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Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis „Ueberwindung und Endsieg der Gottgetreuen” Die Schlingen Satans Der grosse Streit zwischen Christus und Satan, der schon nahezu 6000 Jahre waehrt, wird bald zu Ende gehen. Der Boshafte verdoppelt seine Bemuehungen, Christi Werk fuer die Menschen zu vereiteln und Seelen in seinen Schlingen zu verstricken. Das Ziel, wonach er strebt, heisst: die Menschen in Dunkel und Unbussfertigkeit zu halten, bis das Mittleramt Christi beendet ist und es fuer die Suende kein Opfer mehr gibt. Wird keine besondere Anstrengung unternommen, seiner Macht zu widerstehen, und herrscht in der Gemeinde und in der Welt Gleichgueltigkeit, dann ist Satan unbekuemmert; denn dann besteht nicht die Gefahr, die zu verlieren, die er nach seinem Willen gefangenfuehrt. Wird aber die Aufmerksamkeit auf ewige Dinge gelenkt und fragen Seelen: "Was soll ich tun, dass ich selig werde?", (Apg. 16, 30) so ist Satan da, sucht mit seiner Staerke der Macht Christi zu widerstehen und wirkt dem Einfluss des Heiligen Geistes entgegen. Die Heilige Schrift sagt, dass bei einem bestimmten Anlass, "da die Kinder Gottes kamen und vor den Herrn traten, kam der Satan auch unter ihnen", (Hiob 1, 6) nicht etwa, um vor dem ewigen Koenig anzubeten, sondern um seine boeswilligen Anschlaege gegen die Gerechten zu foerdern. Mit derselben Absicht ist er dabei, wo Menschen sich zum Gottesdienst versammeln. Wenn auch dem Auge verborgen, wirkt er doch mit allem Fleiss, die Gedanken der Anbetenden zu beherrschen. Einem geschickten Feldherrn gleich legt er seine Plaene im voraus. Sieht er, dass Gottes Boten die Heilige Schrift durchforschen, so merkt er sich das Thema, das den Menschen vorgetragen werden soll. Dann wendet er alle seine List und Verschlagenheit an, um die Verhaeltnisse so Seite 521 (Englisch Seite 518,519) einzurichten, dass die Botschaft jene nicht erreichen kann, die er gerade ueber diesen Punkt taeuschen will. Wer der Warnung am meisten bedarf, wird in irgendeine dringende Geschaeftssache verwickelt, die seine Anwesenheit verlangt, oder durch irgendein anderes Mittel vom Anhoeren der Worte abgehalten, die sich fuer ihn als ein "Geruch des Lebens zum Leben" erweisen koennten. Satan sieht auch, wenn die Diener des Herrn wegen der geistlichen Finsternis, die das Volk umgibt, bedrueckt sind. Er hoert ihre ernsten Gebete um goettliche Gnade und um Kraft, den auf ihnen liegenden Bann der Gleichgueltigkeit, der Sorglosigkeit und Traegheit zu brechen. Dann betreibt er mit erneutem Eifer seine Anschlaege. Er versucht die Menschen, der Esslust zu froenen oder sich irgendeiner anderen Form der Genussucht hinzugeben, und betaeubt auf diese Weise ihr Feingefuehl, so dass sie gerade die Dinge nicht hoeren, die zu lernen sie so sehr noetig haben. Der boese Feind weiss wohl, dass alle, die er verleiten kann, das Gebet und das Forschen in der Heiligen Schrift zu vernachlaessigen, durch seine Angriffe ueberwunden werden. Deshalb erfindet er alle moeglichen Plaene, um den Geist in Anspruch zunehmen. Es hat von jeher eine Klasse von Menschen gegeben, die vorgibt, gottselig zu leben, die aber, statt in der Erkenntnis der Wahrheit fortzuschreiten, es zu ihrer Religion macht, irgendeinen Charakterfehler oder einen Glaubensirrtum bei jenen zu suchen, mit denen sie nicht uebereinstimmen. Solche Seelen sind Satans Hauptgehilfen. Es gibt viele Verklaeger der Brueder; man findet sie stets taetig, wenn Gott wirkt und seine Diener ihm wahre Huldigung erweisen. Sie werfen ein falsches Licht auf die Worte und Handlungen derer, die