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Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis „Erweckung und Hinkehr zum wahren Glauben” Was ist das Heiligtum Die Bibelstelle, die vor allen andern die Grundlage und der Hauptpfeiler des Adventglaubens war, ist die in Daniel 8, 14 gegebene Erklaerung: "Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden." Dies waren allen denen vertraute Worte, die an das baldige Kommen des Herrn geglaubt hatten. Von tausenden Lippen klang diese Weissagung als das Losungswort ihres Glaubens. Alle fuehlten, dass von den darin dargelegten Ereignissen ihre strahlendsten Erwartungen und liebsten Hoffnungen abhingen. Sie hatten gezeigt, dass diese prophetischen Tage im Herbst des Jahres 1844 zu Ende gingen. Mit der uebrigen christlichen Welt glaubten die Adventisten, dass die Erde oder ein Teil von ihr das Heiligtum sei und dass die Weihe des Heiligtums die Reinigung der Erde durch das Feuer des letzten grossen Tages bedeutete und bei der Wiederkunft Christi stattfaende. Daraus entstand die Schlussfolgerung, dass Christus im Jahre 1844 auf die Erde zurueckkehren wuerde. Aber die festgesetzte Zeit war voruebergegangen und der Herr - nicht erschienen. Die Glaeubigen wussten, dass das Wort Gottes nicht irren konnte; ihre Auslegung der Weissagung musste also auf falscher Faehrte sein; aber wo steckte der Fehler? Viele zerhieben voreilig diese Schwierigkeit, indem sie in Abrede stellten, dass die zweitausenddreihundert Tage im Jahre 1844 endeten. Dafuer konnten sie jedoch keinen andern Grund anfuehren als den, dass Christus nicht zu der Zeit gekommen war, da sie ihn erwartet hatten. Sie schlossen daraus, dass, wenn die prophetischen Tage im Jahre 1844 zu Ende gegangen waeren, Christus dann gekommen sein wuerde, um durch die Laeuterung der Erde mit Feuer das Heiligtum zu reinigen, und dass, weil er nicht gekommen sei, die Tage auch nicht verstrichen sein koennten. Seite 411 (Englisch Seite 409,410) Durch Annahme dieser Schlussfolgerung verwarfen sie die ehemalige Berechnung der prophetischen Zeitangaben. Wie man gefunden hatte, fingen die zweitausenddreihundert Tage an, als das Gebot des Artaxerxes (oder Arthahsastha), das die Wiederherstellung und den Aufbau von Jerusalem befahl, in Kraft trat: im Herbst des Jahres 457 v. Chr. Dies als Ausgangspunkt annehmend, ergab sich in der Auslegung jener Periode eine vollkommene Uebereinstimmung mit allen in Daniel 9, 25-27 vor Augen gefuehrten Ereignissen. Neunundsechzig Wochen, die ersten vierhundertdreiundachtzig von den zweitausenddreihundert Jahren, sollten sich bis auf Christus, den Gesalbten, erstrecken. Christi Taufe und die Salbung mit dem Heiligen Geist im Jahre 27 n. Chr. erfuellten diese Angaben genau. In der Mitte der siebzigsten Woche sollte der Gesalbte ausgerottet werden. Dreieinhalb Jahre nach seiner Taufe, im Fruehling des Jahres 31. n. Chr., wurde Christus gekreuzigt. Die siebzig Wochen oder vierhundertneunzig Jahre sollten insbesondere den Juden gehoeren. Am Schluss jenes Zeitraumes besiegelte diese Nation die Verwerfung Christi durch die Verfolgung seiner Juenger, und die Apostel wandten sich im Jahre 34 n. Chr. zu den Heiden. Nachdem vierhundertneunzig Jahre von den zweitausenddreihundert verstrichen waren, blieben noch achtzehnhundertzehn Jahre uebrig. Vom Jahre 34 n. Chr. erstrecken sich achtzehnhundertzehn Jahre bis ins Jahr 1844. "Dann", sagte der Engel, "wird das Heiligtum wieder geweiht werden." Alle vorhergehenden Angaben der Weissagung waren unverkennbar zur bestimmten Zeit erfuellt worden. Alles war bei dieser Berechnung klar und zutreffend, nur liess sich nicht erkennen, dass irgendein Ereignis, das der Weihe des Tempels entspraeche, im Jahre 1844 stattgefunden habe. Wollte man verneinen, dass die Tage zu jener Zeit endeten, so hiesse das Verwirrung in die ganze Sache