Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis
von Ellen G. White

„Erweckung und Hinkehr zum wahren Glauben”

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Eine grosse religioese Erweckung

 In der Weissagung ueber die erste Engelsbotschaft in Offenbarung 14 wird unter der Verkuendigung der baldigen Ankunft Christi eine grosse religioese Erweckung vorhergesagt. Johannes sieht "einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkuendigen denen, die auf Erden wohnen, und allen Heiden und Geschlechtern und Sprachen und Voelkern". Mit grosser Stimme verkuendete er die Botschaft: "Fuerchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Zeit seines Gerichts ist gekommen! Und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen." (Offb. 14, 6.7)

 Die Tatsache, dass ein Engel als Herold dieser Warnung bezeichnet wird, ist bedeutungsvoll. Es hat der goettlichen Weisheit gefallen, durch die Reinheit, Herrlichkeit und Macht des himmlischen Boten die Erhabenheit des durch die Botschaft auszufuehrenden Werkes sowie die Macht und Herrlichkeit, die sie begleiten sollten, darzustellen. Der "mitten durch den Himmel" fliegende Engel, die "grosse Stimme", mit der die Botschaft verkuendigt wird, und ihre Verbreitung unter allen, "die auf Erden wohnen" - "allen Heiden und Geschlechtern und Sprachen und Voelkern" -, bekunden die Schnelligkeit und die weltweite Ausdehnung der Bewegung.

 Die Botschaft erhellt die Zeit, wann diese Bewegung stattfinden soll. Es heisst, dass sie ein Teil des "ewigen Evangeliums" sei, und sie kuendigt den Beginn des Gerichts an. Die Heilsbotschaft ist zu allen Zeiten verkuendigt worden; aber diese Botschaft hier ist ein Teil des Evangeliums, das nur in den letzten Tagen verkuendigt werden kann, denn nur dann wuerde es wahr sein, dass die Stunde des Gerichts gekommen ist. Die Weissagungen zeigen eine Reihe von Ereignissen,

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die bis zum Beginn des Gerichts reichen. Dies ist besonders bei dem Buche Daniel der Fall. Jenen Teil seiner Weissagungen aber, der sich auf die letzten Tage bezieht, sollte Daniel verbergen und versiegeln "bis auf die letzte Zeit". Erst dann, als diese Zeit erreicht war, konnte die Botschaft des Gerichts, die sich auf die Erfuellung dieser Weissagung gruendet, verkuendigt werden. Aber in der letzten Zeit, sagt der Prophet, "werden viele darueberkommen und grossen Verstand finden". (Dan. 12,4)

 Der Apostel Paulus warnte die Gemeinde, die Wiederkunft Christi in seinen Tagen zu erwarten: "Denn er (der Tag Christi) kommt nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Suende." (2. Thess. 2, 3) Erst nach dem grossen Abfall und der langen Regierungszeit des "Menschen der Suende" duerfen wir die Ankunft unseres Herrn erwarten. Diese Zeit endete im Jahre 1798. Das Kommen Christi konnte nicht vor jener Zeit stattfinden. Die Warnung des Paulus erstreckt sich ueber die lange christliche Bundeszeit bis zum Jahre 1798. Erst danach sollte die Botschaft von der Wiederkunft Christi verkuendigt werden.

 Eine solche Botschaft wurde in den vergangenen Zeiten nie gepredigt. Paulus verkuendigte sie, wie wir gesehen haben, nicht, er verwies seine Brueder in der Frage der Wiederkunft des Herrn in die damals weit entfernte Zukunft. Die Reformatoren verkuendigten sie nicht. Martin Luther erwartete das Gericht ungefaehr dreihundert Jahre nach seiner Zeit. Aber seit dem Jahre 1798 ist das Buch Daniel entsiegelt worden, das Verstaendnis der Weissagungen hat zugenommen, und viele haben die feierliche Botschaft von dem nahen Gericht verkuendigt.

 Wie die grosse Reformation im 16. Jahrhundert, so kam die Adventbewegung gleichzeitig in verschiedenen Laendern der Christenheit auf. Sowohl in Europa als auch in Amerika studierten Maenner des Glaubens und des Gebets die Weissagungen, verfolgten die von Gott eingegebenen Berichte und fanden ueberzeugende Beweise, dass das Ende aller Dinge nahe war. In verschiedenen Laendern entstanden vereinzelte Gruppen von Christen, die allein durch das Studium der Heiligen Schrift zu der Ueberzeugung gelangten, dass die Ankunft des Heilandes bevorstand.

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 Im Jahre 1821, drei Jahre nachdem Miller das Verstaendnis der Weissagungen aufgegangen war, die auf die Zeit des Gerichts hinwiesen, begann Dr. Joseph Wolff, "der Missionar fuer die ganze Welt", das baldige Kommen des Herrn zu verkuendigen. Wolff war Jude, aus Deutschland gebuertig; sein Vater war Rabbiner. Schon sehr frueh wurde Wolff von der Wahrheit der christlichen Religion ueberzeugt. Von taetigem und forschendem Verstand, hatte er aufmerksam den im elterlichen Hause stattfindenden Gespraechen gelauscht, wenn sich dort taeglich fromme Juden einfanden, um die Hoffnungen und Erwartungen ihres Volkes, die Herrlichkeit des kommenden Messias und die Wiederaufrichtung Israels zu besprechen. Als der Knabe eines Tages den Namen Jesus von Nazareth hoerte, fragte er, wer das sei. Die Antwort lautete: "Ein hoechst begabter Jude; weil er aber vorgab, der Messias zu sein, verurteilte ihn das juedische Gericht zum Tode." - "Warum ist Jerusalem zerstoert", fuhr der Fragesteller fort, "und warum sind wir in Gefangenschaft?" - "Ach", antwortete der Vater, "weil die Juden die Propheten umbrachten." Dem Kind kam sofort der Gedanke: "Vielleicht war auch Jesus von Nazareth ein Prophet, und die Juden haben ihn getoetet, obgleich er unschuldig war." (Wolff, "Reiseerfahrungen", Bd. I, S. 6 f.) Dies Gefuehl war so stark, dass er, obwohl es ihm untersagt war, eine christliche Kirche zu betreten, doch oft draussen stehenblieb, um der Predigt zuzuhoeren.

 Als er erst sieben Jahre alt war, prahlte er vor einem betagtem christlichen Nachbar von dem zukuenftigen Triumph Israels beim Kommen des Messias, worauf der alte Mann freundlich sagte: "Mein Junge, ich will dir sagen, wer der wirkliche Messias war: Es war Jesus von Nazareth,... den deine Vorfahren kreuzigten, wie sie vorzeiten auch die Propheten umbrachten. Geh heim und lies das 53. Kapitel des Jesaja, und du wirst ueberzeugt werden, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist."

