Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis
von Ellen G. White

„Ueberwindung und Endsieg der Gottgetreuen”

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Die erste grosse Taeuschung

 Von der fruehesten Geschichte des Menschen an begann Satan seine Bemuehungen, unser Geschlecht zu verfuehren. Der im Himmel Empoerung angestiftet hatte, wollte die Bewohner der Erde veranlassen, sich mit ihm in dem Streit gegen die Regierung Gottes zu verbinden. Adam und Eva lebten im Gehorsam gegen das Gesetz Gottes vollkommen gluecklich, und diese Tatsache war ein bestaendiges Zeugnis gegen die Behauptung, die Satan im Himmel vorgebracht hatte, dass Gottes Gesetz seine Geschoepfe knechte und ihrem Glueck entgegenstehe. Auch war durch die schoene, dem suendlosen Paar bereitete Heimat Satans Neid gereizt worden. Er beschloss daher, die Menschen zu Fall zubringen, um dann, nachdem er sie von Gott getrennt und unter seine eigene Macht gebracht haette, die Erde einzunehmen und hier, dem Allerhoechsten zum Trotz, sein Reich aufzurichten.

 Haette er seinen wahren Charakter offenbart, so waere er ohne weiteres zurueckgewiesen worden; denn Gott hatte Adam und Eva vor diesem gefaehrlichen Feind gewarnt. Doch Satan wirkte im Verborgenen und verhuellte seine Absicht, um sein Ziel um so sicherer zu erreichen. Die Schlange, damals eine Kreatur von anziehendem Aeusseren, als Werkzeug benutzend, wandte er sich an Eva: "Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Baeumen im Garten?" (1. Mose 3, 1) Haette sich Eva nicht auf ein Gespraech mit dem Versucher eingelassen, so waere sie bewahrt geblieben; doch sie wagte es, mit ihm zu sprechen und fiel seinen listigen Anschlaegen zum Opfer. So werden noch immer viele Menschen ueberwunden. Sie bezweifeln und erwaegen Gottes Anforderungen und nehmen, statt den goettlichen Geboten zu gehorchen, menschliche Theorien an, die nur die Plaene Satans verdecken.

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 "Da sprach das Weib zur Schlange: Wir essen von den Fruechten der Baeume im Garten; aber von den Fruechten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, ruehret's auch nicht an, dass ihr nicht sterbet. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben; sondern Gott weiss, dass, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und boese ist." (1. Mose 3, 2-5) Satan erklaerte, dass sie wuerden wie Gott, begabt mit groesserer Weisheit als zuvor und zu einer hoeheren Daseinsstufe befaehigt. Eva gab der Versuchung nach, und durch ihren Einfluss wurde auch Adam zur Suende verfuehrt. Sie glaubten den Worten der Schlange, dass Gott nicht meinte, was er sagte, sie misstrauten ihrem Schoepfer und bildeten sich ein, dass er ihre Freiheit beschraenke, dass sie aber grosse Weisheit und eine hohe Stellung erlangen koennten, wenn sie sein Gesetz uebertreten wuerden.

 Doch welchen Sinn fand Adam, nachdem er gesuendigt hatte, hinter den Worten: "Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben?" (1. Mose 2, 17) Fand er ihre Bedeutung dementsprechend, was Satan ihn glauben gemacht hatte, dass er in eine erhabenere Daseinsstufe versetzt werden sollte? Dann waere in der Tat durch die Uebertretung ein grosser Gewinn zu erzielen, und Satan erwiese sich als der Wohltaeter unseres Geschlechts. Aber Adam stellte fest, dass dies keineswegs der Sinn des goettlichen Ausspruchs war. Gott hatte erklaert, dass der Mensch als Strafe fuer die Suende wieder zu Erde werden muesse, von der er genommen war: "Du bist Erde und sollst zu Erde werden." (1. Mose 3, 19) Die Worte Satans: "So werden eure Augen aufgetan", erwiesen sich als wahr nur in einem Sinne; denn nachdem Adam und Eva Gott ungehorsam waren, wurden ihnen die Augen geoeffnet, damit sie ihre Torheit einsaehen; sie erkannten das Boese und kosteten die bittere Frucht der Uebertretung.

 In der Mitte des Gartens wuchs der Baum des Lebens, dessen Frucht die Kraft hatte, das Leben immerwaehrend zu erhalten. Waere Adam Gott gehorsam geblieben, so haette er sich stets des freien Zugangs zu diesem Baum erfreuen duerfen und wuerde ewig gelegt haben. Als er aber suendigte, trennte Gott ihn von dem Baum des Lebens und unterwarf ihn dem Tode. Der goettliche Urteilsspruch: "Du bist Erde und

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sollst zu Erde werden" deutet auf eine gaenzliche Austilgung des Lebens hin.

 Die dem Menschen unter der Bedingung des Gehorsams verheissene Unsterblichkeit war durch die Uebertretung verwirkt worden. Adam konnte seiner Nachkommenschaft nichts ueberlassen, was er selbst nicht besass, und es haette keine Hoffnung fuer die gefallene Menschheit gegeben, wenn Gott den Menschen durch die Hingabe seines Sohnes nicht den Weg zur Unsterblichkeit gewiesen haette. Waehrend "der Tod zu allen Menschen durchgedrungen" ist, "dieweil sie alle gesuendigt haben", hat Christus "das Leben und ein unvergaenglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium". (Roem 5, 12; 2. Tim. 1, 10) Durch Christus allein kann Unsterblichkeit erlangt werden. Jesus sagte: "Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen." (Joh. 3, 36) Jeder Mensch kann diesen unschaetzbaren Segen erlangen, wenn er die Bedingungen erfuellt. Alle, "die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben", empfangen "Preis und Ehre und unvergaengliches Wesen". (Roem 2, 7)

 Der grosse Betrueger versprach Adam Leben im Ungehorsam. Die Erkaerung, die die Schlange der Eva im Paradiese gab - "Ihr werdet mitnichten des Todes sterben!" -, war die erste ueber die Unsterblichkeit der Seele gehaltene Predigt. Und doch hallt diese Erklaerung, die auf der Autoritaet Satans beruht, von den Kanzeln der Christenheit wider und wird von der Mehrzahl der Menschen ebenso bereitwillig angenommen, wie sie von unseren ersten Eltern angenommen worden ist. Der goettliche Richterspruch: "Welche Seele suendigt, die soll sterben" (Hes. 18, 20) wird danach gedeutet: Die Seele, die suendigt, soll nicht sterben, sondern ewig leben. Wir koennen uns nur wundern ueber die seltsame Verblendung, die die Menschen hinsichtlich der Worte Satans so leichtglaeubig und bezueglich der Worte Gottes so unglaeubig macht.

