Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis
von Ellen G. White

„Ueberwindung und Endsieg der Gottgetreuen

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Der Spiritismus

 Der Dienst der heiligen Engel, wie ihn das Wort Gottes darstellt, ist fuer jeden Nachfolger Christi eine besonders trostreiche und koestliche Wahrheit. Aber die biblische Lehre darueber ist durch die Irrtuemer einer im Volke beliebten Theologie verdunkelt und verfaelscht worden. Die Lehre von einer natuerlichen Unsterblichkeit, anfangs der heidnischen Philosophie entlehnt und in der Finsternis des grossen Abfalls mit dem christlichen Glauben verbunden, hat die in der Heiligen Schrift so deutlich gelehrte Wahrheit, dass die Toten nichts wissen, verdraengt. Sehr viele Menschen glauben heute, dass "dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit", (Hebr. 1, 14)

 Geister der Toten seien, obgleich die heilige Schrift das Dasein himmlischer Engel und ihre Verbindung mit der Geschichte des Menschen bezeugt, ehe noch ein menschliches Wesen gestorben war.

 Die Lehre von dem Bewusstsein des Menschen im Tode, insbesondere die Ueberzeugnung, dass die Geister der Verstorbenen zurueckkehren, um den Lebenden zu dienen, hat dem modernen Spiritismus den Weg bereitet. Wenn die Toten in die Gegenwart Gottes und der heiligen Engel treten duerfen und mit weit mehr Erkenntnis beguenstigt werden, als sie vorher besassen, warum sollten sie dann nicht auf diese Erde zurueckkehren, um die Lebenden zu erleuchten und zu unterweisen? Wenn die Geister der Toten, wie von den volkstuemlichen Theologen gelehrt wird, ihre Freunde auf Erden umschweben, warum sollten sie dann nicht mit ihnen verkehren duerfen, um sie vor der Suende zu warnen oder sie in ihrem Kummer zu troesten? Wie koennen Seelen, die an ein bewusstes Fortleben des Menschen nach dem Tode glauben, das verwerfen, was verklaerte Geister ihnen als goettliches Licht mitteilen? Hier

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ist ein als heilig betrachtetes Mittel, durch das Satan auf das Erreichen seiner Absichten hinwirkt. Die gefallenen Engel, die seine Befehle ausfuehren, erscheinen als Boten aus der Geisterwelt. Unter dem Deckmantel, die Lebenden mit den Toten zu verbinden, uebt der Fuerst des Boesen seinen bestrickenden Einfluss auf ihre Gemueter aus.

 Er hat die Macht, den Menschen die Erscheinung ihrer abgeschiedenen Freunde vor Augen zu fuehren. Die Nachahmung ist vollkommen; das bekannte Aussehen, die Worte, die Stimme werden mit unglaublicher Deutlichkeit wiedergegeben. Viele werden durch die Versicherung getroestet, dass ihre Lieben die Wonne des Himmels geniessen, und schenken, ohne Gefahr zu argwoehnen, den "verfuehrerischen Geistern und Lehren der Teufel" (1. Tim 4, 1) Gehoer.

 Sind sie dann verleitet worden zu glauben, dass die Toten tatsaechlich zurueckkommen, um mit ihnen zu verkehren, so laesst Satan Menschen erscheinen, die unvorbereitet starben. Diese behaupten jetzt, im Himmel gluecklich zu sein und dort sogar gehobene Stellungen einzunehmen. Auf diese Weise wird die irrige Auffassung verbreitet, dass zwischen den Gerechten und den Gottlosen kein Unterschied gemacht werde. Die angeblichen Besucher aus der Geisterwelt aeussern zuweilen Warnungen und Mahnungen zur Vorsicht, die sich als richtig erweisen. Haben sie dann Vertrauen gewonnen, bringen sie Lehren vor, die den Glauben an die Heilige Schrift geradezu untergraben. Mit dem Anschein grosser Anteilnahme an der Wohlfahrt ihrer Freunde auf Erden floessen sie ihnen die gefaehrlichsten Irrtuemer ein. Die Tatsache, dass sie einige Wahrheiten darlegen und zuweilen imstande sind, zukuenftige Ereignisse vorauszusagen, gibt ihren Aussagen einen Anschein von Zuverlaessigkeit. Ihre falschen Lehren werden von der Menge so bereitwillig angenommen und so blind geglaubt, als seien es die heiligsten Wahrheiten der Bibel. Das Gesetz Gottes wird beiseite geschoben, der Geist der Gnade verachtet, das Blut des Bundes als etwas Unheiliges angesehen. Die Geister verleugnen die Gottheit Christi und stellen sich sogar mit dem Schoepfer auf die gleiche Stufe. So fuehrt der grosse Empoerer unter einer neuen Maske weiterhin seinen Kampf gegen Gott, den er im Himmel begonnen und beinahe 6000 Jahre auf Erden fortgesetzt hat.

