Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis
von Ellen G. White

„Erweckung und Hinkehr zum wahren Glauben”

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Ein Glaubensmann der letzten Zeit

 Ein biederer und schlichter Landmann, der verleitet worden war, die Autoritaet der Heiligen Schrift zu bezweifeln, aber dennoch aufrichtig danach verlangte, die Wahrheit zu erkennen, wurde von Gott in besonderer Weise auserwaehlt, bei der Verkuendigung der Wiederkunft Christi eine fuehrende Stellung einzunehmen. Gleich vielen andern Glaubensmaennern hatte William Miller (*) in seiner Jugend mit Armut zu kaempfen gehabt und auf diese Weise Strebsamkeit und Selbstverleugnung gelernt. Die Glieder seiner Familie zeichneten sich durch einen unabhaengigen, freiheitsliebenden Geist, durch Ausdauer und gluehende Vaterlandsliebe aus - Eigenschaften, die auch seinen Charakter bestimmten. Sein Vater war Hauptmann bei der amerikanischen Revolutionsarmee gewesen, und die Opfer, die er in den Kaempfen und Leiden jener stuermischen Zeit gebracht hatte, werden wohl die drueckenden Verhaeltnisse in Millers ersten Lebensjahren verursacht haben.

 Er war von gesundem, kraeftigem Koerperbau und zeigte schon in der Kindheit eine ungewoehnliche Verstandeskraft. Als er aelter wurde, trat dies noch mehr hervor. Sein Geist war taetig und gut entwickelt, und ihn duerstete nach groesserem Wissen. Obwohl er sich nicht der Vorteile einer akademischen Bildung erfreuen konnte, machten ihn doch seine Liebe zum Studium und die Gewohnheit sorgfaeltigen Denkens und scharfer Unterscheidung zu einem Mann von gesundem Urteil und umfassender Anschauung. Er besass einen untadeligen sittlichen Charakter, einen beneidenswerten Ruf und war allgemein wegen seiner Rechtschaffenheit, Sparsamkeit und Wohltaetigkeit geachtet. Durch seine Tatkraft und seinen Fleiss erwarb er sich schon frueh sein Auskommen, obgleich er an seiner Gewohnheit, zu studieren, noch immer

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festhielt. Er bekleidete mit Erfolg verschiedene zivile und militaerische Aemter, und der Weg zu Reichtum und Ansehen schien ihm offen zu stehen.

 Seine Mutter war eine Frau von echter Froemmigkeit, und er selbst war in seiner Kindheit fuer religioese Eindruecke empfaenglich. Im fruehen Mannesalter jedoch geriet er in die Gesellschaft von Deisten, die um so groesseren Einfluss auf ihn ausuebten, da die meisten gute Buerger, menschenfreundliche und wohltaetige Leute waren, deren Charakter, da sie inmitten christlicher Einrichtungen wohnten, teilweise das Gepraege ihrer Umgebung angenommen hatte. Die Vorzuege, die ihnen Achtung und Vertrauen gewannen, hatten sie der Bibel zu verdanken; und doch waren diese guten Gaben so verfaelscht worden, dass sie einen dem Worte Gottes zuwiderlaufenden Einfluss ausuebten. Der Umgang mit ihnen liess Miller ihre Anschauungen teilen. Die allgemein uebliche Auslegung der Schrift schien ihm unueberwindliche Schwierigkeiten zu bieten, doch auch seine neue Glaubensueberzeugung, die die Bibel beiseitesetzte, hatte nichts Besseres zu geben, das ihre Stelle haette einnehmen koennen, und er fuehlte sich keineswegs befriedigt. Immerhin bekannte er sich ungefaehr zwoelf Jahre zu diesen Auffassungen. Als er vierunddreissig Jahre alt war, bewirkte der Heilige Geist in ihm die Ueberzeugung, dass er ein Suender sei. Er fand in seinem frueheren Glauben nicht die Gewissheit einer Glueckseligkeit jenseits des Grabes. Die Zukunft war duester und unheimlich. Von seinen Gefuehlen zu jener Zeit sagte er spaeter:

