Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis
von Ellen G. White

„Erweckung und Hinkehr zum wahren Glauben”

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Ein Werk der Erneuerung

 Die Sabbatreform, die in den letzten Tagen vollbracht werden soll, ist in der Weissagung Jesajas vorhergesagt: "So spricht der Herr: Haltet das Recht und tut Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbart werde. Wohl dem Menschen, der solches tut, und dem Menschenkind, der es festhaelt, dass er den Sabbat halte und nicht entheilige und halte seine Hand, dass er kein Arges tue!... Und die Fremden, die sich zum Herrn getan haben, dass sie ihm dienen und seinen Namen lieben, auf dass sie seine Knechte seien, ein jeglicher, der den Sabbat haelt, dass er ihn nicht entweihe, und meinen Bund festhaelt, die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethause." (Jes. 56, 1. 2. 7)

 Diese Worte beziehen sich auf das christliche Zeitalter, wie der Zusammenhang zeigt: "Der Herr Herr, der die Verstossenen aus Israel sammelt, spricht: Ich will noch mehr zu dem Haufen derer, die versammelt sind, sammeln." (Jes. 56, 8) Hier ist das Sammeln der Heiden durch die Verkuendigung des Evangeliums vorausgeschaut. Ueber die, welche dann den Sabbat ehren, ist ein Segen ausgesprochen. So erstreckt sich die Verbindlichkeit des vierten Gebotes weit ueber die Kreuzigung, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi hinaus bis auf die Zeit, da seine Diener allen Voelkern die frohe Kunde predigen.

 Der Herr befiehlt durch den Propheten Jesaja: "Binde zu das Zeugnis, versiegle das Gesetz meinen Juengern." (Jes. 8, 16) Das Siegel des Gesetzes Gottes findet sich im vierten Gebot. Dieses ist das einzige unter allen zehn, das sowohl den Namen als auch den Titel des Gesetzgebers anzeigt. Es erklaert Gott als den Schoepfer des Himmels und der Erde und rechtfertigt so seinen Anspruch auf Anbetung vor allen andern.

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Ausser dieser Angabe enthalten die Zehn Gebote nichts, das die Urheberschaft des Gesetzes anzeigt. Als die paepstliche Macht den Sabbat veraenderte, wurde das Gesetz seines Siegels beraubt. Die Nachfolger Jesu sind berufen, es wiederherzustellen, indem sie den Sabbat des vierten Gebotes in seine rechtmaessige Stellung als Gedaechtnistag des Schoepfers und Zeichen seiner Machtfuelle erheben.

 "Nach dem Gesetz und Zeugnis!" Waehrend widerstreitende Lehren und Theorien im Ueberfluss vorhanden sind, ist das Gesetz Gottes die einzige untruegliche Richtschnur, nach der alle Meinungen, Lehren und Theorien geprueft werden sollen. Darum sagt der Prophet: "Werden sie das nicht sagen, so werden sie die Morgenroete (d.h. das Licht der Wahrheit) nicht haben." (Jes. 8, 20)

 Ferner wird das Gebot gegeben: "Rufe getrost, schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkuendige meinem Volk ihr Uebertreten und dem Hause Jakob ihre Suenden." Nicht die gottlose Welt, sondern die der Herr als "mein Volk" bezeichnet, sollen wegen ihrer Uebertretungen zurechtgewiesen werden. Es heisst weiterhin: "Sie suchen mich taeglich und wollen meine Wege wissen wie ein Volk, das Gerechtigkeit schon getan und das Recht ihres Gottes nicht verlassen haette." (Jes. 58, 1. 2) Hier werden uns Menschen gezeigt, die sich fuer gerechtfertigt halten und grossen Eifer fuer Gottes Sache an den Tag zu legen scheinen; aber der ernste und feierliche Tadel dessen, der die Herzen erforscht, beweist, dass sie die goettlichen Verordnungen mit Fuessen treten.