die Wahrheit lieben und ihr gehorchen, und stellen die ernsten, eifrigen, selbstverleugnenden Diener Christi als Betrogene oder als Betrueger hin. Sie missdeuten die Beweggruende jeder guten und edlen Tat, bringen Geruechte in Umlauf und erwecken Argwohn in den Gemuetern der Unerfahrenen. In jeder denkbaren Weise trachten sie danach, dass das Reine und gerechte als verderbt und truegerisch angesehen werde. Aber niemand braucht sich ueber sie einer Taeuschung hinzugeben. Es laesst sich leicht ersehen, wessen Kinder sie sind, wessen Beispiel sie folgen und wessen Werke sie tun. "An ihren Fruechten sollt ihr sie erkennen." (Matth. 7, 16) Seite 522 (Englisch Seite 519,520) Ihr Benehmen gleicht dem Satans, des giftigen Verleumders, des Verklaegers unserer Brueder. (Offb. 12, 10) Der grosse Betrueger hat viele Vertreter, die bereitwillig alle und jede Art des Irrtums ersinnen, um Seelen zu verstricken: Ketzereien, die dazu angelegt sind, sich dem verschiedenen Geschmack und Fassungsvermoegen derer anzupassen, die er verderben moechte. Es ist sein Plan, unaufrichtige, verderbte Personen in die Gemeinde zu bringen, die den Zweifel und Unglauben ermutigen und allen denen hindernd in den Weg treten, die Gottes Werk wachsen sehen und mit ihm vorwaertskommen moechten. Viele, die nicht wirklich an Gott oder an sein Wort glauben, stimmen gewissen Grundsaetzen der Wahrheit zu und gelten als Christen und fuehren dadurch ihre Irrtuemer als biblische Lehren ein. Die Behauptung, dass es gleichgueltig sei, was die Menschen glauben, ist eine der erfolgreichsten Taeuschungen Satans. er weiss, dass die in Liebe aufgenommene Wahrheit die Seele des Empfaengers heiligt; deshalb sucht er bestaendig falsche Theorien, Fabeln, ja ein anderes Evangelium unterzuschieben. Von Anbeginn haben Gottes Diener gegen falsche Lehrer gekaempft, nicht nur, weil diese lasterhafte Menschen waren, sondern weil sie die Irrtuemer verbreiteten, die der Seele zum Verderben gereichen. Elia, Jeremia, Paulus widersetzten sich furchtlos und entschieden denen, die die Menschen dem Worte Gottes abspenstig machten. Jener Freisinn, der einen echten religioesen Glauben als unwichtig betrachtet, fand keine Anerkennung bei diesen heiligen Verteidigern der Wahrheit. Die leeren und ueberspannten Auslegungen der Heiligen Schrift und die vielen sich widersprechenden Ansichten ueber den religioesen Glauben, wie sie unter Christen bestehen, sind das Werk unseres grossen Widersachers, der die Gemueter so verwirren will, dass sie die Wahrheit nicht unterscheiden koennen. Die Uneinigkeit und Spaltung, die sich in den christlichen Gemeinschaften kundtut, ist vorwiegend dem herrschenden Brauch zuzuschreiben, die Heilige Schrift zu verdrehen, um irgendeine Lieblingsansicht zu unterstuetzen. Statt Gottes Wort sorgfaeltig mit demuetigem Herzen zu studieren, um seinen Willen kennenzulernen, suchen viele nur darin, um etwas Wunderliches oder Eigentuemliches zu entdecken. Seite 523 (Englisch Seite 520) Um Irrlehren oder unchristliche Braeuche zu unterstuetzen, loesen manche bestimmte Schriftstellen aus ihrem Zusammenhang und fuehren vielleicht die Haelfte eines einzelnen Verses zur Bestaetigung ihrer Behauptung an, obgleich der uebrige Teil den entgegengesetzten Sinn hat. Mit der List einer Schlange verschanzen sie sich hinter unzusammenhaengenden Aeusserungen, die sie um ihrer fleischlichen Gelueste willen aufstellen. So verdrehen viele absichtlich das Wort Gottes. Andere, die eine lebendige Einbildungskraft besitzen, nehmen die Bilder und Sinnbilder der Heiligen Schrift auf, legen sie ihrer Phantasie gemaess aus, mit wenig Ruecksicht