Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis
von Ellen G. White

"Ueberwindung und Endsieg der Gottgetreuen"

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Der kommende Kampf

Seit Beginn des grossen Streites im Himmel ist es Satans Plan, Gottes Gesetz umzustossen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er sich gegen den Schoepfer empoert; und obgleich er deshalb aus dem Himmel verstossen wurde, hat er denselben Kampf auf Erden fortgesetzt. Die Menschen zu taeuschen und sie zur Uebertretung des Gesetzes Gottes zu veranlassen, ist das Ziel, dem er beharrlich nachjagt. Ob dies nun erreicht wird, indem man das ganze Gesetz umstoesst oder nur eines seiner Gebote verwirft: die Folgen werden letzten Endes dieselben sein. Wer da "suendigt an einem", verachtet dadurch das ganze Gesetz; sein Einfluss sowie sein Beispiel stehen auf der Seite der Uebertretung; er wird es "ganz schuldig". (Jak. 2, 10)

Indem Satan die goettlichen Gebote veraechtlich zu machen suchte, hat er die Lehren der Bibel verfaelscht und dadurch Tausenden, die bekennen, sich an die Schrift zu halten, Irrtuemer in ihren Glauben gepflanzt. Der letzte grosse Kampf zwischen Wahrheit und Irrtums ist das entscheidende Ringen in dem langanhaltenden Streit ueber Gottes Gesetz. Wir sind jetzt im Begriff, diesen Kampf aufzunehmen: einen Kampf zwischen den Gesetzen der Menschen und den Geboten des Herrn, zwischen der Religion der Heiligen Schrift und der Religion der Fabeln und Ueberlieferungen.

Die Kraefte, die sich in diesem Streit gegen Wahrheit und Gerechtigkeit vereinen, sind nun an der Arbeit. Gottes heiliges Wort, das uns unter soviel Leiden und Blutvergiessen ueberliefert ist, wird nur wenig geschaetzt. Die Bibel ist allen erreichbar; aber nur wenige nehmen sie wirklich als Wegweiser zum Leben an. Der Unglaube nimmt in erschreckendem Masse ueberhand, nicht nur in der Welt, sondern auch in

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der Kirche. Viele verleugnen Lehren, die die eigentlichen Grundpfeiler des christlichen Glaubens sind. Die erhabenen Tatsachen der Schoepfung, wie sie von durch Gottes Geist geleiteten Schreibern dargestellt werden, der Fall des Menschen, die Versoehnung und die ewige Gueltigkeit des Gesetzes Gottes werden tatsaechlich von einem grossen Teil angeblicher Christen entweder ganz oder teilweise verworfen. Tausende, die sich mit ihrer Weisheit und Unabhaengigkeit bruesten, betrachten es als ein Zeichen der Schwaeche, unbedingtes Vertrauen in die Heilige Schrift zu setzen; sie halten es fuer einen Beweis der Ueberlegenheit und Gelehrsamkeit, die Heilige Schrift zu bekritteln und ihre wichtigsten Wahrheiten zu vergeistigen und zu entkraeften. Viele Prediger lehren ihre Gemeinden und viele Professoren und Lehrer unterweisen ihre Schueler, dass Gottes Gesetz veraendert oder aufgehoben worden sei und dass alle, die glauben, seine Anforderungen seien noch immer gueltig und muessten buchstaeblich beachtet werden, nur Spott und Schmach verdienen.

Durch die Verachtung der Wahrheit verwerfen die Menschen deren Urheber. Indem sie das Gesetz Gottes mit Fuessen treten, leugnen sie die Autoritaet des Gesetzgebers. Es ist ebenso leicht, sich einen Goetzen aus falschen Lehren und Theorien zu errichten, wie ein Goetzenbild aus Holz oder Stein zu formen. Durch Satans luegenhafte Darstellung der Eigenschaften Gottes machen sich die Menschen einen falschen Begriff vom Wesen ihres Schoepfers. Von vielen wird ein philosophischer Goetze an Stelle Gottes, des Allerhoechsten, auf den Thron erhoben, und der lebendige Gott, wie er in seinem Wort, in Christus und in seinen Schoepfungswerken offenbart ist, wird nur von wenigen verehrt. Tausende vergoettern die Natur, waehrend sie den Gott der Natur leugnen. Obwohl sich die Form gewandelt hat, so besteht doch der Goetzendienst in der heutigen christlichen Welt ebenso wirklich, wie er im alten Israel in den Tagen Elias ausgeuebt wurde. Der Gott vieler angeblich weiser Maenner, Philosophen, Dichter, Staatsmaenner, Journalisten, der Gott vornehmer Kreise, vieler Hochschulen und Universitaeten, ja sogar einiger theologischer Anstalten ist nicht viel besser als Baal, der Sonnengott der Phoenizier.