 Der Prophet bezeichnet das unbeachtet gelassene Gebot wie folgt: "Und soll durch dich gebaut werden, was lange wuest gelegen ist; und wirst Grund legen, der fuer und fuer bleibe; und sollst heissen: Der die Luecken verzaeunt und die Wege bessert, dass man da wohnen moege. So du deinen Fuss von dem Sabbat kehrst, dass du nicht tust, was dir gefaellt an meinem heiligen Tage, und den Sabbat eine Lust heissest und den Tag, der dem Herrn heilig ist, ehrest, so du ihn also ehrest, dass du nicht tust deine Wege, noch darin erfunden werde, was dir gefaellt, oder leeres Geschwaetz: alsdann wirst du Lust haben am Herrn." (Jes. 58, 12. 13) Diese Weissagung bezieht sich ebenfalls auf unsere Zeit. Die Luecke kam in das Gesetz Gottes, als Rom den Sabbat veraenderte. Aber die Zeit ist gekommen, da jene goettliche Einrichtung wiederhergestellt

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werden soll. Die Luecke soll verzaeunt und ein Fundament gelegt werden, das fuer und fuer bleibe.

 Diesen durch des Schoepfers Ruhe und Segen geheiligten Sabbat feierte Adam in seiner Unschuld im Garten Eden und auch dann noch, als er gefallen, aber reumuetig aus seiner gluecklichen Heimat vertrieben war. Alle Patriarchen von Abel bis zu dem gerechten Noah, bis zu Abraham und Jakob hielten den Sabbat. Als sich das auserwaehlte Volk in der aegyptischen Knechtschaft befand, verloren viele unter der herrschenden Abgoetterei ihre Kenntnis des goettlichen Gesetzes; aber als der Herr Israel erloest hatte, verkuendete er der versammelten Menge in ehrfurchtgebietender Majestaet sein Gesetz, damit alle seinen Willen wissen, ihn fuerchten und ihm ewig gehorchen moechten.

 Von jenem Tage an bis heute ist die Kenntnis des goettlichen Gesetzes auf Erden bewahrt und der Sabbat des vierten Gebots gehalten worden. Obgleich es dem "Menschen der Suende" gelang, Gottes heiligen Tag mit Fuessen zu treten, so lebten doch, selbst zur Zeit seiner Oberherrschaft, an geheimen Orten treue Seelen, die den Sabbat ehrten. Seit der Reformation hat es stets Menschen gegeben, die ihn feierten. Wenngleich oft unter Schmach und Verfolgung, so wurde doch ununterbrochen Zeugnis abgelegt fuer die Fortdauer des Gesetzes Gottes und fuer die feierliche Verpflichtung gegenueber dem Sabbat der Schoepfung.

 Diese Wahrheiten, wie sie Offenbarung 14 im Zusammenhang mit dem "ewigen Evangelium" vor Augen fuehrt, werden die Gemeinde Christi zur Zeit seines Erscheinens kennzeichnen. Denn als Folge der dreifachen Botschaft wird vorausgesagt: "Hier sind, die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesum." Und diese Botschaft ist die letzte, die vor der Wiederkunft des Herrn verkuendigt werden soll. Unmittelbar nach ihrer Verkuendigung sieht der Prophet des Menschen Sohn in Herrlichkeit kommen, um die Ernte der Erde einzuholen.

 Alle, die das Licht ueber das Heiligtum und die Unveraenderlichkeit des goettlichen Gesetzes annahmen, wurden mit Freude und Staunen erfuellt, als sie die Erhabenheit und die Uebereinstimmung der Wahrheiten erkannten, die sich ihrem Verstaendnis erschlossen. Sie wuenschten, dass die Erkenntnis, die ihnen so koestlich schien, allen Christen zuteil wuerde, und sie glaubten zuversichtlich, dass diese sie mit

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Freuden annaehmen. Aber Wahrheiten, die sie in Widerspruch mit der Welt brachten, waren vielen angeblichen Nachfolgern Christi nicht willkommen. Der Gehorsam gegen das vierte Gebot forderte ein Opfer, vor dem die grosse Masse zurueckschreckte.