auf das Zeugnis der Heligen Schrift als ihr eigener Ausleger, und tragen dann ihre Einfaelle als biblische Lehren vor. Wird das Studium der Heiligen Schrift nicht in betendem, demuetigem, lernbegierigem Geist durchgefuehrt, dann werden sowohl die einfachsten und deutlichsten als auch die schwierigeren Stellen in ihrer wahren Bedeutung entstellt. Die paepstlichen Wuerdentraeger waehlen solche Teile der Heiligen Schrift, die ihrer Absicht am besten dienen, legen sie aus, wie es ihnen passt, und tragen sie dann dem Volk vor, waehrend sie ihm die Freiheit, die Bibel selbst zu studieren und deren heilige Wahrheiten zu verstehen, versagen. Die ganze Bibel in ihrem vollstaendigen Wortlaut sollte dem Volk zugaenglich sein. Es waere besser, ihm ueberhaupt keinen biblischen Unterricht zu erteilen, als die Lehren der Heiligen Schrift auf so grobe Weise zu verfaelschen. Die Bibel war bestimmt, allen denen ein Fuehrer zu sein, die mit dem Willen ihres Schoepfers vertraut werden sollten. Gott gab dem Menschen das feste prophetische Wort; Engel und sogar Christus selbst kamen, um Daniel und Johannes die Dinge kundzutun, die sich in Kuerze zutragen muessen. Jene wichtigen Angelegenheiten, die unser Heil betreffen, blieben keineswegs Geheimnis, sie wurden auch nicht in einer solchen Weise offenbart, dass sie den aufrichten Forscher nach Wahrheit verwirren oder irreleiten konnten. Der Herr sagte durch den Propheten Habakuk: "Schreib das Gesicht und male es auf eine Tafel, dass es lesen koenne, wer vorueberlaeuft." (Hab. 2,2) Das Wort Gottes ist allen verstaendlich, die darin mit betendem Herzen forschen. Jede wahrhaft aufrichtige Seele wird zum Licht der Wahrheit gelangen. Seite 524 (Englisch Seite 521,522) "Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen." (Ps. 97, 11) Keine Gemeinde kann in der Heiligung zunehmen, es sei denn, ihre Glaeubigen suchen nach der Wahrheit wie nach einem verborgenen Schatz. Durch den Ruf: Nur nicht engherzig! werden die Menschen blind gegen die Plaene ihres Widersachers, waehrend er bestaendig auf die Erreichung seiner Absicht hinwirkt. Gelingt es ihm, die Bibel durch menschliche Ansichten zu verdraengen, dann wird das Gesetz Gottes beiseitegesetzt, und die Kirchen stehen unter der Knechtschaft der Suende, waehrend sie den Anspruch erheben, frei zu ein. Vielen ist die wissenschaftliche Forschung zum Fluch geworden. Gott hat der Welt viel Licht zu den Leistungen in Kunst und Wissenschaft gegeben; aber selbst die faehigsten Koepfe werden, wenn nicht der Geist Gottes sie leitet, verwirrt, sobald sie versuchen, die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Offenbarung zu ergruenden. Die menschliche Erkenntnis, sowohl in materiellen als auch in geistlichen Dingen, ist Stueckwerk und unvollkommen; deshalb sind viele nicht imstande, ihre wissenschaftlichen Ansichten mit schriftgemaessen Erklaerungen in Uebereinstimmung zu bringen. Manche nehmen blosse Theorien und Vermutungen als wissenschaftliche Tatsachen an und meinen, das Wort Gottes muesse an "der falsch beruehmten Kunst" geprueft werden. (1. Tim. 6, 20) Der Schoepfer und seine Werke gehen ueber ihr Begriffsvermoegen hinaus, und weil sie diese nicht durch natuerliche Gesetze erklaeren koennen, wird die biblische Geschichte als unzuverlaessig betrachtet. Und wenn sie die Berichte des Alten und Neuen Testaments bezweifeln, gehen sie nur zu oft noch einen Schritt weiter und stellen das Dasein Gottes in Frage und schreiben der Natur eine unendliche Macht zu. Haben sie ihren Anker losgelassen, werden sie an die Felsen des Unglaubens verschlagen. Auf diese Weise irren viele vom