bringen und Grundsaetze umstossen, die durch untruegliche Erfuellungszeichen der Weissagung ihre Bestaetigung erhalten hatten. Aber Gott war in der grossen Adventbewegung der Leiter seines Volkes gewesen; seine Macht und Herrlichkeit hatten das Werk begleitet, und er wollte es nicht in Finsternis und Enttaeuschung enden lassen, damit man es nicht beschuldigen koenne, eine falsche und schwaermerische Bewegung gewesen zu sein. Er konnte sein Wort nicht Seite 412 (Englisch Seite 410,411) im Lichte des Zweifels und der Ungewissheit erscheinen lassen. Wenn auch viele ihre fruehere Berechnung der prophetischen Zeitangaben fahren liessen und die Richtigkeit der darauf gegruendeten Bewegung verneinten, so waren andere doch nicht willens, Glaubenspunkte und Erfahrungen aufzugeben, die durch die Heilige Schrift und das Zeugnis des Geistes Gottes erhaertet wurden. Sie glaubten, dass sie in ihrem Studium der Weissagungen diese richtig ausgelegt haetten und dass es ihre Pflicht sei, an den bereits gewonnenen Wahrheiten festzuhalten und ihre biblischen Forschungen fortzusetzen. Mit ernstem Gebet prueften sie ihre Auffassungen und forschten in der Heiligen Schrift, um ihren Fehler zu entdecken. Da sie in ihrer Berechnung der prophetischen Zeitabschnitte keinen Irrtum entdecken konnten, fuehlten sie sich veranlasst, das "Heiligtum" naeher zu pruefen. Ihre Untersuchung ergab, dass keine biblischen Beweise die allgemeine Ansicht, dass die Erde das Heiligtum sei, unterstuetzten. Aber sie fanden in der Bibel eine vollstaendige Auslegung ueber das Heiligtum, seine Beschaffenheit, seinen Standort und den in ihm stattfindenden Dienst. Das Zeugnis der heiligen Schreiber war so klar und ausfuehrlich, dass es keinen Zweifel darueber aufkommen liess. Paulus sagt in dem Brief an die Hebraeer: "Es hatte zwar auch das erste seine Rechte des Gottesdienstes und das aeusserliche Heiligtum. Denn es war da aufgerichtet das Vorderteil der Huette, darin der Leuchter war und der Tisch und die Schaubrote; und dies heisst das Heilige. Hinter dem andern Vorhang aber war die Huette, die da heisst das Allerheiligste; die hatte das goldene Raeuchfass und die Lade des Testaments allenthalben mit Gold ueberzogen, in welcher war der goldene Krug mit dem Himmelsbrot und die Rute Aarons, die gegruent hatte, und die Tafeln des Testaments; oben darueber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit, die ueberschatteten den Gnadenstuhl." (Hebr. 9, 1-5) Das Heiligtum, auf das der Apostel hier hinweist, war die von Mose nach dem Befehl Gottes als die irdische Wohnstaette des Allerhoechsten erbaute Stiftshuette. "Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich unter ihnen wohne", (2. Mose 25, 8) lautete die an Mose gerichtete Anweisung zu der Zeit, da er mit Gott auf dem Berge war. Die Israeliten zogen durch die Wueste, und die Stiftshuette war so gebaut, dass sie von Ort zu Ort Seite 413 (Englisch Seite 411,412) mitgenommen werden konnte. Dennoch war sie ein grossartiger Bau. Ihre Waende bildeten aufrechtstehende, mit schwerem Gold belegte Bretter, die in silberne Sockel eingelassen waren, waehrend das Dach aus Teppichen oder Decken bestand, deren aeusserste aus Fellen und deren innerste aus feiner, mit praechtigen Cherubim durchwirkter Leinwand hergestellt waren. Ohne den Vorhof, in dem der Brandopferaltar stand, gehoerten zur Stiftshuette selbst zwei Abteilungen, das Heilige und das Allerheiligste, die durch einen schoenen und kostbaren Vorhang voneinander getrennt waren; ein aehnlicher Vorhang verschloss den Eingang in die erste Abteilung. Im Heiligen, nach Sueden hin, befand sich der Leuchter mit seinen sieben Lampen, die das Heiligtum Tag und Nacht erleuchteten; nach Norden hin stand der Schaubrottisch und vor dem Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte, der goldene Raeuchaltar, von dem die Wolke