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 Viele bemuehen sich, die spiritistischen Bekundungen dadurch zu erklaeren, dass sie diese gaenzlich als Betrug hinstellen oder sie den Kunstgriffen des Mediums zuschreiben. Waehrend es zwar wahr ist, dass Taschenspielerkuenste oft als echte Offenbarungen ausgegeben werden, hat man auch ausserordentliche Kundgebungen uebernatuerlicher Kraefte wahrgenommen. Das geheimnisvolle Klopfen, womit der moderne Spiritismus begann, war nicht das Ergebnis menschlicher Kunstgriffe oder Geschicklichkeit, sondern das unmittelbare Werk boeser Engel, die auf diese Weise eine der erfolgreichsten seelenverderbenden Taeuschungen einfuehrten. Viele werden verstrickt durch die Annahme, dass der Spiritismus eine rein menschliche Betruegerei sei; werden sie aber Bekundungen gegenuebergestellt, die sie nur als uebernatuerlich betrachten koennen, dann werden sie verblendet und verfuehrt, sie als die grosse Macht Gottes anzunehmen.

 Diese Leute uebersehen das Zeugnis der heiligen Schrift ueber die durch Satan und seine Engel gewirkten Wunder. Durch satanische Hilfe waren Pharaos Zauberer faehig, das Werk Gottes nachzuahmen. Paulus bezeugt, dass vor der Wiederkunft Christi aehnliche Offenbarungen der satanischen Macht stattfinden werden. Dem Kommen des Herrn muss die "Wirkung des Satans mit allerlei luegenhaftigen Kraeften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verfuehrung zur Ungerechtigkeit" (2. Thess. 2, 9. 10) vorausgehen. Der Apostel Johannes beschreibt die Wunder wirkende Macht, die in den letzten Tagen offenbart werden wird, mit folgenden Worten: "Und tut grosse Zeichen, dass es auch macht Feuer vom Himmel fallen vor den Menschen; und verfuehrt, die auf Erden wohnen, um der Zeichen willen, die ihm gegeben sind zu tun." (Offb. 13, 13. 14) Keine blossen Betruegereien sind hier vorhergesagt. Die Menschen werden verfuehrt durch die Wunder, die Satans Helfer ausueben koennen und nicht etwa nur vorgeben auszuueben.

 Der Fuerst der Finsternis, der so lange die Kraefte seines gewaltigen Geistes Taeuschungen geweiht hat, passt seine Versuchungen den Menschen aller Klassen und Staende geschickt an. Den Gebildeten stellt er den Spiritismus in seinen verfeinerten und verstandesmaessigen Gesichtspunkten dar, wodurch es ihm gelingt, viele in sein Netz zu ziehen. Die Weisheit, die der Spiritismus verleiht, ist, wie der Apostel Jakobus

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sagt, "nicht die Weisheit, die von obenherab kommt, sondern irdisch, menschlich und teuflisch". (Jak. 3, 15) Dies verbirgt der grosse Betrueger jedoch, wenn die Verstellung seinen Absichten am besten dient. Der in der Wueste der Versuchung vor Christus im Glanz der himmlischen Seraphim erscheinen konnte, kommt zu den Menschen in einer ausserordentlich anziehenden Weise als ein Engel des Lichts. Er wendet sich an den Verstand, indem er gewichtige Themen vorbringt; er entzueckt die Einbildungskraft durch hinreissende Darstellungen und erwirbt sich die Zuneigung durch beredte Schilderungen der Liebe und Menschenfreundlichkeit. Er reizt die Phantasie zu einem himmelstuermenden Aufschwung und verleitet die Menschen zu einer so hohen Meinung von ihrer Weisheit, dass sie in ihren Herzen den Ewigen verachten. Jenes maechtige Wesen, das den Erloeser der Welt auf einen sehr hohen Berg nehmen und ihm alle Reiche der Erde und ihre Herrlichkeit zeigen konnte, wird mit seinen Versuchungen den Menschen in einer Weise nahen, dass aller Sinne verwirrt werden, die nicht unter dem Schutz der goettlichen Macht stehen.