Kein von der christlichen Welt angenommener Irrtum stoesst kuehner gegen die Autoritaet des Himmels vor, keiner geht so unmittelbar gegen

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die Vernunft oder ist verderblicher in seinen Folgen als die so rasch um sich greifende Lehre der Neuzeit, dass das Gesetz Gottes fuer die Menschen nicht mehr bindend sei. Jedes Land hat seine Gesetze, die Achtung und Gehorsam gebieten; keine Regierung koennte ohne sie bestehen. Wie kann man sich vorstellen, dass der Schoepfer des Himmels und der Erde kein Gesetz habe, um die Geschoepfe zu regieren, die er erschaffen hat? Wie lange wuerden hervorragende Geistliche auf der Kanzel geduldet werden, falls sie lehrten, dass die Gesetze zum Schutz des Landes und der Rechte seiner Buerger nicht verbindlich seien, dass sie die Freiheit des Volkes einschraenkten und deshalb nicht befolgt werden sollten? Ist es jedoch ein schwereres Vergehen, die Gesetze von Staaten und Laendern zu missachten, als jene goettlichen Verordnungen mit Fuessen zu treten, die die sittliche Grundlage jeder Regierung sind?

Es waere eher verstaendlich, dass Staaten ihre Gesetze aufhoeben und den Menschen gestatteten, zu handeln wie es ihnen gefaellt, als das Gesetz des Herrschers der Welt zunichte zu machen und die Erde ohne einen Massstab zu lassen, um die Schuldigen verurteilen oder die Gehorsamen rechtfertigen zu koennen. Kennen wir die Folgen der Aufhebung des Gesetzes Gottes? Der Versuch ist gemacht worden. Schrecklich waren die in Frankreich sich abspielenden Vorgaenge, als der Atheismus zur herrschenden Macht wurde. Damals wurde der Welt gezeigt, dass die Beschraenkungen abzuschuetteln, die Gott auferlegt hat, nichts anderes heisst, als die Herrschaft der grausamsten Wueteriche anzunehmen. Wenn die Richtschnur der Gerechtigkeit beiseitegesetzt wird, steht dem Fuersten der Finsternis der Weg offen, seine Herrschaft auf Erden aufzurichten.

Wo die goettlichen Vorschriften verworfen werden, hoert die Suende auf suendhaft oder die Gerechtigkeit wuenschenswert zu erscheinen. Die sich weigern, der Herrschaft Gottes untertan zu sein, sind voellig unfaehig, sich selbst zu regieren. Durch ihre verderblichen Lehren pflanzen sie den Geist der Zuchtlosigkeit in die Herzen der Kinder und der Jugend, die von Natur aus Beschraenkungen nur mit Ungeduld ertragen, und ein gesetzloses, ungebaendigtes Verhalten der Gesellschaft ist die Folge. Waehrend viele ueber die Leichtglaeubigkeit jener spotten, die den Anforderungen Gottes gehorchen, nehmen sie bereitwillig die

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Taeuschungen Satans an. Sie lassen der Lust freien Lauf und begehen Suenden, die einst Strafgerichte ueber die Heiden gebracht haben.

