Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis
von Ellen G. White

„Ueberwindung und Endsieg der Gottgetreuen”

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Bestrebungen des Papsttums

Die Protestanten stehen gegenwaertig den Erscheinungsformen der roemisch-katholischen Welt wohlwollender gegenueber als in den frueheren Jahren. In den Laendern, in denen der Katholizismus nicht im Zunehmen begriffen ist und die Paepstlichen eine versoehnliche Haltung einnehmen, um Einfluss zu gewinnen, herrscht eine wachsende Gleichgueltigkeit gegenueber den Lehren, die die protestantischen Kirchen von der paepstlichen Hierarchie trennen. Es setzt sich immer mehr die Ansicht durch, dass wir in den wichtigsten Punkten nicht so weit auseinandergehen, wie vermutet wurde, und dass uns ein geringes Zugestaendnis in ein besseres Verhaeltnis zu Rom bringen werde. Es gab eine Zeit, da die Protestanten hohen Wert auf die Gewissensfreiheit legten, die so teuer erkauft worden war. Sie lehrten ihre Kinder, das Papsttum zu verabscheuen und waren der Auffassung, dass es der Untreue gegen Gott gleichkaeme, nach Uebereinstimmung mit Rom zu streben. Wie weit weicht die Gesinnung davon ab, die sich heute kundtut.

Die Verteidiger des Papsttums erklaeren, dass ihre Kirche verleumdet worden sei; und die protestantische Welt ist geneigt, diese Erklaerung anzunehmen. Viele machen geltend, dass es ungerecht sei, die roemische Kirche der Neuzeit nach dem Greueln und Absurditaeten zu richten, die ihre Herrschaft waehrend der Jahrhunderte der Unwissenheit und der Finsternis kennzeichneten. Sie entschuldigen ihre entsetzliche Grausamkeit mit der Roheit der Zeiten und behaupten, dass die Einfluesse der modernen Kultur ihre Gesinnung gewandelt haetten.

Haben diese Menschen den Anspruch auf Unfehlbarkeit vergessen, der 800 Jahre lang von dieser anmassenden Macht geltend gemacht wurde? Weit davon entfernt, diesen Anspruch fahren zu lassen, wurde er im 19. Jahrhundert mit groesserer Bestimmtheit bestaetigt als je zuvor.

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Wenn Rom behauptet, dass die Kirche nie geirrt habe und auf Grund der Heiligen Schrift nie irren werde, (Mosheim, „Institutiones historiae ecclesiasticae”, 3. Buch, 11. Jhdt., 2. Abschnitt, Sek. 9, Anm.: Dictates Hildebrandi) wie kann es sich dann von den Grundsaetzen lossagen, die in vergangenen Zeiten sein Verhalten bestimmten?

Die paepstliche Kirche wird ihren Anspruch auf Unfehlbarkeit (*) nie aufgeben. Sie besteht darauf, in allem, was sie bei den Verfolgungen derer, die ihre Glaubenssaetze verwarfen, getan hat, recht gehandelt zu haben; und wuerde sie nicht die gleichen Taten wiederholen, falls sich Gelegenheit dazu bieten sollte? Beseitigte man die jetzt von weltlichen Maechten auferlegten Schranken und setzte man Rom wieder in seine fruehere Machtstellung ein, dann wuerde sich sofort eine Wiederbelebung seiner Gewaltherrschaft und Verfolgung zeigen.

Ein bekannter Geschichtsschreiber aeussert sich ueber die Haltung der paepstlichen Priesterherrschaft zu der Gewissensfreiheit und den Gefahren, die ganz besonders den Vereinigten Staaten drohen, wenn sie ihre Plaene durchsetzen kann:

„Es gibt viele, die geneigt sind, irgendwelche Furcht vor dem roemischen Katholizismus in den Vereinigten Staaten als engherzig oder kindisch hinzustellen. Sie sehen eben in dem Charakter und der Stellung der roemisch-katholischen Erscheinungswelt nichts, was unseren freien Einrichtungen gegenueber feindlich ist, oder finden nichts Unheilverkuendendes in ihrem Wachstum. Wir wollen deshalb zuerst etliche der Grundregeln unserer Regierung mit denen der katholischen Kirche vergleichen.

Die Verfassung der Vereinigten Staaten sichert Gewissensfreiheit zu. Nichts ist teurer oder wesentlicher. Papst Pius IX. sagte in seiner Enzyklika vom 15. August 1854: ‘Die abgeschmackten und irrigen Lehren oder Faseleien zur Verteidigung der Gewissensfreiheit sind ein ausserordentlich verderblicher Irrtum - eine Pest, die vor allem andern in einem Staat am meisten zu fuerchten ist.’ Derselbe Papst spricht in seiner Enzyklika vom 8. Dezember 1864 den Bannfluch aus ueber ‘diejenigen, die die Freiheit des Gewissens und des Glaubens behaupten’, wie auch ueber ‘alle solche, die darauf bestehen, dass die Kirche nicht Gewalt ueben duerfe’.

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Der friedfertige Ton Roms in den Vereinigten Staaten schliesst keineswegs eine Sinnesaenderung in sich. Es ist duldsam, wo es ohne Hilfe ist. Bischof O'Connor sagte. ‘Die Religionsfreiheit wird nur geduldet, bis das Gegenteil durchgesetzt werden kann, ohne die katholische Welt zu gefaehrden’... Der Erzbischof von St. Louis sagte bei einer Gelegenheit: ‘Ketzerei und Unglaube sind Verbrechen; und in christlichen Laendern, wie zum Beispiel in Italien und Spanien, wo die ganze Bevoelkerung katholisch ist und wo die katholische Religion einen wesentlichen Teil der Landesgesetze bildet, werden sie wie andere Verbrechen bestraft’...

Jeder Kardinal, Erzbischof und Bischof in der katholischen Kirche legt dem Papst den Treueid ab, der u.a. folgende Worte enthaelt: ‘Ketzer, Schismatiker und Rebellen wider unseren besagten Herrn (den Papst) oder seine vorerwaehnten Nachfolger, will ich nach Kraeften verfolgen und mich ihnen aufs aeusserste widersetzen.’” (Strong, „Our Country”, Kap. 6, 1.-3. Abschnitt)

Allerdings gibt es auch echte Christen in der roemisch-katholischen Gemeinschaft. Tausende dienen Gott nach der besten Erkenntnis, die sie besitzen. Ihnen ist der Zugang zu seinem Wort (*) nicht gestattet, und deshalb koennen sie die Wahrheit nicht erkennen.

Sie haben nie den Unterschied zwischen einem lebendigen Herzensdienst und einer Reihe blosser Formen und Zeremonien gesehen. Gott sieht mit zaertlichem Erbarmen auf diese Seelen, die in einem truegerischen und unbefriedigenden Glauben erzogen worden sind, und er wird es so fuehren, dass Lichtstrahlen die dichte Finsternis durchdringen, die sie umgibt. Er wird ihnen die Wahrheit, wie sie in Jesus ist, offenbaren, und viele werden sich noch zu seinem Volk bekennen.

Der Katholizismus als Religionssystem stimmt heute nicht mehr als zu irgendeiner frueheren Zeit seiner Geschichte mit dem Evangelium Christi ueberein. Die protestantischen Kirchen befinden sich in grosser Finsternis, sonst wuerden sie die Zeichen der Zeit wahrnehmen. Die roemische Kirche ist weitblickend in ihren Plaenen und in der Art ihres Wirkens. Sie bedient sich jeder List, um ihren Einfluss auszudehnen und ihre Macht zu mehren. Sie bereitet sich auf einen grimmigen und entschlossenen Kampf vor, um die Herrschaft der Welt wiederzugewinnen und alles zu vernichten, was der Protestantismus geschaffen

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hat. Der Katholizismus gewinnt ueberall Boden. Man sehe auf die wachsende Zahl seiner Kirchen und Kapellen in protestantischen Laendern und betrachte die Volkstuemlichkeit seiner von den Protestanten in so grosser Zahl besuchten Hochschulen und Seminare in Amerika. Man achte auf das Wachstum des Ritualismus in England und die haeufigen Uebertritte zum Katholizismus. Diese Dinge sollten die Besorgnis aller erregen, die die reinen Grundsaetze des Evangeliums wertschaetzen.