Glauben ab und werden vom Teufel verfuehrt. Die Menschen haben danach getrachtet, weiser zu sein als ihr Schoepfer; menschliche Weisheit hat versucht, Geheimnisse zu ergruenden und zu erklaeren, die in Ewigkeit nicht offenbar werden. Wollten die Menschen doch untersuchen und verstehen, was Gott von sich selbst und seinen Absichten kundgetan hat, so wuerden sie einen solchen Eindruck von der Herrlichkeit, Majestaet und Macht Gottes Seite 525 (Englisch Seite 522) gewinnen, dass sie ihre Bedeutungslosigkeit einsaehen und zufrieden waeren mit dem, was ihnen und ihren Kindern offenbart worden ist. Es ist ein Meisterstueck der Taeuschung Satans, den Geist der Menschen bezueglich der Dinge, die Gott nicht kundgetan hat und von denen er nicht will, dass wir sie verstehen sollen, am Suchen und Vermuten zu erhalten. Auf diese Weise verlor Luzifer seinen Platz im Himmel. Er wurde unzufrieden, weil Gott ihm nicht alle Geheimnisse seiner Absichten anvertraute, und missachtete voellig das, was dieser ihm ueber seine Aufgabe in der ihm zugewiesenen erhabenen Stellung offenbarte. Indem er die gleiche Unzufriedenheit in den Herzen der seinem Befehl unterstellten Engel erweckte, verursachte er ihren Fall. Jetzt versucht er den gleichen Geist auf die Menschen zu uebertragen und sie ebenfalls zu verleiten, die klaren Gebote Gottes zu missachten. Die nicht willens sind, die deutlichen, tiefgreifenden Wahrheiten der Bibel anzunehmen, suchen bestaendig nach angenehmen Fabeln, die das Gewissen beruhigen. Je weniger geistlich, selbstverleugnend und demuetigend die vorgetragenen Lehren sind, desto guenstiger werden sie aufgenommen. Solche Menschen wuerdigen die Verstandeskraefte herab, um ihren fleischlichen Begierden zu froenen. In ihrer Selbstueberschaetzung zu weise, um in der Heiligen Schrift mit bussfertigem Herzen und unter ernstem Gebet nach goettlicher Leitung zu suchen, haben sie keinen Schild gegen die Verblendung. Satan steht bereit, das Verlangen des Herzens zu stillen, und er setzt seine Taeuschungen an die Stelle der Wahrheit. Auf diese Weise gewann das Papsttum seine Macht ueber die Menschen, und durch die Verwerfung der Wahrheit, weil diese ein Kreuz einschliesst, gehen die Protestanten den gleichen Weg. Alle, die das Wort Gottes vernachlaessigen, um Bequemlichkeit und Klugheit zu studieren, damit sie sich nicht von der Welt unterscheiden, werden verdammungswuerdige Ketzereien fuer religioese Wahrheit empfangen. Jede erdenkliche Form des Irrtums wird von denen angenommen werden, die die Wahrheit vorsaetzlich verwerfen. Wer mit Schrecken auf eine Taeuschung sehen mag, wird eine andere willig annehmen. Der Apostel Paulus spricht von Menschen, welche "die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, auf dass sie selig wuerden", und sagt von ihnen: "Darum wird ihnen Gott kraeftige Irrtuemer senden, dass sie glauben der Luege, auf dass gerichtet werden Seite 526 (Englisch Seite 522,523) alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit." (2. Thess. 2, 10-12) Mit solcher Warnung vor Augen ziemt es uns, bezueglich der Lehren, die wir annehmen, auf der Hut zu sein. Zu den erfolgreichsten Werkzeugen des grossen Betruegers gehoeren die truegerischen Lehren und luegenhaften Wunder des Spiritismus. Sich zu einem Engel des Lichts verstellend, wirft er seine Netze aus, wo es am wenigsten vermutet wird. Moechten die Menschen doch das Buch Gottes unter ernstem Gebet durchforschen, um seine Lehren zu verstehen, so blieben sie nicht in der Finsternis und naehmen keine falschen Lehren an. Weil sie aber die Wahrheit verwerfen, fallen sie Taeuschungen zum Opfer. Ein anderer