 Haette der Mensch nach seinem Fall freien Zugang zu dem Baum des Lebens gehabt, so wuerde er ewig gelegt haben, und auf diese Weise waere die Suende unsterblich geworden. Aber "Cherubim mit dem blossen hauenden Schwert" bewahrten "den Weg zu dem Baum des Lebens", (1. Mose 3, 24) und keinem aus der Familie Adams war es gestattet worden, die

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Schranke zu ueberschreiten und von der lebenspendenden Frucht zu geniessen. Deshalb gibt es keinen unsterblichen Suender.

 Nach dem Fall gebot Satan seinen Engeln, besondere Anstrengungen zu machen, dem Menschen den Glauben an seine natuerliche Unsterblichkeit einzuschaerfen. Wenn sie das Volk zur Annahme dieses Irrtums verleitet haetten, sollten sie es zu der Schlussfolgerung fuehren, dass der Suender ewig im Elend leben wuerde. Der Fuerst der Finsternis stellt durch seine Diener Gott als einen rachsuechtigen Tyrannen dar und erklaert, dieser verstosse alle, die ihm nicht gefallen, in die Hoelle, wo er sie auf ewig seinen Zorn fuehlen lasse, und ihr Schoepfer blicke, waehrend sie unaussprechliche Qualen erdulden und sich in den ewigen Flammen vor Schmerzen kruemmen, mit Befriedigung auf sie nieder.

 Auf diese Weise bekleidet der Erzfeind den Schoepfer und Wohltaeter des Menschengeschlechts mit den Eigenschaften, die er selbst besitzt. Grausamkeit ist satanisch. Gott ist die Liebe, und alles, was er schuf, war rein, heilig und lieblich, bis durch den ersten grossen Empoerer die Suende hereingebracht wurde. Satan selbst ist der Feind, der den Menschen zur Suende verfuehrt und ihn dann womoeglich vernichtet. Hat er sein Opfer sicher, frohlockt er ueber das Verderben, das er bewirkte. Koennte er, wie er wollte, so wuerde er das ganze Menschengeschlecht in sein Netz einfangen. Legte sich nicht die goettliche Macht ins Mittel, ihm wuerde nicht ein Sohn, nicht eine Tochter Adams entrinnen.

 Satan sucht die Menschen heute zu ueberwinden, wie er unsere ersten Eltern ueberwand, indem er ihr Vertrauen zu dem Schoepfer erschuettert und sie verleitet, die Weisheit seiner Regierung und die Gerechtigkeit seiner Gesetze anzuzweifeln. Satan und seine Sendlinge stellen Gott schlimmer dar, als sie selbst sind, um ihre eigene Bosheit und Empoerung zu rechtfertigen. Der grosse Betrueger versucht, seinen schrecklich grausamen Charakter unserem himmlischen Vater unterzuschieben, damit er selbst als ein Wesen erscheine, dem durch die Verstossung aus dem Himmel ein grosses Unrecht zugefuegt wurde, da er sich einem so ungerechten Herrscher nicht unterwerfen wollte. Er fuehrt der Welt die Freiheit vor Augen, der sie sich unter seiner milden Herrschaft erfreuen koennte, im Gegensatz zu der durch die strengen Erlasse Gottes auferlegten Knechtschaft. Auf diese Weise gelingt es ihm, Seelen von ihrer Treue zu Gott abwendig zu machen.

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 Wie unvereinbar mit jeder Regung von Liebe und Barmherzigkeit, ja selbst mit unserem Sinn von Gerechtigkeit ist die Lehre, dass die gottlosen Toten mit Feuer und Schwefel in einer ewig brennenden Hoelle gepeinigt werden, dass sie fuer die Suenden in einem kurzen irdischen Leben leiden muessen, solange Gott lebt! Und doch ist dies allgemein gelehrt worden, und diese Lehre findet sich noch heute in vielen Glaubensbekenntnissen der Christenheit. Ein angesehener Theologe sagte: "Der Anblick der Hoellenqualen wird die Glueckseligkeit der heiligen fuer immer erhoehen. Wenn sie sehen, wie andere, gleicher Natur wie sie und unter den gleichen Umstaenden geboren, in solches Elend verstossen sind, waehrend sie selbst erhaben dastehen, werden sie innewerden, wie gluecklich sie sind." Ein anderer sprach folgendes: "Waehrend der Verdammungsbefehl ewig an den Gefaessen des Zornes ausgeuebt wird, wird der Rauch ihrer Qual ewiglich vor den Gefaessen der Gnade aufsteigen, und diese werden, statt an dem Schicksal dieser Elenden Anteil zu nehmen, sagen: Halleluja! Lobt den Herrn!"

 Wo finden sich im Worte Gottes solche Lehren? Werden die Erloesten im Himmel fuer alle Gefuehle des Mitleids und des Erbarmens, ja selbst fuer die Empfindungen gewoehnlicher Menschlichkeit unzugaenglich sein? Sollen diese gegen den Gleichmut des Stoikers oder die Grausamkeit des Wilden eingetauscht werden? - Nie und nimmer! Solches lehrt das Wort Gottes nicht! Maenner, welche die in jenen Zitaten dargelegten Ansichten verkuendigen, moegen Gelehrte und sogar aufrichtige Menschen sein, aber sie sind durch die Sophistereien Satans betrogen. Er verleitet sie, wichtige Ausdruecke der Heiligen Schrift zu entstellen und dem Wortlaut eine Faerbung zur Bitterkeit und Bosheit hin zu geben, die ihm selbst, aber nicht unserem Schoepfer eigen ist. "So wahr als ich lebe, spricht der Herr Herr, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. So bekehret euch doch nun von eurem boesen Wesen. Warum wollt ihr sterben?" (Hes. 33, 11)

 Koennte es zu Gottes Gunsten sein, wenn wir zugeben wollten, dass er sich beim Anblick unaufhoerlicher Qualen ergoetze, dass er erquickt werde durch das Stoehnen, das Geschrei und die Verwuenschungen der leidenden Geschoepfe, die er in den Flammen der Hoelle gefangenhaelt?