Die Protestanten haben sich mit dem Papsttum eingelassen und es beguenstigt; sie haben Vertraege und Zugestaendnisse gemacht, die selbst die Katholiken ueberraschten und die diese nicht verstehen konnten. Die Menschen verschliessen sich dem wahren Charakter der roemischen Kirche und den Gefahren, die von ihrer Oberherrschaft zu befuerchten sind. Sie muessen aufgeruettelt werden, um dem Vordringen dieses so sehr gefaehrlichen Feindes der buergerlichen und religioesen Freiheit zu widerstehen.

Viele Protestanten nehmen an, die katholische Religion sei reizlos und ihr Gottesdienst eine schale, bedeutungslose Aneinanderreihung von Zeremonien. Hierin irren sie. Der Gottesdienst der roemischen Kirche ist ein sehr eindrucksvoller Vorgang. Die glaenzende Prachtentfaltung und die feierlichen Gebraeuche bezaubern die Sinne des Volkes und bringen die Stimme der Vernunft und des Gewissens zum Schweigen. Das Auge ist entzueckt. Prachtvolle Kirchen, grossartige Festzuege, goldene Altaere, mit Juwelen verzierte Reliquienschreine, auserlesene Gemaelde und kostbare Skulpturen fesseln den Schoenheitssinn. Auch das Ohr wird angesprochen. Die Musik ist unuebertroffen. Wenn die vollen Klaenge der feierlich toenenden Orgel, vermischt mit dem Gesang vieler Stimmen, durch die hohen Kuppeln und saeulenreichen Chorgaenge der grossartigen Kathedralen schwellen, muessen sie unfehlbar die Gemueter mit Ehrfurcht und heiliger Scheu erfuellen.

Dieser aeusserliche Glanz, dies Gepraenge und diese Zeremonien sind ein Beweis ihrer inneren Verderbnis. Christi Religion bedarf zu ihrer Empfehlung solcher Reize nicht. In dem vom Kreuz ausstrahlenden Licht erscheint das Christentum so rein und lieblich, dass keine aeusserlichen Zierden seinen echten Wert vergroessern koennen. Nur der heilige Schmuck eines sanftmuetigen und stillen Geistes hat bei Gott Wert.

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Ein glanzvoller Stil ist nicht notwendigerweise ein Ausdruck reiner, erhabener Gedanken. Eine hohe Auffassung von der Kunst und ein sehr kultivierter Geschmack finden sich haeufig in einem irdischen und sinnlichen Gemuet. Sie werden oft von Satan benutzt, damit die Menschen die Beduerfnisse ihrer Seele vergessen, die Zukunft und das ewige Leben aus den Augen verlieren, sich von ihrem allmaechtigen Helfer abwenden und ausschliesslich fuer diese Welt leben.

Eine Religion der Aeusserlichkeiten ist fuer das nicht erneuerte Herz anziehend. Das Gepraenge und die Zeremonien der katholischen Kirche haben eine verfuehrerische, bestrickende Kraft, durch die viele getaeuscht werden, und zwar so sehr, dass sie die katholische Kirche als das wirkliche Tor zum Himmel ansehen. Nur solche, die ihre Fuesse fest auf den Grund der Wahrheit gestellt haben und deren Herzen durch den Geist Gottes erneuert sind, werden gegen ihren Einfluss gesichert sein. Tausende, die keine lebendige Erfahrung mit Christus gemacht haben, werden dahin gefuehrt, dass sie den Schein der Gottseligkeit ohne die Kraft annehmen. Gerade eine solche Religion wuenschen sich die meisten.

Durch den Anspruch der Kirche auf das Recht zur Suendenvergebung fuehlt sich der Katholik berechtigt, zu suendigen, und die Einrichtung der Beichte, ohne die sie keine Vergebung gewaehrt, fuehrt dahin, dem Boesen Spielraum zu geben. Wer vor einem sterblichen Menschen kniet und ihm beichtend die geheimen Gedanken und Triebe seines Herzens erschliesst, erniedrigt seine Menschenwuerde und setzt alle edlen Regungen seines Herzens herab. Wer seine Suenden vor einem Priester enthuellt - einem irrenden, suendigen Sterblichen, der nur zu oft durch Wein und Ausschweifung verdorben ist -, dessen rechtes Mass fuer den Charakter ist herabgewuerdigt und der selbst infolgedessen verunreinigt. Seine Vorstellung von Gott wird zum Abbild der gefallenen Menschheit erniedrigt; denn der Priester gilt als Vertreter Gottes. Dieses erniedrigende Bekenntnis von Mensch zu Mensch ist die geheime Quelle, aus der viel Boeses geflossen ist, das die Welt verderbt hat und sie zur endgueltigen Vernichtung fuehren wird. Doch ist es dem, der gegen sich selbst nachsichtig ist, angenehmer, einem Mitmenschen zu beichten, als sein Herz vor Gott zu offenbaren; es sagt der menschlichen Natur mehr zu, Busse zu tun, als der Suende zu entsagen. Es ist leichter,

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den Koerper in Sacktuch mit Brennesseln und einschneidenden Ketten zu kasteien, als die fleischlichen Lueste zu kreuzigen. Schwer ist das Joch, welches das fleischliche Herz lieber traegt, als dass es sich unter das Joch Christi beugte.

Es besteht eine ueberraschende Aehnlichkeit zwischen der roemisch-katholischen Kirche und der juedischen Gemeinde zur Zeit Christi. Waehrend die Juden insgeheim die Grundsaetze des Gesetzes Gottes mit Fuessen traten, achteten sie nach aussen hin streng auf die Einhaltung dieser Verordnungen, die sie mit hohen Anforderungen und mit Ueberlieferungen beschwerten, die ihre Befolgung peinigend und laestig machten. Wie die Juden vorgaben, das Gesetz zu ehren, so behauptet die roemische Kirche, das Kreuz zu verherrliche. Sie erhoeht das Symbol der Leiden Christi, waehrend sie den, den es darstellt, in der Praxis verleugnet.

Die Katholiken bringen auf ihren Kirchen, Altaeren und Gewaendern Kreuze an, Ueberall sieht man das Zeichen des Kreuzes, ueberall wird es nach aussen hin verehrt und erhoeht. Aber die Lehren Christi sind unter einer Fuelle sinnloser Ueberlieferungen, falscher Auslegung und strenger Vorschriften begraben. Des Heilandes Worte ueber die verblendeten Juden passen noch viel besser auf die Wuerdentraeger der roemisch-katholischen Kirche: „Sie binden aber schwere und unertraegliche Buerden und legen sie den Menschen auf den Hals; aber sie selbst wollen dieselben nicht mit einem Finger regen.” Gewissenhafte Menschen werden staendig in Schrecken und Furcht vor dem Zorn eines beleidigten Gottes gehalten, waehrend viele Wuerdentraeger der Kirche in Luxus und Vergnuegen leben.

Um den Untergang der Menschen zu erreichen, will Satan ihre Aufmerksamkeit von Christus abwenden, der allein sie erloesen kann. Er bietet allen moeglichen Ersatz fuer den, der gesagt hat. „Kommet her zu mir alle, die ihr muehselig und beladen seid; ich will euch erquicken.”

Es ist Satans bestaendiges Bemuehen, das Wesen Gottes, die Natur der Suende und den wahren Ausgang des grossen Kampfes verkehrt darzustellen. Seine Trugschluesse verringern die Verpflichtung gegen das goettliche Gesetz und gestatten den Menschen zu suendigen. Gleichzeitig floesst er ihnen falsche Vorstellungen von Gott ein, so dass sie eher mit Furcht und Hass denn mit Liebe zu ihm aufblicken. Die seinem eigenen

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Charakter anhaftende Grausamkeit schreibt er dem Schoepfer zu; sie ist in den Religionssystemen verkoerpert und findet Ausdruck in den Gebraeuchen des Gottesdienstes. So werden die Gemueter der Menschen verblendet, und Satan sichert sie sich als seine Werkzeuge, um Gott zu bekaempfen. Durch verkehrte Vorstellungen vom goettlichen Wesen wurden heidnische Voelker zu der Annahme verleitet, menschliche Opfer seien notwendig, um sich die Gunst Gottes zu sichern; und fuerchterliche Grausamkeiten wurden unter den verschiedensten Formen der Abgoetterei veruebt.