 Wolff war sofort davon ueberzeugt, ging nach Hause, las den betreffenden Abschnitt und gewahrte mit Verwunderung, wie vollkommen dieser in Jesus von Nazareth erfuellt worden war. Konnten die Worte des Christen wahr sein? Der Knabe bat seinen Vater um eine Erklaerung der Weissagung; dieser aber trat ihm mit einem so

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finsteren Schweigen entgegen, dass er es nie wieder wagte, darauf zurueckzukommen. Immerhin verstaerkte sich hierdurch sein Verlangen, mehr von der christlichen Religion zu erfahren.

 Die Erkenntnis, die er suchte, wurde in seinem juedischen Familienkreis sorgfaeltig von ihm ferngehalten; aber als er elf Jahre alt war, verliess er seines Vaters Haus, um in die Welt hinauszugehen, sich eine Ausbildung zu verschaffen und Religion und Beruf zu waehlen. Er fand eine Zeitlang bei Verwandten Unterkunft, wurde aber bald als Abtruenniger von ihnen vertrieben und musste sich allein und mittellos seinen Weg unter Fremden bahnen. Er zog von Ort zu Ort, studierte fleissig und verdiente sich seinen Unterhalt durch hebraeischen Sprachunterricht. Durch den Einfluss eines katholischen Lehrers wurde er zum paepstlichen Glauben gefuehrt, und er fasste den Entschluss, Missionar unter seinem eigenen Volk zu werden. In dieser Absicht ging er wenige Jahre spaeter an das katholische Missionsinstitut (Das "Collegium pro fide Propaganda", an dem ausser Theologie, Philosophie und Kirchenrecht noch Hebraeisch, Arabisch, Syrisch, Griechisch und Armenisch gelehrt wurde.) nach Rom, um dort seine Studien fortzusetzen. Hier trug ihm seine Gewohnheit, unabhaengig zu denken und offen zu reden, den Vorwurf der Ketzerei ein. Er griff vorbehaltlos die Missbraeuche der Kirche an und betonte die Notwendigkeit einer Umgestaltung. Obgleich er zuerst von den paepstlichen Wuerdentraegern mit besonderer Gunst behandelt worden war, musste er doch nach einiger Zeit Rom verlassen. Unter der Aufsicht der Kirche ging er von Ort zu Ort, bis man sich ueberzeugt hatte, dass er sich niemals dem Joch der roemischen Kirche unterwerfen wuerde. Man nannte ihn unverbesserlich und liess ihn gehen, wohin er wollte. Er schlug nun den Weg nach England ein und trat, indem er den protestantischen Glauben annahm, zur anglikanischen Kirche ueber. Nach zweijaehrigem intensivem Studium begann er im Jahre 1821 sein Lebenswerk.

 Waehrend Wolff die grosse Wahrheit von der ersten Ankunft Christi als "des Allerverachtetsten und Unwertesten, voller Schmerzen und Krankheit" annahm, erkannte er, dass die Weissagungen mit gleicher Deutlichkeit seine Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit vor Augen fuehrten. Und waehrend er sein Volk zu Jesus von Nazareth, dem Verheissenen, fuehren und dessen Erscheinen in Niedrigkeit als ein

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Opfer fuer die Suenden der Menschen zeigen wollte, wies er sie gleichzeitig auf Christi Wiederkunft als Koenig und Erloeser hin.

 Er sagte: "Jesus von Nazareth, der wahre Messias, dessen Haende und Fuesse durchbohrt wurden, der wie ein Lamm zur Schlachtbank gefuehrt wurde, der ein Mann der Schmerzen und Leiden war, der zum erstenmal kam, nachdem das Zepter von Juda und der Herrscherstab von seinen (Judas) Fuessen gewichen war, wird zum zweiten Male kommen in den Wolken des Himmels mit der Posaune des Erzengels." (Wolff, "Forschungen und Missionswirken", S. 62) Er wird "auf dem Oelberge stehen; und jene Herrschaft ueber die Schoepfung, die einst Adam zugewiesen war und von ihm verwirkt wurde (1. Mose 1, 26; 3,17), wird Jesus gegeben werden. Er wird Koenig sein ueber die ganze Erde. Das Seufzen und Klagen der Schoepfung wird aufhoeren, und Lob- und Danklieder werden erschallen... Wenn Jesus in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen heiligen Engeln kommt... werden die `Toten in Christo` zuerst auferstehen (1. Thessalonicher 4, 16; 1. Korinther 15, 23). Dies nennen wir Christen die erste Auferstehung. Danach wird die Tierwelt ihren Charakter aendern (Jesaja 11, 6-9) und Jesus untertan werden. (Psalm 8.) Allgemeiner Friede wird herrschen". "Der Herr wird wiederum auf die Erde niederschauen und sagen: Siehe, es ist sehr gut." (Wolff, "Tagebuch", S. 378. 379. 294)

 Wolff glaubte, dass das Kommen des Herrn nahe sei. Seine Auslegung der prophetischen Zeitangaben wich nur um wenige Jahre von der Zeit ab, in der Miller die grosse Vollendung erwartete. Denen, die auf Grund des Textes: "Von dem Tage aber und von der Stunde weiss niemand" (Matth. 24, 36) geltend zu machen suchten, dass den Menschen die Naehe der Wiederkunft Christi unbekannt bleiben sollte, antwortete Wolff: "Sagte unser Herr, dass der Tag und die Stunde nie bekannt werden sollten? Hat er uns nicht Zeichen der Zeit gegeben, damit wir wenigstens das Herannahen seiner Wiederkunft erkennen koennten, so wie man an dem Feigenbaum, wenn er Blaetter treibt, weiss, dass der Sommer nahe ist? (Matth. 24, 32.) Sollen wir jene Zeit nie erkennen koennen, obgleich er selbst uns ermahnt, den Propheten Daniel nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen? Gerade in Daniel heisst es, dass diese Worte bis auf die Zeit des Endes verborgen bleiben sollten (was zu

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seiner Zeit der Fall war), und dass, viele darueberkommen`(hebraeischer Ausdruck fuer betrachten und nachdenken ueber die Zeit) und `grossen Verstand`(hinsichtlich der Zeit) finden wuerden. (Daniel 12,4.) Ueberdies will unser Herr damit nicht sagen, dass das Herannahen der Zeit unbekannt bleiben soll, sondern nur, dass niemand den bestimmten Tag und die genaue Stunde weiss. Er sagt, es soll genuegend durch die Zeichen der Zeit bekannt werden, um uns anzutreiben, uns auf seine Wiederkunft vorzubereiten, gleichwie Noah die Arche baute." (Wolff, "Forschungen und Missionswirken", S. 404. 405) Soweit Wolff zu den Einwaenden, dass niemand Zeit und Stunde wisse.