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Koennen diese entsetzlichen Toene Musik sein in den Ohren unendlicher Liebe? Es wird behauptet, dass die Verhaengung endlosen Elends ueber die Gottlosen den Hass Gottes gegen die Suende bekunde, die den Frieden und die Ordnung im Weltall zerstoere. O schreckliche Gotteslaesterung! Als ob Gottes Hass gegen die Suende ein Grund sei, sie zu verewigen! Denn nach den Lehren dieser Theologen macht die fortgesetzte Qual ohne Hoffnung auf Erbarmen ihre elenden Opfer rasend; und da sich ihre Wut in Fluechen und Gotteslaesterungen aeussert, vergroessern sie staendig ihre Schuldenlast. Gottes Herrlichkeit wird nicht erhoeht durch eine solche endlose Verewigung der bestaendig zunehmenden Suende.

 Es liegt ausserhalb der Faehigkeit des menschlichen Geistes das Uebel abzuschaetzen, das durch die falsche Lehre von der ewigen Qual geschaffen worden ist. Die Religion der Bibel, die voller Liebe und Guete und ueberaus reich an Erbarmen ist, wird durch den Aberglauben verfinstert und in Schrecken gehuellt. Ist es verwunderlich, dass unser gnadenreicher Schoepfer gefuerchtet, gescheut und sogar gehasst wird, wenn wir bedenken, in welchen falschen Farben Satan das Wesen Gottes gemalt hat? Die entsetzlichen Vorstellungen von Gott, wie sie durch jene Lehren von der Kanzel herunter ueber die Welt verbreitet wurden, haben Tausende, ja Millionen von Zweiflern und Unglaeubigen hervorgerufen.

 Die Ansicht von einer ewigen Qual ist eine der falschen Lehren, die zu dem Greuelwein des geistlichen Babylons gehoeren, mit dem es die Voelker trunken macht. (Offb. 14, 8; 17, 2) Wie Diener Christi diese falsche Lehre annehmen und sie von geweihter Staette herab verkuendigen konnten, ist in der Tat unverstaendlich. Sie empfingen sie, wie auch den falschen Sabbat, von Rom. Wohl haben grosse und gute Maenner diese Lehre auch gepredigt; aber ihnen war darueber nicht die Erkenntnis geworden wie uns heute. Sie waren nur fuer das Licht verantwortlich, das zu ihrer Zeit schien; wir muessen Rechenschaft ablegen ueber das Licht, das in unserer Zeit scheint. Wenden wir uns von dem Zeugnis des Wortes Gottes ab und nehmen wir falsche Lehren an, weil unsere Vaeter sie verbreiteten, so fallen wir unter die ueber Babylon ausgesprochene Verdammnis; wir trinken von dem Wein ihrer Greuel.

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 Sehr viele Menschen, denen die Lehre von einer ewigen Qual anstoessig ist, werden zu dem entgegengesetzten Irrtum getrieben. Sie sehen, dass die Heilige Schrift Gott als ein Wesen der Liebe und der Barmherzigkeit darstellt, und sie koennen nicht glauben, dass er seine Geschoepfe dem verzehrenden Feuer einer ewig brennenden Hoelle ueberlassen werde.

 Durch die Behauptung, dass die Seele an und fuer sich unsterblich sei, kommen sie zu dem Schluss, dass alle Menschen schliesslich gerettet werden. Die Drohungen der Bibel sind, nach ihrer Auffassung, nur dazu bestimmt, die Menschen durch Furcht zum Gehorsam zu bringen, aber nicht um buchstaeblich erfuellt zu werden. Auf diese Weise kann der Suender in selbstsuechtigem Vergnuegen dahinleben, die Anforderungen Gottes missachten und doch erwarten, schliesslich in Gnaden angenommen zu werden. Eine solche Lehre, die auf Gottes Gnade pocht, aber seine Gerechtigkeit unbeachtet laesst, gefaellt dem fleischlichen Herzen und macht die Gottlosen kuehn in ihrer Ungerechtigkeit.

 Um zu zeigen, wie die an eine allgemeine Erloesung glaubenden Menschen die Bibel verdrehen, um ihre seelenverderbenden Lehrsaetze zu unterstuetzen, braucht man nur ihre eigenen Aussprueche anzufuehren. Beim Begraebnis eines unglaeubigen jungen Mannes, der durch einen Unfall ploetzlich getoetet worden war, waehlte ein universalistischer Geistlicher als Text die auf David bezogene Aussage der Bibel: "Er hatte sich getroestet ueber Amnon, dass er tot war." (2. Sam. 13, 39)

 "Man fragt mich haeufig", sagte der Sprecher, "was das Schicksal jener sein werde, die in Suenden die Welt verlassen, die vielleicht in trunkenem Zustand sterben, mit den unabgewaschenen Scharlachflecken des Verbrechens an ihren Kleidern, oder die dahinfahren wie dieser junge Mann, ohne je nach Religion gefragt oder ihren Segen erfahren zu haben. Wir sind zufrieden mit der Heiligen Schrift; ihre Antwort soll die schwierige Aufgabe loesen. Amnon war ueberaus suendig; er war unbussfertig, er wurde trunken gemacht und in diesem Zustand umgebracht. David war ein Prophet Gottes; er muss gewusst haben, ob Amnon es in der zukuenftigen Welt schlecht oder gut haben werde. Was waren die Aeusserungen seines Herzens? `Er hatte sich getroestet ueber Amnon, dass er tot war.`