Wer das Volk Gottes lehrt, die Gebote Gottes geringzuachten, saet Ungehorsam, um Ungehorsam zu ernten. Beseitigte man voellig die durch das goettliche Gesetz auferlegten Beschraenkungen, so wuerden alle menschlichen Gesetze bald missachtet werden. Weil Gott unehrbare Handlungen, Begierden, Luegen und Betrug verbietet, wollen die Menschen seine Verordnungen als ein Hindernis fuer ihr weltliches Wohlergehen mit Fuessen treten; aber die Folgen dieser Handlungsweise wuerden derartig sein, wie sie sie nicht erwarteten. Waere das Gesetz nicht bindend, warum sollte sich irgend jemand fuerchten, es zu uebertreten? Das Eigentum waere nicht mehr sicher. Die Menschen wuerden sich die Habe ihres Naechsten mit Gewalt aneignen, und die Staerksten wuerden die Reichsten werden. Selbst vor dem Leben haette man keine Ehrfurcht. Das Ehegeluebde saehe man nicht mehr als ein heiliges Bollwerk zum Schutz der Familie an. Wer die Macht haette, wuerde, falls ihn danach verlangte, seines Naechsten Weib mit Gewalt nehmen. Das fuenfte Gebot bliebe einschliesslich des vierten unbeachtet. Kinder wuerden nicht davor zurueckschrecken, ihre Eltern zu toeten, wenn sie dadurch das Verlangen ihres verderbten Herzens stillen koennten. Die gesittete Welt fuehrte sich auf wie eine Horde von Raeubern und Moerdern; und Friede, Ruhe und Glueck waeren von der Erde verbannt.

Die Lehre, dass die Menschen von dem Gehorsam gegen Gottes Forderungen entbunden seien, hat die Kraft der sittlichen Verpflichtung bereits geschwaecht und der Welt die Schleusen der Ungerechtigkeit geoeffnet. Gesetzlosigkeit, Verschwendung und Verderbtheit stroemen auf uns ein gleich einer ueberschwemmenden Flut. In der Familie ist Satan am Wirken. Sein Banner weht sogar in angeblich christlichen Haeusern. Man findet dort Neid, boese Mutmassungen, Heuchelei, Entfremdung, Zwietracht, Streit, Verrat des heiligen Vertrauens, Befriedigung sinnlicher Begierden. der ganze Bau religioeser Grundsaetze und Lehren, die die Grundlage und das Geruest des gesellschaftlichen Lebens bilden sollte, scheint ins Schwanken gekommen zu sein, bereit zu verfallen. Die gemeinsten Verbrecher, die wegen ihrer Vergehen ins Gefaengnis geworfen sind, werden oft mit Gaben und Aufmerksamkeit bedacht, als sei ihre Haft eine beneidenswerte Auszeichnung.

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Ihr Charakter und ihre Verbrechen werden in sensationeller Weise der Oeffentlichkeit zugaenglich gemacht. Die Presse veroeffentlicht die empoerenden Einzelheiten eines Verbrechens und weiht auf diese Weise andere in die Ausuebung von Betrug, Raeuberei und Mord ein, waehrend Satan ueber den Erfolg seiner hoellischen Anschlaege frohlockt. Das Liebaeugeln mit dem Laster, die leichtfertigen Mordtaten, die schreckliche Zunahme der Unmaessigkeit und Bosheit jeder Art und jeden Grades sollten alle Gottesfuerchtigen veranlassen zu forschen, was getan werden koennte, um der Flut des Uebels Einhalt zu gebieten.

Die Gerichtshoefe sind verderbt. Herrscher werden von dem Verlangen nach Gewinn und Liebe zu sinnlichen Vergnuegungen getrieben. Unmaessigkeit hat die Faehigkeiten vieler Menschen getruebt, so dass Satan eine nahezu vollstaendige Herrschaft ueber sie ausuebt. Rechtsgelehrte werden verfuehrt, bestochen, hintergangen. Trunksucht und Schwelgerei, Leidenschaft, Neid, Unehrlichkeit in jeder Weise werden von denen veruebt, die die Gesetze handhaben. "Das Recht ist zurueckgewichen und Gerechtigkeit fern getreten; denn die Wahrheit faellt auf der Gasse, und Recht kann nicht einhergehen." (Jes. 59, 14)