 Hinsichtlich der volkstuemlichen Auslegung oder Missdeutung der Heiligen Schrift schrieb Wolff: "Der groessere Teil der christlichen Kirche ist von dem klaren Sinn der Heiligen Schrift abgewichen und hat sich der truegerischen Lehre des Buddhismus zugewandt, die vorgibt, dass das zukuenftige Glueck der Menschen in einem Hin- und Herschweben in der Luft bestehe; sie nimmt an, dass Heiden darunter zu verstehen seien, wenn sie Juden lesen; dass die Kirche gemeint sei, wenn sie Jerusalem lesen; dass es Himmel bedeute, wenn es heisst Erde; dass an den Fortschritt der Missionsgesellschaften zu denken sei, wenn vom Kommen des Herrn die Rede ist; und dass unter dem Ausdruck `auf den Berg des Hauses Gottes gehen` eine grosse Versammlung der Methodisten zu verstehen sei." (Wolff, "Tagebuch", S. 96)

 Waehrend der vierundzwanzig Jahre von 1821 bis 1845 bereiste Wolff viele Laender. In Afrika besuchte er Aegypten und Abessinien; in Asien Palaestina, Syrien, Persien, Buchara (Turkestan) und Indien. Auch nach den Vereinigten Staaten kam er. Bei der Hinreise predigte er auf der Insel St. Helena. Im August des Jahres 1837 traf er in Neuyork ein; nachdem er in jener Stadt gesprochen hatte, predigte er in Philadelphia und Baltimore und ging schliesslich nach Washington. "Hier wurde mir", sagte er, "auf Vorschlag des Expraesidenten John Quincy Adams in einem der Haeuser des Kongresses einstimmig die Benutzung des Kongressaales fuer einen Vortrag zur Verfuegung gestellt, den ich an einem Samstag in Gegenwart saemtlicher Mitglieder des Kongresses, des Bischofs von Virginia sowie der Geistlichkeit und der Buerger von Washington hielt. Die Mitglieder der Regierung von New Jersey und Pennsylvanien zollten mir die gleiche Ehre. In ihrer

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Gegenwart hielt ich Vorlesungen ueber meine Forschungen in Asien sowie auch ueber die persoenliche Regierung Jesu Christi." (Wolff, "Tagebuch", S. 377)

 Dr. Wolff bereiste die unzivilisiertesten Laender ohne den Schutz irgendeiner europaeischen Regierung; er erduldete viele Muehsale und war von zahllosen Gefahren umgeben. Er bekam Stockschlaege auf die Fussohlen, musste hungern, wurde als Sklave verkauft und dreimal zum Tode verurteilt. Raeuber fielen ihn an, und manchmal waere er fast verdurstet. Einmal verlor er alle seine Habe und musste zu Fuss Hunderte von Meilen durch das Gebirge wandern, waehrend ihm der Schnee ins Gesicht trieb und seine nackten Fuesse durch die Beruehrung mit dem gefrorenen Boden erstarrten.

 Warnte man ihn davor, unbewaffnet unter wilde und feindselige Staemme zu gehen, so erklaerte er, dass er mit Waffen versehen sei, mit dem Gebet, mit Eifer fuer Christus und mit Vertrauen auf seine Hilfe. "Ich habe auch", sagte er, "die Liebe zu Gott und meinem Naechsten im Herzen und trage die Bibel in meiner Hand." Er fuehrte, wohin er auch ging, eine hebraeische und eine englische Bibel bei sich. Von einer seiner spaeteren Reisen sagt er: "Ich... hielt die Bibel offen in meiner Hand. Ich fuehlte, dass meine Kraft in dem Buche war und dass seine Macht mich erhalten wuerde." (Adams, "In Perils Oft", S. 192 f.)

 Auf diese Weise harrte er in seiner Arbeit aus, bis die Gerichtsbotschaft ueber einen grossen Teil des bewohnten Erdballs gegangen war. Unter Juden, Tuerken, Parsen, Hindus und vielen andern Nationen und Staemmen teilte er das Wort Gottes in den verschiedenen Sprachen aus und verkuendigte ueberall die kommende Herrschaft des Messias.

 Auf seinen Reisen fand er die Lehre von der baldigen Wiederkunft des Herrn in Buchara bei einem entlegenen abgesonderten Volksstamm. Er sagte ferner: "Die Araber des Jemen sind im Besitz eines Buches, 'Seera' genannt, das Kunde gibt von der Wiederkunft Christi und seiner Regierung in Herrlichkeit, und sie erwarten fuer das Jahr 1840 grosse Ereignisse." (Wolff, ebd., S. 398. 399) "Im Jemen... verbrachte ich sechs Tage mit den Rechabiten. Sie trinken keinen Wein, pflanzen keine Weinberge, saeen keine Saat, wohnen in Zelten und gedenken der Worte Jonadabs, des Sohnes Rechabs. Es befanden sich auch Israeliten aus dem Stamm

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Dan bei ihnen,... die gemeinsam mit den Kindern Rechabs die baldige Ankunft des Messias in den Wolken des Himmels erwarten." (Wolff, "Tagebuch", S. 389)

 Einen aehnlichen Glauben fand ein anderer Missionar bei den Tataren. Ein tatarischer Priester stellte an einen Missionar die Frage, wann denn Christus wiederkaeme. Als der Missionar antwortete, dass er nichts davon wisse, schien der Priester sehr ueberrascht zu sein ob solcher Unwissenheit bei einem, der vorgab, Bibellehrer zu sein, und erklaerte seinen eigenen auf die Weissagung gegruendeten Glauben, dass Christus ungefaehr im Jahre 1844 kommen wuerde.

 In England fing man schon im Jahre 1826 an, die Adventbotschaft zu predigen. Die Bewegung nahm hier keine so entschiedene Form an wie in Amerika; die genaue Zeit der Wiederkunft Christi lehrte man nicht so allgemein, aber die grosse Wahrheit von dem baldigen Kommen Christi in Macht und Herrlichkeit wurde ueberall verkuendigt; und dies nicht nur unter denen, die nicht zur anglikanischen Kirche gehoerten. Mourant Brock, ein englischer Schriftsteller, gibt an, dass sich ungefaehr siebenhundert Prediger der anglikanischen Kirche mit der Verkuendigung dieses "Evangeliums vom Reich" befassten. Auch in Grossbritannien wurde die Botschaft seines Kommens, die auf das Jahr 1844 hinwies, verkuendigt. Drucksachen ueber die Adventbewegung wurden von den Vereinigten Staaten aus ueberallhin versandt. In England gab man wieder Buecher und Zeitschriften heraus, und im Jahre 1842 kehrte Robert Winter, ein gebuertiger Englaender, der den Adventglauben in Amerika angenommen hatte, in seine Heimat zurueck, um das Kommen des Herrn zu verkuendigen. Viele vereinten sich mit ihm in dieser Aufgabe; die Gerichtsbotschaft wurde in verschiedenen Teilen Englands verbreitet.

 In Suedamerika fand Lacunza, ein Spanier und Jesuit, inmitten von Priestertrug und roher Unwissenheit seinen Weg zur Heiligen Schrift und erkannte die Wahrheit von der baldigen Wiederkunft Christi. Innerlich getrieben, die Warnung zu erteilen, und doch darauf bedacht, den Kirchenstrafen Roms zu entrinnen, veroeffentlichte er seine Ansichten unter dem Decknamen "Rabbi Ben-Esra", indem er sich fuer einen bekehrten Juden ausgab. Lacunza lebte im 18. Jahrhundert; sein Buch, das den Weg nach London gefunden hatte, wurde ungefaehr im

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Jahre 1825 in die englische Sprache uebersetzt. Seine Herausgabe diente dazu, die in England erwachte Aufmerksamkeit hinsichtlich der Wiederkunft Christi zu steigern.