 "Vernichtet zu werden, das war ein kalter, schauriger Gedanke, und Rechenschaft ablegen zu muessen, waere der sichere Untergang aller gewesen. Der Himmel ueber meinem Haupte war wie Erz, und die Erde unter meinen Fuessen wie Eisen. Die Ewigkeit - was war sie? Und der Tod - warum war er? Je mehr ich diese Dinge zu ergruenden suchte, desto weiter entfernte ich mich von der Beweisfuehrung. Je mehr ich darueber nachdachte, desto zerfahrener wurden meine Schluesse. Ich versuchte, dem Denken Einhalt zu gebieten, aber meine Gedanken liessen sich nicht beherrschen. Ich fuehlte mich wahrhaft elend, wusste jedoch nicht warum. Ich murrte und klagte, ohne zu wissen ueber wen. Ich war ueberzeugt, dass irgendwo ein Fehler lag, wusste aber nicht, wo oder wie das Richtige zu finden sei. Ich trauerte, jedoch ohne Hoffnung."

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 In diesem Zustand verharrte Miller mehrere Monate. "Ploetzlich", sagte er, "praegte sich meinem Gemuet lebhaft der Charakter eines Heilandes ein. Es schien mir, als gebe es ein Wesen, so gut und barmherzig, dass es sich selbst fuer unsere Uebertretungen als Suehne anbietet und uns dadurch vor der Strafe fuer die Suende rettet. Unmittelbar fuehlte ich, wie liebreich ein solches Wesen sein muesse und stellte mir vor, dass ich mich in seine Arme werfen und seiner Gnade vertrauen koennte. Aber es erhob sich die Frage: Wie kann bewiesen werden, dass es ein solches Wesen gibt? Ich fand, dass ich ausserhalb der Bibel keinen Beweis fuer das Vorhandensein eines solchen Heilandes oder gar eines zukuenftigen Daseins entdecken konnte...

 Ich sah, dass die Bibel gerade von einem solchen Heiland berichtete, wie ich noetig hatte, und ich wunderte mich, wie ein nicht inspiriertes Buch Grundsaetze entwickeln konnte, die den Beduerfnissen einer gefallenen Welt so vollkommen angepasst waren. Ich sah mich gezwungen, zuzugeben, dass die Heilige Schrift eine Offenbarung Gottes sein muesse. Sie wurde mein Entzuecken, und in Jesus fand ich einen Freund. Der Heiland wurde fuer mich der Auserkorene unter vielen Tausenden, und die Heilige Schrift, die zuvor dunkel und voller Widersprueche schien, erwies sich als meines Fusses Leuchte und als ein Licht auf meinem Wege. Ruhe und Zufriedenheit zogen in mein Gemuet ein. Ich erkannte Gott den Herrn als einen Fels inmitten der Fuelle des Lebens. Der Bibel widmete ich nun mein Hauptstudium, und ich kann wahrlich sagen, dass ich sie mit grosser Freude durchforschte. Ich fand, dass mir nie die Haelfte gesagt worden war. Es wunderte mich, dass ich ihre Zierde und Herrlichkeit nicht eher gesehen hatte, und ich war erstaunt darueber, wie ich sie je hatte verwerfen koennen. Mir wurde alles offenbart, was mein Herz sich wuenschen konnte; ich fand ein Heilmittel fuer jeden Schaden meiner Seele. Ich verlor den Gefallen an anderem Lesestoff und liess es mir angelegen sein, Weisheit von Gott zu erlangen." (Bliss, "Memoirs of William Miller", S. 65-67)

 Miller bekannte sich nun oeffentlich zu der Glaubensueberzeugung, die er ehedem verachtet hatte. Aber seine unglaeubigen Gefaehrten waren nicht muessig, jene Beweisfuehrungen vorzubringen, die er selbst oft gegen die goettliche Autoritaet der Heiligen Schrift angewandt hatte.