Die Bosheit und geistliche Finsternis, die unter der Oberherrschaft der roemischen Kirche ueberhandnehmen, sind die unausbleibliche Folge ihrer Unterdrueckung der Heiligen Schrift. Wo aber liegt die Ursache der weitverbreiteten Gottlosigkeit, der Verwerfung des Gesetzes Gottes und der daraus folgenden Verderbtheit unter dem vollen Licht des Evangeliums in einem Zeitalter religioeser Freiheit? Jetzt, da Satan die Welt nicht laenger unter seiner Herrschaft halten kann, indem er ihr die Heilige Schrift entzieht, nimmt er zu anderen Mitteln seine Zuflucht, um dasselbe Ziel zu erreichen. Den Glauben an die Bibel zu zerstoeren, dient seiner Absicht ebensosehr, als die Bibel selbst zu vernichten. Durch die Auffassung, dass Gottes Gesetze nicht bindend seien, bringt er die Menschen ebenso erfolgreich dahin, sie zu uebertreten, als wenn sie ueber deren Vorschriften ueberhaupt nichts wuessten. Auch gegenwaertig hat er, wie in frueheren Zeiten, durch die Kirche gewirkt, um seine Absichten zu foerdern. Religioese Gemeinhaften haben sich geweigert, auf die in der Heiligen Schrift deutlich vor Augen gefuehrten, beim Volke unbeliebten Wahrheiten zu achten. Indem sie diese

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bekaempfen, nehmen sie eine Auslegung an und behaupten einen Standpunkt, durch den der Samen des Unglaubens gesaet wird. Den paepstlichen Irrtum von der natuerlichen Unsterblichkeit und dem Bewusstseinszustand des Menschen im Tode festhaltend, haben sie die einzige Schutzwehr gegen die Taeuschungen des Spiritismus verworfen. Die Lehre von der ewigen Qual hat viele Menschen verleitet, die Aussagen der Heiligen Schrift anzuzweifeln. Und wenn die Ansprueche des vierten Gebotes dem Volk klargemacht werden und es zeigt sich, dass die Beachtung des Siebenten-Tag-Sabbats zur Pflicht gemacht wird, dann erklaeren viele volkstuemliche Lehrer als einzigen Ausweg, sich von einer Pflicht zu befreien, die sie nicht erfuellen wollen, dass Gottes Gesetz nicht mehr bindend sei. Auf diese Weise verwerfen sie beides zusammen, das Gesetz und den Sabbat. Wenn sich die Sabbatreform ausdehnt, wir die Verwerfung des goettlichen Gesetzes, um die Ansprueche des vierten Gebotes zu umgehen, nahezu allgemein ueblich werden. Die Lehren vantwortlicher religioeser Maenner haben dem Unglauben, dem Spiritismus und der Verachtung des heiligen Gesetzes Gottes die Tore geoeffnet. Auf diesen leitenden Maennern liegt eine furchtbare Verantwortung fuer die Gottlosigkeit, die in der christlichen Welt vorhanden ist.

Dennoch erhebt gerade diese selbe Gruppe die Behauptung, dass die schnell ueberhandnehmende Verderbnis grossenteils der Entheiligung des sogenannten "christlichen Sabbats" zuzuschreiben sei, und dass die strikte Durchfuehrung der Sonntagsfeier die Sitten des Volkes um vieles bessern wuerde. Diese Behauptung wird besonders in Amerika aufgestellt, wo die Lehre vom wahren Sabbat schon weit und breit gepredigt worden ist. Dort wird das Maessigkeitswerk, eine der hervorragendsten und wichtigsten aller sittlichen Reformen, oft mit der Sonntagsbewegung verbunden, und ihre Anhaenger treten auf, als wirkten sie fuer das hoechste Wohl der Gesellschaft; und alle, die sich weigern, sich mit ihnen zu verbinden, werden als Feinde der Maessigkeit und der Reform verschrien. Aber die Tatsache, dass mit einer an und fuer sich guten Massnahme eine Bewegung verbunden ist, die einen Irrtum verkuendigt, spricht nicht zu deren Gunsten. Wir koennen das Gift mit gesunder Nahrung vermischen und dadurch unkenntlich machen, aber auf die Weise veraendern wir seine Natur nicht. Im Gegenteil, es

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wird nur doch gefaehrlicher, da man es desto leichter unversehens nimmt. Es ist eine der Listen Satans, mit der Luege gerade so viel Wahrheit zu verbinden, damit sie glaubwuerdig erscheint. Die leitenden Maenner der Sonntagsbewegung moegen Reformen vertreten, die das Volk noetig hat, und Grundsaetze, die mit der Bibel uebereinstimmen; und doch koennen sich des Herrn Knechte nicht mit ihnen vereinen, weil damit eine Forderung verbunden ist, die dem Gesetz Gottes zuwiderlaeuft. Nichts kann die Beseitigung der Gebote Gottes zugunsten menschlicher Vorschriften rechtfertigen.