Die roemisch-katholische Kirche, die die Braeuche des Heidentums mit denen des Christentums vereinigte, und gleich dem Heidentum das Wesen Gottes entstellte, hat zu nicht weniger grausamen und empoerenden Gewohnheiten (*) Zuflucht genommen. In den Tagen der Oberherrschaft Roms gab es Folterwerkzeuge, mit denen es die Annahme seiner Lehren erzwang. Es gab den Scheiterhaufen fuer die, die dem Anspruch Roms nicht nachgeben wollten. Blutbaeder wurden in einem solchen Umfang veruebt, der erst im Juengsten Gericht offenbar werden wird. Wuerdentraeger der Kirche ersannen, beeinflusst von dem Geist Satans, Mittel, die die groesstmoeglichen Qualen verursachten, ohne doch dabei ihr Opfer zu toeten. In vielen Faellen wurde dieses teuflische Verfahren bis zu aeussersten Grenze des fuer Menschen noch Ertraeglichen wiederholt, bis die Natur den Kampf aufgab und der Leidende den Tod als angenehme Befreiung begruesste.

So gestaltete sich das Schicksal der Gegner Roms. Fuer seine Anhaenger hatte es das Zuchtmittel der Geissel, des Hungers und der koerperlichen Kasteiung in jeder nur denkbaren, das Herz kraenkenden Form. Um sich die Gunst des Himmels zu sichern, verletzten die Buessenden die Gebote Gottes, indem sie die Naturgesetze uebertraten. Sie wurden gelehrt, das Band zu zerschneiden, das Er eingesetzt hatte, um des Menschen irdischen Aufenthalt zu segnen und zu erheitern. Die Friedhoefe bergen Millionen von Opfern, die ihr Leben mit fruchtlosen Bemuehungen verbrachten, ihre natuerlichen Neigungen zu unterdruecken und jeden Gedanken und jedes Mitgefuehl fuer ihre Mitmenschen - als beleidigend fuer Gott - zurueckzudraengen.

Wir koennen aus dem Leben Christi keine Beispiele anfuehren, dass Maenner und Frauen sich in Kloester einschliessen sollen, um sich auf

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den Himmel vorzubereiten. Er hat nie gelehrt, dass Liebe und Mitgefuehl unterdrueckt werden muessen. Das Herz des Heilandes floss von Liebe ueber. Je mehr sich der Mensch der sittlichen Vollkommenheit naehert, desto schaerfer sind seine Empfindungen, desto genauer nimmt er die Suende wahr, und desto mehr fuehlt er mit den Leidenden. Der Papst behauptet zwar, der Stellvertreter Christi zu sein; aber wie haelt sein Tun einen Vergleich aus mit dem unseres Heilandes? Hat Christus jemals Menschen dem Gefaengnis oder der Folter ueberliefert, weil sie ihm als dem Koenig des Himmels keine Huldigung erwiesen? Hat er seine Stimme erhoben, um die zum Tode zu verurteilen, die ihn nicht annahmen? Als die Bewohner eines samaritischen Dorfes seiner nicht achteten, entruestete sich der Apostel Johannes und sagte: „Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elia tat!” Jesus blickte mitleidig auf den Juenger; dessen Haerte tadelnd, sagte er: „Der Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten.” (Luk, 9, 54, 56) Wie grundverschieden von der durch Christus bekundeten Haltung ist die seines angeblichen Stellvertreters!

Die roemische Kirche bietet heute der Welt ein aeusseres Bild der Sauberkeit, indem sie ueber ihren Bericht schrecklicher Grausamkeit einen Mantel von Entschuldigungen breitet. Sie hat sich wohl in christlicher Gewaender gehuellte; in ihrem Wesen jedoch ist sie unveraendert. Jeder Grundsatz des Papsttums, der in vergangenen Jahrhunderten Geltung hatte, ist auch heute noch gueltig. Die in finstersten Zeiten erlassenen Verordnungen und Lehren werden noch immer aufrechterhalten. Es taeusche sich niemand! Das Papsttum, dem die Protestanten jetzt die Anerkennung nicht versagen wollen, ist das gleiche, (*) das zur Zeit der Reformation die Welt beherrschte, als Maenner Gottes unter Einsatz ihres Lebens aufstanden, um die Bosheit der roemischen-katholischen Kirche blosszustellen. Es besitzt den gleichen Stolz, die gleiche hochmuetige Anmassung, die es sich ueber Koenige und Fuersten erheben liess und die die Vorrechte Gottes beanspruchte. Sein Geist ist jetzt nicht weniger grausam und willkuerlich als zu der Zeit, da es die menschliche Freiheit niederwarf und die Heiligen des Allerhoechsten erschlug.

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Auf das Papsttum trifft genau das von der Prophezeiung gebrauchte Bild zu von dem „Abfall, der da kommen soll”. Es gehoert zu seinem diplomatischen Geschick, immer den Charakter anzunehmen, der am besten seinen Absichten dient. „Wir sind nicht gebunden, den Ketzern Treue und Glauben zu halten”, erklaert die roemische Kirche. Soll nun diese Macht, deren Geschichte waehrend eines Jahrtausends mit dem Blut der Heiligen geschrieben wurde, zur Gemeinde Christi gerechnet werden?

Nicht ohne Grund ist in protestantischen Laendern die Behauptung aufgestellt worden, der Katholizismus unterscheide sich nicht mehr so sehr vom Protestantismus wie in frueheren Zeiten. Wohl hat sich manches geaendert, aber nicht das Papsttum. Der Katholizismus aehnelt in der Tat dem heutigen Protestantismus, weil dieser seit den Tagen der Reformation sehr entartet ist.

Indem die protestantischen Kirchen die Gunst der Welt gesucht haben, hat falsche Naechstenliebe ihre Augen verblendet. Sie koennen nicht einsehen, warum es unrecht sein sollte, von allem Boesen Gutes zu denken; und als unausbleibliche Folge werden sie schliesslich Boeses von allem Guten glauben. Anstatt den einst den Heiligen uebergebenen Glauben zu verteidigen, entschuldigen sie sich nun sozusagen bei Rom wegen ihrer lieblosen Beurteilung dieses Glaubens und bitten darum, ihren blinden Eifer zu verzeihen.

Viele von denen, die der roemisch-katholischen Erscheinungswelt nicht wohlwollend gegenueberstehen, fuerchten nichts von deren Machteinfluss. Sie machen geltend, dass die geistige und sittliche Finsternis, die waehrend des Mittelalters herrschte, die Ausbreitung ihrer Glaubenssaetze, ihres Aberglaubens und ihrer Unterdrueckungen beguenstigte, und dass die Einsichten der Neuzeit, die allgemeine Verbreitung des Wissens und die zunehmende Freiheit in Glaubensdingen ein Wiederaufleben von Unduldsamkeit und Tyrannei unmoeglich machen.

Schon der Gedanke, dass ein solcher Zustand bestehen koenne, wir verlacht. Es ist wahr, dass unserem Geschlecht grosse geistige, sittliche und religioese Erkenntnisse aufgingen. Aus dem frei erschlossenen heiligen Wort Gottes hat sich himmlisches Licht ueber die Welt ergossen. Man sollte aber bedenken, dass je groesser das gewaehrte Licht, desto dunkler auch die Finsternis derer ist, die es verdrehen oder verwerfen.

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Ein Studium der Heiligen Schrift unter Gebet wuerde den Protestanten den wahren Charakter des Papsttums zeigen; aber viele sind nach ihrer eigenen Meinung so weise, dass sie nicht das Beduerfnis haben, Gott demuetig zu suchen, um in die Wahrheit geleitet zu werden. Obwohl sie sich mit ihrer Erleuchtung bruesten, wissen sie weder etwas von der Heiligen Schrift noch von der Kraft Gottes. Sie muessen irgendein Mittel haben, um ihr Gewissen zu beruhigen; und sie suchen das, was am wenigsten geistlich und demuetigend ist. Sie moechten gern Gott vergessen, aber in einer Weise, dass es scheint, als gedaechten sie seiner. Das Papsttum kann den Beduerfnissen dieser Menschen entsprechen. Es hat sich auf zwei Klassen der Menschheit eingestellt; und diese umfassen beinahe die ganze Erde: diejenigen, die durch ihre eigenen Verdienste gerettet werden moechten, und jene, die in ihren Suenden gerettet werden wollen. Hier liegt das Geheimnis seiner Macht.