 In Deutschland war diese Lehre im 18. Jahrhundert von Bengel, dem beruehmten Bibelgelehrten und Kritiker, einem Praelaten der lutherischen Kirche, gepredigt worden. Nach Vollendung seiner Schulbildung hatte Bengel "sich dem Studium der Theologie gewidmet, wozu ihn sein tiefernstes und frommes Gemuet, durch seine fruehe Bildung und Zucht erweitert und verstaerkt, von Natur hinzog. Wie andere denkende junge Maenner vor und nach ihm hatte auch er mit religioesen Zweifeln und Schwierigkeiten zu kaempfen, und mit tiefem Gefuehl spricht er von den `vielen Pfeilen, die sein armes Herz durchbohrten und seine Jugend schwer ertraeglich machten`." (Encyclopaedia Britannica, art. Bengel; Real-Enzyklopaedie fuer protestantische Theologie und Kirche, Bd. II, S. 295-301, Leipzig, 1878) Als er Mitglied des Wuerttembergischen Konsistoriums (Landeskirchenbehoerde) wurde, trat er fuer die Religionsfreiheit ein. "Indem er alle Rechte und Vorrechte der Kirche aufrechterhielt, befuerwortete er, jede billige Freiheit denen zu gewaehren, die sich aus Gewissensgruenden gebunden fuehlten, sich von ihrer Gemeinschaft zurueckzuziehen." (Encyclopadia Britannica, art. Bengel; Real-Enzyklopaedie fuer protestantische Theologie und Kirche, Bd. II, S. 295-301, Leipzig, 1878) Die guten Wirkungen dieser klugen Entscheidung werden in dem Landstrich, dem er entstammte, noch immer verspuert.

 Waehrend sich Bengel auf die Predigt fuer einen Adventsonntag (ueber Offenbarung 21) vorbereitete, ging ihm ploetzlich die Erkenntnis von der Wiederkunft Christi auf. Die Weissagungen der Offenbarung erschlossen sich seinem Verstaendnis wie nie zuvor. Das Bewusstsein von der ungeheuren Wichtigkeit und unuebertrefflichen Herrlichkeit der von dem Propheten vorausgesagten Ereignisse ueberwaeltigte ihn derart, dass er gezwungen war, sich eine Zeitlang von der Betrachtung dieses Themas abzuwenden. Auf der Kanzel jedoch stand dieser Fragenkreis in aller Lebendigkeit und Staerke wieder vor ihm. Von der Zeit an studierte er die Weissagungen, besonders die der Offenbarung, und gelangte bald zu dem Glauben, dass sie darauf hinwiesen, dass das Kommen Christi nahe bevorsteht. Das Datum, das er als die Zeit der Wiederkunft Christi errechnete, wich nur wenige Jahre von dem spaeter von Miller angenommenen Termin ab.

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 Bengels Schriften sind in der ganzen Christenheit verbreitet worden. In seiner Heimat Wuerttemberg, und bis zu einem gewissen Grade auch in andern Teilen Deutschlands, nahm man seine Ansichten ueber die Weissagung fast allgemein an. Die auf Bengels Auffassungen beruhende geistliche Bewegung dauerte nach seinem Tode fort, und die Adventbotschaft wurde in Deutschland zur selben Zeit vernommen, zu der sie in andern Laendern die Aufmerksamkeit auf sich zog. Schon frueh gingen einige Glaeubige nach Russland und gruendeten dort Kolonistensiedlungen; und der Glaube an das baldige Kommen Christi wird in den deutschen Gemeinden jenes Landes noch immer bewahrt.

 In Frankreich und in der Schweiz war die Erkenntnis ebenfalls aufgeflammt. In Genf, wo Farel und Calvin die Wahrheiten der Reformation ausgebreitet hatten, predigte Gaussen die Botschaft von der Wiederkunft Christi. Als Student hatte er jenen Geist des Rationalismus eingesogen, der in der letzten Haelfte des 18. Jahrhunderts ganz Europa durchdrang, und als er ins Predigtamt eintrat, war er nicht allein des wahren Glaubens unkundig, sondern er neigte sogar zur Zweifelsucht. In seiner Jugend hatte er begeistert die Weissagungen studiert. Als er Rollins "Alte Geschichte"" las, wurde seine Aufmerksamkeit auf das zweite Kapitel Daniels gerichtet, und er staunte ueber die wunderbare Genauigkeit, mit der sich die Weissagung erfuellt hatte, wie aus dem Bericht des Geschichtsschreibers ersichtlich war. Hierin lag ein Zeugnis fuer die goettliche Eingebung der Heiligen Schrift, das ihm inmitten der Gefahren spaeterer Jahre als Anker diente. Ihn befriedigten die Lehren des Rationalismus nicht mehr, sondern er gelangte durch das Forschen in der Bibel und das Suchen nach klarerer Erkenntnis nach einiger Zeit zu einem festen Glauben.

 Als er die Weissagungen weiter durchforschte, kam er zu der Ueberzeugung, dass das Kommen des Herrn nahe bevorstehe. Unter dem Eindruck des Ernstes und der Wichtigkeit dieser grossen Wahrheit wuenschte er, sie dem Volk nahezubringen; aber der volkstuemliche Glaube, dass die Weissagungen Daniels Geheimnisse und darum nicht zu verstehen seien, wurde fuer ihn zu einem schweren Hindernis. Endlich entschloss er sich, wie es vor ihm Farel schon getan hatte, als er Genf das Evangelium brachte, bei den Kindern zu beginnen, durch die er die Eltern anzuziehen hoffte.

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 Als er spaeter einmal von seinem Ziel bei diesem Vorhaben sprach, sagte er: "Ich moechte dies verstanden wissen, dass es nicht wegen der geringen Bedeutung, sondern im Gegenteil des hohen Wertes wegen ist, dass ich diese Sache in dieser vertraulichen Form darzustellen wuenschte und mich damit an die Kinder wandte. Ich wollte gehoert werden und hatte befuerchtet, keine Aufmerksamkeit zu erregen, falls ich mich an die Erwachsenen wenden wuerde... Ich beschloss deshalb, zu den Juengsten zu gehen. Ich versammelte eine Schar von Kindern um mich. Wenn die Zahl der Anwesenden zunimmt, wenn man sieht, dass sie zuhoeren, Gefallen daran finden, angezogen werden, dass sie das Thema verstehen und erklaeren koennen, dann werde ich sicherlich bald einen zweiten Kreis von Zuhoerern haben, und die Erwachsenen ihrerseits werden sehen, dass es die Muehe lohnt, sich hinzusetzen und zu studieren. Geschieht das, dann ist die Sache gewonnen." (Gaussen, "Der Prophet Daniel", Bd. II, Vorwort)

 Gaussens Bemuehungen waren erfolgreich. Waehrend er sich an die Kinder wandte, kamen aeltere Leute, um ihm zu lauschen. Die Emporen seiner Kirche fuellten sich mit aufmerksamen Zuhoerern. Unter ihnen befanden sich gelehrte und angesehene Maenner sowie Auslaender und Fremde, die Genf besuchten, und durch sie wurde die Botschaft in andere Gegenden getragen.