Durch die zwei grossen Irrtuemer, die Unsterblichkeit der Seele und die Heiligkeit des Sonntags, wird Satan das Volk unter seine Taeuschungen bringen. Waehrend jener den Grund fuer den Spiritismus legt, schafft dieser ein Band der Uebereinstimmung mit Rom. Die Protestanten der Vereinigten Staaten werden die ersten sein, die ihre Haende ueber den Abgrund ausstrecken, um die Hand des Spiritismus zu erfassen; sie werden ueber die Kluft hinueberreichen zum Handschlag mit der roemischen Macht, und unter dem Einfluss dieser dreifachen Verbindung wird jenes Land den Fusstapfen Roms folgen und die Gewissensrechte mit Fuessen treten.

Da sich der Spiritismus dem heutigen Namenschristentum anpasst, hat er groessere Macht, zu hintergehen und zu verstricken. Satan selbst hat sich zu der neuen Ordnung der Dinge bekehrt. Er wird als ein Engel des Lichts erscheinen. Durch die Wirksamkeit des Spiritismus werden Wunder geschehen; Kranke werden geheilt und viele unstreitig uebernatuerliche Taten vollbracht werden. Und da die Geister ihren Glauben an die Bibel beteuern und Achtung vor den Einrichtungen der Kirche bekunden, wird ihr Werk als eine Offenbarung goettlicher Macht angenommen werden.

Die Grenzlinie zwischen den bekennenden Christen und den Gottlosen ist gegenwaertig kaum erkennbar. Glieder der Kirche lieben, was die Welt liebt, und sind bereit, sich mit ihr zu vereinen. Satan ist fest entschlossen, sie zu einer Gemeinschaft zu verbinden und seine Sache dadurch zu staerken, dass er alle in die Reihen des Spiritismus treibt. Katholiken, die Wunder als ein Zeichen der wahren Kirche ansehen, werden durch diese Wunder wirkende Macht leicht getaeuscht werden; und Protestanten, die den Schild der Wahrheit von sich geworfen

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haben, werden ebenfalls hintergangen. Katholiken, Protestanten und Weltmenschen werden den Schein eines gottseligen Wesens annehmen, waehrend sie dessen Kraft verleugnen. Sie werden in dieser Vereinigung eine grosse Bewegung sehen, die die Welt bekehrt und die lang erwartete tausendjaehrige Regierung Christi ankuendigt.

Durch den Spiritismus erscheint Satan als Wohltaeter des Menschengeschlechts, indem er die Krankheiten des Volkes heilt und vorgibt, eine neue und erhabenere Religion einzufuehren; gleichzeitig aber wirkt er als Zerstoerer. Seine Versuchungen fuehren Scharen von Menschen ins Verderben. Die Unmaessigkeit entthront die Vernunft; sinnliche Befriedigung, Streit und Blutvergiessen folgen. Satan ergoetzt sich am Krieg; denn dieser erweckt die schlimmsten Leidenschaften der Seele und rafft dann seine in Laster und Blut untergetauchten Opfer hinweg in die Ewigkeit. Es ist daher Satans Absicht, die Voelker gegeneinander zum Krieg aufzuhetzen; denn auf diese Weise kann er die Gedanken der Menschen von den Vorbereitungen ablenken, die sie befaehigen wuerden, am Tage Gottes zu bestehen.

Satan wirkt auch durch die Elemente, um seine Ernte, die unvorbereiteten Seelen, einzusammeln. Er hat die Geheimnisse des Laboratoriums der Natur studiert, und er setzt seine ganze Macht darein, um die Elemente zu beherrschen, soweit Gott es zulaesst. Als es ihm gestattet war, Hiob heimzusuchen, da waren Herden, Knechte, Haeuser, Kinder schnell hinweggerafft, ein Unglueck folgte unmittelbar auf das andere. Gott behuetet seine Geschoepfe und bewahrt sie vor der Macht des Verderbens. Die christliche Welt hat das Gesetz des Herrn verachtet, und der Herr wird genau das tun, was er angekuendigt hat ausfuehren zu wollen: er wird der Erde seinen Segen entziehen und seinen fuersorgenden Schutz von denen nehmen, die sich gegen sein Gesetz empoeren und andere lehren und zwingen, dasselbe zu tun. Satan herrscht ueber alle, die nicht unter Gottes besonderem Schutz stehen. Er wird manche beguenstigen und foerdern, um seine eigenen Absichten voranzubringen; auf andere wird er Schwierigkeiten herabbeschwoeren und die Menscn glauben machen, es sei Gott, der sie peinige.

