. Wie stark auch seine Ueberzeugung sein, wie zuversichtlich er auch glauben mag, dass der Geistliche wisse, was Wahrheit ist: er hat damit keine sichere Grundlage. Er besitzt eine Karte, die ihm genau den Weg der Reise nach dem Himmel bezeichnet, und er sollte deshalb nichts zu erraten suchen. - Es ist die erste und hoechste Pflicht jedes vernuenftigen Wesens, aus der Heiligen Schrift zu lernen, was Wahrheit ist, und dann in diesem Licht zu wandeln und andere zu ermutigen, ihrem Beispiel zu folgen. Wir sollten Tag fuer Tag fleissig in der Bibel forschen, jeden Gedanken waegen und Text mit Text vergleichen. Mit Gottes Hilfe muessen wir uns selbst unsere Meinungen bilden, da wir auch fuer uns selbst vor Gott Rechenschaft abzulegen haben.

 Die in der Bibel so eindeutig offenbarten Wahrheiten sind in Zweifel und Dunkelheit gehuellt worden von gelehrten Maennern, die unter der Vorspiegelung, grosser Weisheit zu besitzen, lehren, dass die Heilige Schrift eine mystische, geheimnisvolle, geistliche Bedeutung habe, die in der angewandten Sprache nicht ersichtlich sei. Diese Maenner sind falsche Lehrer. Solchen erklaerte Jesus: "Ihr irret darum dass ihr nichts wisset von der Schrift noch von der Kraft Gottes." (Mark. 12, 24) Die Sprache der Bibel sollte ihrer unverkennbaren Bedeutung gemaess erklaert werden, vorausgesetzt, dass nicht ein Symbol oder eine bildliche Rede gebraucht ist. Christus hat die Verheissung gegeben: "So jemand will des Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei." (Joh. 7, 17) Wenn die Menschen die Heilige Schrift nehmen wollten, wie sie wirklich lautet,

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wenn es keine falschen Lehrer gaebe, dann koennte eine Aufgabe erfuellt werden, die die Engel erfreute und Tausende und aber Tausende, die jetzt im Irrtum wandeln, zur wahren Herde Christi braechte.

 Wir sollten beim Studium der Bibel alle unsere Geisteskraefte anwenden und den Verstand anstrengen, die tiefen Dinge Gottes zu erfassen, soweit dies Sterblichen moeglich ist; doch duerfen wir nicht vergessen, dass die Fuegsamkeit und Unterwerfung eines Kindes der richtige Geist zum Lernern ist. Schwierigkeiten im Bibeltext koennen nie auf dieselbe Weise ueberwunden werden, die bei der Ergruendung philosophischer Fragen angewandt wird. wir duerfen uns nicht mit jenem Selbstvertrauen an das Studium der Bibel begeben, mit dem so viele das Gebiet der Wissenschaft betreten, sondern mit einem andaechtigen Vertrauen auf Gott und dem aufrichtigen Verlangen, seinen Willen zu erkennen. Wir muessen mit einem demuetigen und gelehrigen Geist kommen, um Erkenntnis von dem grossen Ich bin zu erlangen; sonst werden boese Engel unseren Verstand so verblenden und unsere Herzen so verhaerten, dass die Wahrheit keinen Eindruck mehr auf uns macht.

 Mancher Teil der Heiligen Schrift, den gelehrte Maenner als ein Geheimnis hinstellen oder als unwichtig uebergehen, ist voller Trost und Unterweisung fuer den, der in der Schule Christi gelehrt worden ist. Ein Grund dafuer, dass viele Theologen kein klareres Verstaendnis des Wortes Gottes haben, ist, dass sie vor den Wahrheiten, die sie nicht ausleben wollen, ihre Augen verschliessen. Ein Verstaendnis der Bibelwahrheiten haengt nicht so sehr von der Staerke des Urteilsvermoegens ab als von der Zielstrebigkeit seines Bemuehens, dem ernsten Verlangen nach Gerechtigkeit.

 Nie sollte die Bibel ohne Gebet studiert werden. Der Heilige Geist allein kann uns die Wahrheit der leichtverstaendlichen Teile einpraegen und uns von dem Verdrehen schwerverstaendlicher Wahrheiten abhalten. Durch den Dienst himmlischer Engel werden die Herzen zubereitet, Gottes Wort so zu verstehen, dass wir von dessen Schoenheit gefangen, durch seine Warnungen ermahnt oder durch die Verheissungen ermutigt und gestaerkt werden. Wir sollten des Psalmisten Bitte: "Oeffne mit die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz" (Ps. 119, 18) zu unserer eigenen machen. Die Versuchungen erscheinen oft unwiderstehlich,

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weil sich der Versuchte wegen der Vernachlaessigung des Gebets und des Studiums der Bibel nicht gleich der Verheissungen Gottes zu erinnern und Satan mit den biblischen Waffen entgegenzutreten vermag. Aber Engel lagern sich um diejenigen, die willig sind, sich in goettlichen Dingen belehren zu lassen, und werden sie in der Zeit grosser Not gerade an die Wahrheiten erinnern, deren sie beduerfen. Wenn der Widersacher kommen wird wie ein Strom, wird der Geist des Herrn das Panier gegen ihn aufrichten.