 Satan beeinflusst jetzt die Menschen, wie er Eva in Eden beeinflusste, indem er ihnen schmeichelt, in ihnen das Verlangen nach verbotenen Kenntnissen weckt und ein ehrgeiziges Streben nach Selbsterhebung erregt. Weil er sich selbst diesen boesen Begierden hingab, kam er zu Fall, und nun versucht er, durch sie die Menschen ins Verderben zu stuerzen. Ihr "werdet sein wie Gott", erklaerte er, "und wissen, was gut und boese ist". (1. Mose 3, 5) Der Spiritismus lehrt: "Der Mensch sei ein Geschoepf des Fortschritts; von Geburt an sei seine Bestimmung, sich zur Gottheit hinzuentwickeln bis in die Ewigkeit." Und abermals: "Jeder Geist wird sich selbst richten, und nicht ein anderer... Das Gericht wird ein richtiges sein, denn es ist ein Selbstgericht... Der Thron ist in dir selber." Ein spiritistischer Lehrer sagte, als das "geistige Bewusstsein" in ihm erwachte: "Alle meine Mitmenschen waren nichtgefallene Halbgoetter." Ein anderer behauptete: "Jedes gerechte und vollkommene Wesen ist Christus."

 So hat Satan an die Stelle der Gerechtigkeit und Vollkommenheit des ewigen Gottes, dem allein Anbetung gebuehrt, und an die Stelle der vollkommenen Gerechtigkeit seines Gesetzes, des wahren Masstabes

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menschlichen Strebens, die suendhafte, irrende Natur des Menschen gesetzt, der die Verehrung gebuehre, die die einzige Richtschnur des Gerichts sei, der einzige Masstab des Charakters. Dies ist der Fortschritt, aber nicht aufwaerts, sondern abwaerts.

 Es ist ein Gesetz der geistigen wie auch der geistlichen Natur, dass wir, indem wir uns mit einer Sache naeher beschaeftigen, umgewandelt werden. Das Gemuet passt sich allmaehlich den Dingen an, bei denen man es verweilen laesst. Es wird dem aehnlich, was zu lieben und zu verehren ihm Gewohnheit geworden ist. Der Mensch wird nie ueber den von ihm gesetzten Masstab von Reinheit, Guete oder Wahrheit hinauskommen. Ist das eigene Ich sein hoechstes Ideal, so wird er niemals etwas Erhabeneres erreichen. Im Gegenteil, er wird bestaendig tiefer sinken. Die Gnade Gottes allein hat die Macht, den Menschen zu erheben. Bleibt er sich selbst ueberlassen, so muss sein Lauf unvermeidlich abwaerts fuehren.

 Den ihren Leidenschaften nachgehenden, vergnuegungssuechtigen, sinnlichen Menschen tritt der Spiritismus unter einer weniger feinen Maske entgegen als den Gebildeten und Geistreichen; denn sie finden in seinen groeberen Formen gerade das, was mit ihren Neigungen im Einklang steht. Satan studiert jedes Anzeichen einer Gebrechlichkeit der menschlichen Natur, er merkt sich die Suenden, die zu begehen jeder einzelne geneigt ist, und gibt dann acht, dass es nicht an Gelegenheiten fehlt, die Neigung zum Boesen zu befriedigen. Er verleitet die Menschen, zu uebertreiben, was an fuer sich recht und gut ist, so dass sie durch Unmaessigkeit die koerperliche, geistige und sittliche Kraft schwaechen. Er verdarb und verdirbt Tausende durch die Befriedigung der Leidenschaften, wodurch die ganze Natur des Menschen auf die Stufe des Tieres absinkt. Um sein Werk zu vervollstaendigen, behauptet er durch die Geister, dass die wahre Erkenntnis den Menschen ueber alle Gesetze erhaben mache; dass alles, was bestehe, recht sei; dass Gott nicht verdamme und dass alle Suenden, die begangen werden, harmlos seien. Wenn Menschen auf diese Weise verleitet werden zu glauben, dass die Lust das hoechste Gesetz sei, dass Freiheit vollstaendige Ungebundenheit bedeute und dass er nur sich selbst Rechenschaft zu geben habe, ist es dann verwunderlich, dass sich ueberall Verderbtheit und sittliche Verkommenheit breitmacht? Tausende nehmen begierig die

