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Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis „Erweckung und Hinkehr zum wahren Glauben” Erweckungen der Neuzeit Wo jemals das Wort Gottes gewissenhaft gepredigt wurde, zeitigte es Fruechte, die seinen goettlichen Ursprung bezeugten. Der Geist Gottes begleitete die Botschaft seiner Diener, und das Wort wirkte maechtig. Suender fuehlten ihr Gewissen angeruehrt. Das "Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen", (Joh. 1, 9) erhellte das Innerste ihrer Seelen, und die verborgenen Dinge der Finsternis wurden offenbar. Sie zeigten sich von der Suende, der Gerechtigkeit und dem kommenden Gericht ueberzeugt; ihre Gemueter und Herzen waren davon ergriffen. Sie hatten einen Begriff von der Gerechtigkeit des Herrn und erschraken bei dem Gedanken, in ihrer Schuld und Unreinigkeit vor dem zu erscheinen, der die Herzen erforscht. In ihrer Angst riefen sie aus: "Wer wird mich erloesen von dem Leibe dieses Todes?" (Roem 7, 24) Als das Kreuz auf Golgatha mit seinem unermesslichen Opfer fuer die Suenden der Menschheit offenbar wurde, erkannten sie, dass nichts anderes als die Verdienste Christi genuegen, ihre Uebertretungen zu suehnen; sie allein koennen den Menschen wieder mit Gott versoehnen. Glaeubig und demuetig nahmen sie das Lamm Gottes an, das der Welt Suende traegt. Durch Jesu Blut hatten sie Vergebung ihrer Suenden erlangt. Diese Seelen brachten rechtschaffene Fruechte der Busse hervor. Sie glaubten, liessen sich taufen und standen auf zu einem neuen Leben, zu neuen Kreaturen in Jesus Christus, nicht etwa um nach ihren frueheren Luesten zu wandeln, sondern um durch den Glauben an den Sohn Gottes seinen Fusspuren zu folgen, seinen Charakter widerzuspiegeln und sich zu reinigen, gleichwie er rein ist. Was sie einst hassten, liebten sie nun, und was ihnen einst angenehm war, verabscheuten sie jetzt. Die Hochmuetigen und Rechthaberischen wurden Seite 461 (Englisch Seite 461,462) demuetig und sanftmuetig, die Eitlen und Anmassenden bescheiden und zurueckhaltend, die Laesterer ehrfurchtsvoll, die Saeufer nuechtern und die Verworfenen tugendhaft. Die eitlen Moden der Welt legten sie beiseite. Christen suchten nicht den aeusserlichen Schmuck "mit Haarflechten und Goldumhaengen oder Kleideranlegen", sondern ihre Zierde war "der verborgene Mensch des Herzens unverrueckt mit sanftem und stillem Geiste; das ist koestlich vor Gott". (1. Petr. 3, 3. 4) Erweckungen fuehrten zu gruendlicher Selbstpruefung und zu Demut. Sie waren gekennzeichnet durch feierliche, ernste Aufrufe an die Suender und inniges Erbarmen mit denen, die durch Christi Blut erkauft waren. Maenner und Frauen beteten und rangen mit Gott um die Errettung von Seelen. Die Fruechte solcher Erweckungen waren Menschen, die vor Selbstverleugnung und Opfer nicht zurueckschreckten, sondern sich freuten, dass man sie fuer wuerdig befunden hatte, um Christi willen Schmach und Anfechtung zu erdulden. In dem Leben derer, die den Namen Jesu bekannt hatten, nahm man eine Wandlung wahr. Ihr Einfluss belebte die Gemeinde. Sie sammelten mit Christus und saeten auf den Geist, um das ewige Leben zu ernten. Man konnte von ihnen sagen: "Dass ihr seid betruebt worden... zur Reue... Denn die goettliche Traurigkeit wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemand gereut; die Traurigkeit aber der Welt wirkt den Tod. Siehe, dass ihr goettlich seid betruebt worden, welchen Fleiss hat das in euch gewirkt, dazu Verantwortung, Zorn, Furcht, Verlangen, Eifer, Rache! Ihr habt euch bewiesen in allen Stuecken, dass ihr rein seid in der Sache." (2. Kor. 7, 9-11) So wirkt der Geist Gottes. Erneuerung unseres Wesens ist der Beweis echter Reue. Wenn der Suender sein Geluebde erfuellt, zurueckgibt, was er geraubt hat, seine Suenden bekennt und Gott und seine Mitmenschen liebt, dann darf er sicher sein, Frieden mit Gott gefunden zu haben. Derart waren die Wirkungen, die in frueheren Jahren den Zeiten religioeser Erweckung folgten. Indem man nach ihren Fruechten urteilte, erkannte man, dass der Herr sie bei dem Bemuehen, Seelen zu retten und die Menschheit zu erheben, segnete. Viele Erweckungen der Neuzeit zeigen jedoch einen bedeutenden Unterschied gegenueber den Bekundungen der goettlichen Gnade, die in Seite 462 (Englisch Seite 462,463) frueheren Zeiten das Wirken der Diener Gottes begleiteten. Wohl wird weit und breit Anteilnahme hervorgerufen; viele geben vor, bekehrt zu sein, und die Kirchen verzeichnen grossen Zuwachs; dennoch sind die Ergebnisse nicht so, dass sie die Annahme rechtfertigten, auch das wirkliche geistliche Leben haette entsprechend zugenommen. Das nur kurz aufflammende Feuer verloescht bald wieder und hinterlaesst dichtere Finsternis als zuvor. Volkstuemliche Erweckungen werden zu oft dadurch bewirkt, dass man sich an die Einbildungskraft wendet, die Gefuehle anregt und die Liebe zu etwas Neuem und Aufregendem befriedigt. Die auf solche Weise gewonnenen Bekehrten haben nur wenig Verlangen nach biblischen Wahrheiten und