 Jesus verhiess seinen Juengern: "Aber der Troester, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe." (Joh. 14, 26) Aber die Lehren Christi muessen zuvor dem Gedaechtnis eingepraegt worden sein, damit Gottes Geist sie uns zur Zeit der Gefahr in Erinnerung bringen kann. David sagte: "Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, auf dass ich nicht wider dich suendige." (Ps. 119, 11)

 Alle, die ihr ewiges Heil schaetzen, sollten vor der Zweifelsucht auf der Hut sein. Die eigentlichen Grundpfeiler der Wahrheit werden angegriffen werden. Es ist unmoeglich, von den Spoetteleien, Spitzfindigkeiten und den truegerischen, hinterlistigen Lehren des modernen Unglaubens verschont zu bleiben. Satan passt seine Versuchungen allen Klassen an. Die Ungebildeten ueberfaellt er mit Gespoett oder Hohn, waehrend er den Gebildeten mit wissenschaftlichen Einwaenden und philosophischen Gedankengaengen gegenuebertritt, beides darauf berechnet, Misstrauen oder Geringschaetzung gegen die Heilige Schrift zu erwecken. Selbst die unerfahrene Jugend masst sich an, auf Zweifel an den wesentlichen Grundsaetzen des Christentums anzuspielen. Und dieser jugendliche Unglaube, oberflaechlich wie er ist, hat seinen Einfluss. Viele werden auf diese Weise dazu verleitet, ueber den Glauben ihrer Vaeter zu spotten und den Geist der Gnade zu schmaehen. (Hebr. 10. 29) Manches Leben, das verhiess, Gott zur Ehre und fuer die Welt zum Segen gelebt zu werden, ist durch den giftigen Hauch des Unglaubens verderbt worden. Alle, die den prahlerischen Schluessen menschlicher Vernunft vertrauen und sich einbilden, goettliche Geheimnisse erklaeren und ohne den Beistand der Weisheit Gottes zur Wahrheit gelangen zu koennen, sind in Satans Schlingen verstrickt.

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 Wir leben in dem ernstesten Abschnitt der Geschichte dieser Welt. Das Schicksal der auf der Erde geschaeftig dahintreibenden Menschenmassen steht im Begriff, entschieden zu werden. Unser eigenes zukuenftiges Wohl und auch das Heil anderer Seelen haengt davon ab, welchen Weg wir jetzt einschlagen. Wir beduerfen der Leitung des Geistes der Wahrheit. Jeder Nachfolger Christi muss ernstlich fragen: Herr, was willst du, dass ich tun soll? Wir muessen uns vor dem Herrn demuetigen mit Fasten und Beten und viel ueber sein Wort, besonders ueber die Gerichtsszenen, nachdenken. Es gilt jetzt nach einer tiefen und lebendigen Erfahrung in den goettlichen Dingen zu suchen. Wir haben keinen Augenblick zu verlieren. Rings um uns her geschehen Ereignisse von hoechster Wichtigkeit; wir befinden uns auf Satans bestrickendem Boden. Schlaft nicht, Waechter Gottes; der Feind lauert in der Naehe, stets bereit, euch anzufallen und euch zu seiner Beute zu machen, falls ihr matt und schlaefrig werdet.

 Viele befinden sich hinsichtlich ihrer wahren Lage vor Gott im Irrtum. Sie schaetzen sich gluecklich, dass sie gewisse boese Handlungen nicht begehen und vergessen die guten und edlen Taten, die Gott von ihnen verlangt, die sie jedoch unterlassen haben. Es genuegt nicht, dass sie Baeume im Garten Gottes sind. Sie muessen seinen Erwartungen entsprechen, indem sie Frucht tragen. Er macht sie verantwortlich fuer all das Gute, das sie durch seine sie staerkende Gnade haetten leisten koennen und nicht geleistet haben. In die Buecher des Himmels werden sie als solche eingetragen, die das Erdreich hindern. Doch selbst die Lage dieser Menschen ist nicht hoffnungslos. Fuer die, welche Gottes Barmherzigkeit geringgeachtet und seine Gnade missbraucht haben, fleht noch immer das Herz des langmuetigen Gottes der Liebe. Darum spricht er: " `Wache auf, der du schlaefst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.`So sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt... und kaufet die Zeit aus; denn es ist boese Zeit." (Eph. 5, 14 - 16)

 Wenn die Zeit der Pruefung kommt, werden die Menschen hervortreten, die Gottes Wort zu ihrer Lebensregel gemacht haben. Im Sommer erkennt man keinen wahrnehmbaren Unterschied zwischen den immergruenen Baeumen und den andern; wenn aber die Winterstuerme kommen, bleiben die immergruenen Baeume unveraendert, waehrend die

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andern ihren Blaetterschmuck verlieren. So mag der Scheinchrist jetzt von dem wahren Christen nicht zu unterscheiden sein; aber die Zeit ist nahe, da sich der Unterschied zeigen wird. Lasst erst Widerstand sich erheben, religioesen Fanatismus und Unduldsamkeit wiederum das Zepter fuehren und Verfolgung aufs neue einsetzen, dann werden die Halbherzigen und Heuchler wanken und ihren Glauben aufgeben; der wahre Christ aber wird feststehen wie ein Fels mit einem staerkeren Glauben, einer groesseren Hoffnung als in den Tagen des Wohlergehens.

 Der Psalmist sagt: "Deine Zeugnisse sind meine Rede... Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege." (Ps. 119, 99. 104)

 "Wohl dem Menschen, der Weisheit findet." "Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt und am Bach gewurzelt. Denn obgleich eine Hitze kommt, fuerchtet er sich doch nicht, sondern seine Blaetter bleiben gruen, und sorgt nicht, wenn ein duerres Jahr kommt, sondern er bringt ohne Aufhoeren Fruechte." (Spr. 3, 13; Jer. 17, 8)

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Anmerkungen

*S.597 (Zurueck)(BIBELVERBOT. - Siehe die Anmerkungen zu S. 343: "BIBELVERBOT IN DER LANDESSPRACHE" und zu S. 51.:"BIBELVERBOT". (Zurueck)