 Durch diesen Erfolg ermutigt, veroeffentlichte Gaussen seine Unterweisungen in der Hoffnung, das Studium der prophetischen Buecher in den Gemeinden der franzoesisch sprechenden Volksteile zu foerdern. Er sagte: "Durch die Veroeffentlichung des den Kindern erteilten Unterrichts rufen wir den Erwachsenen zu, die oft solche Buecher vernachlaessigen unter dem falschen Vorwand, dass sie unverstaendlich seien. Wie koennen sie unverstaendlich sein, da eure Kinder sie verstehen?... Ich hatte das dringliche Bestreben", fuegte er hinzu, "die bekannten Weissagungen bei unseren Gemeinden, wenn moeglich, allgemein bekanntzumachen... Es gibt in der Tat kein Studium, das, wie mir scheint, den Beduerfnissen der Zeit besser entspraeche... Hierdurch muessen wir uns vorbereiten auf die bevorstehende Truebsal und warten auf Jesus Christus."

 Wenngleich Gaussen einer der hervorragendsten und beliebtesten franzoesisch sprechenden Prediger war, wurde er doch nach einiger

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Zeit seines Amtes enthoben, hauptsaechlich weil er statt des Kirchenkatechismus`, eines faden und rationalistischen Lehrbuches fast ohne positiven Glauben, beim Unterricht der Jugend die Bibel gebraucht hatte. Spaeter wurde er Lehrer an einer theologischen Schule und setzte sonntags seinen Unterricht mit den Kindern fort, indem er sie in der Heiligen Schrift unterwies. Seine Werke ueber die Weissagungen erregten grosses Aufsehen. Vom Katheder aus, durch die Presse und in seiner Lieblingsbeschaeftigung als Lehrer der Kinder konnte er viele Jahre lang einen ausgedehnten Einfluss ausueben und die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf das Studium der Weissagungen richten, die zeigten, dass das Kommen des Herrn nahe ist.

 Auch in Skandinavien wurde die Adventbotschaft verkuendigt und eine weitverbreitete Aufmerksamkeit hervorgerufen. Viele wurden aus ihrer sorglosen Sicherheit aufgeruettelt, um ihre Suenden zu bekennen und aufzugeben und im Namen Christi Vergebung zu suchen. Aber die Geistlichkeit der Staatskirche widersetzte sich der Bewegung, und durch ihren Einfluss wurden etliche, welche die Botschaft predigten, ins Gefaengnis geworfen. An vielen Orten, wo die Verkuendiger des baldigen Kommens Christi auf solche Weise zum Schweigen gebracht worden waren, gefiel es Gott, die Botschaft in wunderbarer Weise durch kleine Kinder bekanntzumachen. Da sie noch minderjaehrig waren, konnte das Staatsgesetz sie nicht hindern, und sie durften unbelaestigt reden.

 Die Bewegung fand besonders in den niederen Staenden Eingang. In den bescheidenen Wohnungen der Arbeiter versammelte sich das Volk, um die Warnung zu vernehmen. Die Kinderprediger selbst waren meist arme Huettenbewohner. Etliche waren nicht aelter als sechs bis acht Jahre, und waehrend ihr Leben bezeugte, dass sie den Heiland liebten und sie sich bemuehten, den heiligen Vorschriften Gottes gehorsam zu sein, legten sie im allgemeinen nur den Kindern ihres Alters ueblichen Verstand und nicht mehr als gewoehnliche Faehigkeiten an den Tag. Standen sie aber vor den Menschen, dann wurde es offenbar, dass sie von einem ueber ihre natuerliche Begabung hinausgehenden Einfluss bewegt wurden. Ihre Stimme, ihr ganzes Wesen veraenderte sich, und mit eindringlicher Kraft kuendigten sie das Gericht an, sich genau der Worte der Heiligen Schrift bedienend: "Fuerchtet Gott und

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gebet ihm die Ehre; denn die Zeit seines Gerichts ist gekommen!" Sie ruegten die Suenden des Volkes, verurteilten nicht nur Unsittlichkeit und Laster, sondern tadelten auch Weltlichkeit und Abtruennigkeit und ermahnten ihre Zuhoerer, sich eilends aufzumachen, um dem zukuenftigen Zorn zu entrinnen.

 Die Leute lauschten mit Zittern. Der ueberzeugende Geist Gottes sprach zu ihren Herzen. Viele wurden veranlasst, die Heilige Schrift mit neuem und tieferem Eifer zu durchforschen. Die Unmaessigen und Unsittlichen begannen einen neuen Lebenswandel; andere gaben ihre unlauteren Gewohnheiten auf. Es wurde ein so auffaelliges Werk vollbracht, dass selbst die Geistlichen der Staatskirche gestehen mussten, die Hand Gottes sei mit dieser Bewegung.

 Es war Gottes Wille, dass die Kunde von der Wiederkunft des Heilandes in den skandinavischen Laendern verbreitet werden sollte, und als die Stimmen seiner Diener zum Schweigen gebracht worden waren, legte er seinen Geist auf die Kinder, damit das Werk vollbracht wuerde. Als Jesus sich Jerusalem naeherte, von einer frohen Menge begleitet, die ihn unter Frohlocken und mit wehenden Palmzweigen als den Sohn Davids ausrief, forderten die eifersuechtigen Pharisaeer ihn auf, dem Volke Schweigen zu gebieten; aber Jesus antwortete ihnen, dass all dies die Erfuellung der Weissagung waere und, falls die Menschen schwiegen, die Steine reden wuerden. Das durch die Drohungen der Priester und Obersten eingeschuechterte Volk hielt in seiner freudigen Verkuendigung inne, als es durch die Tore Jerusalems zog; aber die Kinder im Tempelhof nahmen den Ruf auf und sangen, ihre Palmzweige schwingend: "Hosianna dem Sohn Davids!" Als die Priester in aergerlichem Missfallen zu Jesus sprachen: "Hoerst du auch, was diese sagen?", antwortete er: "Ja! Habt ihr nie gelesen: `Aus dem Munde der Unmuendigen und Saeuglinge hast du Lob zugerichtet`?" (Matth. 21, 9. 16)

 Wie Gott zur Zeit Christi durch Kinder wirkte, so bediente er sich auch bei der Ankuendigung seiner Wiederkunft der Kinder. Gottes Wort, dass die Botschaft von dem Kommen des Heilandes an alle Voelker, Sprachen und Zungen ergehen sollte, muss erfuellt werden.

 William Miller und seinen Mitarbeitern war die Aufgabe zuteil geworden, die Warnungsbotschaft in Amerika zu predigen. Dieses

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Land wurde der Mittelpunkt der grossen Adventbewegung. Hier fand die Weissagung von der ersten Engelsbotschaft ihre unmittelbare Erfuellung. Die Schriften Millers und seiner Gefaehrten wurden in entfernte Laender getragen. Ueberall, wohin die Missionare gedrungen waren, wurde auch die frohe Kunde von der baldigen Wiederkunft Christi hingesandt. Allenthalben erscholl der Ruf des ewigen Evangeliums: Fuerchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen!