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Er war damals nicht vorbereitet, sie zu beantworten, folgerte aber, dass die Bibel, waere sie eine Offenbarung Gottes, mit sich selbst uebereinstimmen muesse. Was zur Belehrung des Menschen gegeben war, musste auch seinem Verstaendnis angepasst sein. Er entschloss sich, die Heilige Schrift selbst zu durchforschen und sich zu vergewissern, ob nicht die scheinbaren Widersprueche in Einklang gebracht werden koennten.

 Er bemuehte sich, alle vorurteilsvollen Auffassungen beiseitezusetzen und verglich ohne irgendwelche Kommentare Bibelstelle mit Bibelstelle, wobei er sich der angegebenen Parallelstellen und der Konkordanz bediente. Regelmaessig und planvoll verfolgte er sein Studium, fing mit dem ersten Buch Mose an, las Vers fuer Vers und ging nur so schnell voran, wie sich ihm die Bedeutung der verschiedenen Stellen erschloss, so dass ihm nichts unklar blieb. War ihm eine Stelle unverstaendlich, verglich er sie mit allen andern Texten, die irgendwelche Beziehung zu dem betrachteten Thema zu haben schienen. Jedes Wort pruefte er bezueglich seiner Stellung zum Inhalt der Bibelstelle, und wenn seine Ansicht dann mit jedem gleichlaufenden Text uebereinstimmte, so war die Schwierigkeit ueberwunden. Auf diese Weise fand er immer in irgendeinem andern Teil der Heiligen Schrift eine Erklaerung fuer eine schwerverstaendliche Stelle. Da er unter ernstem Gebet um goettliche Erleuchtung forschte, wurde das, was ihm vorher dunkel erschienen war, nun seinem Verstaendnis klar. Er erfuhr die Wahrheit der Worte des Psalmisten: "Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug die Einfaeltigen." (Ps. 119, 130)

 Mit ungemeiner Wissbegier studierte er das Buch Daniel und die Offenbarung, wobei er, um diese Buecher zu verstehen, dasselbe Verfahren anwandte wie bei den andern Teilen der Heiligen Schrift. Zu seiner grossen Freude fand er, dass die prophetischen Sinnbilder verstanden werden koennen. Er sah, dass die Weissagungen, sofern sie schon eingetroffen waren, sich buchstaeblich erfuellt hatten; dass all die verschiedenen Darstellungen, Bilder, Gleichnisse, Ausdruecke usw. entweder in ihrem unmittelbaren Zusammenhang erklaert waren, oder dass die Worte, die dieses ausdrueckten, an andern Stellen naeher bestimmt wurden, so dass sie, auf diese Weise erklaert, buchstaeblich

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verstanden werden konnten. Er sagt: "So wurde ich ueberzeugt, dass die Bibel eine Kette offenbarter Wahrheiten ist, so deutlich und einfach mitgeteilt, dass selbst der einfache Mann nicht zu irren braucht. (Bliss, S. 70) Seine Anstrengungen wurden belohnt: Glied um Glied der Kette der Wahrheit oeffnete sich seinem Verstaendnis, als er Schritt fuer Schritt die grossen Umrisse der Weissagungen erkannte. Engel des Himmels lenkten seine Gedanken und fuehrten ihn zum Verstaendnis des Wortes Gottes.

 Indem er die Weissagungen, die sich noch erfuellen sollten, danach beurteilte, wie sich die Prophezeiungen in der Vergangenheit erfuellt hatten, wurde er ueberzeugt, dass die volkstuemliche Ansicht von der geistigen Regierung Christi - einem irdischen tausendjaehrigen Reich vor dem Ende der Welt - im Worte Gottes keine Unterstuetzung findet. Diese Lehre, die auf ein Jahrtausend der Gerechtigkeit und des Friedens vor der persoenlichen Wiederkunft des Herrn hinwies, schob die Schrecken des Tages Jesu Christi weit hinaus in die Zukunft. Wenn dies auch vielen sehr angenehm gewesen sein duerfte, so ist es doch den Lehren Christi und seiner Apostel voellig entgegen; denn sie erklaerten, dass der Weizen und das Unkraut zusammen wachsen muessen bis zur Zeit der Ernte, dem Ende der Welt; dass es "mit den boesen Menschen aber und verfuehrerischen wird's je laenger, je aerger", "dass in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen" und dass das Reich der Finsternis fortbestehen muesse bis zur Ankunft des Herrn, wenn es verzehrt werden soll "mit dem Geist seines Mundes" und ihm ein Ende gemacht werde "durch die Erscheinung seiner Zukunft". (Matth. 13, 30. 38-41; 2. Tim. 3, 1. 13; 2. Thess. 2, 8)