Es hat sich erwiesen, dass eine Zeit tiefer geistiger Finsternis dem Erfolg des Papsttums guenstig ist, und es wird sich noch zeigen, dass eine Zeit grossen geistigen Lichtes sein Gedeihen nicht minder foerdert. In vergangenen Zeiten, als die Menschen ohne Gottes Wort und ohne die Erkenntnis der Wahrheit lebten, wurden ihre Augen verblendet und Tausende gefesselt, weil sie das Netz nicht sahen, das fuer ihre Fuesse gelegt war. In diesem Geschlecht gibt es viele, deren Augen durch den Glanz menschlicher Spekulationen, faelschlich „Wissenschaft” genannt, geblendet werden, so dass sie das Netz nicht wahrnehmen und so bereitwillig hineinlaufen, als waeren ihre Augen verbunden. Gott beabsichtigte dass der menschliche Verstand als eine Gabe seines Schoepfers betrachtet und im Dienst der Wahrheit und Gerechtigkeit eingesetzt werden sollte; wenn aber Stolz und Ehrgeiz gepflegt werden, wenn Menschen ihre eigenen Ansichten ueber das Wort Gottes erheben, dann kann der Verstand groesseren Schaden anrichten als die Unwissenheit. So wird die falsche Wissenschaft der gegenwaertigen Zeit, die den Glauben an die Heilige Schrift untergraebt, ebenso wirksam helfen, der Annahme des Papsttums mit seinen einnehmenden Gebraeuchen den Weg zu bereiten, wie im Mittelalter das Vorenthalten von Erkenntnissen zu seiner Erhoehung beitrug.

Bei den in den Vereinigten Staaten vor sich gehenden Massnahmen, fuer die Einrichtungen und Gebraeuche der Kirche die Unterstuetzung

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des Staates zu erlangen, folgen die Protestanten in den Fusstapfen der Katholiken. Ja, noch mehr, sie oeffnen dem Papsttum die Tore, damit es im protestantischen Amerika die Oberherrschaft gewinne, die es in der Alten Welt verloren hat. (*)

Was dieser Bewegung groessere Bedeutung gibt, ist die Tatsache, dass der beabsichtigte Hauptzweck die Durchsetzung der Sonntagsfeier ist - einer Gewohnheit, die in Rom ihren Ursprung hat, und die, wie es geltend macht, ein Zeichen seiner Macht ist. Es ist der Geist des Papsttums - der Geist der Uebereinstimmung mit weltlichen Sitten, die Verehrung menschlicher Ueberlieferungen statt der Gebote Gottes -, der die protestantischen Kirchen durchdringt und sie dahin fuehrt, den Sonntag zu erheben, wie es das Papsttum vor ihnen getan hat.

Will der Leser die in dem bald anbrechenden Kampf wirkenden Kraefte verstehen so braucht er nur den Bericht ueber die Mittel und Wege zu verfolgen, die Rom in der Vergangenheit fuer das gleiche Ziel angewandt hat. Moechte er wissen, wie Katholiken und Protestanten gemeinsam jene behandeln werden , die ihre Glaubenssaetze verwerfen, dann achte er auf den Geist, den Rom gegen den Sabbat und dessen Verteidiger bekundet hat.

Kaiserliche Erlasse, allgemeine Konzilien und Kirchenverordnungen, unterstuetzt von weltlicher Macht, waren die Stufen, auf denen der heidnische Festtag zu seiner Ehrenstellung in der christlichen Welt emporstieg. Die erste oeffentliche Massnahme, die die Sonntagsfeier erzwang, war das von Konstantin erlassene Gesetz. (*)

Dieses Gesetz verlangte von der Stadtbevoelkerung, am „ehrwuerdigen Tag der Sonne” zu ruhen, gestattete jedoch der Landbevoelkerung, ihre landwirtschaftliche Arbeit fortzusetzen. Obgleich dies eine im Grunde genommen heidnische Verordnung war, so wurde sie doch vom Kaiser durchgefuehrt, nachdem er angeblich das Christentum angenommen hatte.

Da sich der kaiserliche Befehl nicht als genuegendes Ersatzmittel fuer die goettliche Autoritaet erwies, stellte Eusebius, ein Bischof, der die Gunst der Fuersten suchte und ein besonderer Freund und Schmeichler Konstantins war, die Behauptung auf, dass Christus den Sabbat auf den Sonntag verlegt habe. Kein einziges Zeugnis der Schrift wurde als beweis fuer die neue Lehre angefuehrt. Selbst Eusebius bekannte offen, dass sie falsch waere, und wies auf den wirklichen Urheber dieser Veraenderung

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hin, indem er sagte: „Alles, was man am Sabbat zu tun verpflichtet war, haben wir auf den Tag des Herrn uebertragen.” (Cox, „Sabbath Laws and Sabbath Duties”, S. 538; Conradi, „Geschichte des Sabbats”, S. 366, (s. dazu auch das Apostolische Schreiben von JPII, “Dies Domini”, vom 31.Mai 1998)) Aber so unbegruendet die Einsetzung des Sonntags auch war, diente sie doch dazu, die Menschen zu ermutigen, den Sabbat des Herrn mit Fuessen zu treten. Alle, die von der Welt geehrt werden wollten, nahmen den volkstuemlichen Festtag an.

Mit der festeren Verwurzelung des Papsttums buergerte sich auch die Erhoehung des Sonntags ein. Eine Zeitlang befassten sich die Leute mit landwirtschaftlichen Arbeiten, wenn sie nicht die Kirche besuchten, waehrend der siebente Tag noch immer als Sabbat betrachtet wurde. Langsam aber sicher trat eine Aenderung ein. Allen, die kirchliche Aemter bekleideten, wurde es untersagt, am Sonntag ueber zivile Streitigkeiten zu verhandeln. Bald darauf erging das Gebot, dass alle Menschen, gleich welchen Standes - bei Geldstrafe fuer die Freien und Rutenstreichen fuer die Dienenden -, sich am Sonntag gewoehnlicher Arbeit zu enthalten haetten. Spaeter wurde angeordnet, Reiche mit dem Verlust der Haelfte ihres Vermoegens zu bestrafen und schliesslich, falls sie sich noch immer widersetzlich zeigten, sie zu Sklaven zu machen. Die Angehoerigen niederer Klassen aber sollte lebenslaengliche Verbannung treffen.

Angebliche Wunderzeichen wurden vorgebracht. Unter anderem wurde berichtet, dass ein Landmann, der im Begriff stand, am Sonntag sein Feld zu pfluegen, vorerst den Pflug mit einem Eisen reinigte, wobei das Eisen fest in seiner Hand steckenblieb und er es zwei Jahre lang „unter grossen Schmerzen und zu seiner Schande” (West, „Historical and Practical Discourse on the Lord’s Day”, S. 174) mit sich herumtragen musste.

Spaeter gab der Papst Anweisungen, dass Priester jeder Pfarrgemeinde die Uebertreter des Sonntagsgesetzes ermahnen und bewegen sollten, in die Kirche zu gehen und zu beten, da sie sonst manch ein grossen Unglueck ueber sich und ihre Nachbarn bringen koennten. Eine Kirchenversammlung fuehrte den seither so allgemein, sogar von Protestanten angewandten Nachweis an, dass der Sonntag der Sabbat sein muesse, weil Leute, die an diesem Tage arbeiteten, vom Blitz getroffen worden waren. „Es ist augenscheinlich”, sagten die Praelaten, „wie gross das

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Missfallen Gottes ist wegen der Vernachlaessigung dieses Tages.” Dann wurde ein Aufruf erlassen, dass Priester und Prediger, Koenige und Fuersten und alle treuen Untertanen „ihre aeusserste Anstrengung und Sorgfalt anwenden sollten, damit der Tag wieder zu seiner Ehre gelange und kuenftig zum Lobe der Christenheit andaechtiger beachtet werde”. (Morer, „Discourse in Six Dialogues on the Name, Notion and Observation of the Lord's Day”, S. 271)

Als sich die Beschluesse der Kirchenversammlungen als unzulaenglich erwiesen, wurden die weltlichen Behoerden ersucht, ein Edikt zu erlassen, das die Herzen des Volkes mit Schrecken erfuellen und es zwingen wuerde, sich am Sonntag der Arbeit zu enthalten. Anlaesslich einer in Rom abgehaltenen Synode wurden alle frueher getroffenen Entscheide mit groesserer Kraft und Feierlichkeit erneut bestaetigt. Sie wurden auch dem Kirchengesetz hinzugefuegt und von den zivilen Behoerden in fast der ganzen Christenwelt durchgesetzt. (Heylyn, „History of the Sabbath”, 2. Teil, Kap. 5, 7. Abschnitt)