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Lehren an, die ihnen die Freiheit geben, den Neigungen des fleischlichen Herzens zu willfahren. Die Zuegel der Selbstbeherrschung werden der Lust ueberlassen, die Kraefte des Geistes und der Seele den tierischen Neigungen unterworfen, und Satan treibt frohlockend Tausende in sein Netz, die angeblich Nachfolger Christi sein wollen.

 Niemand braucht durch die luegenhaften Ansprueche des Spiritismus getaeuscht zu werden. Gott hat der Welt hinreichend Licht gegeben, die Schlinge entdecken zu koennen. Wie bereits dargelegt wurde, steht die Lehre, die die eigentliche Grundlage des Spiritismus bildet, in schroffem Widerspruch zu den deutlichsten Aussagen der Heiligen Schrift. Die Bibel lehrt, dass die Toten nichts wissen, dass ihre Gedanken dahin sind, dass sie keinen Teil haben an irgend etwas, das unter der Sonne geschieht, und nichts wissen von den Freuden und Schmerzen derer, die ihnen auf Erden am teuersten waren.

 Ferner hat Gott ausdruecklich jeden angeblichen Verkehr mit den abgeschiedenen Geistern verboten. Unter den Hebraeern gab es Leute, die wie die Spiritisten heutzutage behaupteten, Umgang mit den Toten zu haben. Aber die "Wahrsagegeister", wie man diese Besucher aus der andern Welt nannte, werden von der Bibel als "Geister der Teufel" bezeichnet. (Vgl. 4. Mose 25, 1-3; Ps. 106, 28; 1. Kor. 10, 20; Offb. 16, 14) Mit Wahrsagegeistern zu verkehren, wurde vom Herrn als Greuel angesehen und unter Todesstrafe feierlich verboten. (3. Mose 19, 31; 20, 47) Schon der Name "Zauberei" wird jetzt verachtet. Die Behauptung, dass Menschen mit boesen Geistern in Verbindung stehen koennen, wird als eine mittelalterliche Fabel betrachtet. Der Spiritismus aber, der seine Anhaenger nach Hunderttausenden, ja nach Millionen zaehlt, der sich seinen Weg in wissenschaftliche Kreise gebahnt, sich in Kirchen gedraengt hat, der in gesetzgebenden Koerperschaften, ja sogar an den Hoefen der Koenige guenstig aufgenommen wurde - diese Riesentaeuschung ist nur eine Wiederbelebung der vor alters verdammten und verbotenen Zauberei in einem neuen Gewande.

 Selbst wenn es kein anderes Kennzeichen fuer den wahren Charakter des Spiritismus gaebe, sollte es fuer den Christen genuegen, dass die Geister keinen Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Suende, zwischen den edelsten und reinsten Aposteln Christi und den verkommensten Dienern Satans machen. Indem Satan die schlechtesten Menschen

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in den Himmel versetzt und sie in dort gehobener Stellung darstellt, erklaert er der Welt: Gleichviel, wie gottlos ihr auch seid, ob ihr Gott und der Bibel glaubt oder nicht - lebt, wie es euch gefaellt; der Himmel ist eure Heimat.

 Die spiritistischen Lehrer behaupten tatsaechlich: "`Wer Boeses tut, der gefaellt dem Herrn, und zu solchen hat er Lust`, oder: `Wo ist der Gott, der da strafe?`" (Mal. 2, 17) Gottes Wort aber sagt: "Weh denen, die Boeses gut und Gutes boese heissen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen!" (Jes. 5, 20)