 Die apostolische Kirche glaubte nicht an die Lehre von der Bekehrung der Welt und der geistlichen Herrschaft Christi. Erst ungefaehr zu Anfang des 18. Jahrhunderts buergerte sie sich ein. Wie jeder andere Irrtum hatte auch dieser schlimme Folgen. Er lehrte die Menschen, die Wiederkunft des Herrn erst in ferner Zukunft zu erwarten und hielt sie davon ab, die Zeichen seiner nahenden Wiederkunft zu beachten. Er erzeugte ein Gefuehl der Sorglosigkeit und Sicherheit, das keineswegs begruendet war, aber viele veranlasste, die notwendige Vorbereitung zu versaeumen, um ihrem Herrn begegnen zu koennen.

 Miller fand, dass die Heilige Schrift deutlich das buchstaebliche, persoenliche Kommen Christi lehrt. Paulus sagt: "Er selbst, der Herr, wird

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mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel." (1. Thess. 4, 16) Und der Heiland erklaert, das letzte Geschlecht werde "sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit grosser Kraft und Herrlichkeit". "Denn gleichwie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes." (Matth. 24, 30. 27) Er wird von all den Scharen des Himmels begleitet werden. Des Menschen Sohn wird kommen "in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm". (Matth. 25, 31)

 Bei seinem Kommen werden die gerechten Toten auferweckt und die gerechten Lebenden verwandelt werden. Paulus sagte: "Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe ploetzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit." (1. Kor. 15, 51-53) Und in seinem Brief an die Thessalonicher schrieb er, nachdem er ihnen das Kommen des Herrn vor Augen gestellt hatte: "Die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und uebrig bleiben, werden zugleich mit ihnen hingerueckt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit." (1. Thess. 4, 16. 17)

 Erst zur Zeit der persoenlichen Ankunft Christi kann sein Volk das Reich ererben. Der Heiland sagte: "Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Voelker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Boecken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Boecke zur Linken. Da wird dann der Koenig sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!" (Matth. 25, 31-34) Wir haben aus den angefuehrten Schriftworten gesehen, dass bei der Wiederkunft des Menschensohns die Toten unverweslich auferweckt und die Lebenden verwandelt werden.

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Durch die grosse Verwandlung werden sie zubereitet, in das Reich Gottes einzugehen; denn Paulus sagte, "dass Fleisch und Blut nicht koennen das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche". (1. Kor. 15, 50) Der Mensch in seinem gegenwaertigen Zustand ist sterblich, verweslich; das Reich Gottes hingegen wird unverweslich, ewig sein. Deshalb kann der Mensch in seinem gegenwaertigen Zustand nicht das Reich ererben. Kommt aber Jesus, so wird er seinem Volk die Unsterblichkeit verleihen; dann ruft er sie, das Reich einzunehmen, dessen Erben sie bisher nur waren.

 Diese und andere Bibelstellen waren fuer Miller deutliche Beweise, dass die Ereignisse, von denen man allgemein annahm, dass sie vor der Wiederkunft Christi stattfinden wuerden, wie die allgemeine Friedensherrschaft und die Aufrichtung des Reiches Gottes auf Erden, der Wiederkunft Christi nachfolgen muessten. Ferner fand er, dass alle Zeichen der Zeit und der Zustand der Welt der prophetischen Beschreibung der letzten Tage entsprachen. Nur durch das Studium der Bibel kam er zu dem Schluss, dass die Zeit, die fuer das Fortbestehen der Erde in ihrem jetzigen Zustand bestimmt war, dem Ende nahe sei.