des Wohlgeruchs mit den Gebeten Israels taeglich zu Gott emporstieg. Im Allerheiligsten stand die Bundeslade aus kostbarem, mit Gold belegtem Holz, der Aufbewahrungsort der zwei Steintafeln, auf die Gott die Zehn Gebote eingegraben hatte. Ueber der Lade bildete der Gnadenthron den Deckel der heiligen Truhe. Er war ein praechtiges Kunstwerk, auf dem sich zwei Cherubim erhoben, an jeder Seite einer, aus reinem Golde gearbeitet. In dieser Abteilung offenbarte sich die goettliche Gegenwart in der Wolke der Herrlichkeit zwischen den Cherubim. Nachdem sich die Hebraeer in Kanaan niedergelassen hatten, wurde die Stiftshuette durch den Tempel Salomos ersetzt, der, obwohl ein fester Bau und von groesserem Umfang, doch die gleichen Groessenverhaeltnisse beibehielt und auf aehnliche Weise ausgestattet war. In dieser Form bestand das Heiligtum, ausgenommen die Zeit Daniels, als es in Truemmern lag, bis zu seiner Zerstoerung durch die Roemer im Jahre 70 n. Chr. Dies ist das einzige Heiligtum, das je auf Erden bestanden hat und ueber das die Bibel irgendwelche Auskunft gibt. Paulus nennt es das Heiligtum des ersten Bundes. Aber hat der Neue Bund kein Heiligtum? Als sich die nach Wahrheit Forschenden in den Hebraeerbrief vertieften, fanden sie, dass das Vorhandensein eines zweiten oder neutestamentlichen Seite 414 (Englisch Seite 412,413) Heiligtums in den bereits angefuehrten Worten des Apostels angedeutet war: "Es hatte zwar auch das erste (d.h. das Alte Testament) seine Rechte des Gottesdienstes und das aeusserliche Heiligtum." Der Gebrauch des Wortes "auch" deutet an, dass Paulus dieses Heiligtum zuvor erwaehnt hat. Als sie zum vorhergehenden Kapitel zurueckgingen, lasen sie am Angang: "Das ist nun die Hauptsache, davon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zu der Rechten auf dem Stuhl der Majestaet im Himmel und ist ein Pfleger des Heiligen und der wahrhaftigen Huette, welche Gott aufgerichtet hat und kein Mensch." (Hebr. 8, 1. 2) Hier wird das Heiligtum des Neuen Bundes offenbart. Das Heiligtum des ersten Bundes war von Menschen aufgerichtet, von Mose erbaut worden; dieses hier ist vom Herrn und nicht von Menschen aufgerichtet. In jenem Heiligtum vollzogen die irdischen Priester ihren Dienst; in diesem hier dient Christus, unser grosser Hoherpriester, zur Rechten Gottes. Das eine Heiligtum befand sich auf Erden, das andere ist im Himmel. Ferner war das von Mose erbaute Heiligtum nach einem Vorbild aufgerichtet worden. Der Herr hatte ihn angewiesen: "Wie ich dir ein Vorbild der Wohnung und alles ihres Geraetes zeigen werde, so sollt ihr's machen." Und wiederum war ihm der Auftrag erteilt worden: "Siehe zu, dass du es machst nach dem Bilde, das du auf dem Berge gesehen hast." (2. Mose 25, 9. 40) Der Apostel erklaert dazu, dass die erste Huette "ist ein Gleichnis auf die gegenwaertige Zeit, nach welchem Gaben und Opfer geopfert werden"; dass die heiligen Staetten "der himmlischen Dinge Vorbilder" waren; dass die Priester, die nach dem Gesetz Gaben darbrachten, "dem Vorbilde und dem Schatten des Himmlischen" dienten, und dass "Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Haenden gemacht ist (welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen), sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes fuer uns". (Hebr. 9, 9. 