 Diese Luegengeister stellen die Apostel so hin, als widerspraechen sie dem, was sie unter Eingebung des Heiligen Geistes schrieben, als sie noch auf Erden waren. Sie leugnen den goettlichen Ursprung der Bibel, vernichten dadurch die Grundlage der Hoffnung des Christen und loeschen das Licht aus, das den Weg zum Himmel offenbart. Satan macht die Welt glauben, dass die Bibel nur ein erdichtetes oder wenigstens ein nur fuer unsere Vorfahren passendes Buch sei, das jetzt geringgeschaetzt oder als veraltet beiseite geworfen werden sollte. Als Ersatz fuer das Wort Gottes weist er auf spiritistische Offenbarungen hin. Hier ist ein Weg, der voellig unter seiner Herrschaft steht; hierdurch kann er die Welt glauben machen, was er will. Das Buch, das ihn und seine Nachfolger richten wird, stellt er in den Schatten, wohin er es haben will; den Heiland der Welt wuerdigt er zu einem gewoehnlichen Menschen herab. Und wie die roemischen Wachen, die das Grab Jesu bewachten, das luegenhafte Geruecht verbreiteten, das ihnen die Priester und Aeltesten in den Mund gelegt hatten, um Christi Auferstehung zu widerlegen, so versuchen die Anhaenger spiritistischer Offenbarungen den Anschein zu erwecken, dass an dem Leben unseres Heilandes nichts Wunderbares sei. Nachdem sie auf diese Weise versucht haben, Jesus in den Hintergrund zu draengen, lenken sie die Aufmerksamkeit ihrer Opfer auf ihre eigenen Wunder und erklaeren, dass diese die Werke Christi bei weitem uebertreffen.

 Wohl veraendert der Spiritismus jetzt seine Form, verbirgt einige seiner verwerflicheren Zuege und haengt sich ein christliches Maentelchen um. Doch seine Aussprueche in oeffentlichen Reden und in der Presse sind dem Volke schon seit Jahren bekannt; in ihnen offenbart sich sein

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wirklicher Charakter. Diese Lehren koennen weder geleugnet noch verborgen werden.

 Selbst in der gegenwaertigen Form ist die Taeuschung weit davon entfernt, der Duldung wuerdiger zu sein als frueher; in Wirklichkeit ist sie gefaehrlicher, weil sie weit verfaenglicher ist. Waehrend sie frueher Christus und die Bibel verwarf, gibt sie nun vor, beide anzunehmen. Doch wird die Bibel in einer Weise ausgelegt, die dem nicht erneuerten Herzen gefaellt, waehrend ihre ernstesten und wichtigsten Wahrheiten als wertlos hingestellt werden. Man spricht von der Liebe als der Haupteigenschaft Gottes, erniedrigt sie aber zu einer schwachen Gefuehlsseligkeit, die wenig Unterschied macht zwischen dem Guten und dem Boesen. Gottes Gerechtigkeit, seine Verdammung der Suende, die Forderungen seines heiligen Gesetzes werden nicht beachtet. Das Volk wird gelehrt, die Zehn Gebote als toten Buchstaben zu betrachten. Angenehme, bezaubernde Fabeln nehmen die Sinne gefangen und veranlassen die Menschen, die Heilige Schrift als Grundlage ihres Glaubens zu verwerfen. Christus wird ebenso verleugnet wie ehemals; aber Satan hat die Augen der Menschen so geblendet, dass sie die Taeuschung nicht wahrnehmen.

 Es gibt nur wenige, die eine richtige Vorstellung haben von der taeuschenden Macht des Spiritismus und von der Gefahr, seinem Einfluss zu unterliegen. Viele beschaeftigen sich damit, nur um ihre Neugierde zu befriedigen. Sie glauben nicht wirklich daran und wuerden zurueckschrecken vor dem Gedanken, sich unter die Herrschaft der Geister zu stellen. Sie wagen sich auf verbotenes Gebiet, und der gewaltige Verderber uebt gegen ihren Willen seine Macht auf sie aus. Sind sie einmal bewogen worden, sich von ihm leiten zu lassen, so haelt er sie gefangen. Es ist ihnen unmoeglich, sich aus eigener Kraft von diesem bezaubernden, verlockenden Bann loszureissen. Nichts ausser der Macht Gottes kann diese verstrickten Seelen in Erhoerung eines ernsten, im Glauben gesprochenen Gebetes befreien.

 Die suendhaften Neigungen froenen oder vorsaetzlich einer bewussten Suende nachgehen, fordern dadurch die Versuchungen Satans heraus. Sie trennen sich von Gott und der Fuersorge seiner Engel; tritt der Boese dann mit Taeuschungen an sie heran, sind sie schutzlos und fallen ihm leicht zum Opfer. Die sich auf diese Weise in seine Macht begeben,

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ahnen kaum, wo ihr Leben enden wird. Nachdem der Versucher sie gestuerzt hat, bedient er sich ihrer, um andere ins Verderben zu locken.