kaum Interesse an dem Zeugnis der Propheten und Apostel. Es sei denn, ein Gottesdienst traegt einen aufsehenerregenden Charakter, sonst hat er nichts Anziehendes fuer sie. Eine Botschaft, die sich an den nuechternen Verstand richtet, findet keinen Anklang. Die einfachen Warnungen des Wortes Gottes, die sich unmittelbar auf ihr ewiges Wohl beziehen, bleiben unbeachtet. Die grosse Lebensfrage jeder wahrhaft bekehrten Seele wird die Stellung zu Gott und Ewigkeit sein. Doch wo findet sich in den allgemeinen Kirchen der Gegenwart der Geist der Hingabe an Gott? Die Bekehrten entsagen weder ihrem Hochmut noch ihrer Weltliebe. Sie zeigen jetzt nicht mehr Bereitschaft als vor ihrer Bekehrung, sich selbst zu verleugnen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und dem sanftmuetigen und demuetigen Jesus nachzufolgen. Die Religion ist den Unglaeubigen und Zweiflern zum Hohn geworden, weil so viele, die ihren Namen tragen, mit ihren Grundsaetzen nicht bekannt sind. Die Kraft der Gottseligkeit ist fast aus den Kirchen gewichen. Ausfluege, Schauspiele, Basare, grossartige Wohnungen und persoenlicher Aufwand haben die Gedanken an Gott verbannt. Hab und Gut sowie weltliche Beschaeftigungen nehmen die Gedanken in Anspruch, und Dinge von Ewigkeitswert finden kaum voruebergehende Beachtung. So sehr auch Glaube und Froemmigkeit schwinden, so gibt es in den Kirchen doch noch wahre Nachfolger Christi. Ehe Gott zum letztenmal die Welt mit seinen Gerichten heimsucht, wird sein Volk erweckt werden zu der urspruenglichen Gottseligkeit, wie sie seit dem apostolischen Zeitalter nicht gesehen wurde. Der Geist und die Kraft Gottes Seite 463 (Englisch Seite 463,464) werden ueber seine Kinder ausgegossen werden. Zu der Zeit werden sich viele von den Kirchen trennen, in denen die Liebe zur Welt die Stelle der Liebe zu Gott und seinem Wort eingenommen hat. Viele Prediger und Laien werden mit Freuden jene grossen Wahrheiten annehmen, die Gott hat verkuendigen lassen, um ein Volk auf die Wiederkunft des Herrn vorzubereiten. Der Seelenfeind moechte dieses Werk gern verhindern und wird, ehe die Zeit dieser Bewegung anbricht, versuchen, es zu verfaelschen. In den Kirchen, die er unter seine betruegerische Macht bringen kann, wird er den Anschein erwecken, als wuerde der besondere Segen Gottes auf sie ausgegossen, weil sich hier, wie man meint, ein tiefes religioeses Erwachen bekundet. Viele Menschen werden jubeln, dass Gott auf wunderbare Weise fuer sie wirke, waehrend doch diese Bewegung das Wirken eines andern Geistes ist. In religioesem Gewande wird Satan versuchen, seinen Einfluss ueber die ganze christliche Welt auszubreiten. Bei vielen Erweckungen, die sich waehrend der letzten fuenfzig Jahre zugetragen haben, waren mehr oder weniger die gleichen Einfluesse am Wirken, die sich auch in den ausgedehnteren Bewegungen der Zukunft zeigen werden. Es herrscht schon jetzt eine Gefuehlserregung, eine Vermischung des Wahren mit dem Falschen, die trefflich dazu angetan ist, irrezufuehren. Doch niemand braucht sich taeuschen zu lassen. Im Lichte des Wortes Gottes wird es nicht schwer sein, das Wesen dieser Bewegungen festzustellen. Wir duerfen sicher sein, dass Gottes Segen nicht dort ausgeteilt wird, wo man das Zeugnis der Bibel vernachlaessigt, indem man sich von den deutlichen, die Seele pruefenden Wahrheiten, die Selbstverleugnung und ein Sichlossagen von der Welt erfordern, abwendet. Nach dem Masstab, den Christus selbst seinen Juengern gegeben hat: "An ihren Fruechten sollt ihr sie erkennen!", (Matth. 7, 16) wird es offenbar, dass diese Bewegungen nicht das Werk des Geistes Gottes sind. In den Wahrheiten seines Wortes hat Gott den Menschen eine Offenbarung seiner selbst geschenkt; und allen, die sie annehmen, sind sie ein Schild gegen die Taeuschungen Satans. Die Vernachlaessigung dieser Wahrheiten hat den Uebeln, die sich jetzt in der religioesen Welt so weit verbreiten, die Tore geoeffnet. Das Wesen und die Wichtigkeit Seite 464 (Englisch Seite 464,465) des Gesetzes Gottes hat man in erheblichem Masse aus den Augen verloren. Da man den Charakter, die Wichtigkeit und die Verbindlichkeit des goettlichen Gesetzes verkannte, ist man auch bezueglich der Bekehrung und Heiligung irregegangen und hat dadurch den Masstab der Froemmigkeit in den Kirchen herabgedrueckt. Hier liegt das Geheimnis, weshalb den Erweckungen unserer Zeit der Geist und die Kraft Gottes fehlen. Es gibt in den verschiedenen religioesen Gemeinschaften Maenner, die sich durch ihre Froemmigkeit auszeichnen und die jene Tatsachen eingestehen und beklagen. Prof. Eduard Park sagte bezueglich der landlaeufigen religioesen Gefahren Amerikas treffend: "Eine Quelle der Gefahr ist die Vernachlaessigung der Kanzel, das goettliche Gesetz einzuschaerfen. In frueheren Tagen war die Kanzel ein Widerhall der Stimme des Gewissens... Unsere glaenzendsten Prediger verliehen ihren Predigten eine wunderbare Majestaet dadurch, dass sie dem Beispiel des Meisters folgten und das Gesetz, seine Gebote und seine Drohungen