23; 8, 5; 9, 24) Das Heiligtum im Himmel, in dem Christus um unsertwillen dient, ist das grosse Urbild des von Mose erbauten Heiligtums. Gott legte seinen Geist auf die Bauleute des irdischen Heiligtums. Die bei seiner Erbauung entfaltete Kunstfertigkeit war eine Offenbarung der Seite 415 (Englisch Seite 413,414) goettlichen Weisheit. Die Waende hatten das Aussehen massiven Goldes und warfen das Licht des siebenarmigen goldenen Leuchters in alle Richtungen zurueck. Der Schaubrottisch und der Raeucheraltar glaenzten wie reines Gold. Die praechtigen Teppiche, die die Decke bildeten und mit Engelsgestalten in Blau, Purpur und Scharlach durchwirkt waren, trugen zur Schoenheit des Anblicks bei. Hinter dem zweiten Vorhang ueber dem Gnadenstuhl war der Ort der sichtbaren Offenbarung der Herrlichkeit Gottes, vor den ausser dem Hohenpriester niemand treten und am Leben bleiben konnte. Der unvergleichliche Glanz der irdischen Stiftshuette strahlte dem menschlichen Anblick die Herrlichkeit jenes himmlischen Tempels wider, in dem Christus, unser Vorlaeufer, fuer uns vor dem Thron Gottes dient. Die Wohnstaette des Koenigs der Koenige, wo tausendmal tausend ihm dienen und zehntausendmal zehntausend vor ihm stehen, (Dan. 7, 10) jener Tempel voll der Herrlichkeit des ewigen Thrones, wo Seraphim, die strahlenden Hueter, anbetend ihre Angesichter verhuellen, konnte in dem denkwuerdigsten Bau, den Menschenhaende je errichteten, nur einen matten Abglanz seiner Groesse und Herrlichkeit finden. Doch wurden durch das Heiligtum und seine Gottesdienste wichtige Wahrheiten hinsichtlich des himmlischen Heiligtums und des grossen Werkes, das dort zur Erloesung des Menschen ausgefuehrt wird, gelehrt. Die heiligen Staetten des Heiligtums im Himmel werden durch die zwei Abteilungen im irdischen Heiligtum dargestellt. Als dem Apostel Johannes in einem Gesicht ein Blick auf den Tempel Gottes im Himmel gewaehrt wurde, sah er, wie dort "sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Stuhl". (Offb. 4, 5) Er erblickte einen Engel, der "hatte ein goldenes Raeuchfass; und ihm ward viel Raeuchwerk gegeben, dass er es gaebe zum Gebet aller Heiligen auf den goldenen Altar vor dem Stuhl". (Offb. 8, 3) Hier wurde dem Propheten gestattet, die erste Abteilung des himmlischen Heiligtums zu schauen; und er sah dort die "sieben Fackeln mit Feuer" und "den goldenen Altar", dargestellt durch den goldenen Leuchter und den Raeucheraltar im irdischen Heiligtum. Wiederum heisst es: "Der Tempel Gottes ward aufgetan im Himmel", (Offb. 11, 19) und er schaute in das Innere, hinter den zweiten Vorhang, in das Allerheiligste. Hier erblickte er "die Lade des Bundes", dargestellt durch die heilige Lade, Seite 416 (Englisch Seite 414,415) die Mose anfertigen liess, um das Gesetz Gottes darin aufzubewahren. So fanden die, die sich mit diesem Problem befassten, unbestreitbare Beweise fuer das Vorhandensein eines Heiligtums im Himmel. Mose baute das irdische Heiligtum nach einem Vorbild, das ihm gezeigt worden war. Paulus lehrt, dass jenes Vorbild das wahrhaftige Heiligtum sei, das im Himmel ist; und Johannes bezeugt, dass er es im Himmel gesehen habe. Im himmlischen Tempel, der Wohnstaette Gottes, ist sein Thron auf Gerechtigkeit und Gericht gegruendet. Im Allerheiligsten ist sein Gesetz der grosse Masstab des Rechts, nach dem alle Menschen geprueft werden. Die Bundeslade, welche die Tafeln des Gesetzes birgt, ist mit dem Gnadenstuhl bedeckt, vor dem Christus sein Blut zugunsten des Suenders darbietet. Auf diese Weise wird die Verbindung von Gerechtigkeit und Gnade im Plan der menschlichen Erloesung dargestellt. Diese Vereinigung konnte allein ewige Weisheit ersinnen und unendliche Macht vollbringen; es ist eine Verbindung, die den ganzen Himmel mit Staunen und Anbetung erfuellt. Die ehrerbietig auf den Gnadenstuhl niederschauenden Cherubim des irdischen Heiligtums versinnbilden die Anteilnahme, mit der die himmlischen Heerscharen das Werk der Erloesung betrachten. Dies ist das Geheimnis der Gnade, das auch die Engel verlangt zu schauen: dass Gott gerecht sein kann, waehrend er den reumuetigen Suender rechtfertigt und seine Verbindung mit dem gefallenen Geschlecht erneuert; dass Christus sich herablassen konnte, unzaehlige Scharen aus dem Abgrund des Verderbens herauszuheben und sie mit den fleckenlosen Gewaendern seiner eigenen Gerechtigkeit zu bekleiden, damit sie sich mit