gefaehrlicher Irrtum ist die Lehre, die die Gottheit Christi leugnet und behauptet, dass er vor seinem Kommen in diese Welt nicht existiert habe. Diese Ansicht wird von vielen, die angeblich an die Bibel glauben, guenstig aufgenommen; dennoch widerspricht sie den eindeutigen Erklaerungen unseres Heilandes ueber seinen goettlichen Charakter und sein Vordasein sowie ueber seine Verwandtschaft zum Vater. Man kann diese Ansicht nicht aufrechterhalten, ohne die Heilige Schrift auf die unverantwortlichste Weise zu verdrehen. Sie erniedrigt nicht nur unsere menschliche Vorstellung vom Erloesungswerk, sondern untergraebt auch den Glauben an die Bibel als einer Offenbarung Gottes. Je gefaehrlicher sie dadurch wird, desto schwieriger ist es, ihr entgegenzutreten. Verwerfen die Menschen das Zeugnis der von Gott eingegebenen Heiligen Schrift ueber die Gottheit Christi, so wird man darueber vergebens mit ihnen sprechen, denn kein noch so zwingender Beweis wird sie ueberzeugen koennen. "Der natuerliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich gerichtet sein." (1. Kor. 2, 14) Wer in diesem Irrtum befangen ist, kann weder von dem Charakter und dem Werk Christi noch von dem grossen Plane Gottes zur Erloesung der Menschen eine rechte Vorstellung haben. Noch ein anderer geschickt angelegter und unheilvoller Irrtum liegt in der sich schnell verbreitenden Auffassung, Satan sei kein persoenliches Wesen; diese Bezeichnung werde in der Bibel nur gebraucht, um die boesen Gedanken und Begierden der Menschen zu veranschaulichen. Seite 527 (Englisch Seite 524) Die von volkstuemlichen Kanzeln herab so weithin ertoenende Lehre, dass die Wiederkunft Christi darin bestehe, dass er zu jedem einzelnen bei dessen Tode komme, ist eine Erfindung, die die Gedanken der Menschen von seinem persoenlichen Erscheinen in den Wolken des Himmels ablenken soll. Jahrelang hat Satan auf diese Weise gesagt: "Siehe, er ist in der Kammer"; (Matth. 24, 23-36) und viele Seelen sind verlorengegangen, weil sie diese Taeuschung angenommen haben. Auch lehrt weltliche Weisheit, das Gebet sei nicht wesentlich. Maenner der Wissenschaft behaupten, dass es keine wirkliche Antwort auf ein Gebet geben koenne; dass dies eine Verkehrung der Gesetze, ein Wunder waere, und dass es keine Wunder gebe. Das Weltall, sagen sie, wird von feststehenden Gesetzen regiert, und Gott selbst tut nichts, was diesen Gesetzen entgegen ist. So stellen sie Gott dar, als ob er durch seine eigenen Gesetze gebunden sei; als ob das Wirken goettlicher Gesetze die goettliche Freiheit ausschloesse. Solche Lehre ist dem Zeugnis der Heiligen Schrift zuwider. wurden nicht durch Christus und seine Apostel Wunder gewirkt? Derselbe erbarmungsvolle Heiland lebt heute noch, und er ist jetzt ebenso bereit, auf die Gebete des Glaubens zu hoeren, wie damals, als er sichtbar unter den Menschen wandelte. Das Natuerliche wirkt zusammen mit dem Uebernatuerlichen. Es ist ein Teil des Planes Gottes, uns in Erhoerung des im Glauben dargebrachten Gebetes das zu gewaehren, was er uns nicht gewaehren wuerde, wenn wir nicht in dieser Weise zu ihm beteten. Unzaehlbar sind die irrtuemlichen Lehren und die ueberspannten Vorstellungen in den Kirchen der Christenheit. Es ist unmoeglich, die ueblen Folgen abzuschaetzen, die durch die Verrueckung auch nur einer der durch das Wort Gottes festgesetzten Grenzen entstehen. Nur wenige von denen, die dies zu tun wagen, bleiben bei der Verwerfung einer Wahrheit stehen; die Mehrheit faehrt fort, einen Grundsatz der Wahrheit nach dem andern zu verwerfen, bis sie tatsaechlich unglaeubig wird. Die Irrtuemer der allgemein