 Der Prophet Jesaja sagt: "Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr muesset die Wahrsager und Zeichendeuter fragen, die da fluestern und murmeln (so sprecht): Soll nicht ein Volk seinen Gott fragen, oder soll man die Toten fuer die Lebendigen fragen? Ja, nach dem Gesetz und Zeugnis! Werden sie das nicht sagen, so werden sie die Morgenroete nicht haben." (Jes. 8, 19. 20) Haetten die Menschen die in der Heiligen Schrift so deutlich dargelegte Wahrheit ueber die Natur des Menschen und den Zustand der Toten angenommen, so wuerden sie in den Behauptungen und Bekundungen des Spiritismus Satans Wirken mit Macht und Zeichen und betruegerischen Wundern erblicken. Aber statt die dem fleischlichen Herzen so angenehme Ungebundenheit aufzugeben und sich von den liebgewordenen Suenden loszureissen, verschliessen viele ihre Augen vor dem Licht und wandeln unbekuemmert um alle Warnungen weiter, waehrend Satan ihnen Schlingen legt, denen sie zum Opfer fallen. "Dafuer dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen,... wird ihnen Gott kraeftige Irrtuemer senden, dass sie glauben der Luege." (2. Thess. 2, 10.11)

 Die sich den Lehren des Spiritismus widersetzen, greifen nicht nur Menschen, sondern auch den Teufel und seine Engel an. Sie haben den Kampf aufgenommen mit Fuersten und Gewaltigen und mit den boesen Geistern unter dem Himmel. Satan wird auch nicht einen Zollbreit seines Bereiches preisgeben, es sei denn, dass er durch die Macht himmlischer Boten zurueckgetrieben wird. Gottes Volk sollte imstande sein, ihm mit den gleichen Worten zu begegnen, mit denen unser Heiland ihm entgegentrat: "Es steht geschrieben." (Matth. 4, 4.7.10) Wie in den Tagen Christi fuehrt Satan auch heute Schriftstellen an und verdreht ihre Aussagen, um seine Taeuschungen zu unterstuetzen. Wer in dieser Zeit der Gefahr standhalten moechte, muss das Zeugnis der Heiligen Schrift verstehen.

 Viele werden Geistern der Teufel gegenuebergestellt, die in Gestalt lieber Verwandter oder Freunde erscheinen und die gefaehrlichsten Irrlehren verkuenden. Diese Besucher werden unsere zaertlichsten Gefuehle beruehren und Wunder wirken, um ihren Behauptungen Nachdruck zu verleihen. Wir muessen bereit sein, ihnen mit der Bibelwahrheit entgegenzutreten, dass die Toten nichts wissen und dass alle, die auf diese

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Weise erscheinen, Geister der Teufel sind. Die "Stunde der Versuchung, die kommen wird ueber den ganzen Weltkreis", (Offb. 3, 10) steht unmittelbar bevor. Alle, deren Glaube nicht fest auf das Wort Gottes gegruendet ist, werden hintergangen und ueberwunden werden. Satan wirkt "mit allerlei Verfuehrung", um die Menschenkinder unter seiner Herrschaft zu bringen; seine Taeuschungen nehmen staendig zu. Er kann jedoch sein Ziel nur erreichen, wenn die Menschen freiwillig auf seine Versuchungen eingehen. Wer ernsthaft nach der Erkenntnis der Wahrheit sucht und bestrebt ist, seine Seele durch Gehorsam zu laeutern, und auf diese Weise alles in seinen Kraeften Stehende tut, um sich auf den Kampf vorzubereiten, der wird in dem Gott der Wahrheit eine sichere Schutzwehr finden. "Dieweil du hast bewahrt das Wort meiner Geduld, will ich auch dich bewahren", (Offb. 3, 10) lautet die Verheissung Jesu. er wuerde eher alle Engel des Himmels senden, sein Volk zu beschuetzen, als einen, der ihm vertraut, preiszugeben, damit Satan ihn ueberwinde.