Immer noch verursachte der Mangel an biblischen Beweisen fuer die Sonntagsfeier nicht geringe Bedenken. Das Volk bezweifelte die Berechtigung ihrer Lehrer, die bestimmte Erklaerung des Herrn: „Der siebente Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes” beiseitezusetzen, um den Tag der Sonne zu ehren. Um den Mangel an biblischen Zeugnissen zu beheben, waren andere Hilfsmittel noetig. Einem eifrigen Verteidiger des Sonntags, der ungefaehr Ende des zwoelften Jahrhunderts die englischen Gemeinden besuchte, widerstanden treue Zeugen fuer die Wahrheit; seine Bemuehungen waren so fruchtlos, dass er das Land eine Zeitlang verliess und versuchte, irgendein Mittel ausfindig zu machen, um seine Lehren durchzusetzen. Als er zurueckkehrte, hatte er sich das Erforderliche verschafft, und er erntete bei seinem spaeteren Wirken groesseren Erfolg. Er brachte eine Schriftrolle mit, die angeblich von Gott selbst kam und das fuer die Sonntagsfeier benoetigte Gebot sowie auch schreckliche Drohungen enthielt, um die Ungehorsamen einzuschuechtern. Er gab vor, dies kostbare Schriftstueck - eine ebenso niedertraechtige Faelschung wie die ganze Einrichtung, die es unterstuetzte - sei vom Himmel gefallen und in Jerusalem auf dem Altar des heiligen Simeon auf Golgatha gefunden worden. In Wirklichkeit war der paepstliche Palast in Rom der Ort, woher sie kam. Betrug und Faelschungen

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zur Foerderung der Macht und des ansehens der Kirche sind von der paepstlichen Hierarchie zu allen Zeiten als gesetzlich angesehen worden.

Das Schriftstueck verbot alle Arbeit von der neunten Stunde an, von drei Uhr samstagnachmittags bis zum Sonnenaufgang am Montag, und es wurde behauptet, seine Echtheit sei durch viele Wunder bestaetigt. Man berichtete, dass Menschen, die ueber die bestimmte Zeit hinaus gearbeitet haetten, vom Schlage getroffen worden seien. Ein Mueller, der Korn gemahlen habe, haette statt Mehl einen Blutstrom herauskommen sehen, und das Muehlrad waere ungeachtet des starken Wasserstroms stehengeblieben. Eine Frau, die Teig in den Ofen gesetzt habe, haette ihn noch roh gefunden, als sie ihn herausnahm, obgleich der Ofen sehr heiss war. Eine andere, deren Teig um die neunte Stunde zum Backen bereit war und die sich entschloss, ihn bis Montag stehenzulassen, haette am naechsten Tag festgestellt, dass er durch goettliche Macht zu Laiben geformt und gebacken worden sei. Ein Mann, der nach der neunten Stunde am Samstag Brot gebacken habe, haette, als er es am naechsten Morgen brach, die Feststellung machen muessen, dass Blut herausfloss. Durch solche laecherlichen und aberglaeubischen Faelschungen versuchten die Verteidiger des Sonntags dessen Heiligkeit zu begruenden. (Hoveden, „Annals”, Bd. II, S. 528-530)

In Schottland wie in England wurde eine groessere Ruecksichtnahme auf den Sonntag dadurch erreicht, dass man einen Teil des alten Sabbats damit vereinte. Aber die Zeit, die heiliggehalten werden sollte, war unterschiedlich. Ein Erlass des Koenigs von Schottland erklaerte, dass „der Samstag von zwoelf Uhr mittags an heilig erachtet werden sollte”, und dass niemand von dieser Stunde an bis Montag morgen sich an weltlichen Geschaeften beteiligen duerfe. (Morer, S. 290, 291)

Aber ungeachtet aller Bemuehungen, die Heiligkeit des Sonntags einzufuehren, haben die Paebstlichen selbst oeffentlich die goettliche Autoritaet des Sabbats und den menschlichen Ursprung der Einrichtung, durch die er ersetzt worden ist, zugegeben. Im 16. Jahrhundert erklaerte ein paepstliches Konzil eindeutig, alle Christen sollten bedenken, dass der siebente Tag von Gott geheiligt und nicht nur von den Juden angenommen und beachtet wurde, sondern auch von allen andern, die

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vorgaben, Gott zu verehren, obgleich wir Christen ihren Sabbat in den Tag des Herrn umgewandelt haben. (Morer, S. 281, 282) Die sich erdreisteten, Hand an das goettliche Gesetz zu legen, waren sich des Charakters ihres Werkes wohl bewusst. Sie erhoben sich absichtlich ueber Gott.

Die lange und blutige Verfolgung der Waldenser, von denen einige den Sabbat hielten, zeigt in auffallender Weise Roms Verfahren denen gegenueber, die nicht mit ihm uebereinstimmten. Andere litten auf aehnliche Weise wegen ihrer Treue gegen das vierte Gebot. Die Geschichte der Christen in Abessinien (*) ist dafuer besonders bezeichnend. Inmitten der Finsternis des Mittelalters verlor man die Christen in Mittelafrika aus den Augen; sie wurden von der Welt vergessen und erfreuten sich viele Jahrhunderte der Freiheit, ihres Glaubens leben zu koennen. Aber schliesslich erfuhr Rom von ihrem Dasein, und der Kaiser von Abessinien wurde bald darauf gedraengt, den Papst als den Stellvertreter Christi anzuerkennen. Andere Zugestaendnisse folgten. Es wurde ein Edikt erlassen, das die Sabbatfeier unter Androhung haertester Strafen verbot. („Church History of Aethiopien”, S. 311, 312) Aber die paepstliche Tyrannei wurde bald zu einem so drueckenden Joch, dass die Abessinier sich entschlossen, es von ihrem Nacken zu schuetteln. Nach einem schrecklichen Kampf wurden die Roemlinge von ihren Besitzungen verbannt und der alte Glaube wiederhergestellt. Die Gemeinden erfreuten sich abermals ihrer Freiheit und vergassen nie die Lehre, die sie hinsichtlich des Betruges, des Fanatismus und der bedrueckenden Macht Roms erfahren hatten. In ihrem abgeschlossenen Lande waren sie es zufrieden, der uebrigen Christenheit unbekannt zu bleiben.

Die Gemeinden Afrikas hielten den Sabbat, wie er von der Kirche vor ihrem vollstaendigen Abfall gehalten worden war. Waehrend sie den siebenten Tag im Gehorsam gegen Gottes Gebot feierten, arbeiteten sie in Uebereinstimmung mit dem Gebrauch der Kirche auch am Sonntag nicht. Nachdem Rom zu hoechster Macht gelangt war, trat es den Sabbat Gottes mit Fuessen, um seinen eigenen Feiertag zu erhoehen; aber die nahezu ein volles Jahrtausend verborgen gebliebenen Gemeinden Afrikas hatten an diesem Abfall keinen Anteil. Als sie unter die Herrschaft Roms kamen, wurden sie gezwungen, den wahren Sabbat beiseitezusetzen und den falschen zu erhoehen; aber kaum hatten

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sie ihre Unabhaengigkeit wiedererlangt, so kehrten sie auch wieder zum Gehorsam gegen das vierte Gebot zurueck.

Diese Berichte aus der Vergangenheit enthuellen deutlich die Feindseligkeit Roms gegen den wahren Sabbat und dessen Verteidiger sowie die Mittel, die es anwandte, um seine selbstgeschaffene Einrichtung zu ehren. Das Wort Gottes lehrt, dass sich diese Dinge wiederholen werden, wenn sich Katholiken und Protestanten zur Erhoehung des Sonntags zusammenschliessen.

Die in Offenbarung 13 durch das Tier mit Hoernern „gleichwie ein Lamm” dargestellte Macht wird ihren Einfluss dahingehend ausueben, „dass die Erde und die darauf wohnen” das Papsttum anbeten. Das Tier mit den zwei Hoernern wird auch sagen „denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier”; und ferner wird es so wirken, dass „die Kleinen und Grossen, die Reichen und Armen, die Freien und Knechte” das Malzeichen des Tieres annehmen. (Offb. 13, 11- 16) Es wurde bereits dargelegt, dass die vereinigten Staaten die Macht sind, die durch das Tier, „das hatte zwei Hoerner gleichwie ein Lamm”, versinnbildet ist und dass diese Weissagung in Erfuellung gehen wird, wenn die Vereinigten Staaten die Sonntagsheiligung, die Rom als die besondere Anerkennung seiner Oberherrschaft beansprucht, erzwingen werden. In dieser Huldigung dem Papsttum gegenueber werden die Vereinigten Staaten nicht alleinstehen; Roms Einfluss in den Laendern, die einst seine Herrschaft anerkannten, ist noch laengst nicht abgetan. Die Weissagung sagt eine Wiederherstellung seiner Macht voraus: „Ich sah seiner Haeupter eines, als waere es toedlich wund; und seine toedliche Wunde ward heil. Und der ganze Erdboden verwunderte sich des Tieres.” (Offb. 13, 3)

Das Beibringen der toedlichen Wunde weist auf den Sturz des Papsttums im Jahre 1798 hin. Auf die hierauf folgende Zeit weisend, sagt der Prophet: „Seine toedliche Wunde ward heil. Und der ganze Erdboden verwunderte sich des Tieres.” Paulus sagt ausdruecklich, dass der Mensch der Suende bis zur Zeit der Wiederkunft Christi fortbestehen werde. „Lasset euch niemand verfuehren in keinerlei Weise; denn er (der Tag Christi) kommt nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Suende, das

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Kind des Verderbens... und alsdann wird der Boshafte offenbart werden, welchen der Herr umbringen wird mit dem Geist seines Mundes und wird durch die Erscheinung seiner Zukunft ihm ein Ende machen.” (2. Thess. 2, 3.8) Bis ganz zum Ende der Zeit wird er sein Werk der Taeuschung fortsetzen.