hervorhoben. Sie wiederholten die beiden grossen Grundsaetze, dass das Gesetz ein Abbild der goettlichen Vollkommenheit ist, und dass ein Mensch, der das Gesetz nicht liebt, auch das Evangelium nicht liebt; denn das Gesetz sowie das Evangelium sind ein Spiegel, der den wahren Charakter Gottes widerstrahlt. Diese Gefahr fuehrt zu einer anderen, naemlich die Schlechtigkeit der Suende, ihre Ausdehnung und Strafwuerdigkeit zu unterschaetzen. Wie das Gesetz recht ist, ist der Ungehorsam unrecht... Verwandt mit den bereits erwaehnten Gefahren ist das Wagnis, die Gerechtigkeit Gottes zu unterschaetzen. Die Neigung des modernen Kanzelredners geht dahin, die goettliche Gerechtigkeit von der goettlichen Guete abzusondern und die Guete mehr zu einem Gefuehl herabzuwuerdigen, als zu einem Grundsatz zu erheben. Die neue theologische Schau scheidet, was der Herr zusammengefuegt hat. Ist das goettliche Gesetz etwas Gutes oder Boeses? - Es ist etwas Gutes. Dann ist auch die Gerechtigkeit gut; denn sie ist die Willensneigung, das Gesetz auszufuehren. Aus der Gewohnheit, die goettliche Gerechtigkeit und das goettliche Gesetz, die Ausdehnung und Strafbarkeit menschlichen Ungehorsams zu unterschaetzen, neigt der Mensch leicht dazu, die Gnade geringzuachten, die eine Suende gebracht hat." Seite 465 (Englisch Seite 465,466) Auf diese Weise verliert das Evangelium seinen Wert und seine Wichtigkeit in den Gemuetern der Menschen, die bald darauf bereit sind, in Wirklichkeit die Bibel selbst zu verwerfen. Viele Religionslehrer behaupten, Christus habe durch seinen Tod das Gesetz abgeschafft und die Menschen seien kuenftig von seinen Anforderungen entbunden. Es gibt etliche, die es als ein schweres Joch hinstellen und im Gegensatz zu der Gebundenheit des Gesetzes die unter dem Evangelium zu geniessende Freiheit hochhalten. Ganz anders jedoch betrachteten die Propheten und Apostel das heilige Gesetz Gottes. David sagte: "Ich wandle froehlich; denn ich suche deine Befehle." (Ps. 119, 45) Der Apostel Jakobus, der nach Christi Tod schrieb, nennt die Zehn Gebote "das koenigliche Gesetz", "das vollkommene Gesetz der Freiheit". (Jak. 2, 8; 1, 25) Die Offenbarung spricht mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Kreuzigung einen Segen ueber die aus, "die seine Gebote halten, auf dass sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt". (Offb. 22, 14) Die Behauptung, dass Christus durch seinen Tod das Gesetz seines Vaters abgeschafft habe, entbehrt jeder Grundlage. Waere es moeglich gewesen, das Gesetz zu veraendern oder zu beseitigen, dann haette Christus nicht zu sterben brauchen, um den Menschen von der Strafe der Suende zu retten. Weit davon entfernt, das Gesetz abzuschaffen, beweist der Tod Christi, dass es unveraenderlich ist. Der Sohn Gottes ist gekommen, "dass er das Gesetz herrlich und gross mache". (Jes. 42, 21) Er sprach: "Ihr sollt nicht waehnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzuloesen... Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tuettel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe." (Matth. 5, 17. 18) Und von sich selbst sagt er: "Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen." (Ps. 40. 9) Das Gesetz Gottes ist schon von Natur aus unwandelbar. Es ist eine Offenbarung des Willens und des Wesens seines Urhebers. Gott ist die Liebe und sein Gesetz ist Liebe. Die beiden grossen Grundsaetze des Gesetzes sind Liebe zu Gott und zu den Menschen. "So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfuellung." (Roem 13, 10) Das Wesen Gottes ist Gerechtigkeit Seite 466 (Englisch Seite 466,467) und Wahrheit; so ist auch sein Gesetz. Der Psalmist sagt: "Dein Gesetz ist Wahrheit"; "alle deine Gebote sind recht". (Ps. 119, 142. 172) Und Paulus erklaert: "Das Gesetz ist ja heilig, und das Gebot ist heilig, recht und gut." (Roem 7, 12) Solch ein Gesetz, das Ausdruck des Geistes und des Willens Gottes ist, muss ebenso bestaendig sein wie sein Gesetzgeber. Es ist das Werk der Bekehrung und der Heiligung, die Menschen dadurch mit Gott zu versoehnen, dass sie mit den Grundsaetzen seines Gesetzes in Einklang gebracht werden. Am Anfang wurde der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen. Er lebte in vollkommener Uebereinstimmung mit der Natur und mit dem Gesetz Gottes; die Grundsaetze der Gerechtigkeit waren ihm ins Herz geschrieben. Doch die Suende entfremdete ihn seinem Schoepfer. Er spiegelte nicht laenger das goettliche Ebenbild wider. Sein Herz stand den Grundsaetzen des Gesetzes Gottes feindlich gegenueber. "Denn fleischlich gesinnt sein ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht." (Roem 8, 7) Doch "also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab", damit der Mensch mit Gott versoehnt werden koenne. Durch die Verdienste Christi kann er mit seinem Schoepfer in Uebereinstimmung gebracht werden. Sein Herz muss durch die goettliche Gnade erneuert werden; er muss ein neues Leben von oben empfangen. Diese Umwandlung ist die Wiedergeburt, ohne die, wie Jesus sagt, niemand