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 Welchen Schluss koenne wir aus diesen Worten ziehen? Ist es nicht dieser, dass die endlose Qual keinen Teil seines religioesen Glaubens ausmachte? So denken wir; und hier entdecken wir einen trefflichen Beweis als Stuetze der angenehmeren, erleuchtenderen, wohltaetigeren Annahme einer letzten allgemeinen Reinheit und eines dauernden Friedens. Er war getroestet darueber, dass sein Sohn tot war. Und warum? Weil sein prophetisches Auge vorwaerts in die herrliche Zukunft blicken und sehen konnte, dass sein Sohn, nachdem er - von allen Versuchungen weit entfernt, der Knechtschaft entbunden, von der Verderbtheit der Suende gereinigt - hinreichend geheiligt und erleuchtet worden war, in die Versammlung zum Himmel aufgefahrener, frohlockender Geister aufgenommen wurde. Sein einziger Trost war, dass sein geliebter Sohn, entrueckt aus dem gegenwaertigen Zustand der Suende und des Leidens, dorthin versetzt sei, wo die erhabensten Einfluesse des Heiligen Geistes sich in seine verfinsterte Seele ergiessen wuerden, wo sein Gemuet der Weisheit des Himmels und dem suessen Entzuecken unsterblicher Liebe geoeffnet wuerde und er, auf diese Weise ausgeruestet mit einem geheiligten Wesen, die Ruhe und die Gemeinschaft des himmlischen Erbes geniessen koenne.

 In diesen Gedanken moechten wir so verstanden werden, dass wir glauben, die Seligkeit des Himmels haengt von nichts ab, was wir in diesem Leben tun koennen, weder von einer gegenwaertigen Veraenderung des Herzens noch von dem jetzigen Glauben oder einem gegenwaertigen Religionsbekenntnis."

 Auf diese Weise wiederholte der angebliche Diener Christi die von der Schlange im Paradies ausgesprochene Luege: "Ihr werdet mitnichten des Todes sterben... Welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott." Er erklaerte, dass der groebste Suender, ob Moerder, Dieb oder Ehebrecher, nach dem Tode vorbereitet wird, um in unsterbliche Wonne einzugehen.

 Und woraus zieht dieser Verfaelscher der Heiligen Schrift seine Schluesse? Aus dem einzigen Satz, der Davids Unterwerfung unter die Fuegung der Vorsehung ausdrueckt. "David stand davon ab, auszuziehen wider Absalom; denn er hatte sich getroestet ueber Amnon, dass er tot war." Nachdem die Heftigkeit seines Schmerzes mit der Zeit nachgelassen hatte, wandten sich seine Gedanken von dem toten zu

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dem lebendigen Sohn, der aus Furcht vor der gerechten Bestrafung seines Verbrechens freiwillig in die Verbannung gegangen war. Und das waere der Beweis, dass der blutschaenderische, betrunkene Amnon unmittelbar nach dem Tode an den Ort der Wonne entrueckt wurde, um dort gereinigt und zubereitet zu werden fuer die Gemeinschaft suendloser Engel! Eine angenehme Fabel in der Tat, wohl geeignet, das fleischliche Herz zufriedenzustellen! Dies ist Satans eigene Lehre, und sie wirkt erfolgreich fuer sein Werk. Duerfen wir uns wundern, dass bei solcher Belehrung die Gottlosigkeit ueberhandnimmt?

 Das Verfahren dieses falschen Lehrers veranschaulicht das vieler anderer. Einige wenige Worte der Heiligen Schrift werden aus dem Zusammenhang gerissen, der in vielen Faellen zeigen wuerde, dass ihr Sinn gerade entgegengesetzt ist. Dann werden diese zerstueckelten Stellen verdreht und als Beweis von Lehren gebraucht, die im Worte Gottes keine Grundlage haben. Das als Beweis angefuehrte Zeugnis, dass der betrunkene Amnon im Himmel sei, ist nichts als eine Schlussfolgerung, der die deutliche und bestimmte Erklaerung der Heiligen Schrift, dass kein Trunkenbold das Reich Gottes ererben kann, (1.Kor. 6, 10) direkt widerspricht. Auf diese Weise verwandeln Zweifler, Unglaeubige und Skeptiker die Wahrheit Gottes in eine Luege; viele sind durch solche Sophistereien getaeuscht und in fleischliche Sicherheit gewiegt worden.

 Wenn es wahr waere, dass die Seelen aller Menschen bei ihrem Tod sofort in den Himmel gingen, dann moechten wir wohl eher den Tod begehren als das Leben. Viele sind durch diesen Glauben dazu verleitet worden, ihrem Dasein ein Ende zu machen. Von Sorgen, Schwierigkeiten und Enttaeuschungen ueberwaeltigt, scheint es ein leichtes zu sein, den schwachen Lebensfaden zu zerreissen und sich zur Wonne der ewigen Welt aufzuschwingen.

 Gott hat in seinem Wort entschiedene Beweise dargelegt, dass er die Uebertreter seines Gesetzes strafen will. Wer annimmt, dass Gott zu barmherzig sei, um an dem Suender Gerechtigkeit zu ueben, braucht nur auf das Kreuz von Golgatha zu schauen. Der Tod des makellosen Sohnes Gottes bezeugt, dass der Tod der Suende Sold ist, dass jede Uebertretung des Gesetzes Gottes ihre gerechte Vergeltung erfahren muss. Christus, der ohne Suende war, wurde um unsertwillen zur Suende gemacht.

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Er trug die Schuld er Uebertretung; seines Vaters Angesicht war vor ihm verhuellt, bis sein Herz brach und das Leben in ihm erstickte. Dies Opfer wurde gebracht, damit Suender erloest werden koennten. Auf keine andere Weise war es moeglich, den Menschen von der Strafe der Suende frei zu machen. Jede Seele, die sich weigert, an der so teuer erkauften Versoehnung teilzuhaben, muss selbst die Schuld und Strafe der Uebertretung tragen.

 Wir wollen betrachten, was die Bibel weiter ueber die Gottlosen und Unbussfertigen lehrt, die der Universalist als heilige, glueckliche Engel in den Himmel versetzt.

 "Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst." Diese Verheissung gilt nur denen, die duersten. Nur die nach dem Wasser des Lebens verlangen und es unter allen Umstaenden suchen, werden es erhalten. "Wer ueberwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein." (Offb. 21, 6,.7) Hier werden ebenfalls Bedingungen aufgestellt. Um alles zu ererben, muessen wir der Suende widerstehen und sie ueberwinden.