Waehrend er den Menschenkindern als ein grosser Arzt erscheint, der alle ihre Krankheiten heilen kann, wird er Gebrechen und Unheil bringen, bis volkreiche Staedte in Truemmer und Einoeden verwandelt

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sind. Gerade jetzt ist er am Wirken. In Unfaellen und Not zu Wasser und zu Lande, in grossen Feuersbruensten, in wuetenden Wirbelstuermen und schrecklichen Hagelwettern, in Orkanen, Ueberschwemmungen, Springfluten und Erdbeben, an allen Orten und in tausenderlei Gestalt uebt Satan seine Macht aus. Er fegt die reifende Ernte hinweg, und Hungersnot und Elend folgen. Er erfuellt die Luft mit einer toedlichen Seuche, und Tausende kommen durch Pestilenz um. Die Heimsuchungen werden immer haeufiger und unheilvoller werden. Das Verderben wird ueber Menschen wie ueber Tiere kommen. "Das Land steht jaemmerlich und verderbt... die Hoechsten des Volks... nehmen ab. Das Land ist entheiligt von seinen Einwohnern; denn sie uebertreten das Gesetz und aendern die Gebote und lassen fahren den ewigen Bund." (Jes. 24, 4. 5)

Alsdann wird der grosse Betrueger den Menschen einreden, dass diejenigen, die Gott dienen, diese Uebelstaende verursachen. Die Seelen, die das Missfallen des Himmels herausgefordert haben, werden all ihr Unglueck denen zur Last legen, deren Gehorsam gegen Gottes Gebote den Uebertretern ein bestaendiger Vorwurf ist. Man wird erklaeren, dass die Menschen durch die Missachtung der Sonntagsfeier Gott beleidigen, dass diese Suende ein Elend herbeigefuehrt habe, das nicht aufhoeren werde, bis man die Heiligung des Sonntags streng einschaerfe, und dass die, welche die Ansprueche des vierten Gebots aufrechterhalten und dadurch die Achtung vor dem Sonntag zugrunde richten, das Volk beschweren und seine Wiedereinsetzung in goettliche Gnade und zeitliches Wohlergehen verhindern. Auf diese Weise wird die einst gegen die Diener Gottes vorgebrachte Anklage, und zwar aus den gleichen Gruenden, wiederholt werden: "Und da Ahab Elia sah, sprach Ahab zu ihm: Bist du, der Israel verwirrt? Er aber sprach: Ich verwirre Israel nic, sondern du und deines Vaters Haus, damit dass ihr des Herrn Gebote verlassen habt und wandelt den Baalim nach." (1. Koen. 18, 17. 18) Wenn der Menschen Zorn durch falsche Anschuldigungen erregt sein wird, werden sie gegen die Gesandten Gottes aehnlich verfahren wie damals das abtruennige Israel gegen Elia.

Die Wunder wirkende, sich durch den Spiritismus offenbarende Macht wird ihren Einfluss gegen alle ausueben, die es vorziehen, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. In ihren Mitteilungen werden

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Geister erklaeren, dass Gott sie gesandt habe, um die Verwerfer des Sonntags ihres Irrtums zu ueberfuehren und zu bestaetigen, dass die Gesetze des Landes als Gottes Gesetze beachtet werden sollten. Sie werden die grosse Gottlosigkeit in der Welt beklagen und die Zeugnisse religioeser Lehrer unterstuetzen, dass die gesunkene Moral durch die Entheiligung des Sonntags verursacht werde. Tiefe Entruestung wird sich gegen alle jene erheben, die sich weigern, ihr Zeugnis anzunehmen.