das Reich Gottes sehen kann. Der erste Schritt in der Versoehnung mit Gott ist die Ueberzeugung von der Suende. "Die Suende besteht in der Uebertretung des Gesetzes." "Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Suende." (1. Joh. 3, 4, v. Ess und Grundtext; Roem 3, 20) Um seine Schuld zu erkennen, muss sich der Suender nach Gottes grossem Masstab der Gerechtigkeit pruefen. Das Gesetz ist ein Spiegel, der die Vollkommenheit eines gerechten Charakters zeigt und den Menschen befaehigt, seine Fehler einzusehen. Das Gesetz offenbart dem Menschen seine Suende; aber es sieht keinen Heilsweg vor. Waehrend es dem Gehorsamen Leben verheisst, erklaert es, dass der Tod das Los des Uebertreters ist. Das Evangelium Christi allein vermag ihn von der Verdammnis oder von der Befleckung der Suende zu befreien. Er muss Busse tun vor Gott, dessen Seite 467 (Englisch Seite 467,468) Gesetz er uebertreten hat, und an Christus, sein Suehnopfer, glauben. Dadurch werden ihm seine Suenden vergeben, und er wird Teilhaber der goettlichen Natur. Er ist ein Kind Gottes und hat den Geist der Kindschaft empfangen, durch den er ausruft: "Abba, lieber Vater!" (Roem 8, 15) Steht es ihm nun frei, Gottes Gesetz zu uebertreten? Paulus fragt: "Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! sondern wir richten das Gesetz auf." "Wie sollten wir in der Suende wollen leben, der wir abgestorben sind?" Und Johannes erklaert: "Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer." (Roem 3, 31; 6, 2; 1. Joh. 5, 3) Bei der Wiedergeburt wird das Herz in Harmonie mit Gott, in Einklang mit seinem Gesetz gebracht. Ist diese gewaltige Umgestaltung im Herzen des Suenders erfolgt, so hat er den Weg vom Tode zum Leben, von der Suende zur Heiligkeit, von der Uebertretung und Empoerung zum Gehorsam und zur Treue beschritten. Das alte Leben der Entfremdung von Gott hat aufgehoert; das neue Leben der Versoehnung, des Glaubens und der Liebe hat begonnen. Dann wird "die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfuellt..., die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist"; (Roem 8, 4) und der Mensch spricht: "Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Taeglich rede ich davon." (Ps. 119, 97) "Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Suende." Ohne das Gesetz hat der Mensch keinen richtigen Begriff von der Reinheit und Heiligkeit Gottes oder von seiner eigenen Schuld und Unreinheit. Er ist von der Suende nicht wirklich ueberzeugt und fuehlt nicht das Verlangen, zu bereuen. Da er seinen verlorenen Zustand als Uebertreter des Gesetzes Gottes nicht erkennt, ist er sich nicht bewusst, dass er des versoehnenden Blutes Christi bedarf. Die Hoffnung des Heils wird ohne eine gruendliche Umgestaltung des Herzens oder Aenderung des Lebenswandels angenommen. Auf diese Weise gibt es viele oberflaechliche Bekehrungen, und ganze Scharen schliessen sich der Kirche an, die nie mit Christus vereint worden sind. Irrige Lehren der Heiligung, die ebenfalls der Vernachlaessigung oder Verwerfung des goettlichen Gesetzes entspringen, nehmen in den heutigen religioesen Bewegungen einen hervorragenden Platz ein. Diese Ansichten sind nicht nur falsch in der Lehre, sondern auch gefaehrlich Seite 468 (Englisch Seite 468,469) in ihrer praktischen Wirkung; durch die Tatsache, dass sie eine so allgemeine Annahme finden, ist es doppelt notwendig, dass alle deutlich verstehen, was die Schrift darueber lehrt. Wahre Heiligung ist eine biblische Lehre. Der Apostel Paulus erklaerte in seinem Brief an die Thessalonicher: "Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung." Und er betete: "Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch." (1. Thess. 4, 3; 5, 23) Die Bibel lehrt eindeutig, was Heiligung ist und wie sie erlangt werden kann. Der Heiland betete fuer seine Juenger: "Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit." (Joh. 17, 17) Und Paulus lehrte, dass die Glaeubigen durch den Heiligen Geist geheiligt werden sollen. (Roem 15, 16) Was ist das Werk des Heiligen Geistes? Jesus sagte zu seinen Juengern: "Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten." (Joh. 16, 13) Auch der Psalmist sprach davon: "Dein Gesetz ist Wahrheit." Durch das Wort und den Geist Gottes werden den Menschen die erhabenen, im Gesetz Gottes verkoerperten Grundsaetze der Gerechtigkeit erschlossen. Und da das Gesetz Gottes "heilig, recht und gut" ist, ein Abbild der goettlichen Vollkommenheit, so folgt daraus, dass ein im Gehorsam gegen jenes Gesetz geformter Charakter auch heilig sein wird. Christus ist ein vollkommenes Beispiel eines solchen Charakters. Er sagt: "Gleichwie ich meines Vaters Gebote halte." "Ich tue allezeit, was ihm gefaellt." (Joh. 15, 10; 8, 29) Die Nachfolger Christi sollen ihm gleich werden, sollen durch Gottes Gnade Charaktere entwickeln, die mit den Grundsaetzen seines heiligen Gesetzes uebereinstimmen. Nur so kann biblische Heiligung verstanden werden. Sie kann nur durch den Glauben an Christus, durch die Macht des innewohnenden Geistes Gottes erreicht werden. Paulus ermahnt die Glaeubigen: "Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen." (Phil. 2, 12. 