Der Schreiber der Offenbarung, Johannes, erklaert: Alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen nicht geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes.” (Offb. 13, 8) In der Alten wie in der Neuen Welt wird dem Papsttum durch die Einfuehrung der Sonntagsheiligung gehuldigt, da diese einzig und allein auf der Autoritaet der roemischen Kirche beruht.

Schon laenger als ein Jahrhundert haben Forscher der Weissagungen in den Vereinigten Staaten der Welt dies Zeugnis vor Augen gehalten. Die jetzt stattfindenden Ereignisse zeigen einen raschen Fortschritt zur Erfuellung der Weissagung. Protestantische Lehrer erheben den gleichen Anspruch auf goettliche Autoritaet der Sonntagsfeier, und es herrscht ihrerseits der gleiche Mangel an Beweisen aus der Schrift wie bei den paepstlichen Fuehrern, die Wunder ersannen, um damit ein goettliches Gebot zu ersetzen. Die Behauptung, dass Gottes Gerichte die Menschen wegen der Uebertretung des Sonntags heimsuchen, den man als den Sabbat hinstellt, wird wiederholt werden; man faengt bereits an, sie vorzubringen, und eine Bewegung, die Sonntagsheiligung zu erzwingen, (*) macht schnelle Fortschritte.

Erstaunlich in ihrer Geschicklichkeit ist die roemische Kirche. Sie spuert geradezu, was kommen wird. Sie wartet ruhig auf ihre Stunde, da sie sieht, dass die protestantischen Kirchen ihr durch die Annahme des falschen Sabbats huldigen und sie sich vorbereiten, seine Anerkennung mit den gleichen Mitteln zu erzwingen, deren sie sich selbst in frueheren Tagen bedienten. Die das Licht der Wahrheit verwerfen, werden dennoch die Hilfe der nach eigener Aussage unfehlbaren Macht suchen, um eine Einrichtung zu erhoehen, die gerade von jener Macht ins Leben gerufen wurde. Wie bereitwillig diese Macht dabei den Protestanten zu Hilfe kommen wird, ist nicht schwer zu erraten. Wer versteht besser als die paepstlichen Fuehrer mit denen umzugehen, die der Kirche ungehorsam sind?

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Die roemische Kirche mit allen ihren Verzweigungen ueber die ganze Welt hin bildet eine riesige Organisation, die unter der Leitung des paepstlichen Stuhles steht und dazu bestimmt ist, ihre Interessen wahrzunehmen. Ihre Millionen Mitglieder in allen Laendern der Erde werden unterwiesen, dem Papst treue Untertanen zu sein. Welcher Nationalitaet oder Regierungsform sie auch angehoeren moegen, sie muessen die Autoritaet der Kirche ueber alles schaetzen. Selbst wenn sie dem Staat den Treueid leisten, steht doch darueber das Geluebde des Gehorsams gegen Rom, das sie jedes Versprechens entbindet, das die Interessen Roms beeintraechtigen koennte.

Die Geschichte der roemischen Kirche zeugt von ihren geschickten und hartnaeckigen Bemuehungen, sich in die Angelegenheiten der Nationen einzudraengen. Hat sie da erst einmal Fuss gefasst, verfolgt sie ohne Ruecksicht auf das Wohl von Fuersten und Volk ihre eigenen Ziele. Im Jahre 1204 zwang Papst Innozenz III. den Koenig von Aragonien, Peter II., folgenden aussergewoehnlichen Eid abzulegen: „Ich, Peter, Koenig der Aragonier, bekenne und verspreche, meinem Herrn, Papst Innozenz, seinen katholischen Nachfolgern und der roemischen Kirche stets treu und gehorsam zu sein und gewissenhaft mein Reich im Gehorsam gegen ihn zu bewahren, den koestlichen Glauben zu verteidigen und ketzerische Verderbtheit zu verfolgen.” (Dowling, „History of Romanism”, 5. Buch, Kap. 6, 55. Abschnitt Dies stimmt mit den Anspruechen bezueglich der Macht des roemischen Oberpriesters ueberein, dass „es ihm gesetzlich zustehe, Kaiser abzusetzen” und dass „er Untertanen von ihrer Pflicht ungerechten Herrschern gegenueber freisprechen kann”. (Mosheim, Instituiones historiae ecclesiasticae, 3. Buch, 11. Jhdt., 2. Abschnitt, Kap. 2, Sek. 9, Anm. 1)

Wir duerfen nicht vergessen, dass sich Rom damit bruestet, unveraenderlich zu sein. Die Grundsaetze Gregors VII. und Innozenz’III. sind noch immer die Grundsaetze der roemisch-katholischen Kirche. Und haette sie heute die Macht, sie wuerde sie mit ebenso grosser Energie ausueben wie in den vergangenen Jahrhunderten. Die Protestanten wissen kaum, was sie tun, wenn sie vorschlagen, bei der Erhoehung des Sonntags die Hilfe Roms annehmen zu wollen. Waehrend sie entschlossen sind, ihr Vorhaben auszufuehren, strebt Rom nach Wiederherstellung seiner

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Macht, um seine verlorene Oberhoheit wiederzugewinnen. Lasst in den Vereinigten Staaten erst den Grundsatz eingefuehrt sein, dass die Kirche die Macht des Staates beherrschen oder fuer sich einsetzen darf, dass religioese Verordnungen durch weltliche Gesetze erzwungen werden koennen - kurz, dass die Autoritaet von Kirche und Staat ueber das Gewissen zu gebieten hat: der Triumph Roms in diesem Lande wird gesichert sein.

Das Wort Gottes hat vor der herannahenden Gefahr gewarnt; bleibt diese Warnung unbeachtet, so wird die protestantische Welt erfahren, was Roms Absichten wirklich sind; doch erst wenn es zu spaet ist, den Schlingen zu entrinnen. Rom nimmt im stillen an Macht zu. Seine Lehren ueben auf Parlamente, auf Kirchen und auf die Herzen der Menschen ihren Einfluss aus. Es tuermt seine hohen und gewaltigen Bauwerke auf, in deren geheimen Verliesen sich die frueheren Verfolgungen wiederholen werden. Heimlich und unverdaechtig staerkt es seine Kraefte, um seine Endziele zu foerdern, wenn die Zeit da ist, zum Schlag auszuholen. Alles, wonach es verlangt, ist eine guenstige Angriffsposition, und diese ist ihm bereits zugestanden. Wir werden bald sehen und fuehlen, wohin roemischer Geist zielt. Wer dem Worte Gottes glauben und gehorchen will, wird sich dadurch Schmach und Verfolgung zuziehen.

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Anmerkungen

S. 565 (Zurueck)
(ANSPRUCH AUF UNFEHLBARKEIT. - Ungeachtet der Tatsache, dass die katholische Kirche heute versucht, durch eine Neuformulierung ihrer Wahrheiten die Kluft gegenueber den Protestanten zu ueberbruecken, bleibt bestehen, dass sie ihren Anspruch auf Unfehlbarkeit unverrueckbar aufrechterhaelt. Die roemische Kirche kann sogenannte „Verhaltensirrtuemer” in bestimmten geschichtlichen Situationen eingestehen, aber sie muss darauf beharren, bis in die Gegenwart uneingeschraenkt in der Lehre recht gehabt zu haben. Die Autoritaet des Lehramtes und die Autoritaet des Papstes sind nach katholischer Auffassung unantastbar. Der Verlauf des zweiten Vatikanischen Konzils hat diese Unantastbarkeit waehrend der Diskussion um die Stellung der Bischoefe zum Papst bestaetigt, obwohl Versuche im Gange waren, den paepstlichen Primat und die paepstliche Unfehlbarkeit durch eine Staerkung des Bischofskollegiums „auszubalancieren”.