verbreiteten theologischen Auffassungen haben manchen Menschen, der sonst bibelglaeubig haette werden koennen, der Zweifelsucht in die Arme getrieben. Es ist ihm unmoeglich, Lehren anzunehmen, die seinen Auffassungen von Gerechtigkeit, Gnade und Guete Gewalt antun; und wenn solche Auffassungen als Seite 528 (Englisch Seite 525) Lehren der Bibel hingestellt werden, weigert er sich, sie als Gottes Wort anzuerkennen. Das ist es, was Satan zu erreichen sucht. Nichts wuenscht er mehr, als das Vertrauen zu Gott und seinem Wort zu zerstoeren. Satan steht an der Spitze des grossen Heeres der Zweifler, und er arbeitet mit groesster Anstrengung, um Menschen in seine Reihen zu ziehen. Das Zweifeln faengt an, Mode zu werden. Zahlreiche Menschen sehen das Wort Gottes aus demselben Grunde mit Misstrauen an wie seinen Urheber, weil es die Suende straft und verurteilt. die nicht willens sind, seinen Anforderungen zu gehorchen, versuchen seine Autoritaet ueber den Haufen zu werfen. Sie lesen die Bibel oder lauschen deren Lehren, wie sie von der Kanzel herab verkuendigt werden, nur um an der Heiligen Schrift oder an der Predigt etwas Tadelnswertes zu finden. Nicht wenige werden unglaeubig, um sich fuer die Vernachlaessigung ihrer Pflicht zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Andere nehmen aus Stolz und Traegheit zweifelhafte Grundsaetze an. Zu sehr fuer ein bequemes Leben eingenommen, um irgend etwas zu vollbringen, was der Ehre wert waere oder was Anstrengung und Selbstverleugnung erforderte, streben sie danach, sich einen Ruf hoeherer Weisheit zu verschaffen, indem sie die Bibel bekritteln. Es gibt darin vieles, was der von der goettlichen Weisheit unerleuchtete Verstand einfach nicht verstehen kann; auf diese Weise finden sie Anlass zum Kritisieren. Viele scheinen anzunehmen, dass es eine Tugend sei, auf der Seite des Unglaubens und des Zweifels zu stehen. Aber man wird feststellen, dass solche Menschen unter einem Anschein von Aufrichtigkeit nur von Selbstvertrauen und Stolz angetrieben werden. Viele machen sich das groesste Vergnuegen daraus, etwas in der Heiligen Schrift zu finden, das andere in Verlegenheit bringt. Etliche kritisieren und diskutieren auf der Seite des Unrechts, nur aus Liebe zum Wortstreit. Sie werden nicht gewahr, dass sie sich auf diese Weise selbst in den schlingen des Voglers verstricken. Da sie aber offen ihrem Unglauben Ausdruck gegeben haben, glauben sie, ihre Stellung behaupten zu muessen. Dadurch verbinden sie sich mit den Gottlosen und verbauen sich den Weg in das Paradies. Gott hat in seinem Wort genuegend Beweise von dessen goettlichen Ursprung gegeben. Die grossen Wahrheiten, die sich auf unsere Erloesung beziehen, sind klar dargelegt. Mit Hilfe des Heiligen Geistes, Seite 529 (Englisch Seite 525,526) der allen verheissen ist, die aufrichtig darum bitten, vermag jeder diese Wahrheiten zu verstehen. Gott hat den Menschen einen starken Grund verliehen, auf den sie ihren Glauben stuetzen koennen. Doch der begrenzte Verstand der Menschen ist unzureichend, um die Plaene und Ratschluesse des ewigen Gottes voellig zu erfassen. Wir koennen Gott nie durch Forschen ergruenden. Wir duerfen es nicht wagen, mit vermessener Hand den Vorhang zu lueften, mit dem er seine Majestaet verhuellt. der Apostel ruft aus: "Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!" (Roem 11, 33) Wir koennen seine Handlungsweise mit uns und die ihn leitenden Beweggruende so weit begreifen, dass wir unbegrenzte Liebe und Barmherzigkeit, verbunden mit unendlicher Macht, erkennen koennen. Unser himmlischer Vater ordnet alles in Weisheit und Gerechtigkeit, und