Engeln, die nie gefallen sind, vereinen und ewig in der Gegenwart Gottes wohnen koennen. Christi Werk als Fuersprecher der Menschen wird in der schoenen Weissagung Sacharjas von dem, "der heisst Zemach" (Zweig), veranschaulicht. Der Prophet sagt: "Den Tempel des Herrn wird er bauen und wird den Schmuck tragen und wird sitzen und herrschen auf seinem (des Vaters) Thron, wird auch Priester sein auf seinem Thron und es wird Friede sein zwischen den beiden." (Sach. 6, 13) "Den Tempel des Herrn wird er bauen." Durch sein Opfer und sein Mittleramt ist Christus beides, der Grund und der Baumeister der Seite 417 (Englisch Seite 415,416) Gemeinde Gottes. Der Apostel Paulus verweist auf ihn als den Eckstein, "auf welchem der ganze Bau ineinandergefuegt waechst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr mit erbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist". (Eph. 2, 21. 22) "Und wird den Schmuck tragen." Der Schmuck, die Herrlichkeit der Erloesung des gefallenen Geschlechts, gebuehrt Christus. In der Ewigkeit wird das Lied der Erloesten sein: Dem, "der uns geliebt hat und gewaschen von den Suenden mit seinem Blut..., dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen". (Offb. 1, 5. 6) Er "wird sitzen und herrschen auf seinem Thron, wird auch Priester sein auf seinem Thron". Jetzt sitzt er noch nicht auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; denn das Reich der Herrlichkeit ist noch nicht aufgerichtet. Erst nach der Vollendung seines Werkes wird Gott "ihm den Stuhl seines Vaters David geben", ein Reich, dessen "kein Ende sein" wird. (Luk. 1, 32. 33) Als Priester sitzt Christus jetzt mit seinem Vater auf dessen Stuhl. (Offb. 3, 21) Auf dem Throne mit dem Ewigen, der in sich selbst Dasein hat, sitzt er, der da "trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen", "der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Suende", damit er koennte "helfen denen, die versucht werden". "Ob jemand suendigt, so haben wir einen Fuersprecher bei dem Vater." (Jes. 53, 4; Hebr. 4, 15; 2, 18; 1. Joh. 2, 1) Seine Vermittlung geschieht durch einen durchbohrten und gebrochenen Leib, durch sein makelloses Leben. Die verwundeten Haende, die durchstochene Seite, die durchbohrten Fuesse legen Fuersprache ein fuer den gefallenen Menschen, dessen Heil so unermesslich teuer erkauft wurde. "Und es wird Friede (der Rat des Friedens) sein zwischen den beiden." Die Liebe des Vaters ist nicht weniger als die des Sohnes die Quelle des Heils fuer die verlorene Menschheit. Jesus sagte zu seinen Juengern, ehe er wegging: "Ich sage euch nicht, dass ich den Vater fuer euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb." (Joh. 16, 26. 27) "Gott war in Christo und versoehnte die Welt mit ihm selber." (2. Kor. 5, 19) Und in dem Dienst des Heiligtums droben ist der Rat des Friedens zwischen den beiden. "Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Joh. 3, 16) Seite 418 (Englisch Seite 416,417) Die Frage: Was ist das Heiligtum? ist in der Heiligen Schrift klar beantwortet. Der Ausdruck "Heiligtum", wie er in der Bibel gebraucht wird, bezieht sich zunaechst auf die von Mose als Abbild der himmlischen Dinge errichtete Stiftshuette, und zweitens auf die wahrhaftige Huette im Himmel, auf die das irdische Heiligtum hinwies. Mit dem Tode Christi endete der bildliche Dienst. Die wahre Huette im Himmel ist das Heiligtum des Neuen Bundes. Und da die Weissagung aus Daniel 8, 14 ihre Erfuellung in diesem Bund findet, muss das Heiligtum, auf das sie sich bezieht, das Heiligtum des Neuen Bundes sein. Am Ende der zweitausenddreihundert Tage, im Jahre 1844, hatte sich schon seit vielen Jahrhunderten kein Heiligtum mehr auf Erden befunden. Somit verweist die Weissagung: "Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden" ohne Zweifel auf das Heiligtum im Himmel. Aber noch bleibt die