 Das Zeugnis der Weissagungen, das auf das Kommen Christi im Fruehling des Jahres 1844 zu deuten schien, drang tief in die Gemueter des Volkes ein. Als die Botschaft von Staat zu Staat ging, erregte sie ueberall betraechtliches Aufsehen. Viele wurden ueberzeugt, dass die auf den prophetischen Zeitrechnungen beruhenden Beweise richtig waren und nahmen, nachdem sie ihren Meinungsstolz fahren liessen, die Wahrheit freudig an. Einige Prediger entsagten ihren sektiererischen Ansichten und Gefuehlen, gaben ihre finanzielle Sicherheit und ihre Gemeinde auf und schlossen sich der Verkuendigung der Wiederkunft Jesu an. Es waren jedoch verhaeltnismaessig wenige Prediger, die diese Botschaft annahmen; deshalb wurde sie meistens bescheidenen Laien anvertraut. Landleute verliessen ihre Felder, Handwerker ihre Werkstaetten, Haendler ihre Waren, andere berufstaetige Maenner ihre Stellung; und doch war die Zahl der Mitarbeiter im Verhaeltnis zu der durchzufuehrenden Aufgabe gering. Der Zustand einer gottlosen Kirche und einer in Bosheit liegenden Welt lastete auf den Seelen der treuen Waechter; willig ertrugen sie Muehsal, Entbehrung und Leiden, um Menschen zur Busse und zum Heil rufen zu koennen. Obwohl Satan ihnen widerstand, ging das Werk doch stetig vorwaerts, und viele Tausende nahmen die Adventwahrheit an.

 Ueberall vernahm man das herzergruendende Zeugnis, das die Suender, Weltmenschen wie Gemeindeglieder, aufforderte, dem zukuenftigen Zorn zu entfliehen. Gleich Johannes dem Taeufer, dem Vorlaeufer Christi, legten die Prediger die Axt an die Wurzel des Baumes und noetigten alle, rechtschaffene Fruechte der Busse zu bringen. Ihre ergreifenden Aufrufe standen in auffallendem Gegensatz zu den Versicherungen des Friedens und der Sicherheit, die man von den volkstuemlichen Kanzeln herab hoerte. Wo die Botschaft verkuendigt wurde,

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bewegte sie das Volk. Das einfache, unmittelbare Zeugnis der Heiligen Schrift, das den Menschen durch die Macht des Heiligen Geistes ans Herz gelegt wurde, rief eine gewichtige Ueberzeugung hervor, der nur wenige voellig widerstehen konnten. Bekennende Christen wurden aus ihrer falschen Sicherheit aufgeschreckt und erkannten ihre Abtruennigkeit, ihre Weltlichkeit und ihren Unglauben, ihren Stolz und ihre Selbstsucht. Viele suchten demuetig und bussbereit den Herrn. Neigungen, die bisher auf irdische Dinge gerichtet waren, wandten sich jetzt dem Himmel zu. Gottes Geist ruhte auf ihnen, und mit besaenftigtem und gedemuetigtem Herzen stimmten sie ein in den Ruf: Fuerchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen!

 Suender fragten weinend: "Was soll ich tun, dass ich selig werde?" (Apg. 16,30) Wer einen unlauteren Wandel gefuehrt hatte, war besorgt, sein Unrecht gutzumachen. Alle, die in Christus Frieden fanden, sehnten sich danach, auch andere an den Segnungen teilhaben zu sehen. Die Herzen der Eltern wandten sich ihren Kindern, und die Herzen der Kinder ihren Eltern zu. Die Schranken des Stolzes und der Zurueckhaltung setzte man beiseite. Tiefempfundene Bekenntnisse wurden abgelegt, und Familienmitglieder arbeiteten fuer das Heil derer, die ihnen am naechsten und teuersten waren. Oft hoerte man ernste Fuerbitten. Ueberall beteten Seelen in tiefer Angst zu Gott. Viele rangen die ganze Nacht im Gebet um die Gewissheit, dass ihre Suenden vergeben seien, oder um die Bekehrung ihrer Verwandten oder Nachbarn.

 Menschenklassen aller Art stroemten zu den Versammlungen der Adventisten. Reich und arm, hoch und niedrig wollte aus verschiedenen Gruenden die Lehre von der Wiederkunft Christi vernehmen. Waehrend seine Diener die Gruende des Glaubens darlegten, hielt der Herr den Geist des Widerstandes im Zaum. Oft war das Werkzeug schwach, aber der Geist Gottes gab seiner Wahrheit Macht. Die Gegenwart heiliger Engel bekundete sich in diesen Versammlungen, und taeglich stellten sich viele auf die Seite der Glaeubigen. Wenn die Beweise fuer die baldige Ankunft Christi wiederholt wurden, lauschte eine grosse Menge in atemlosem Schweigen den feierlichen Worten. Himmel und Erde schienen sich einander zu naehern. Jung und alt verspuerte die Macht Gottes. Die Menschen suchten ihre Wohnungen auf mit Lobpreisungen

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Gottes auf ihren Lippen, und der froehliche Klang ertoente durch die Stille der Nacht. Niemand, der jenen Versammlungen beiwohnte, kann je jene bedeutungsvollen Vorgaenge vergessen.

 Die Verkuendigung einer bestimmten Zeit fuer das Kommen Christi rief unter vielen Menschen aus allen Klassen grossen Widerstand hervor, angefangen von den Predigern auf der Kanzel bis zum verwegensten dem Himmel trotzenden Suender. Die Worte der Weissagung gingen in Erfuellung: "Und wisset das aufs erste, dass in den letzten Tagen kommen werden Spoetter, die nach ihren eigenen Luesten wandeln und sagen: Wo ist die Verheissung seiner Zukunft? denn nachdem die Vaeter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist." (2. Petr. 3, 3. 4) Viele, die vorgaben, ihren Heiland zu lieben, erklaerten, dass sie keine Einwaende gegen die Lehre von seiner Wiederkunft zu machen haetten; sie seien nur gegen die festgesetzte Zeit. Gottes Auge las jedoch, was in ihrem Herzen war. Sie wuenschten nichts davon zu hoeren, dass Christus kommen werde, um die Welt in Gerechtigkeit zu richten. Sie waren ungetreue Diener, ihre Werke konnten die Pruefung Gottes nicht ertragen, und sie fuerchteten sich, ihrem Herrn zu begegnen. Gleich den Juden zur Zeit Christi waren sie nicht vorbereitet, Jesus zu begruessen. Sie weigerten sich nicht nur, die deutlichen Beweise aus der Schrift zu hoeren, sondern verlachten auch die, welche auf den Herrn warteten. Satan und seine Engel frohlockten und schleuderten Christus und den heiligen Engeln Schmaehungen ins Angesicht, dass sein angebliches Volk ihn so wenig liebe und sein Erscheinen nicht wuensche.