 Als die Ansprueche des Sabbats dargelegt wurden, urteilten viele nach weltlichem Ermessen und sagten: "Wir haben immer den Sonntag gehalten, unsere Vaeter hielten ihn, und viele gute und fromme Menschen sind selig gestorben, obgleich sie den Sonntag gefeiert haben. Die Feier dieses neuen Sabbats waere entgegen den Gewohnheiten der Welt, und wir wuerden keinen Einfluss auf sie gewinnen. Was vermag ein kleines Haeuflein, das den siebenten Tag haelt, gegen die ganze Welt, die den Sonntag feiert?" Durch aehnliche Schlussfolgerungen versuchten die Juden, die Verwerfung Christi zu rechtfertigen. Ihre Vaeter waren von Gott angenommen worden, als sie die Opfer darbrachten, und warum konnten nicht die Kinder Heil finden, wenn sie den gleichen Weg verfolgten? Genauso beruhigten viele Menschen zur Zeit Luthers ihr Gewissen, dass treue Christen im katholischen Glauben gestorben seien, weshalb diese Religion zur Seligkeit genuege. Solche Behauptungen liessen sich als ein wirksames Hindernis gegen jeglichen Fortschritt in Glaubensdingen aufstellen.

 Viele brachten vor, dass die Sonntagsfeier eine festgegruendete Lehre und ein seit vielen Jahrhunderten weitverbreiteter Brauch der Kirche sei. Es liess sich jedoch beweisen, dass der Sabbat und seine Feier weit aelter, ja sogar ebenso alt wie die Welt selber ist und die Bestaetigung Gottes und der Engel hat. Als der Erde Grund gelegt wurde, die Morgensterne miteinander sangen und alle Kinder Gottes vor Freude jauchzten, da wurde auch der Grund zum Sabbat gelegt. (Hiob 38, 6. 7; 1. Mose 2, 1-3) Mit Recht erheischt diese Einrichtung unsere Ehrfurcht, wurde sie doch durch keine menschliche Gewalt eingesetzt, auch beruht sie nicht auf menschlichen Ueberlieferungen; sie wurde von dem "Alten an Tagen" gegruendet und durch sein ewiges Wort geboten.

 Als die Aufmerksamkeit des Volkes auf die Erneuerung des Sabbats gelenkt wurde, verdrehten beim Volk beliebte Prediger das Wort Gottes und legten sein Zeugnis so aus, wie man am besten die fragenden Gemueter beruhigen konnte. Wer die Heilige Schrift nicht selber erforschte,

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gab sich mit Ansichten zufrieden, die mit seinen Wuenschen uebereinstimmten. Gestuetzt auf Behauptungen, Spitzfindigkeiten, Ueberlieferungen der Vaeter und die Autoritaet der Kirche versuchten viele die Wahrheit zu verwerfen. Ihre Verteidiger wurden zu ihren Bibeln gelenkt, um die Gueltigkeit des vierten Gebotes zu beweisen. Demuetige, allein mit dem Wort Gottes ausgeruestete Maenner widerstanden den Angriffen der Gelehrten, die erstaunt und zornig erkannten, dass ihre beredten Spitzfindigkeiten machtlos waren gegenueber der einfachen, offenen Darstellungsweise jener Maenner, die mehr in der Schrift als in der Schulweisheit bewandert waren.

 In Ermangelung guenstiger biblischer Belege machten viele, die vergassen, dass die gleichen Einwaende gegen Christus und seine Juenger vorgebracht worden waren, mit unermuedlicher Beharrlichkeit geltend: "Warum verstehen unsere Grossen diese Sabbatfrage nicht? Nur wenige glauben ihr. Es kann nicht sein, dass ihr recht habt und alle Gelehrten der Welt unrecht haben."

 Um solche Beweisgruende zu widerlegen, war es nur erforderlich, die Lehren der Heiligen Schrift anzufuehren und darauf zu verweisen, wie der Herr zu allen Zeiten mit seinem Volke verfuhr. Gott wirkt durch die, welche seine Stimme hoeren und ihr gehorchen, die noetigenfalls unangenehme Wahrheiten aussprechen und sich nicht fuerchten, im Volk verbreitete Suenden zu ruegen. Gott bedient sich nicht oft gelehrter und hochgestellter Maenner als Leiter von Reformbestrebungen, weil diese auf ihre Glaubensbekenntnisse, Theorien und theologischen Lehrgebaeude vertrauen und nicht das Beduerfnis fuehlen, von Gott gelehrt zu werden. Nur wer mit der Quelle der Weisheit verbunden ist, kann die Schrift verstehen oder auslegen. Manchmal werden Maenner von nur geringer Schulbildung berufen, die Wahrheit zu verkuendigen, nicht etwa weil sie ungelehrt, sondern weil sie nicht zu duenkelhaft sind, um sich von Gott belehren zu lassen. Sie lernen in der Schule Christi, und ihre Demut und ihr Gehorsam machen sie gross. Indem Gott ihnen die Kenntnis seiner Wahrheit anvertraut, erweist er ihnen eine Ehre, der gegenueber irdische Ehren und menschliche Groesse in Nichts versinken.