 Der Herr erklaert durch den Propheten Jesaja: "Prediget von den Gerechten, dass sie es gut haben... Weh aber den Gottlosen! denn sie haben es uebel, und es wird ihnen vergolten werden, wie sie es verdienen." (Jes. 3, 10. 11) "Ob ein Suender hundertmal boeses tut und lange lebt, so weiss ich doch, dass es wohl gehen wird denen, die Gott fuerchten, die sein Angesicht scheuen. Aber dem Gottlosen wird es nicht wohl gehen", sagt Salomo. (Pred. 8, 12. 13) Und Paulus bezeugt, dass der Gottlose sich selbst haeufe "Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken... denen, die da zaenkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit, Ungnade und Zorn". (Roem 2, 5. 6. 8)

 "Das sollt ihr wissen, dass kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger, welcher ist ein Goetzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes." (Eph. 5, 5) "Jaget nach - dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen." (Hebr. 12, 14) "Selig sind, die seine Gebote halten, auf dass sie Macht haben an dem Holz des

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Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt. denn draussen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Totschlaeger und die Abgoettischen und alle, die liebhaben und tun die Luege." (Offb. 22, 14. 15)

 Gott hat den Menschen sein Wesen und seine Verfahrensweise mit der Suende beschrieben: "Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnaedig und geduldig und von grosser Gnade und Treue! der da bewahret Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat, Uebertretung und Suende, und vor welchem niemand unschuldig ist." (2. Mose 34, 6. 7) "Der Herr... wird vertilgen alle Gottlosen." "Die Uebertreter werden vertilgt miteinander, und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet." (Ps. 145, 20; 37, 38) Wohl wird die Macht und Autoritaet der goettlichen Regierung angewandt, um die Empoerung niederzuschlagen, dennoch werden alle Bekundungen der vergeltenden Gerechtigkeit vollkommen mit dem Charakter Gottes, der barmherzig, langmuetig und guetig ist, uebereinstimmen.

 Gott zwingt niemandes Willen oder Urteil. Er hat kein Gefallen an sklavischen Gehorsam. Er wuenscht, dass seine Geschoepfe ihn lieben, weil er der Liebe wert ist. Er will, dass sie ihm gehorchen, weil sie seine Weisheit, Gerechtigkeit und Grossmut wuerdigen koennen. Wer eine richtige Vorstellung von diesen Eigenschaften hat, wird ihn lieben, weil er in Bewunderung seines Wesens zu ihm gezogen wird.

 Die Grundsaetze der Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Liebe, wie sie von unserem Heiland gelehrt und ausgelebt wurden, sind ein Abbild des Willens und Wesens Gottes. Christus erklaerte, dass er nichts gelehrt habe, was er nicht von seinem Vater empfangen haette. Die Grundsaetze der goettlichen Regierung stimmen vollkommen mit dem Gebot des Heilandes ueberein: "Liebet eure Feinde!" Gott laesst den Boesen Gerechtigkeit widerfahren zum Besten des Weltalls, ja selbst zum Besten derer, die von seinen Gerichten heimgesucht werden. Er wuerde sie gluecklich machen, wenn er dies in Uebereinstimmung mit den Gesetzen seiner Regierung und der Gerechtigkeit seines Wesens tun koennte. Er umgibt sie mit Zeichen seiner Liebe, er schenkt ihnen die Kenntnis seines Gesetzes und geht ihnen nach mit dem Anerbieten seiner Gnade; aber sie verachten seine Liebe, uebertreten sein Gesetz und verwerfen seine Gnade. Waehrend sie bestaendig seine Gaben empfangen, entehren sie den Geber. Sie hassen Gott, weil sie wissen, dass

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er ihre Suenden verabscheut. Der Herr hat lange Geduld mit ihrer Bosheit; aber die Stunde wird schliesslich doch kommen, da ihr Schicksal entschieden werden muss. Wird er dann die Empoerer an sich ketten? Wird er sie zwingen, seinen Willen zu tun?

 Seelen, die Satan zu ihrem Fuehrer erwaehlten und sich von seiner Macht beherrschen liessen, sind nicht vorbereitet, in die Gegenwart Gottes zu treten. Stolz, Trug, Ausschweifung, Grausamkeit haben sich in ihrem Herzen eingewurzelt. Koennen sie in den Himmel eingehen, um ewig mit denen zusammenzuleben, die sie auf Erden verachteten und hassten? Die Wahrheit wird einem Luegner nie angenehm sein; Sanftmut kann Eigenduenkel und Stolz nicht befriedigen, Reinheit wird von dem Verderbten nicht angenommen, und selbstlose Liebe erscheint dem Selbstsuechtigen nicht anziehend. Welche Freuden koennte der Himmel denen bieten, die hier voellig in irdischen und selbstsuechtigen Interessen aufgehen?

 Koennten die Menschen, die ihr Leben in Empoerung gegen Gott zugebracht haben, ploetzlich in den Himmel versetzt werden und den hohen und heiligen Zustand der Vollkommenheit ertragen, der stets dort herrscht, wo jede Seele mit Liebe erfuellt ist, jedes Angesicht vor Freude strahlt; wo klangvolle Melodien zur Ehre Gottes und des Lammes ertoenen und Stroeme des Lichts, die ausgehen vom Angesicht dessen, der auf dem Stuhl sitzt, unaufhoerlich ueber die Erloesten hinwegfluten? Koennten Seelen, deren Herzen mit Hass gegen Gott, gegen Wahrheit und Heiligkeit erfuellt sind, sich unter die himmlische Schar mischen und in ihren Lobgesang mit einstimmen? Koennten sie die Herrlichkeit Gottes und des Lammes ertragen? Nimmermehr! Jahre der Gnadenzeit waren ihnen gewaehrt, damit sie einen Charakter fuer den Himmel heranbildeten, aber sie haben sich nie darin geuebt, das Reine zu lieben, haben niemals die Sprache des Himmels gelernt - nun ist es zu spaet. Ein Leben der Empoerung gegen Gott hat sie fuer den Himmel untauglich gemacht. Seine Reinheit, seine Heiligkeit und sein Friede waere ihnen eine Qual, die Herrlichkeit Gottes ein verzehrendes Feuer. Sie wuerden sich danach sehnen, von jenem heiligen Orte zu fliehen. Sie heissen den Untergang willkommen, damit sie vor dem Angesicht Jesu, der starb, um sie zu erloesen, verborgen waeren. Das Schicksal der Gottlosen wird durch ihre eigene Wahl besiegelt. Ihren

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Ausschluss aus dem Himmel haben sie freiwillig herausgefordert; von seiten Gottes ist er gerecht und barmherzig.