13) Der Christ wird den Reiz der Suende fuehlen; aber er wird sie bestaendig bekaempfen. Hier ist die Hilfe Christi vonnoeten. Menschliche Schwaeche verbindet sich mit der goettlichen Kraft, und der Glaube ruft aus: "Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesus Christus!" (1. Kor. 15, 57) Seite 469 (Englisch Seite 469,470) Die Heilige Schrift zeigt deutlich den sich aufwaerts entwickelnden Charakter der Heiligung. Wenn der Suender bei seiner Bekehrung durch das Blut der Versoehnung Frieden mit Gott findet, so hat das christliche Leben eben erst begonnen. Jetzt muss er "zur Vollkommenheit fahren", heranwachsen zu einem vollkommenen Menschen, "der da sei im Masse des vollkommenen Alters Christi". (Hebr. 6, 1; Eph. 4, 13) Der Apostel Paulus schreibt: "Eines aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist, und jage - nach dem vorgesteckten Ziel - nach dem Kleinod, welches vorhaelt die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu." (Phil. 3, 13. 14) Petrus zeigt uns die Schritte, die zum Erlangen biblischer Heiligung erforderlich sind: "So wendet allen euren Fleiss daran und reicht dar in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der Erkenntnis Maessigkeit und in der Maessigkeit Geduld und in der Geduld Gottseligkeit und in der Gottseligkeit bruederliche Liebe und in der bruederlichen Liebe allgemeine Liebe...; denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht straucheln." (2. Petr. 1, 5-10) Wer die biblische Heiligung an sich erfahren hat, wird einen demuetigen Geist bekunden. Gleichwie Mose wird er die ehrfurchtgebietende Majestaet der Heiligkeit erblickt und seine eigene Unwuerdigkeit im Gegensatz zu der Reinheit und der erhabenen Vollkommenheit des Ewigen gesehen haben. Der Prophet Daniel gab ein Beispiel wahrer Heiligung. Sein langes Leben war ausgefuellt mit edlem Dienst fuer seinen Meister. Der Bote vom Himmel nannte ihn "lieber Daniel". (Dan. 10, 11) Statt jedoch zu behaupten, er sei rein und heilig, rechnete dieser geehrte Prophet sich selbst zu dem wahrhaft suendigen Israel, als er vor Gott fuer sein Volk Fuerbitte einlegte. "Wir liegen vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine grosse Barmherzigkeit." "Wir haben ja gesuendigt und sind leider gottlos gewesen... Als ich noch so redete und betete und meine und meines Volks Israel Suende bekannte." Als ihm zu spaeterer Zeit der Sohn Gottes erschien, um ihn zu belehren, erklaerte er: "Ich ward sehr entstellt und hatte keine Kraft mehr." (Dan. 9, 18. 15. 20; 10. 8) Als Hiob die Stimme des Herrn aus dem Wetter hoerte, rief er aus: Ich "spreche... mich schuldig und tue Busse in Staub und Asche". (Hiob 42, 6) Seite 470 (Englisch Seite 470,471) Als Jesaja die Herrlichkeit Gottes sah und die Cherubim rufen hoerte: "Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth!", schrie er auf: "Weh mir, ich vergehe!" (Jes. 6, 3. 5) Nachdem Paulus in den dritten Himmel entzueckt worden war und unaussprechliche Worte hoerte, die kein Mensch sagen kann, sprach er von sich selbst als "dem allergeringsten unter allen Heiligen". (2. Kor. 12, 2-4; Eph. 3, 8) Der geliebte Johannes, der an der Brust Jesu geruht und seine Herrlichkeit gesehen hatte, fiel dem Menschensohn wie tot zu Fuessen. (Offb. 1, 17) Bei denen, die im Schatten des Kreuzes von Golgatha wandeln, gibt es keine Selbsterhebung, keinen prahlerischen Anspruch, frei von Suenden zu sein. Sie sind sich bewusst, dass es ihre Suende war, die die Seelenqual verursachte, die dem Sohne Gottes das Herz brach; und dieser Gedanke wird zur Selbsterniedrigung fuehren. Die am innigsten mit Jesus verbunden sind, erkennen am deutlichsten die Schwaechen und die Suendhaftigkeit der Menschen, und ihre einzige Hoffnung stuetzt sich auf das Verdienst eines gekreuzigten und auferstandenen Heilandes. Die Heiligung, die jetzt in der Christenheit hervortritt, offenbart einen Geist der Selbsterhebung und eine Gleichgueltigkeit gegen das Gesetz Gottes, die mit der Religion der Bibel nichts mehr gemein hat. Ihre Anhaenger lehren, die Heiligung sei ein Werk des Augenblicks, durch das sie im Glauben allein vollkommene Heiligkeit erlangten. Glaube nur, sagen sie, und du wirst den Segen erhalten. Weitere Anstrengungen werden fuer unnoetig angesehen. Zu gleicher Zeit leugnen sie die Gueltigkeit des goettlichen Gesetzes und behaupten, sie seien von der Verpflichtung, die Gebote zu halten, befreit. Ist es jedoch moeglich, dass Menschen heilig sein und in Uebereinstimmung mit dem Willen und Charakter Gottes leben koennen, ohne mit den Grundsaetzen in Einklang zu leben, die ein Ausdruck der Natur und des Willens Gottes sind, und die dartun, was ihm wohlgefaellig ist? Das Verlangen nach einer bequemen Religion, die weder Anstrengung und Selbstverleugnung noch Trennung von den Torheiten der Welt erfordert, hat die Lehre vom Glauben, und zwar vom Glauben allein, volkstuemlich gemacht. Was sagt aber Gottes Wort? Der Apostel Jakobus spricht: "Was hilft's, liebe Brueder, so jemand sagt, er habe Seite 471 (Englisch Seite 471,472) den Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn selig machen?... Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne Werke tot sei? Ist nicht Abraham, unser Vater, durch die Werke gerecht geworden, da er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte? Da siehest du, dass der Glaube mitgewirkt hat an seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden... So sehet ihr nun, dass der Mensch durch die Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein." (Jak. 2, 14-24) Das Zeugnis des goettlichen Wortes ist wider diese verstrickende Lehre vom Glauben ohne Werke. Die Gunst des Himmels zu beanspruchen, ohne den Bedingungen nachzukommen, unter denen Barmherzigkeit gewaehrt wird, ist nicht Glaube, sondern Vermessenheit; denn der echte Glaube hat seinen Grund in den Verheissungen und Verordnungen der Heiligen Schrift. Niemand taeusche sich in dem Glauben, heilig werden zu koennen, waehrend vorsaetzlich eins der Gebote Gottes uebertreten wird. Wer bewusst eine Suende begeht, bringt damit die ueberzeugende Stimme des Heiligen Geistes zum Schweigen und trennt die Seele von Gott. Suende ist Uebertretung des Gesetzes. Und "wer da suendigt (das Gesetz uebertritt), der hat ihn nicht gesehen noch erkannt". (1. Joh. 3, 6) Obgleich Johannes in seinen Briefen so ausfuehrlich von der Liebe spricht, zoegert er dennoch nicht, den wahren Charakter jener zu enthuellen, die beanspruchen, geheiligt zu sein, waehrend sie in Uebertretung des goettlichen Gesetzes leben. "Wer da sagt: Ich kenne ihn, - und haelt seine Gebote nicht, der ist ein Luegner, und in solchem ist keine Wahrheit. Wer aber sein Wort haelt, in solchem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen." (1. Joh. 2, 4. 5) Das ist der Pruefstein jedes Bekenntnisses. Wir koennen keinen Menschen als heilig ansehen, ohne ihn mit Gottes einzigem Masstab fuer die Heiligkeit im Himmel und auf Erden gemessen zu haben. Wenn Menschen das Gewicht des Sittengesetzes nicht erkennen, wenn sie Gottes Gebote geringschaetzen und leichtfertig behandeln, wenn sie eines der geringsten dieser Gebote uebertreten und die Menschen also lehren, so werden sie vor dem Himmel keinerlei Achtung geniessen, und wir erkennen daran, dass ihre Ansprueche jeder Grundlage entbehren. Seite 472 (Englisch Seite 472,473) Die Behauptung, ohne Suende zu sein, ist schon an sich ein Beweis, dass der, welcher solche Ansprueche erhebt, weit davon entfernt ist, heilig zu sein. Weil der Mensch keine echte Vorstellung von der unendlichen Reinheit und Heiligkeit Gottes besitzt oder davon, was aus denen werden muss die mit seinem Charakter uebereinstimmen sollen; weil er weder von der Reinheit und erhabenen Lieblichkeit Jesu noch von der Bosheit und dem Unheil der Suende einen richtigen Begriff hat, darum sieht er sich selbst als heilig an. Je groesser die Entfernung zwischen ihm und Christus ist, je unzulaenglicher seine Vorstellungen von dem Charakter und den Anforderungen Gottes sind, um so gerechter wird er in seinen eigenen Augen erscheinen. Die in der Heiligen Schrift verordnete Heiligung schliesst das ganze Wesen ein: Leib, Seele und Geist. Paulus betete fuer die Thessalonicher, dass ihr Geist ganz samt Seele und Leib muesse bewahrt werden unstraeflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi". (1. Thess. 5, 13) Ein andermal schrieb er an Glaeubige: "Ich ermahne euch nun, liebe Brueder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefaellig sei." (Roem 12, 1) Zur Zeit des alten Israel wurde jede Gott zum Opfer dargebrachte Gabe sorgfaeltig untersucht. Fand man irgendeinen Makel an dem Opfertier, so wurde es abgewiesen; denn Gott hatte befohlen, dass "kein Fehl" (2. Mose 12, 5 f.) am Opfer sein sollte. So wird auch den Christen geboten, ihre Leiber zum Opfer zu begeben, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefaellig sei. Dazu muessen aber alle ihre Kraefte in dem bestmoeglichen Zustand erhalten werden. Jede Handlung, die die koerperliche oder geistige Kraft schwaecht, macht den Menschen fuer den Dienst seines Schoepfers untauglich. Koennte Gott Wohlgefallen an etwas finden, das nicht unser Bestes ist? Christus sagte: "Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen." (Matth. 