 "Niemand weiss den Tag oder die Stunde", lautete die von den Verwerfern des Adventglaubens am haeufigsten vorgebrachte Entgegnung. Die Bibelstelle heisst: "Von dem Tage aber und von der Stunde weiss niemand, auch die Engel nicht im Himmel, sondern allein mein Vater." (Matth. 24, 36) Eine klare und zutreffende Auslegung dieser Bibelstelle gaben die, welche auf ihren Herrn warteten, und der falsche Gebrauch, den ihre Gegner davon machten, zeigte sich deutlich. Jene Worte sprach Christus in der denkwuerdigen Unterhaltung mit seinen Juengern auf dem Oelberg, als er zum letztenmal aus dem Tempel gegangen war. Die Juenger hatten die Frage gestellt: "Welches wird das Zeichen

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sein deiner Zukunft und des Endes der Welt?" Jesus nannte ihnen bestimmte Zeichen und sagte: "Wenn ihr das alles sehet, so wisset, dass es nahe vor der Tuer ist." (Matth. 24, 3. 33) Ein Ausspruch des Heilandes darf nicht so dargestellt werden, dass er dem andern widerspricht. Wenn auch niemand Tag und Stunde seines Kommens weiss, so werden wir doch unterrichtet, und wir muessen wissen, wann die Zeit nahe ist. Wir werden ferner belehrt, dass es ebenso verderblich fuer uns ist, seine Warnung zu missachten und der Zeit seines Kommens keine Beachtung zu schenken oder die Annahme dieser Erkenntnis zu verweigern, wie es fuer die in den Tagen Noahs Lebenden verderblich war, nicht zu wissen, wann die Sintflut kommen sollte. Das Gleichnis im selben Kapitel, das den treuen Knecht mit dem ungetreuen vergleicht und das Urteil dessen anfuehrt, der in seinem Herzen sagte: "Mein Herr kommt noch lange nicht", zeigt, wie Christus bei seiner Wiederkunft die Glaeubigen ansehen und belohnen wird, welche wachen und sein Kommen verkuendigen, und die, welche es in Abrede stellen. "Darum wachet!" sagt er. "Selig ist der Knecht, wenn sein Herr kommt und findet ihn also tun." (Matth. 24, 42-51) "So du nicht wirst wachen, werde ich ueber dich kommen wie ein Dieb, und wirst nicht wissen, welche Stunde ich ueber dich kommen werde." (Offb. 3, 3)

 Paulus spricht von den Menschen, denen die Erscheinung des Herrn unerwartet kommen wird. "Der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Denn wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, - so wird sie das Verderben schnell ueberfallen... und werden nicht entfliehen." Fuer die, welche die Warnung des Herrn beachten, fuegt er hinzu: "Ihr aber, liebe Brueder, seid nicht in der Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr seid allzumal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis." (1. Thess. 5, 2-5)

 Somit war deutlich erwiesen, dass die Bibel den Menschen keinen Vorschub leistet, hinsichtlich der Naehe des Kommens Christi unwissend zu bleiben. Wer aber eine Entschuldigung suchte, nur um die Wahrheit zu verwerfen, verschloss dieser Erklaerung sein Ohr, und die Worte: "Von dem Tage aber und von der Stunde weiss niemand", wurden von dem kuehnen Spoetter und sogar von dem angeblichen

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Diener Christi bestaendig wiederholt. Als die Leute erweckt wurden und anfingen, nach dem Weg des Heils zu fragen, stellten sich Religionslehrer zwischen sie und die Wahrheit und versuchten, ihre Befuerchtungen mittels falscher Auslegungen des Wortes Gottes zu zerstreuen. Untreue Waechter verbanden sich mit dem Werk des grossen Betruegers und schrien: "Friede! Friede!", wo Gott nicht von Frieden gesprochen hatte. Gleich den Pharisaeern zur Zeit Christi weigerten sich viele, in das Himmelreich einzugehen, und hinderten die, welche hineingehen wollten. Das Blut dieser Seelen wird von ihrer Hand gefordert werden.

 Die Demuetigsten und Ergebensten in den Gemeinden waren gewoehnlich die ersten, welche die Botschaft annahmen. Wer die Bibel selbst studierte, musste unvermeidlich den schriftwidrigen Charakter der volkstuemlichen Ansichten ueber die Weissagungen erkennen, und wo das Volk nicht durch den Einfluss der Geistlichkeit geleitet wurde, sondern das Wort Gottes selber erforschte, brauchte die Adventbotschaft nur mit der Heiligen Schrift verglichen zu werden, um deren goettliche Autoritaet zu bestaetigen.

 Viele wurden von ihren unglaeubigen Bruedern verfolgt. Um ihre Stellung in der Gemeinde zu bewahren, willigten einige ein, ihre Hoffnung zu verschweigen; andere aber fuehlten, dass die Treue zu Gott ihnen verbiete, die Wahrheiten, die er ihrer Obhut anvertraut hatte, zu verbergen. Nicht wenige wurden aus der Kirche ausgeschlossen, und zwar nur aus dem Grund, weil sie ihren Glauben an die Wiederkunft Christi verkuendet hatten. Koestlich klangen die Worte des Propheten denen, die die Pruefung ihres Glaubens bestanden hatten. "Eure Brueder, die euch hassen und sondern euch ab um meines Namens willen, sprechen: `Lasst sehen, wie herrlich der Herr sei, lasst ihn erscheinen zu eurer Freude`; die sollen zu Schanden werden." (Jes. 66, 5)

 Engel Gottes ueberwachten mit groesster Anteilnahme den Erfolg der Warnung. Als die Kirchen die Botschaft allgemein verwarfen, wandten sich die Engel betruebt ab. Aber es gab noch viele Seelen, die in der Adventwahrheit noch nicht geprueft waren; viele, die durch Ehemaenner, Frauen, Eltern oder Kinder irregeleitet worden waren und die glaubten, es sei eine Suende solche Ketzereien, wie sie von den Adventisten

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gelehrt wurden, auch nur anzuhoeren. Den Engeln wurde befohlen, ueber diese Seelen treulich zu wachen; denn es sollte noch ein anderes Licht vom Throne Gottes auf sie scheinen.

 Mit unaussprechlichem Verlangen harrten alle, welche die Botschaft angenommen hatten, der Ankunft des Heilandes. Die Zeit, da sie erwarteten, ihm zu begegnen, stand nahe bevor. Sie naeherten sich dieser Stunde mit stillem Ernst. Sie ruhten in freundlicher Gemeinschaft mit Gott - ein Pfand des Friedens, der ihnen in der zukuenftigen Herrlichkeit zuteil werden sollte. Keiner, der diese Hoffnung und dies Vertrauen erfuhr, kann jene koestlichen Stunden des Wartens vergessen. Schon einige Wochen vor der Zeit wurden die weltlichen Geschaefte von den meisten beiseitegelegt. Die aufrichtigen Glaeubigen prueften sorgfaeltig jeden Gedanken und jede Regung ihres Herzens, als laegen sie auf dem Totenbett und muessten in wenigen Stunden vor allem Irdischen ihre Augen schliessen. Da wurden keine Himmelfahrtskleider (*) angefertigt, sondern alle fuehlten die Notwendigkeit eines inneren Zeugnisses, dass sie zubereitet waren, dem Heiland zu begegnen; ihre weissen Kleider versinnbildeten die Reinheit der Seele, einen durch das versoehnende Blut Christi gereinigten Charakter.