 Gleich den Wassern der Sintflut verkuenden die Feuer des grossen Tages das Urteil Gottes, dass die Gottlosen unheilbar sind. Sie wollen sich der goettlichen Autoritaet nicht unterwerfen. Ihr Wille hat sich in Empoerung geuebt, und wenn das Leben zu Ende ist, wird es zu spaet sein, ihre Gedanken in die entgegengesetzte Richtung zu lenken, zu spaet, um sich von der Uebertretung zum Gehorsam, vom Hass zur Liebe zu bekehren.

 Indem Gott den Moerder Kain am Leben erhielt, zeigte er der Welt, welche Folgen eintreten, wenn der Suender am Leben bleibt und seinen Wandel in zuegelloser Bosheit weiterfuehrt. Durch den Einfluss von Kains Lehren und Beispiel wurden Tausende seiner Nachkommen zur Suende verleitet, bis "der Menschen Bosheit gross war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur boese war immerdar... Die Erde war verderbt vor Gottes Augen und voll Frevels". (1. Mose 6, 5. 11)

 Weil er mit der Erde Erbarmen hatte, vertilgte Gott ihre verderbten Bewohner zur Zeit Noahs. Aus Barmherzigkeit vernichtete er die gottlosen Einwohner Sodoms. Durch die truegerische Macht Satans erlangen die Uebeltaeter Mitgefuehl und Bewunderung und fuehren dadurch bestaendig andere zur Empoerung. So war es in Kains und in Noahs Tagen, zur Zeit Abrahams und Lots; so ist es auch heute. Aus Erbarmen mit dem Weltall wird Gott die Verwerfer seiner Gnade vernichten.

 "Der Tod ist der Suende Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn." (Roem. 6, 23) Waehrend Leben das Erbe der Gerechten ist, wird Tod das Teil der Gottlosen sein. Mose erklaerte Israel: "Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Boese." (5. Mose 30,15) Der in dieser Schriftstelle erwaehnte Tod ist nicht der ueber Adam ausgesprochene Tod, denn alle Menschen erleiden die Strafe der Uebertretung, sondern es ist der "zweite Tod", der dem ewigen Leben gegenuebergestellt wird.

 Der Tod ist infolge der Suende Adams auf das ganze menschliche Geschlecht gekommen. Alle ohne Unterschied sinken ins Grab. Durch die Einsetzung des Erloesungsplanes werden alle wieder aus ihren Graebern hervorgehen. Es gibt eine zukuenftige "Auferstehung der

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Toten, der Gerechten und Ungerechten". (Apg. 24, 15) "Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden." (1. Kor. 15, 22) Dennoch wird ein Unterschied bestehen zwischen den beiden Klassen, die aus den Graebern hervorgehen werden. "Alle, die in den Graebern sind, werden seine Stimme hoeren, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Uebles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts." (Joh. 5, 28. 29) Die der Auferstehung des Lebens wuerdig befunden wurden, sind "selig... und heilig... Ueber solche hat der andere Tod keine Macht". (Offb. 20, 6) Die Menschen hingegen, die nicht durch Busse und Glauben Vergebung erlangt haben, muessen die Strafe fuer ihre Uebertretung, "der Suende Sold", erdulden. Sie erleiden Pein nach ihren Werken, unterschiedlich in Dauer und Staerke, die mit dem andern Tod endet. Da es Gott in Uebereinstimmung mit seiner Gerechtigkeit und Gnade unmoeglich ist, den Suender in seinen Suenden zu erretten, muss dieser sein Leben lassen, das er durch seine Uebertretungen verwirkt hat und dessen er sich unwuerdig erwies. Der Psalmist sagt: "Es ist noch um ein kleines, so ist der Gottlose nimmer; und wenn du nach seiner Staette sehen wirst, wird er weg sein." (Ps. 37, 10) Ein anderer erleuchteter Schreiber erklaert: Sie "sollen sein, als waeren sie nie gewesen". (Obad. 16,9) Mit Schande bedeckt, versinken sie in hoffnungslose, ewige Vergessenheit.

 So wird der Suende mit allem Weh und Verderben, die aus ihr hervorgegangen sind, ein Ende gemacht. Der Psalmist sagt: "Du... bringst die Gottlosen um; ihren Namen vertilgst du immer und ewiglich... ihr Gedaechtnis ist umgekommen samt ihnen." (Ps. 9, 6.7) In der Offenbarung hoert Johannes, indem er auf den ewigen Zustand vorausblickt, einen allgemeinen Lobgesang, der von keinem einzigen Missklang gestoert wird. Alle Kreatur im Himmel und auf Erden gibt Gott die Ehre.(Offb. 5, 13) Es gibt keine verlorenen Seelen mehr, die Gott laestern, waehrend sie sich unter Qualen kruemmen; keine elenden Geschoepfe der Hoelle werden ihre Schmerzensschreie mit den Gesaengen der Erloesten vermischen.