22, 37) Alle, die Gott von ganzem Herzen lieben, werden ihm den besten Dienst ihres Lebens weihen wollen und bestaendig danach trachten, jede Kraft ihrer Persoenlichkeit mit den Gesetzen in Uebereinstimmung zu bringen, die ihre Faehigkeit, seinen Willen zu tun, foerdern. Sie werden nicht, indem sie ihre Genussucht oder Leidenschaften befriedigen, das Opfer schwaechen oder verunreinigen, das sie ihrem himmlischen Vater darbringen. Seite 473 (Englisch Seite 473,474) Petrus sagt: "Enthaltet euch von fleischlichen Luesten, welche wider die Seele streiten." (1. Petr. 2, 11) Jede suendhafte Befriedigung fuehrt zur Abstumpfung der Geisteskraefte und schwaecht das geistige und geistliche Wahrnehmungsvermoegen, so dass das Wort oder der Geist Gottes das Herz nur schwach beeindrucken kann. Paulus schreibt an die Korinther: "Lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes." (2. Kor. 7, 1) Und den Fruechten des Geistes: "Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Guetigkeit, Glaube, Sanftmut", reiht er die "Keuschheit" an. (Gal, 5, 22) Wie viele, die sich Christen nennen, schwaechen aber ungeachtet dieser von Gott eingegebenen Aussagen ihre Kraefte, indem sie nach Gewinn jagen oder der Mode huldigen; wie viele wuerdigen ihr gottebenbildliches Menschentum durch Prasserei, Weintrinken und verbotene Genuesse herab! Und die Kirche, anstatt das Uebel zu ruegen, ermutigt es nur zu oft, indem sie die Esslust, das Verlangen nach Gewinn oder die Liebe zu Vergnuegungen herausfordert, um ihre Kasse wieder zu fuellen, wozu die Liebe zu Christus zu schwach ist. Wuerde Jesus die Kirchen von heute betreten und dort den unheiligen Verkehr und die Schwelgerei wahrnehmen, die im Namen der Religion veranstaltet werden, triebe er da nicht diese Tempelschaender hinaus, wie er einst jene Geldwechsler aus dem Tempel jagte? Der Apostel Jakobus sagt uns, dass die Weisheit, die von oben kommt, "aufs erste rein" ist. (Jak. 3, 17, Elberf. Uebers.) Waere er Maennern begegnet, die den koestlichen Namen Jesu auf ihre vom Tabak verunreinigten Lippen genommen haetten und deren Atem und Gestalt von dem ekelhaften Geruch durchdrungen gewesen waere, die die Luft des Himmels verpestet und ihre Umgebung gezwungen haetten, das Gift einzuatmen - waere der Apostel auf einen der Reinheit des Evangeliums so sehr entgegengesetzten Brauch gestossen, wuerde er ihn nicht als irdisch, sinnlich, teuflisch verurteilt haben? Sklaven des Tabaks moegen behaupten, voellig geheiligt zu sein, moegen von ihrer Hoffnung auf den Himmel reden; aber Gottes Wort sagt deutlich: "Es wird nicht hineingehen irgend ein Gemeines." (Offb. 21, 27) Seite 474 (Englisch Seite 474) "Wisset ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst? Denn ihr seid teuer erkauft; darum so preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes." (1. Kor. 6, 19. 20) Der Mensch, dessen Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, wird sich nicht durch eine verderbliche Gewohnheit zum Sklaven machen lassen. Seine Kraefte gehoeren Christus, der ihn mit seinem Blut erkauft hat. Seine Gueter sind des Herrn. Wie koennte er sich der Vergeudung der ihm anvertrauten Habe schuldig machen? Bekenntliche Christen geben alljaehrlich ungeheure Summen fuer nutzlose und schaedliche Liebhabereien aus, waehrend Menschen aus Mangel an dem Brot des Lebens zugrunde gehen; sie berauben Gott an Gaben und Opfern und verbrauchen mehr auf dem Altar verderblicher Lueste, als sie zur Unterstuetzung der Armen oder zur Verbreitung des Evangeliums beitragen. Wenn alle, die sich Nachfolger Christi nennen, wahrhaft geheiligt waeren, so wuerden sie ihre Mittel, statt sie fuer nutzlose und sogar schaedliche Liebhabereien auszugeben, in die Schatzkammer des Herrn fliessen lassen und andern ein Beispiel in Maessigkeit, Selbstverleugnung und Selbstaufopferung geben. Dann waeren sie das Licht der Welt. Die Welt gibt sich zuegelloser Genussucht hin. "Des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffaertiges Leben" (1. Joh. 2, 16) beherrschen das Volk. Aber Christi Nachfolger haben eine heiligere Berufung: "Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und ruehret kein Unreines an." Im Lichte des Wortes Gottes duerfen wir mit Recht sagen, dass keine Heiligung echt sein kann, die nicht bewirkt, dass dem suendhaften Trachten und den Vergnuegungen der Welt gaenzlich entsagt wird. Denen, die der Bedingung: "Gehet aus von ihnen und sondert euch ab... und ruehrt kein Unreines an" nachkommen, gilt Gottes Verheissung: "So will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Soehne und Toechter sein, spricht der allmaechtige Herr." (2. Kor. 6, 17. 18) Es ist eines jeden Christen Pflicht und Freude, reiche und kostbare Erfahrung mit dem Goettlichen zu machen. "Ich bin das Licht der Welt", sagt der Heiland, "wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Joh. 8, 12) "Der Gerechten Pfad glaenzt wie das Licht, das immer heller leuchtet bis auf Seite 475 (Englisch Seite 475,476) den vollen Tag." (Spr. 4, 18) Jeder Schritt des Glaubens und des Gehorsams bringt die Seele in engere Verbindung mit dem Licht der Welt, in dem "keine Finsternis" ist. Die hellen Strahlen der Sonne der Gerechtigkeit scheinen auf Gottes Diener, die sein Licht zurueckwerfen sollen. Wie uns die Sterne lehren, dass ein grosses Licht am Himmel ist, dessen Glanz sie erhellt, ebenso sollen die Christen bekunden, dass auf dem Thron des Weltalls ein Gott sitzt, dessen Wesen des Lobes und der Nachahmung wuerdig ist. Die Fruechte seines Geistes, die Reinheit und Heiligkeit seines Wesens werden sich in seinen Zeugen offenbaren. Paulus beschreibt in seinem Brief an die Kolosser die reichen Segnungen, die den