 Der Prophet Jesaja weist auf die furchtbare Taeuschung hin, die ueber die Gottlosen kommen wird, so dass sie sich vor den Gerichten Gottes sicher fuehlen: "Wir haben mit dem Tod einen Bund und mit der Hoelle einen Vertrag gemacht; wenn eine Flut dahergeht, wird sie uns nicht treffen; denn wir haben die Luege zu unsrer Zuflucht und Heuchelei zu unserm Schirm gemacht." (Jes. 28, 15) Zu der hier beschriebenen Menschenklasse gehoeren alle, die sich in hartnaeckiger Unbussfertigkeit mit der Versicherung troesten, dass es keine Strafe fuer den Suender geben wird, dass alle Menschen, wie verderbt sie auch sein moegen, in den Himmel erhoben werden sollen, um den Engeln Gottes gleich zu werden. Weit mehr aber verbinden sich diejenigen mit dem Tode und mit der Hoelle, welche die Wahrheiten, die der Himmel als Schutzwehr fuer die Gerechten in den Tagen der Truebsal vorgesehen hat, verwerfen und zu den von Satan angebotenen Luegen, den betruegerischen Vorspiegelungen des Spiritismus, ihre Zuflucht nehmen.

 Ueber alle Massen erstaunlich ist die Blindheit des gegenwaertigen Menschengeschlechts. Tausende verwerfen das Wort Gottes als unglaubhaft und nehmen mit eifrigem Vertrauen die Taeuschungen Satans an. Zweifler und Spoetter verhoehnen den blinden Eifer derer, die fuer den Glauben der Propheten und Apostel kaempfen, und belustigen sich

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damit, die ernsten Erklaerungen der Heiligen Schrift ueber Christus, den Erloesungsplan und die Wiedervergeltung, die alle Verwerfer der Wahrheit heimsuchen soll, ins Laecherliche zu ziehen. Sie heucheln, grosses Mitleid mit denen zu haben, die so beschraenkt, schwach und aberglaeubisch sind, Gottes Ansprueche anzuerkennen und den Anforderungen seines Gesetzes zu gehorchen. Sie legen eine solche Gewissheit an den Tag, als haetten sie in der Tat einen Bund mit dem Tode und einen Vertrag mit der Hoelle gemacht, ja als haetten sie eine unuebersteigbare, undurchdringliche Schranke zwischen sich und der Rache Gottes aufgerichtet. Nichts kann ihre Furcht erwecken. So voellig haben sie sich dem Versucher hingegeben, so innig sind sie mit ihm verbunden, so gruendlich von seinem Geist erfuellt, dass sie weder die Kraft noch die Neigung haben, sich aus seinen Schlingen zu befreien.

 Lange hat sich Satan auf seine letzte Anstrengung, die Taeuschung der Welt, vorbereitet. Die Grundlage zu seinem Werk wurde bereits durch die der Eva im Paradies gegebene Versicherung gelegt: "Ihr werdet mitnichten des Todes sterben... welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und boese ist." (1. Mose 3, 4. 5) Nach und nach hat er die Vorbereitungen fuer sein Meisterstueck des Betruges in der Entwicklung des Spiritismus getroffen. Er hat sein Ziel noch nicht voellig erreicht, seine Bemuehungen werden aber in der allerletzten Zeit von Erfolg gekroent sein. Der Prophet sagt: "Und ich sah... drei unreine Geister,... gleich den Froeschen; denn es sind Geister der Teufel, die tun Zeichen und gehen aus zu den Koenigen auf dem ganzen Kreis der Welt, sie zu versammeln in den Streit auf jenen grossen Tag Gottes." (Offb. 16, 13. 14)

 Mit Ausnahme derer, die durch die Macht Gottes im Glauben an sein Wort bewahrt bleiben, wird die ganze Welt diesem Blendwerk in die Arme getrieben werden. Die Menschen werden in eine gefaehrliche Sicherheit eingelullt und erst durch die Ausgiessung des Zornes Gottes aufgeweckt.

 Gott der Herr sagt: "Ich will das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zum Gewicht machen; so wird der Hagel die falsche Zuflucht wegtreiben, und Wasser sollen den Schirm wegschwemmen, dass euer Bund mit dem Tode los werde und euer Vertrag mit der Hoelle nicht bestehe. Und wenn eine Flut dahergeht, wird sie euch zertreten." (Jes. 28, 17. 18)

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