 Auf dem Grundirrtum der natuerlichen Unsterblichkeit beruht die Lehre von dem Bewusstsein im Tode - eine Lehre, die gleich der von der ewigen Qual den Lehren der Heiligen Schrift, den Eingebungen der

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Vernunft und unsern Gefuehlen der Menschlichkeit widerstrebt. Nach allgemein verbreiteter Auffassung sind die Erloesten im Himmel mit allem vertraut, was auf Erden stattfindet, besonders mit dem Leben der Freunde, die sie zurueckgelassen haben. Wie koennte es aber fuer die Toten eine Quelle der Glueckseligkeit sein, die Widerwaertigkeiten der Lebenden zu kennen, die von ihren Lieben begangenen Suenden wahrzunehmen und zu sehen, wie sie Leiden, Enttaeuschungen und die Sorgen des Lebens erdulden? Wieviel wuerden jene, deren Gedanken bei ihren Freunden auf Erden verweilen, von der Wonne des Himmels geniessen? Und wie ausserordentlich empoerend ist ferner der Glaube, dass die Seele des Unbussfertigen den Flammen der Hoelle uebergeben werde, sobald der Odem den Leib verlaesst! Welch tiefe Angst mussten die Menschen erleiden, die ihre Freunde unvorbereitet ins Grab sinken sehen, um eine Ewigkeit der Pein und der Suende anzutreten! Viele sind durch diesen qualvollen Gedanken zum Wahnsinn getrieben worden.

 Was sagt die Heilige Schrift ueber diese Dinge? David erklaert, dass der Tote kein Bewusstsein besitzt: "Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden, alsdann sind verloren alle seine Anschlaege." (Ps. 146, 4) Salomo bezeugt das gleiche: "Die Lebendigen wissen, dass sie sterben werden; die Toten aber wissen nichts, sie haben auch keinen Lohn mehr - denn ihr Gedaechtnis ist vergessen, dass man sie nicht mehr liebt noch hasst noch neidet - und haben kein Teil mehr auf der Welt an allem, was unter der Sonne geschieht... Denn bei den Toten, dahin du faehrst, ist weder Werk, Kunst, Vernunft noch Weisheit." (Pred. 9, 5. 6. 10)

 Als Hiskias Leben, in Erfuellung seines Gebets, um fuenfzehn Jahre verlaengert wurde, huldigte der dankbare Koenig Gott mit Lob und Preis fuer seine grosse Barmherzigkeit. In diesem Lobgesang nennt er den Grund seiner Freude: "Denn die Hoelle lobt dich nicht; so ruehmt dich der Tod nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Wahrheit; sondern allein, die da leben, loben dich, wie ich jetzt tue." (Jes. 38, 18.19) Die allgemeine Theologie sagt von den gerechten Toten, dass sie im Himmel seien, wo sie, in Wonne lebend, Gott mit unsterblicher Zunge preisen; aber Hiskia konnte im Tode keine solche herrliche Erwartung sehen. Mit seinen Worten stimmt das Zeugnis des Psalmisten ueberein:

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"Im Tode gedenkt man dein nicht; wer will dir bei den Toten danken?" "Die Toten werden dich, Herr, nicht loben, noch die hinunterfahren in die Stille." (Ps. 6,6; 115, 17)

 Petrus sagte am Pfingsttag von dem Erzvater David. "Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag... Denn David ist nicht gen Himmel gefahren." (Apg. 2, 29. 34) Die Tatsache, dass David bis zur Auferstehung im Grabe bleibt, beweist: Die Gerechten gehen beim Tode nicht in den Himmel ein. Nur durch die Auferstehung und kraft der Tatsache, dass Christus auferstanden ist, kann David schliesslich zur Rechten Gottes sitzen.

 Paulus erklaerte: "So die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Suenden. So sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren." (1. Kor. 15, 16-18) Waeren 4000 Jahre lang die Gerechten beim Tode sofort in den Himmel aufgenommen worden, wie haette Paulus dann sagen koennen, dass, wenn es keine Auferstehung gaebe, "auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren" seien? Es waere dann ueberhaupt keine Auferstehung noetig.

 Der Maertyrer Tyndale sagte ueber den Zustand der Toten: "Ich gestehe offen, ich bin nicht davon ueberzeugt, dass sie schon in der Herrlichkeit leben, wie Christus und die erwaehlten Engel Gottes. Auch ist diese Lehre kein Artikel meines Glaubensbekenntnisses; denn wenn dem so waere, saehe ich die Predigt von der Auferstehung des Leibes als ganz vergeblich an." (Tyndale, Preface to "New Testament", 1534)

 Es ist eine unleugbare Tatsache, dass die Hoffnung, beim Tode sofort in unsterbliche Seligkeit versetzt zu werden, zu einer weitverbreiteten Vernachlaessigung der biblischen Lehre ueber die Auferstehung gefuehrt hat. Dr. Adam Clarke stellte dies fest und sagte: "Die Auferstehungslehre scheint unter den ersten Christen von weit groesserer Bedeutung gewesen zu ein, als es heute der Fall ist. Wie kommt das? Die Apostel betonten sie bestaendig und ermahnten durch sie die Gotteskinder zu Fleiss, Gehorsam und Freudigkeit. Ihre Nachfolger in der Gegenwart erwaehnen sie nur selten! So predigten die Apostel und so glaubten die ersten Christen; so predigen wir, und so glauben unsere Zuhoerer. Es

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gibt keine Lehre im Evangelium, auf die mehr Nachdruck gelegt wird, und es findet sich keine Lehre in der gegenwaertigen theologischen Verkuendigung, die mehr vernachlaessigt wird." (Clarke, "Commentary on the New Testament", Bd. II, ueber 1. Kor. 15)

 Dies hat angedauert, bis die herrliche Wahrheit von der Auferstehung beinahe gaenzlich verdunkelt und von der christlichen Welt fast voellig aus den Augen verloren worden ist. Ein fuehrender religioeser Schriftsteller sagt in seinen Anmerkungen zu den Worten des Apostels Paulus in 1. Thessalonicher 4, 13-18: "Fuer alle praktischen Zwecke des Trostes nimmt die Lehre von der seligen Unsterblichkeit der Gerechten fuer uns die Stelle irgendeiner zweifelhaften Lehre von dem zweiten Kommen Christi ein. Bei unserem Tode kommt der Herr fuer uns. Darauf sollen wir harren, dafuer wachen. Die Toten sind bereits in die Herrlichkeit eingegangen. Sie warten nicht auf die Posaune, ihr Urteil und ihre Seligkeit zu erlange."