 Die Mehrzahl der Adventisten verwarf die Wahrheiten hinsichtlich des Heiligtums und des goettlichen Gesetzes; viele liessen auch ihr

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Vertrauen auf die Adventbewegung fahren und nahmen irrige und sich widersprechende Ansichten ueber die Weissagungen an, die sich auf dieses Werk bezogen. Einige verfielen in den Irrtum, wiederholt eine bestimmte Zeit fuer die Wiederkunft Christi festzusetzen. Das Licht, das jetzt die Heiligtumswahrheit erhellt, haette ihnen gezeigt, dass kein prophetischer Zeitabschnitt bis zur Wiederkunft reicht und dass die genaue Zeit dieses Ereignisses nicht vorausgesagt ist. Indem sie sich vom Lichte abwandten, setzten sie weiterhin die Zeit fest, wann der Herr kommen sollte, und wurden ebensooft enttaeuscht.

 Als die Gemeinde zu Thessalonich irrige Ansichten ueber die Wiederkunft Christi annahm, gab der Apostel Paulus ihnen den Rat, ihre Hoffnungen und Erwartungen sorgfaeltig nach dem Worte Gottes zu pruefen. Er verwies sie auf die Weissagungen, welche die Ereignisse offenbarten, die vor der Wiederkunft Christi stattfinden sollten, und zeigte, dass sie keinerlei Ursache hatten, den Heiland in ihren Tagen zu erwarten. "Lasset euch niemand verfuehren in keinerlei Weise!" (2. Thess. 2, 3) lauteten seine warnenden Worte. Hegten sie aber Erwartungen, wozu die Schrift nicht berechtigt, so wuerden sie zu falscher Handlungsweise angeleitet werden, und Enttaeuschung wuerde sie dem Spott der Unglaeubigen aussetzen. Sie liefen Gefahr, entmutigt zu werden und in die Versuchung zu fallen, die fuer ihr Seelenheil wesentlichen Wahrheiten zu bezweifeln. Die Mahnung des Apostels an die Thessalonicher enthaelt eine wichtige Lehre fuer die, welche in den letzten Tagen leben. Viele Adventisten glauben, nicht eifrig und fleissig im Werke der Vorbereitung sein zu koennen, wenn sie ihren Glauben nicht auf eine im voraus bestimmte Zeit der Wiederkunft des Herrn richten. Wenn aber ihre Hoffnung immer wieder erregt wird, nur damit sie wieder vernichtet werde, dann erfaehrt ihr Glaube dadurch eine solche Erschuetterung, dass es fuer sie beinahe unmoeglich ist, von den grossen Wahrheiten der Weissagung beeindruckt zu sein.

 Die Verkuendigung einer bestimmten Zeit fuer das Gericht durch die Verbreitung der ersten Engelsbotschaft geschah auf Gottes Befehl. Die Berechnung der prophetischen Zeitangaben, die die Grundlage jener Botschaft war und den Ablauf der zweitausenddreihundert Tage fuer den Herbst des Jahres 1844 festlegte, steht unbestritten da. Wiederholte

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Versuche, neue Daten fuer den Anfang und das Ende der prophetischen Zeitangaben zu finden, und unbegruendete Behauptungen, die notwendig sind, um den neu eingenommenen Standpunkt zu verteidigen, lenken die Gedanken nicht nur von der gegenwaertigen Wahrheit ab, sondern haeufen auch Verachtung auf jeglichen Versuch, die Weissagungen zu erklaeren. Je haeufiger eine bestimmte Zeit fuer die Wiederkunft festgesetzt und je weiter sie verbreitet wird, desto besser passt es in die Absichten Satans. Ist dann diese Zeit ergebnislos verstrichen, so bringt er Spott und Hohn ueber die Vertreter solcher Ansichten und haeuft dadurch Schmach auf die grosse Adventbewegung von 1843 und 1844. Die in diesem Irrtum beharren, werden schliesslich eine zu weit in die Zukunft hinausgerueckte Zeit fuer die Wiederkunft Christi festsetzen. Sie werden sich in falscher Sicherheit wiegen, und viele werden erst Aufklaerung finden, wenn es zu spaet ist.