wichtigste Frage zu beantworten. Was ist unter der Weihe oder Reinigung des Heiligtums zu verstehen? Das Alte Testament berichtet, dass ein solcher Dienst in Verbindung mit dem irdischen Heiligtum bestand. Aber kann im Himmel irgend etwas zu reinigen sein? In Hebraeer 9 wird die Reinigung des irdischen sowie des himmlischen Heiligtums deutlich gelehrt: "Und es wird fast alles mit Blut gereinigt nach dem Gesetz; und ohne Blutvergiessen geschieht keine Vergebung. So mussten nun der himmlischen Dinge Vorbilder mit solchem (dem Blut von Tieren) gereinigt werden; aber sie selbst, die himmlischen, muessen bessere Opfer haben, denn jene waren" (Hebr. 9, 22, 23) - naemlich das koestliche Blut Christi. Die Reinigung muss sowohl im Schattendienst als auch im wahrhaftigen Dienst mit Blut vollzogen werden; in jenem mit dem Blut von Tieren, in diesem mit dem Blut Christi. Paulus nennt den Grund, warum diese Reinigung mit Blut vollzogen werden musste: weil ohne Blutvergiessen keine Vergebung geschieht. Vergebung zu erlangen oder die Suende auszutilgen, das ist das zu vollbringende Werk. Aber wie konnte die Suende mit dem Heiligtum, sei es im Himmel oder auf Erden, verbunden sein? Das koennen wir aus dem gegenbildlichen Dienst erkennen; denn die Priester, die ihr Amt auf Erden versahen, dienten "dem Vorbilde und dem Schatten des Himmlischen". (Hebr. 8, 5) Seite 419 (Englisch Seite 417,418) Der Dienst im irdischen Heiligtum war ein zweifacher: die Priester dienten taeglich im Heiligen, waehrend der Hohepriester einmal im Jahr im Allerheiligsten ein besonderes Werk der Versoehnung zur Reinigung des Heiligtums darbrachte. Tag fuer Tag fuehrte der reumuetige Suender sein Opfer zur Tuer der Stiftshuette und bekannte, seine Hand auf den Kopf des Opfertieres legend, seine Suenden, die er damit bildlich von sich auf das unschuldige Opfer uebertrug. Dann wurde das Tier geschlachtet. "Ohne Blutvergiessen", sagt der Apostel, "geschieht keine Vergebung." "Des Leibes Leben ist im Blut." (3. Mose 17, 11) Das gebrochene Gesetz Gottes forderte das Leben des Uebertreters. Das Blut, welches das verwirkte Leben des Suenders darstellte, dessen Schuld das Opfertier trug, wurde vom Priester in das Heilige getragen und vor den Vorhang gesprengt, hinter dem sich die Bundeslade mit den Tafeln des Gesetzes befand, das der Suender uebertreten hatte. Durch diese Handlung wurde die Suende durch das Blut bildlich auf das Heiligtum uebertragen. In einigen Faellen wurde das Blut nicht in das Heilige getragen; dann jedoch wurde das Fleisch von dem Priester gegessen, wie Mose die Soehne Aarons anwies und sagte: "Er (Gott) hat's euch gegeben, dass ihr die Missetat der Gemeinde tragen sollt." (3. Mose 10, 17) Beide Handlungen versinnbildeten gleicherweise die Uebertragung der Suende von dem Bussfertigen auf das Heiligtum. So geschah der Dienst, der das ganze Jahr ueber Tag fuer Tag vor sich ging. Die Suenden Israels wurden auf diese Weise auf das Heiligtum uebertragen, und eine besondere Handlung war noetig, um sie wegzuschaffen. Gott befahl, dass jede der heiligen Abteilungen versoehnt werden sollte. "Und soll also versoehnen das Heiligtum von der Unreinigkeit der Kinder Israel und von ihrer Uebertretung in allen ihren Suenden. Also soll er auch tun der Huette des Stifts; denn sie sind unrein, die umher lagern." Es musste ferner die Versoehnung vollzogen werden fuer den Altar, um ihn zu "reinigen und heiligen von der Unreinigkeit der Kinder Israel". (3. Mose 16, 16. 