wir duerfen nicht unzufrieden oder misstrauisch sein, sondern muessen uns in ehrfurchtsvoller Demut beugen. Er wird uns soviel von seinen Absichten enthuellen, wie zu unserem Besten dient; darueber hinaus muessen wir dem vertrauen, der allmaechtig und dessen Herz voller Liebe ist. Waehrend Gott dem Glaubenden genuegend Beweise gibt, wird er niemals alles beseitigen, was den Unglauben entschuldigen koennte. Wer nach irgendeiner Stuetze fuer seinen Zweifel sucht, wird sie auch finden. Wer sich weigert, Gottes Wort anzunehmen und zu befolgen, bis jeder Einwand beseitigt ist, so dass nicht laenger Anlass zum Zweifeln besteht, wird nie zum Licht kommen. Das Misstrauen gegen Gott ist eine natuerliche Folge des nicht erneuerten Herzens, das Gott feind ist. Der Glaube wird von dem Heiligen Geist eingegeben und gedeiht, wenn er gepflegt wird, Niemand kann ohne entschlossenes Bemuehen im Glauben wachsen. Der Unglaube verstaerkt sich, je nachdem er ermutigt wird; und wenn Menschen zweifeln und kritteln, statt sich mit den Beweisen zu beschaeftigen, die Gott zur Befestigung ihres Glaubens gegeben hat, werden sie ihre Zweifel immer mehr bestaetigt finden. Die an Gottes Verheissungen zweifeln und den Versicherungen seiner Gnade misstrauen, entehren ihn. Ihr Einfluss neigt dazu, andere von Christus zu trennen, statt sie zu ihm zu ziehen. Sie sind unfruchtbare Baeume, die ihre duerren Zweige weit ausbreiten und dadurch andern Seite 530 (Englisch Seite 526,527,528) Pflanzen das Sonnenlicht wegnehmen, so dass diese in dem kalten Schatten verwelken und absterben. Ihr Lebenswerk wird unaufhoerlich gegen sie zeugen. Sie saeen den Samen des Zweifels und des Unglaubens, der unausbleiblich seine Ernte bringen wird. Fuer diejenigen, die aufrichtig danach trachten, von Zweifeln frei zu werden, gibt es nur einen Weg: statt das anzuzweifeln und zu bekritteln, was sie nicht verstehen, muessen sie auf das ihnen bereits scheinende Licht achtgeben, dann werden sie groesseres Licht empfangen. Erfuellen sie jede Aufgabe, die sie klar erkannt haben, dann werden sie faehig, auch jene Aufgaben zu verstehen und auszufuehren, ueber die sie jetzt noch im Zweifel sind. Satan vermag Faelschungen zu entwerfen, die der Wahrheit so gleichen, dass Seelen getaeuscht werden, die das von der Wahrheit geforderte Opfer und die Selbstverleugnung umgehen moechten, und die willig sind, sich taeuschen zu lassen. Es ist ihm jedoch unmoeglich, eine Seele unter seiner Macht zu halten, die aufrichtig wuenscht - koste es, was es wolle - , die Wahrheit zu erkennen. Christus ist die Wahrheit und "das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen". (Joh. 1, 9) Der Geist der Wahrheit ist gesandt worden, um die Menschen in alle Wahrheit zu leiten. Und mit Vollmacht des Sohnes Gottes steht geschrieben: "Suchet, so werdet ihr finden." "So jemand will des (Vaters) Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei." (Matth. 7,7; Joh. 7, 17) Die Nachfolger Christi wissen wenig von den Anschlaegen, die Satan und seine Scharen gegen sie schmieden. Aber der im Himmel thront, wird alle diese Absichten zur Erfuellung seiner unerforschlichen Plaene lenken. Der Herr laesst es zu, dass seine Kinder in die Feuerprobe der Versuchung geraten, nicht weil er an ihren Leiden und an ihrer Truebsal Freude empfindet, sondern weil dieses Verfahren zu ihrem endgueltigen Sieg wesentlich ist. Er kann sie nicht entsprechend seiner eigenen Herrlichkeit vor der Versuchung schuetzen; denn es ist gerade der Zweck der Pruefung, sie zuzubereiten, allen boesen Lockungen widerstehen zu koennen. Weder gottlose Menschen noch Teufel koennen