 Die Geschichte Israels vor alters ist eine treffliche Veranschaulichung der vergangenen Erfahrung der Adventisten. Gott leitete sein Volk in der Adventbewegung, gleichwie er die Kinder Israel bei ihrem Auszug aus Aegypten fuehrte. Durch die grosse Enttaeuschung wurde ihr Glaube geprueft, wie der der Hebraeer am Roten Meer. Haetten sie immer der leitenden Hand vertraut, die in ihrer vergangenen Erfahrung mit ihnen gewesen war, so wuerden sie das Heil Gottes gesehen haben. Wenn alle, die in der Bewegung des Jahres 1844 vereint arbeiteten, die dritte Engelsbotschaft angenommen und sie in der Kraft des Heiligen Geistes verkuendigt haetten, so wuerde der Herr maechtig durch ihre Bemuehungen gewirkt haben. Eine Flut von Licht haette sich ueber die Welt ergossen, die Bewohner der Erde waeren schon vor Jahren gewarnt, das Schlusswerk vollendet worden, und Christus waere zur Erloesung seines Volkes gekommen.

 Es lag nicht im Willen Gottes, dass Israel vierzig Jahre in der Wueste umherziehen sollte; er wollte es unmittelbar ins Land Kanaan fuehren und es dort als ein heiliges und glueckliches Volk ansiedeln. Aber "wir sehen, dass sie nicht haben koennen hineinkommen um des Unglaubens willen". (Hebr. 3, 19) Infolge ihres bestaendigen Abfalls kamen sie in der Wueste um, und es wurden andere erweckt, um in das Gelobte Land einzuziehen. Ebenso war es nicht der Wille Gottes, dass die Wiederkunft

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Christi so lange verziehen und sein Volk so viele Jahre in dieser suenden- und sorgenbeladenen Welt verweilen sollte. Aber der Unglaube trennte die Menschen von Gott. Als sie sich weigerten, die Aufgabe zu erfuellen, die er ihnen angewiesen hatte, wurden andere berufen, die Botschaft zu verkuendigen. Aus Barmherzigkeit gegen die Welt verzoegert Christus sein Kommen, damit den Suendern Gelegenheit geboten werde, die Warnung zu vernehmen und in ihm Zuflucht zu finden vor dem Zorn Gottes, der ausgegossen werden soll.

 Heute wie damals erregt die Verkuendigung einer Wahrheit Widerstand, die die Suenden und Irrtuemer der Zeit ruegt. "Wer Arges tut, der hasst das Licht und kommt nicht an das Licht, auf dass seine Werke nicht gestraft werden." (Joh. 3, 20) Wenn Menschen sehen, dass sie ihre Auffassung nicht durch die Heilige Schrift begruenden koennen, entschliessen sich viele, ihren Standpunkt um jeden Preis zu verteidigen, und greifen mit boshaftem Geist den Charakter und die Beweggruende derer an, die die unbeliebten Wahrheiten verteidigen. Diese Handlungsweise ist in allen Zeiten verfolgt worden. Elia wurde angeschuldigt, dass er Israel verwirrte, Jeremia, dass er es verriete, Paulus, dass er den Tempel schaendete. Von jener Zeit bis auf den heutigen Tag sind die, welche der Wahrheit treu bleiben wollten, als Empoerer, Ketzer und Abtruennige gebrandmarkt worden. Die vielen, die zu unglaeubig sind, das feste prophetische Wort anzunehmen, werden mit einer Leichtglaeubigkeit, die keinen Zweifel zulaesst, den Anklagen gegen diejenigen Glauben schenken, die es wagen, volkstuemliche Suenden zu ruegen. Dieser Geist wird bestaendig zunehmen. Die Bibel lehrt deutlich, dass eine Zeit naht, in der die staatlichen Gesetze derart mit den goettlichen Gesetzen in Widerspruch geraten, dass jeder, der alle goettlichen Vorschriften halten will, Schmach und Strafe wie ein Uebeltaeter herausfordern muss.