19) Einmal im Jahr, am grossen Versoehnungstag, ging der Priester in das Allerheiligste, um das Heiligtum zu reinigen. Das dort vollzogene Werk vollendete die jaehrliche Runde des Dienstes im Heiligtum. Am Versoehnungstag wurden zwei Ziegenboecke vor die Tuer der Stiftshuette Seite 420 (Englisch Seite 418,419) gebracht und das Los ueber sie geworfen, "ein Los dem Herrn und das andere dem Asasel". (3. Mose 16, 8) Der Bock, auf den des Herrn Los viel, sollte als Suendopfer fuer das Volk geschlachtet werden, und der Priester musste dessen Blut hinter den Vorhang bringen und es auf den Gnadenstuhl und vor den Gnadenstuhl sprengen. Auch musste es auf den Raeucheraltar, der vor dem Vorhang stand, gesprengt werden. "Da soll denn Aaron seine beiden Haende auf sein (des lebenden Bockes) Haupt legen und bekennen auf ihn alle Missetat der Kinder Israel und alle ihre Uebertretung in allen ihren Suenden, und soll sie dem Bock auf das Haupt legen und ihn durch einen Mann, der bereit ist, in die Wueste laufen lassen, dass also der Bock alle ihre Missetat auf sich in eine Wildnis trage." (3. Mose 16, 21. 22) Der Suendenbock kam nicht mehr in das Lager Israels, und der Mann, der ihn weggefuehrt hatte, musste sich und seine Kleider mit Wasser waschen, ehe er ins Lager zurueckkehren durfte. Die ganze Handlung war dazu bestimmt, den Israeliten die Heiligkeit Gottes und seinen Abscheu vor der Suende einzupraegen und ihnen ferner zu zeigen, dass sie mit der Suende nicht in Beruehrung kommen konnten, ohne befleckt zu werden. Jeder wurde, waehrend dieses Versoehnungswerk vor sich ging, aufgefordert, seine Seele zu demuetigen. Alle Beschaeftigung musste beiseite gelegt werden, und die Israeliten hatten den Tag in feierlicher Demuetigung vor Gott mit Gebet, Fasten und gruendlicher Herzenserforschung zuzubringen. Der sinnbildliche Dienst liess wichtige Wahrheiten ueber die Versoehnung offenbar werden. Ein Stellvertreter wurde statt des Suenders angenommen; aber die Suende konnte durch das Blut des Opfertieres nicht ausgetilgt werden. Es wurde dadurch nur ein Mittel vorgesehen, sie auf das Heiligtum zu uebertragen. Durch das Darbringen des Blutes erkannte der Suender die Autoritaet des Gesetzes an, bekannte seine Schuld der Uebertretung und drueckte sein Verlangen nach Vergebung aus, und zwar im Glauben an einen zukuenftigen Erloeser; aber noch war er von der Verdammung des Gesetzes nicht gaenzlich befreit. Am Versoehnungstag ging der Hohepriester, nachdem er von der Gemeinde ein Opfer genommen hatte, mit dem Blut dieses Opfers in das Allerheiligste und sprengte es auf den Gnadenstuhl, unmittelbar ueber das Seite 421 (Englisch Seite 419,420) Gesetz, um fuer dessen Ansprueche Genugtuung zu leisten. Dann nahm er als Mittler die Suenden auf sich selbst und trug sie aus dem Heiligtum. Er legte seine Haende auf den Kopf des lebenden Bockes, bekannte auf ihn alle diese Suenden und uebertrug sie damit von sich auf den Bock, den man dann hinwegjagte. Diese Suenden wurden jetzt als fuer immer vom Volk geschieden betrachtet. So geschah der in dem "Vorbild und dem Schatten des Himmlischen" vollzogene Dienst. Und was sinnbildlich im Dienst des irdischen Heiligtums getan wurde, geschieht im Wesen waehrend des Dienstes im himmlischen Heiligtum. Nach seiner Himmelfahrt begann unser Heiland seinen Dienst als Hoherpriester. Paulus sagt: "Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Haenden gemacht ist (welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen), sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes fuer uns." (Hebr. 9, 24) Der Dienst des Priesters waehrend des ganzen Jahres in der ersten Abteilung des Heiligtums, "im Inwendigen des Vorhangs", der die Tuer bildete und das Heilige vom Vorhof trennte, stellt den Dienst dar, den Christus mit seiner Himmelfahrt angetreten hat. Es war die Aufgabe des Priesters waehrend des taeglichen Dienstes, vor Gott das Blut des Suendopfers und den Weihrauch darzubringen, der mit den Gebeten Israels emporstieg. So machte Christus vor dem Vater sein Blut fuer die Suender geltend und brachte ihm ferner mit dem koestlichen Wohlgeruch seiner eigenen Gerechtigkeit die Gebete der reumuetigen Glaeubigen dar. Das war der Dienst in der