Gottes Werk hindern oder seinem Volk Gottes Gegenwart entziehen, wenn es gebeugten, Seite 531 (Englisch Seite 528,529) reuigen Herzens seine Suende bekennt und laesst und im Glauben seine Verheissungen beansprucht. Jeder Versuchung, jedem widerstreitenden Einfluss, ob offen oder geheim, kann man erfolgreich widerstehen, "nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist... spricht der Herr Zebaoth". (Sach. 4, 6) "Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Gebet... Und wer ist, der euch schaden koennte, so ihr dem Guten nachkommt?" (1. Petr. 3, 12. 13) Als Bileam, verlockt durch das Versprechen einer grossen Belohnung, Zauberformeln gegen Israel anwandte und durch dem Herrn dargebrachte Opfer einen Fluch ueber Gottes Volk zu bringen versuchte, wandte Gottes Geist das Uebel ab, das ausgesprochen werden sollte, und Bileam sah sich gezwungen auszurufen: "Wie soll ich dem fluchen, dem Gott nicht flucht? Wie soll ich den verwuenschen, den der Herr nicht verwuenscht?... Moechte meine Seele des Todes der Gerechten sterben und mein Ende werden wie ihr Ende!" Als abermals geopfert worden war, erklaerte der gottlose Prophet: "Siehe, zu segnen bin ich beauftragt, und hat Er gesegnet, so kann ich's nicht abwenden! Man schaut kein Unheil in Jakob und sieht keine Beschwerde in Israel. Jehova, sein Gott, ist mit ihm, und Koenigsjubel erschallt in ihm... So hilft denn keine Zauberei gegen Jakob und keine Wahrsagerei wider Israel. Zu seiner Zeit wird man von Jakob sagen: Wie Grosses hat Gott getan!" (4. Mose 23, 8. 10.20. 21. 23; 24, 9, Schlachter) Dennoch wurden zum drittenmal Altaere errichtet, und abermals versuchte Bileam einen Fluch auszusprechen. durch die unwilligen Lippen des Propheten erklaerte der Geist Gottes jedoch das Gedeihen seiner Auserwaehlten und strafte die Torheit und Bosheit ihrer Feinde: "Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht sei, wer dir flucht!" Zu dieser Zeit waren die Kinder Israel Gott treu, und solange sie seinem Gesetz treu blieben, konnte keine Macht der Erde oder der Hoelle sie ueberwaeltigen. Aber schliesslich gelang es Bileam doch, den Fluch, den er nicht ueber Gottes Volk aussprechen durfte, ueber dieses Volk zu bringen, indem er es zur Suende verleitete. Als es Gottes Gebote uebertrat, trennte es sich von ihm und musste die Macht des Verderbers fuehlen. Satan ist sich bewusst, dass die schwaechste Seele, die in Christus bleibt, den Scharen der Finsternis ueberlegen ist, und dass Seite 532 (Englisch Seite 529,530) man, zeigt er sich offen, ihm begegnen und widerstehen wird. Deshalb versucht er die Streiter des Kreuzes aus ihrer gewappneten Stellung herauszulocken, waehrend er mit seinen Streitkraeften im Hinterhalt liegt, bereit, alle zu verderben, die sich auf sein Gebiet wagen sollten. Nur in demuetigem Vertrauen auf Gott und im Gehorsam gegen alle seine Gebote koennen wir sicher sein. Niemand ist auch nur einen Tag oder eine Stunde lang sicher ohne das Gebet. Wir sollten den Herrn besonders um Weisheit bitten, sein Wort zu verstehen. Hier werden die Anschlaege des Versuchers offenbart sowie auch die Mittel, durch die er zurueckgeschlagen werden kann. Satan ist sehr sachkundig, wenn es gilt, Bibelstellen anzufuehren, denen er seine eigene Auslegung beifuegt, um uns zu Fall zu bringen. Wir muessen die Bibel mit demuetigem Herzen erforschen und duerfen nie unsere Abhaengigkeit von Gott aus den Augen verlieren. Waehrend wir vor den Anschlaegen Satans bestaendig auf der Hut sein muessen, sollten wir ohne Unterlass im Glauben beten: "Fuehre uns nicht in Versuchung." (Matth. 6, 13) Seite 533 (Englisch Seite 530) |