Kindern Gottes verliehen werden: wir hoeren "nicht auf, fuer euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfuellt werdet mit Erkenntnis seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Verstaendnis, dass ihr wandelt wuerdig dem Herrn zu allem Gefallen und fruchtbar seid in allen guten Werken und wachset in der Erkenntnis Gottes und gestaerkt werdet mit aller Kraft nach seiner herrlichen Macht zu aller Geduld und Langmuetigkeit mit Freuden". (Kol. 1, 9-11) An anderer Stelle schreibt er von seinem Wunsch, dass die Brueder in Ephesus die Groesse der christlichen Freiheiten voellig erkennen moechten. Er erschliesst ihnen in ausserordentlich deutlichen Worten die wunderbare Macht und Erkenntnis, die sie als Soehne und Toechter des Allerhoechsten haben koennen. Es war Gnade, "stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen", "durch die Liebe eingewurzelt und gegruendet" zu werden, zu "begreifen... mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Laenge und die Tiefe und die Hoehe", und zu "erkennen die Liebe Christi, die doch alle Erkenntnis uebertrifft". Aber das Gebet des Apostels erreicht den Hoehepunkt der Gnadengaben, wenn er betet, "dass ihr erfuellt werdet mit allerlei Gottesfuelle". (Eph. 3, 16-19) Hier wird uns das erhabene Ziel gezeigt, das wir durch den Glauben an die Verheissungen unseres himmlischen Vaters erreichen koennen, wenn wir seinen Anspruechen nachkommen. Durch Christi Verdienst haben wir Zugang zum Thron der unendlichen Macht. "Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn fuer uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?" (Roem. 8, 32) Seite 476 (Englisch Seite 476,477) Dem Sohne schenkte der Vater seinen Geist in Fuelle; auch wir duerfen an seiner Fuelle teilhaben. Jesus sagt: "So denn ihr, die ihr arg seid, koennet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!" - "Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun." - "Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei." (Luk. 11, 12; Joh. 14, 14; 16, 24) Waehrend sich des Christen Leben durch Demut auszeichnet, sollte es doch ohne Traurigkeit oder eigene Herabsetzung sein. Es gehoert zur Freiheit jedes einzelnen, so zu wandeln, wie es dem Herrn wohlgefaellt und er ihn segnen kann. Unser himmlischer Vater will nicht, dass wir uns staendig verdammt und in Finsternis fuehlen sollen. Es ist kein Beweis echter Demut, mit gebeugtem Haupt und einem grueblerischen Herzen einherzugehen. Wir duerfen zu Jesus kommen, uns von ihm reinigen lassen und ohne Scham oder Gewissensbisse vor dem Gesetz bestehen. "So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist." (Roem. 8, 1) Durch Jesus werden die gefallenen Soehne Adams "Kinder Gottes", "sintemal sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden. Darum schaemt er sich auch nicht, sie Brueder zu heissen". (Hebr. 2, 11) Das Leben des Christen sollte ein Leben des Glaubens, des Sieges und der Freude in Gott sein. "Denn alles, was von Gott geboren ist, ueberwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt ueberwunden hat." (1. Joh. 5, 4) In Wahrheit sagte Gottes Diener Nehemia: "Die Freude am Herrn ist eure Staerke." (Neh. 8, 10) Und Paulus schreibt: "Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch!" "Seid allezeit froehlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch." (Phil. 4, 4; 1. Thess. 5, 16-18) Das sind die Fruechte biblischer Bekehrung und Heiligung; und weil die trefflichen Grundsaetze der Gerechtigkeit, wie das Gesetz Gottes sie veranschaulicht, von der christlichen Welt gleichgueltig behandelt werden, sind diese Fruechte so selten zu sehen. Aus diesem Grunde offenbart sich auch so wenig von jenem tiefen, bleibenden Wirken des Geistes Gottes, das die Erweckungen frueherer Jahre kennzeichnete. Seite 477 (Englisch Seite 477,478) Indem wir auf den Herrn schauen, werden wir verwandelt. Und weil jene heiligen Verordnungen, in denen Gott den Menschen die Vollkommenheit und Heiligkeit seines Charakters offenbart, vernachlaessigt werden und weil das Denken des Volkes von menschlichen Lehren und Ansichten gefesselt wird, so ist es nicht verwunderlich, dass die lebendige Froemmigkeit in der Kirche abgenommen hat. Der Herr sagte: "Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich hie und da ausgehauene Brunnen, die doch loecherig sind und kein Wasser geben." (Jer. 2, 13) "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen..., sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbaechen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blaetter verwelken nicht; und was er macht, das geraet wohl." (Ps. 1, 1-3) Nur dadurch, dass dem Gesetz Gottes seine rechtmaessige Stellung wieder eingeraeumt wird, kann der urspruengliche Glaube und die erste Gottseligkeit unter seinem bekennenden Volk wieder erweckt werden. "So spricht der Herr: Tretet auf die Wege und schauet und fraget nach den vorigen Wegen, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden fuer eure Seele!" (Jer. 6, 16) Seite 478 (Englisch Seite 478) |