 Haette doch das Volk Gottes noch den gleichen herzerforschenden Geist, den gleichen, ernsten, entschiedenen Glauben! Haette es weiterhin sich auf diese Weise vor dem Herrn gedemuetigt und seine Bitten zum Gnadenthron emporgesandt, so waere es jetzt im Besitze weit koestlicherer Erfahrungen. Das Volk Gottes betet zu wenig, wird zu wenig wirklich ueberzeugt von der Suende, und der Mangel an lebendigem Glauben laesst viele unberuehrt von der Gnadengabe, die unser Erloeser so reichlich vorgesehen hat.

 Gott wollte sein Volk pruefen. Seine Hand bedeckte den in der Berechnung der prophetischen Zeitabschnitte (**) gemachten Fehler. Die Adventisten entdeckten den Irrtum nicht; er wurde auch nicht von den Gelehrtesten ihrer Gegner entdeckt. Diese sagten: "Eure Berechnung der prophetischen Zeitabschnitte ist richtig. Irgendein grosses Ereignis wird stattfinden; aber es ist nicht die Wiederkunft."

 Die Zeit der Erwartung ging vorueber, und Christus erschien nicht, um sein Volk zu befreien. Alle, die mit aufrichtigem Glauben und herzlicher Liebe auf ihren Heiland gewartet hatten, zeigten sich bitter

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enttaeuscht. Doch Gottes Absicht wurde erreicht; er pruefte die Herzen derer, die vorgaben, auf seine Erscheinung zu warten. Es waren unter ihnen viele, die aus keinem hoeheren Beweggrund getrieben worden waren als aus Furcht. Ihr Glaube hatte weder ihre Herzen noch ihren Lebenswandel beeinflusst. Als das erwartete Ereignis ausblieb, erklaerten diese Menschen, dass sie nicht enttaeuscht seien; sie haetten nie geglaubt, dass Christus kommen werde; und sie gehoerten zu den ersten, die den Schmerz der wahrhaft Glaeubigen verspotteten.

 Aber Jesus und die himmlischen Scharen sahen mit liebevoller Teilnahme auf die geprueften und doch enttaeuschten Glaeubigen herab. Haette der Schleier, der die sichtbare Welt von der unsichtbaren trennt, fortgezogen werden koennen, so waere sichtbar geworden, wie Engel sich jenen standhaften Seelen genaehert und sie vor den Pfeilen Satans beschuetzt haben.

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Anmerkungen

*S.376 (Zurueck)
(HIMMELFAHRTSKLEIDER. - Die Fabel, dass die Adventisten sich Kleider angefertigt haetten, um dem Herrn "in der Luft" zu begegnen, ist von solchen erdichtet worden, die die Sache verunglimpfen wollten. Sie wurde so eifrig verbreitet, dass viele daran glaubten; aber eine sorgfaeltige Untersuchung erwies ihre Unrichtigkeit. Viele Jahre hindurch ist fuer einen Beweis, dass jene Behauptung zutreffe, eine ansehnliche Belohnung ausgesetzt gewesen, aber nicht einer ist erbracht worden. Keiner, der die Erscheinung des Herrn liebte, war der Lehren der Heiligen Schrift so unkundig, dass er haette annehmen koennen, fuer diese Gelegenheit Kleider anfertigen zu muessen. Das einzige Kleid, welches die Heiligen noetig haben, um dem Herrn entgegenzugehen, ist die Gerechtigkeit Jesu (Offb. 19, 8).

 Siehe: Francis D. Nichol, Midnight Cry, Kap. 25. 26. 27 und Anmerkungen H, I, J, Washington, 1944; LeRoy E. Froom, The Prophetic Faith of Our Fathers, Bd. IV, 2. Teil, Washington, 1954.) (Zurueck)

**S.376 (Zurueck)
(PROPHETISCHE ZEITRECHNUNG. - Dr. G. Bush, Professor fuer hebraeische und orientalische Literatur an der New York City-Universitaet, schrieb einen Brief an William Miller, der am 6. und 13. Maerz 1844 in den Zeitschriften Advent Herald und Signs of the Times Reporter, Boston, veroeffentlicht wurde. Er machte darin bedeutsame Zugestaendnisse bezueglich dessen Berechnung der prophetischen Zeiten. Prof. Bush aeusserte sich: "Nach meinem Dafuerhalten kann weder Ihnen noch ihren Freunden der Vorwurf gemacht werden, dass sie auf das Studium der Zeitrechnung der Weissagung viel Zeit und Aufmerksamkeit verwandt und sich viel Muehe gegeben haben, das Anfangs- und Schlussdatum der grossen prophetischen Zeitspannen festzustellen. Falls diese Perioden tatsaechlich durch den Heiligen Geist in den prophetischen Buechern niedergelegt sind, dann unzweifelhaft zu dem Zweck, dass sie studiert und schliesslich auch voellig verstanden werden sollten; man kann niemandem vermessene Torheit zur Last legen, der ehrfurchtsvoll den Versuch macht, dies zu tun... In der Annahme, dass ein Tag nach prophetischem Sprachgebrauch ein Jahr bedeutet, glaube ich, dass Sie sich auf die sicherste Bibelauslegung stuetzen und auch bestaerkt werden durch die angesehenen Namen von Mede, Newton, Kirby, Scott, Keith und vielen anderen, welche in diesem Punkt schon laengst auf wesentlich dieselben Schluesse wie Sie gekommen sind. Sie stimmen alle darin ueberein, dass die von Daniel und Johannes erwaehnten massgebenden Perioden tatsaechlich ungefaehr in unserer Zeit ablaufen, und es muesste eine seltsame Logik sein, welche Sie der Ketzerei bezichtigen wollte, weil Sie in Wirklichkeit dieselben Ansichten hegen, die in den Angaben dieser hervorragenden Gelehrten so sehr hervortreten... Ihre Ergebnisse auf diesem Gebiet der Forschung duenken mich bei weitem nicht so sehr abweichend, als dass sie irgendwie die grossen Grundsaetze der Wahrheit und der Pflicht beeintraechtigen koennten... Ihr Irrtum liegt nach meiner Auffassung in einer andern Richtung als derjenigen der Zeitrechnung... Sie haben die Natur der Ereignisse, die sich beim Ablauf der Zeitperioden zutragen sollen, gaenzlich missverstanden. Dies ist der Kern und die Summe Ihres Fehlers in der Auslegung."

 Siehe auch: LeRoy E. Froom, The Prophetic Faith of Our Fathers, Bd. I, Kap. 1 und 2, Washington, 1950.) (Zurueck)