 Was ist angesichts dieser Aussichten die Pflicht des Boten der Wahrheit? Soll er annehmen, dass die Wahrheit nicht vorgetragen werden darf, da ihre einzige Wirkung oft nur darin besteht, dass die Menschen aufgestachelt werden, ihren Forderungen auszuweichen oder ihnen zu widerstehen? Nein; er hat nicht mehr Ursache, das Zeugnis des Wortes Gottes zurueckzuhalten, weil es Widerstand erweckt, als frueher die Reformatoren. Das Bekenntnis des Glaubens, das Heilige und Maertyrer

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ablegten, wurde zum Nutzen der nachfolgenden Geschlechter berichtet. Diese lebendigen Beispiele der Heiligkeit und unverwandten Aufrichtigkeit sind uns erhalten worden, damit alle, die jetzt als Zeugen fuer den Herrn berufen sind, gestaerkt werden koennen. Sie empfingen Gnade und Wahrheit nicht fuer sich allein, sondern damit durch sie die Erde von der Erkenntnis Gottes erleuchtet wuerde. Hat Gott seinen Dienern in diesem Geschlecht Licht gegeben? Dann sollen sie es vor der Welt leuchten lassen.

 Vor alters erklaerte der Herr einem, der in seinem Namen redete: "Das Haus Israel will dich nicht hoeren, denn sie wollen mich selbst nicht hoeren." Dennoch sollst du "ihnen meine Worte sagen, sie gehorchen oder lassen's". (Hes. 3, 7; 2, 7) An den Diener Gottes heute ergeht der Auftrag: "Rufe getrost, schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkuendige meinem Volk ihr Uebertreten und dem Hause Jakob ihre Suenden." (Jes. 58, 1)

 Soweit die Gelegenheiten reichen, steht jeder, der das Licht der Wahrheit erhalten hat, unter der gleichen ernsten und furchtbaren Verantwortung wie der Prophet Israels, dem das Wort des Herrn galt: "Du Menschenkind, ich habe dich zu einem Waechter gesetzt ueber das Haus Israel, wenn du etwas aus meinem Munde hoerst, dass du sie von meinetwegen warnen sollst. Wenn ich nun zu dem Gottlosen sage: Du Gottloser musst des Todes sterben! und du sagst ihm solches nicht, dass sich der Gottlose warnen lasse vor seinem Wesen, so wird wohl der Gottlose um seines gottlosen Wesens willen sterben; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. Warnest du aber den Gottlosen vor seinem Wesen, dass er sich davon bekehre, und er will sich nicht von seinem Wesen bekehren, so wird er um seiner Suende willen sterben, und du hast deine Seele errettet." (Hes. 33, 7-9)

 Was die Annahme und Verbreitung der Wahrheit am meisten hindert, ist die Tatsache, dass sie Unannehmlichkeiten und Vorwuerfe mit sich bringt. Dies ist das einzige Argument, das ihre Verteidiger nie zu widerlegen vermochten. Das aber kann die wahren Nachfolger Christi nicht abschrecken. Sie warten nicht darauf, bis die Wahrheit volkstuemlich ist. Von ihrer Pflicht ueberzeugt, nehmen sie mit Vorbedacht das Kreuz an und sind mit dem Apostel Paulus ueberzeugt, dass "unsre

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Truebsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und ueber alle Massen wichtige Herrlichkeit", (2. Kor. 4, 17) und halten gleich den Alten "die Schmach Christi fuer groessern Reichtum denn die Schaetze Aegyptens". (Hebr. 11, 26)

 Nur solche, die von Herzen der Welt dienen, werden, was auch immer ihr Bekenntnis sein mag, in religioesen Dingen mehr aus Weltklugheit als nach echten Grundsaetzen handeln. Wir sollten das Rechte waehlen, weil es das Rechte ist, und die Folgen Gott anheimstellen. Grundsatztreuen, glaubensstarken und mutigen Maennern hat die Welt ihre grossen Reformen zu danken. Von ebenso gesinnten Maennern muss das Werk der Erneuerung in unserer Zeit weitergefuehrt werden.

 So spricht der Herr: "Hoeret mir zu, die ihr die Gerechtigkeit kennt, du Volk, in dessen Herzen mein Gesetz ist! Fuerchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmaehen; und wenn sie euch laestern, verzaget nicht! Denn die Motten werden sie fressen wie ein Kleid, und Wuermer werden sie fressen wie wollenes Tuch; aber meine Gerechtigkeit bleibt ewiglich und mein Heil fuer und fuer." (Jes. 51, 7. 8)

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