Papst Pius XII, hatte es durch seine autokratische Regierungsausuebung verstanden, sein Amt mit einer einzigartigen Machtfuelle auszustatten. Der Papst war nicht mehr nur der hoechste Stellvertreter Christi auf Erden, sondern er sah sich auch als Stellvertreter Christi schlechthin. Sein Primat ist ein Rechtsprimat; er ist durch Beschluss des ersten Vatikanums nicht menschliches, sondern goettliches Recht. Der Papst kann heute mit voller Berechtigung sagen: Die Kirche bin ich! Wer diese Stellung des Papstes bestreitet, greift die Substanz der Kirche an. Dieses bezeugt nichts deutlicher als die Verlautbarung Pius XII. in seiner Enzyklika „Mystici corporis” aus dem Jahre 1943, in der es heisst: „In einem gefaehrlichen Irrtum befinden sich also jene, die meinen, sie koennten Christus als Haupt der Kirche verehren, ohne seinem Stellvertreter auf Erden die Treue zu wahren. Denn wer das sichtbare Haupt ausser acht laesst und die sichtbaren Bande der Einheit zerreisst, der entstellt den mystischen Leib des Erloesers zu solcher Unkenntlichkeit, dass er von denen nicht mehr gesehen noch gefunden werden kann, die den sicheren Port des ewigen Heils suchen.”

Im Mittelalter war z.B. das Konzil noch mitregierendes Gremium, seit der Unfehlbarkeitserklaerung des Papstes hat es diese Funktion verloren. Dem Konzil sind, trotz aller Rede- und Diskussionsfreiheit, Grenzen gesetzt, die durch das heute noch geltende kirchliche Gesetzbuch, den Codex iuris canonici, der seit Pfingsten 1918 in Kraft ist, bestimmt werden.

Es heisst dort u.a.: „Der roemische Papst, der Nachfolger des heiligen Petrus im Primat, hat nicht nur einen Ehrenprimat, sondern die hoechste und vollstaendige juristische Gewalt ueber die gesamt Kirche, sowohl in den Sphaeren, die Glaube und Sitte, wie auch in denen, die Disziplin und Regierung der Kirche in der ganzen Welt vertreten.” (can. 218  1.)

Angesichts dieser unmissverstaendlichen Formulierung will es wenig besagen, dass es in can. 228 1 heisst, dass die hoechste Gewalt ueber die gesamt katholische Kirche beim Konzil liege. Eine zweite hoechste Gewalt kann es nicht geben. In Wirklichkeit gibt es auch nur eine, den Papst, die andere, das Konzil, ist ihm untergeordnet. Nur vom Papst ist gesagt, dass er die hoechste und vollstaendige Rechtsgewalt hat. Die Verlautbarungen des Konzils erhalten auch nur dadurch Rechtskraft, dass der Papst ihnen zustimmt und sie veroeffentlichen laesst. Das absolute, unfehlbare, „von Christus eingesetzte” Papsttum ist heute das entscheidende Wesensmerkmal der katholischen Kirche. Ueber diese Tatsache kann auch die von Papst Paul VI. vorgetragene „Bitte um Vergebung” nicht hinwegtaeuschen.

Quellen: Diekamp, Katholische Dogmatik I, Muenster, 1949; S. 63 f.; Enciclopedia Cattolica, Art. Unfehlbarkeit; Hettinger, Lehrbuch der Fundamental-Theologie oder Apologetik, 2 Bde.; Walther von Loewenich, Der moderne Katholizismus, Witten, 1955; Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. III, Tuebingen, 1959; Sp. 748, 749; J. Baeumer „Sind paepstliche Enzykliken unfehlbar?” in Theologie und Glaube 42, 1952, S. 262 - 269; Chr. Butler, The Church and infallibility, London, 1954; Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts, Jgg. 1961 - 1964) (Zurueck)

S. 566 (Zurueck)
(WORT GOTTES. - Siehe die Anmerkungen zu S. 51 „BIBELVERBOT” (Kapitel 3), zu S. 268: „DIE UNTERDRUECKUNG UND VERNICHTUNG DER HEILIGEN SCHRIFT” (Kapitel 15) und zu S. 343: „BIBELVERBOT IN DER LANDESSPRACHE.” (Kapitel 18)) (Zurueck)

S. 570 (Zurueck)
(ZWANGSMASSNAHMEN DER ROEMISCHEN KIRCHE. - Siehe die Anmerkung zu S. 59: (Kapitel 3) „INQUISITION”. (Zurueck)

S. 571 (Zurueck)
(MACHTANSPRUCH ROMS. - Das katholische Lehramt, repraesentiert in der Gestalt des Pontifex maximus, bestimmt, was Wahrheit ist, entscheidet, was zu glauben ist, und beansprucht darin nicht nur Unfehlbarkeit, sondern Irrtumsunfaehigkeit! Die Tradition der Kirche tritt als erste Wahrheitsquelle auf. Gegen das reformatorische Prinzip „sola scriptura”, allein die Schrift, stellte das Tridentiner Konzil (Konzil zu Trient 1545 - 1563) die Heilige Schrift und die apostolische Tradition, wozu auch die Traditionen der Kirche zaehlen. In den Schriftsaetzen jenes Konzils lesen wir: „Die apostolischen und kirchlichen Traditionen und die uebrigen Braeuche und Satzungen dieser Kirche nehme ich mit Festigkeit an und umfasse sie.” - „Ebenso nehme ich die Heilige Schrift an in dem Sinne, den die heilige Mutter Kirche festhielt und haelt, deren Sache (!) es ist, ueber den wahren Sinn und die Auslegung der Heiligen Schrift zu urteilen; nie werde ich sie anders auffassen und erklaeren, als nach der einmuetigen Auffassung der Vaeter.” -

Nach dieser Verlautbarung wird die kirchliche Tradition zum Ausleger der heiligen Schrift bestellt. Was geglaubt werden muss und wie die einzelnen Texte auszulegen sind, entscheidet die katholische Kirche. Die persoenliche Auffassung des einzelnen Katholiken hat sich selbst wider bessere Erkenntnis dieser Entscheidung zu beugen. Bei der Auseinandersetzung zwischen Bibel und Tradition wird nach Lage der Dinge die Tradition immer den Vorrang erhalten, indem man sie einfach in die Schrift hineininterpretiert. es gibt heute nur noch wenige Gebiete des taeglichen Lebens, auf denen die katholische Kirche nicht die Grenzen der noch zulaessigen „Erkenntnis” abgesteckt hat.

Die katholische Kirche hat sich mit dem Recht, zu entscheiden, was Wahrheit ist und was nicht, absolut gesetzt; sie steht damit nicht mehr unter dem Evangelium sondern herrscht und regiert ueber das Evangelium! Damit aber hat sich die katholische Kirche von den Grundlagen des Evangeliums entfernt und ist selbst an die Stelle der Wahrheit getreten.

Alle Aeusserungen von katholischer Seite zeigen, dass die katholische Kirche in der Wahrheitsfrage nicht gewillt ist, ihren Ausschliesslichkeitsanspruch aufzugeben. Es ist roemisch-katholische Auffassung, dass die Wahrheit niemals mit der katholischen Kirche zusammen, sondern nur in der katholischen Kirche zu verwirklichen sei.

Alle noch so freundlichen Gesten gegenueber den Protestanten, die im Verlauf des Konzils und auch danach sichtbar wurden, koennen nicht darueber hinwegtaeuschen, dass sich an dem Anspruch der katholischen Kirche, allein die Kirche Christi zu sein, nichts geaendert hat; ihre Gesten sind bisher nur Gesten. Gewiss sind die Verlautbarungen, die von katholischer Seite an protestantische Ohren dringen, verbindlicher geworden. Gewiss ist das Wort „Ketzer” aus dem offiziellen Umgangston verschwunden. Dennoch kommt in den „Angeboten” der katholischen Kirche mit unmissverstaendlicher Klarheit zum Ausdruck, dass die katholische Kirche unter der Einheit Rueckkehr versteht.

In der Eroeffnungsansprache Papst Paul VI. zur zweiten Sitzungsperiode des Konzils sprach er u.a. von „anderen Christen”, und er meinte diejenigen, „die wir, obwohl sie ‘in Christo’ glauben, doch nicht - o dass uns diese Freude nicht vergoennt ist! - unter diejenigen zaehlen koennen, die mit uns durch das Band der vollkommenen Einheit Christi verbunden sind. Diese Einheit, an der sie durch die Kraft der Taufe Anteil haben muessten, kann ihnen nur von der katholischen Kirche geboten werden und wird von ihnen ja auch durch die Kraft und das Wesen des Einheitsgedankens eifrig erstrebt”. (Zitiert nach Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts, 1963, Heft 6.)