 Aber als Jesus im Begriff stand, seine Juenger zu verlassen, sagte er ihnen nicht, dass sie bald zu ihm kommen wuerden. "Ich gehe hin", sprach er, "euch die Staette zu bereiten. Und wenn ich hingehe, euch die Staette zu bereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen." (Joh. 14, 2.3) Und Paulus sagt uns weiter, dass "er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und uebrig bleiben, werden zugleich mit ihnen hingerueckt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit." Ausserdem fuegt er hinzu: "So troestet euch nun mit diesen Worten untereinander." (1. Thess. 4, 16-18) Wie gross ist der Unterschied zwischen diesen Worten des Trostes und jenen eben angefuehrten Bemerkungen des Universalistenpredigers! Dieser troestete die trauernden Freunde mit der Versicherung, dass der Tote, wie suendig er auch gewesen sein mag, unter die Engel aufgenommen worden sei, sobald er sein Leben hier auf Erden ausgehaucht hatte. Paulus weist seine Brueder auf das zukuenftige Kommen des Herrn hin, da die Fesseln des Grabes gebrochen und "die Toten in Christo" zu ewigen Leben auferweckt werden sollen.

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 Bevor irgendwelche Seelen die Wohnungen der Seligen betreten koennen, muss jeder Fall untersucht, muessen ihr Charakter und ihre Werke von Gott beurteilt werden. Alle werden nach den in den Buechern aufgezeichneten Berichten gerichtet; alle werden den Lohn empfangen nach ihren Werken. Dieses Gericht findet nicht beim Tode statt. Man beachte die Worte des Paulus: "Darum dass er einen Tag gesetzt hat, an welchem er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit durch einen Mann, in welchem er's beschlossen hat und jedermann vorhaelt den Glauben, nachdem er ihn hat von den Toten auferweckt." (Apg. 17, 31) Hier erklaert der Apostel deutlich, dass fuer das Gericht eine bestimmte, damals zukuenftige Zeit festgesetzt sei.

 Judas verweist auf denselben Zeitpunkt: "Die Engel, die ihr Fuerstentum nicht bewahrten, sondern verliessen ihre Behausung, hat er behalten zum Gericht des grossen Tages mit ewigen Banden in der Finsternis." Ferner fuehrt er die Worte Henochs an: "Siehe, der Herr kommt mit vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten ueber alle." (Jud. 6, 14. 15) Johannes erklaert, dass er "sah die Toten, beide, gross und klein, stehen vor Gott... Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Buechern, nach ihren Werken." (Offb. 20. 12)

 Wenn sich aber die Toten bereits der Wonne des Himmels erfreuen oder sich in den Flammen der Hoelle winden, wozu ist dann noch ein kuenftiges Gericht notwendig? Die Lehren des Wortes Gottes ueber diese wichtigen Fragen sind weder dunkel noch widersprechend, sie koennen von einfachen Leuten verstanden werden. Welches aufrichtige Gemuet kann aber in der ueblichen Lehre Weisheit oder Gerechtigkeit sehen? Sollen die Gerechten nach der Untersuchung ihrer Faelle im Gericht das Lob empfangen: "Ei du frommer und getreuer Knecht... gehe ein zu deines Herrn Freude!" (Matth. 25, 21), wenn sie vielleicht schon jahrhundertelang in seiner Gegenwart verweilt haben? Sollen die Gottlosen von dem Ort der Qual weggerufen werden, um von dem Richter der ganzen Erde das Urteil zu vernehmen: "Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer"? (Matth. 25, 41) Welch ein Spott! Welch schaendliche Anklage gegen die Weisheit und Gerechtigkeit Gottes!

 Die Theorie von der Unsterblichkeit der Seele war eine der falschen Lehren, die Rom dem Heidentum entlehnte und mit der christlichen

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Religion vermengte. Martin Luther reihte sie "den zahllosen Ausgeburten des roemischen Misthaufens der Dekretalen an". (Petavel, "The Problem of Immortality", S. 255) In seinen Anmerkungen zu den Worten Salomos im Prediger, dass die Toten nichts wissen, sagt der Reformator. "Ein weiterer Beweis, dass die Toten bewusstlos sind. Salomo denkt deshalb, die Toten schliefen gaenzlich, und daechten an nichts. Sie liegen, ohne Tage oder Jahre zu rechnen; doch wenn sie aufwachen, wird es ihnen vorkommen, als ob sie nur einen Augenblick geschlafen haetten." (Luthers Werke, St. L., Bd. V, S. 1535 f.)

 Nirgends in der Heiligen Schrift ist die Erklaerung zu finden, dass die Gerechten ihre Belohnung oder die Gottlosen ihre Strafe beim Tode erhalten. Die Erzvaeter und Propheten haben keine solche Zusicherung hinterlassen. Christus und seine Apostel haben nichts Derartiges angedeutet. Die Bibel lehrt deutlich, dass die Toten nicht unmittelbar in den Himmel eingehen, sondern bis zur Auferstehung schlafen. (1. Thess. 4, 14; Hiob 14, 10-12) An demselben Tage, an dem der "silberne Strick" wegkommt und die "goldene Schale" zerbricht, (Pred. 12, 6) werden des Menschen Gedanken zunichte. Die in das Grab hinunterfahren, verharren in Schweigen. Sie wissen nichts mehr von allem, was unter der Sonne geschieht. (Hiob, 14, 21) Selige Ruhe fuer die mueden Gerechten! Die Zeit, sei sie kurz oder lang, ist nur ein Augenblick fuer sie! Sie entschlafen und werden durch die Posaune Gottes zu einer herrlichen Unsterblichkeit auferweckt. "Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich... Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfuellt werden das Wort, das geschrieben steht. `Der Tod ist verschlungen in den Sieg.`" (1. Kor. 15, 52-55) Wenn sie aus ihrem tiefen Schlummer herausgerufen werden, fangen sie gerade da an zu denken, wo sie seinerzeit aufhoerten. Das letzte Gefuehl war die Todesangst, der letzte Gedanke, dass sie der Macht des Grabes anheimfielen. Nun, da sie auferstanden sind, wird ihr erster froher Gedanke in dem frohlockenden Ruf ausbrechen: "Tod, wo ist dein Stachel? Hoelle, wo ist dein Sieg?" (1. Kor. 15, 52- 55)

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