Satans Handlungsweise gegenueber dem Volke Gottes in diesem letzten Kampf ist die gleiche, die er zu Beginn des grossen Streites im Himmel einschlug. Er gab vor, die Festigkeit der goettlichen Regierung foerdern zu wollen, waehrend er heimlich alle Anstrengung machte, sie zu stuerzen. Gerade das Werk, das er auf diese Weise durchzufuehren hoffte, legte er den treugebliebenenen Engeln zur Last. Unter der Herrschaft Roms wurden die Menschen, die ihre Treue zum Evangelium mit dem Leben bezahlen mussten. als Uebeltaeter gebrandmarkt; man erklaerte, sie seien mit Satan im Bunde, und wandte alle moeglichen Mittel an, sie mit Schmach zu ueberhaeufen, damit sie in den Augen des Volkes und sogar vor sich selbst als die gemeinsten Verbrecher erschienen. So wird es auch jetzt sein. Indem Satan danach trachtet, die Menschen umzubringen, die Gottes Gebote ehren, wird er veranlassen, dass sie als Uebertreter des Gesetzes angeklagt werden, als solche, die Gott entehren und seine schrecklichen Gerichte ueber die Welt bringe

Gott zwingt nie, weder den Willen noch das Gewissen; Satan hingegen nimmt, um jene in seine Gewalt zu bringen, die er auf keine andere Weise verfuehren kann, bestaendig seine Zuflucht zum Zwang durch Grausamkeit. Mit Furcht oder Gewalt bemueht er sich, das Gewissen zu beherrschen und Huldigungen fuer sich selbst zu gewinnen. Um dies durchzusetzen, wirkt er durch religioese und auch weltliche Maechte, die er antreibt, den menschlichen Verordnungen - Gottes Gesetz zum Trotz - gehorsam zu erzwingen.

Die den biblischen Sabbat ehren, werden verschrien werden als Feinde des Gesetzes und der Ordnung, die die sittlichen Schranken der Gesellschaft niederreissen, Anarchie und Verderbnis verursachen und Strafgerichte Gottes ueber die Erde hervorrufen. Ihre gewissenhaften

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Bedenken wird man als Eigensinn, Hartnaeckigkeit und Verachtung der Obrigkeit ansehen. Sie werden als Feinde der Regierung beschuldigt werden. Prediger, die die Verbindlichkeit des goettlichen Gesetzes leugnen, werden von der Kanzel herunter zu der Verpflichtung aufgerufen, den zivilen Behoerden, als von Gott eingesetzt, Gehorsam zu leisten. In gesetzgebenden Kreisen und an Gerichtshoefen werden die Menschen, die Gottes Gebote beachten, verleumdet und verurteilt werden. Ihre Worte wird man falsch deuten und ihren Handlungen die schlechtesten Beweggruende unterschieben.

Wenn die protestantischen Gemeinden die deutlichen, schriftgemaessen Beweise zur Verteidigung des Gesetzes Gottes verwerfen, werden sie danach verlangen, alle die zum Schweigen zu bringen, deren Glauben sie mit der Bibel nicht umstuerzen koennen. Obwohl sie die Augen der Tatsachen gegenueber verschliessen, schlagen sie dennoch ein Verfahren ein, das zur Verfolgung derer fuehren wird, die sich gewissenhaft weigern, dem nachzukommen, was die uebrige christliche Welt tut, und sie erkennen ihrerseits die Ansprueche des paepstlichen Sonntags an.

Die Wuerdentraeger der Kirche und des Staates werden sich vereinen, alle Menschen zu bestechen, zu ueberreden oder zu zwingen, den Sonntag zu ehren. Die mangelnden goettlichen Beweise werden durch gewalttaetige Forderungen ersetzt werden. Die politische Verderbtheit untergraebt die Liebe zur Gerechtigkeit und die Achtung vor der Wahrheit. Selbst im freien Amerika werden Beamte und Gesetzgeber dem Verlangen des Volkes nach einem Gesetz, das die Sonntagsfeier erzwingt, nachgeben, nur um sich die oeffentliche Gunst zu sichern. Die Gewissensfreiheit, die so grosse Opfer gekostet hat, wird nicht laenger geachtet werden. In dem bald kommenden Kaempfe werden uns die Worte des Propheten durch Taten veranschaulicht werden: "Und der Drache ward zornig ueber das Weib und ging hin, zu streiten mit den uebrigen von ihrem Samen, die da Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu Christi." (Offb. 12, 17)

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