Auch die Reden, die Papst Paul VI. waehrend seiner spektakulaeren Palaestinareise gehalten hat, zielen in die gleiche Richtung. Durch die wiederholt gebrauchten Wendungen vom „roemischen Christus” und von der „Einladung an die getrennten Brueder” finden wir erneut bestaetigt, dass das „extra-ecclesiam-nulla-salus” (ausserhalb der Kirche ist kein Heil) eindeutig fuer die katholische Kirche beansprucht wird. Der evangelische Konzilsbeobachter Prof. Edmund Schlink hat in einem stark beachteten Vortrag in Rom am Ende der zweiten Sitzungsperiode des Konzils diese roemische Exklusivitaet beklagt.

In der Tat wird von katholischer Seite stets nur von christlichen Bruedern oder nichtkatholischen Christen gesprochen, nie von nichtkatholischen Kirchen. Prof. Schlink wies darauf hin, dass die Sehnsucht nach Einheit als Sehnsucht nach der vom Papst geleiteten roemischen Kirche verstanden wird. „Es ist selbstverstaendlich, dass sich die nichtroemische Christenheit durch diese Aussage verkannt fuehlen muss. Denn sie besteht nicht aus einzelnen Christen, sondern aus Kirchen. Die nichtkatholischen Christen sind der Gnade und des Heils gewiss als Glieder ihrer Kirche... Sie sehnen sich nicht danach, Glieder der roemischen Kirche zu werden, sondern als Glieder ihrer Kirche ersehnen sie die Gemeinschaft ihrer Kirche mit den anderen Kirchen... Wenn ihnen aber bestritten wird, dass sie Christi Leib und Blut in den Abendmahlsfeiern ihrer Kirche empfangen, so sehen sie darin nicht nur eine Verkennung ihrer selbst, sondern eine Leugnung Christi, der sich in ihrer Mitte kraeftig erweist.”

Will die katholische Kirche Heimkehr oder Partnerschaft? Die Antwort kann nicht mehr zweifelhaft sein. Die „offenen Arme”, von denen der Papst sprach - sind sie etwas anderes als eine Fortsetzung der Gegenreformation mit neuen Mitteln? Es ist nicht zu verkennen, dass vieles innerhalb der roemischen Kirche in Bewegung geraten ist, und es mag auch fuer ernste und ueberzeugte Katholiken ungewiss sein, wohin es die Kirche treiben wird, aber eines koennen wir jetzt schon sagen: Der Oekumenismus Roms ist etwas voellig anderes als die oekumenische Bewegung. Die katholische Kirche erwartet Unterwerfung oder Heimkehr in die „sichere Huerde”.

Darueber sollte man nicht im unklaren sein, auch wenn das von Konzil verabschiedete „Dekret ueber den Oekumenismus” Formulierungen enthaelt, die fuer die katholische Kirche tatsaechlich in Neuland weisen. So enthaelt dieses Dekret u.a. das Eingestaendnis, dass die Schuld fuer die Kirchenspaltungen des Ostens wie des Westens auf beiden Seiten liege. Die evangelischen Gemeinschaften werden als „Kirchen” apostrophiert, wenn diese Anrede vermutlich auch nur ein formales Entgegenkommen sein duerfte, um den „Dialog” nicht von vornherein schon unmoeglich zumachen. Es finden sich Hinweise auf das Gute in den nichtkatholischen Religionen, das die Katholiken mit Freude und Achtung saehen. Ferner heisst es, dass diejenigen Christen, die in getrennten Gemeinschaften leben, nicht der Suende angeklagt werden duerfen, wenn es auch wahr bleibe, dass die Fuelle der Heilsmittel nur in der katholischen Kirche zu finden sei. Urteile und alles Handeln, was geeignet ist, die „getrennten Brueder” zu beleidigen, sollen vermieden werden. Auch seien Dialoge zwischen den Theologen beider Konfessionen zum Kennenlernen der gegenseitigen Auffassungen nuetzlich. Selbst gemeinsame Gebete fuer die Sache des Oekumenismus sowie - unter Aufsicht der Bischoefe unter Wahrung bestimmter Voraussetzungen - gemeinsame Gottesdienste koennten gestattet werden. diese Formulierungen des Dekrets gehen gewiss weit ueber das hinaus, was bisher ueblich und erwuenscht war. Dennoch - die katholische Kirche wird es sich gefallen lassen muessen, dass man sie weniger an ihren Worten als an ihren Taten misst.

Der in der ersten Zeit nach dem Konzil in protestantischen Kreisen wach gewordene Euphorismus in Sachen Wiedervereinigung der getrennten Kirchen ist mittlerweile einer sachlich-nuechternen Betrachtungsweise dieses Problems gewichen. man haelt die Graeben, die beide Konfessionen trennen, gewiss nicht fuer unueberwindlich, eine Vereinigung der beiden Grosskirchen in absehbarer Zeit aber fuer hoechst unwahrscheinlich.) (Zurueck)

S.574 (Zurueck)
(DER KATHOLIZISMUS IN DEN USA. - In den USA hat die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten ein rapides Wachstum zu verzeichnen. Ihr Einfluss und ihre Bedeutung nahmen immer mehr zu, was vor allem auch daran sichtbar wurde, dass im Jahre 1960 zum ersten Male, was bis dahin als undenkbar galt, ein Katholik (J.F. Kennedy) als Praesident in das Weisse Haus einzog.

Die Entwicklung der katholischen Kirche wird an folgenden Vergleichszahlen deutlich: Nach dem „Yearbook of the American Churches” von 1970 stieg die Zahl der Katholiken von 18 605 003 im Jahre 1926 ueber 28 634 878 im Jahre 1950 bis auf 47 872 000 im Jahre 1969. die Zahl der Protestanten stieg von 31 511 701 im Jahre 1926 auf 69 740 000 im Jahre 1969.

Die zahlenmaessige Ueberlegenheit der Protestanten taeuscht insofern, da sich diese fast 70 Millionen Glaeubigen auf 254 protestantische Gemeinschaften verteilen, waehrend die 47,8 Millionen Katholiken einen einzigen, einheitlichen, festgefuegten Block bilden. Die katholische Kirche ist heute bereits die staerkste Kirche der Vereinigten Staaten.) (Zurueck)

S. 574 (Zurueck)
(KONSTANTINS SONNTAGSGESETZ. - Siehe Anmerkung zu S. 52. (Kapitel 3) „SONNTAGSERLASS KONSTANTINS”.) (Zurueck)

S. 578 (Zurueck)
(DIE AETHIOPISCHE KIRCHE UND DER SABBAT. - Bis in die juengste Zeit hinein hielt die koptische Kirche den Sabbat. Die Aethiopier feierten daneben auch waehrend ihrer ganzen Geschichte als christliches Volk den Sonntag, den ersten Tag der Woche Diese Tage waren durch besondere gottesdienstliche Handlungen in den Kirchen gekennzeichnet. Die Beachtung des Siebenten-Tag-Sabbats hat jedoch praktisch im modernen Aethiopien aufgehoert. Augenzeugenberichte ueber die religioesen Feste der Aethiopier bei: Pero Gomes de Texera, The Discovery of Abyssinia in 1520, ins Engl. uebersetzt, 1938, S. 79; Father Francisco Alverez, Narrative of the Portuguese Embassy to Abyssinia during the Years 1520 bis 1527 (in den Berichten der Hakluyt-Gesellschaft, Bd. 64, S. 22 - 49), London, 1881; Michael Russell, Nubia and Abyssinia, S. 226 - 229, New York, 1837; S. Giacomo Baratti, Late Travels into the Remote Countries of Abyssinia, S. 134 bis 137, London, 1670; Job Ludolphus, A New History for Ethiopia, S. 234 - 357, London, 1682; Samuel Gobat, Journal of Three Years`Residence in Abyssinia, S. 55 - 58. 83 - 98, New York, 1850; Peter Heylyn, History of the Sabbath, Bd. II, S. 198 - 200, 1636; Arthur P. Stanley, Lectures on the History of the Eastern Church, Lecture 1, 1, New York, 1882; C. F. Rey, Romance of the Portuguese in Abyssinia, S. 59, 253 - 298, London, 1929.) (Zurueck)