ersten Abteilung des himmlischen Heiligtums. Dorthin folgte Christus der Glaube seiner Juenger, als er, ihren Blicken entschwindend, gen Himmel fuhr. Hier wurzelte ihre Hoffnung, "welche wir", wie Paulus sagt, "haben als einen sichern und festen Anker unsrer Seele, der auch hineingeht in das Inwendige des Vorhangs, dahin der Vorlaeufer fuer uns eingegangen, Jesus, ein Hoherpriester geworden in Ewigkeit". Christus ist "nicht durch der Boecke oder Kaelber Blut, sondern durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erloesung erfunden". (Hebr. 6, 19.29; 9, 12) Achtzehn Jahrhunderte lang wurde dieser Dienst im ersten Teil des Heiligtums fortgefuehrt. Das Blut Christi legte Fuerbitte fuer reumuetige Seite 422 (Englisch Seite 420,421) Glaeubige ein und verschaffte ihnen Vergebung und Annahme beim Vater, doch standen ihre Suenden noch immer in den Buechern verzeichnet. Wie im irdischen Heiligtum am Ende des Jahres ein Versoehnungsdienst stattfand, so muss, ehe Christi Aufgabe der Erloesung der Menschen vollendet werden kann, das himmlische Heiligtum durch die Entfernung der Suenden versoehnt werden. Dies ist der Dienst, der am Ende der zweitausenddreihundert Tage begann. Zu jener Zeit trat, wie vom Propheten Daniel vorhergesagt wurde, unser grosser Hoherpriester in das Allerheiligste, um den letzten Teil seines feierlichen Werkes, die Reinigung des Heiligtums, zu vollziehen. Wie die Suenden des Volkes vor alters durch den Glauben auf das Suendopfer gelegt und bildlich durch dessen Blut auf das irdische Heiligtum uebertragen wurden, so werden im Neuen Bund die Suenden der Bussfertigen durch den Glauben auf Christus gelegt und in Wirklichkeit auf das himmlische Heiligtum uebertragen. Und wie im Schattendienst die Reinigung des irdischen Heiligtums durch das Wegschaffen der Suenden, durch die es befleckt worden war, vollbracht wurde, so soll die Reinigung des himmlischen durch das Wegschaffen oder Austilgen der dort aufgezeichneten Suenden vollzogen werden. Ehe dies aber geschehen kann, muessen die Buecher untersucht werden, um zu entscheiden, wer, durch Bereuen der Suenden und den Glauben an Christus, der Wohltaten seiner Versoehnung teilhaftig werden kann. Die Reinigung des Heiligtums schliesst deshalb eine Untersuchung, ein Gericht ein. Diese Untersuchung muss stattfinden, ehe Christus kommt, um sein Volk zu erloesen; denn wenn er kommt, ist sein Lohn mit ihm, "zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden". (Offb. 22. 12) Auf diese Weise erkannten die, welche dem Licht des prophetischen Wortes folgten, dass Christus, statt am Ende der zweitausenddreihundert Tage im Jahre 1844 auf die Erde zu kommen, damals in das Allerheiligste des himmlischen Heiligtums einging, um das abschliessende Werk der Versoehnung, die Vorbereitung auf sein Kommen, zu vollziehen. Man erkannte nicht nur, dass der geschlachtete Bock auf Christus als ein Opfer hinwies und den Hohenpriester Christus als einen Mittler darstellte, sondern auch, dass der Suendenbock Satan, den Urheber der Seite 423 (Englisch Seite 421,422) Suende, versinnbildete, auf den die Suenden der wahrhaft Reumuetigen schliesslich gelegt werden sollen. Wenn der Hohepriester - kraft des Blutes des Suendopfers - die Suenden vom Heiligtum wegschaffte, legte er sie auf den Suendenbock; wenn Christus am Ende seines Dienstes - kraft seines eigenen Blutes - die Suenden seines Volkes aus dem himmlischen Heiligtum fortnimmt, wird er sie auf Satan legen, der bei der Vollstreckung des Gerichts die endgueltige Schuld tragen muss. Der Suendenbock wurde in die Wueste gejagt, damit er nie wieder in die Gemeinschaft der Kinder Israel zurueckkommen konnte. Ebenso wird Satan auf ewig aus der Gegenwart Gottes und seines Volkes verbannt und bei der endgueltigen Vernichtung der Suende und der Suender vertilgt werden. Seite 424 (Englisch Seite 422) |