 "Ein anderer Beweis, der mich wesentlich beeinflusste", sagte er, "war die Zeitrechnung der Heiligen Schrift... Ich fand, dass sich vorhergesagte Ereignisse, die sich in der Vergangenheit erfuellt hatten, oft innerhalb einer bestimmten Zeit zutrugen. Die hundertzwanzig Jahre bis zur Sintflut (1. Mose 6, 3), die sieben Tage, die ihr vorhergehen sollten, mit vierzig Tagen vorhergesagten Regens (1. Mose 7, 4); der vierhundertjaehrige Aufenthalt der Kinder Abrahams im fremden Land (1. Mose 15, 13); die drei Tage in den Traeumen des Mundschenken und des Baeckers (1. Mose 40, 12-20); Pharaos sieben Jahre (1. Mose 41, 28-54); die vierzig Jahre in der Wueste (4. Mose 14, 34); die dreieinhalb Jahre der Hungersnot (1. Koenige 17, 1; Jakobus 5, 17) (Vgl. Luk, 4, 25);... die siebzig Jahre der Gefangenschaft (Jeremia 25, 11); Nebukadnezars sieben Zeiten (Daniel 4, 13-16) und die sieben Wochen, die 62 Wochen und eine Woche, welche zusammen 70 Wochen ergeben, die fuer die Juden bestimmt waren (Daniel 9, 24-27). Die durch diese Zeiten begrenzten Ereignisse waren alle einst nur Sache der Weissagung und erfuellten sich in Uebereinstimmung mit den Prophezeiungen." (Bliss, S. 74, 75)

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 Als er deshalb beim Bibelstudium verschiedene Zeitabschnitte fand, die sich, wie er sie verstand, bis auf die Wiederkunft Christi erstreckten, konnte er sie nur als "vorher bestimmte Zeiten" ansehen, die Gott seinen Knechten enthuellt hatte. Mose sagt: "Das Geheimnis (Verborgene) ist des Herrn, unsers Gottes; was aber offenbart ist, das ist unser und unserer Kinder ewiglich." Und der Herr erklaert durch den Propheten Amos, er "tut nichts, er offenbare denn sein Geheimnis den Propheten, seinen Knechten". (5. Mose 29, 28; Amos 3, 7) Die Forscher im Worte Gottes duerfen deshalb zuversichtlich erwarten, die gewaltigsten Ereignisse, die in der menschlichen Geschichte stattfinden werden, in den Schriften der Wahrheit deutlich angegeben zu finden.

 Miller sagte: "Da ich voellig ueberzeugt war, dass `alle Schrift, von Gott eingegeben`, nuetzlich ist, dass sie `nie... aus menschlichem Willen hervorgebracht` wurde, sondern dass `die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist`, und sie `uns zur Lehre geschrieben` ist, `auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben`, (2. Tim. 3, 16; 2. Petr. 1, 21; Roem 15, 4) konnte ich die chronologischen Teile der Bibel unserer ernsten Aufmerksamkeit ebenso wert erachten wie irgendeinen andern Teil der Heiligen Schrift. Ich dachte deshalb, dass ich bei meinen Bemuehungen, das zu verstehen, was Gott in seiner Barmherzigkeit fuer gut gefunden hatte, uns zu offenbaren, keineswegs die prophetischen Zeitangaben zu uebergehen berechtigt war." (Bliss, S. 75)

 Die Weissagung, welche die Zeit der Wiederkunft Christi am deutlichsten zu enthuellen schien, war die in Daniel 8, 14: "Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden." Seinem Grundsatz folgend, das Wort Gottes sich selbst auslegen zu lassen, entdeckte Miller, dass in der sinnbildlichen Weissagung ein Tag ein Jahr bedeutet.(4. Mose 14, 34; Hes. 4, 6) Er sah, dass der Zeitraum von zweitausenddreihundert prophetischen Tagen oder buchstaeblichen Jahren sich weit ueber den des Alten Bundes hinaus erstreckte und sich somit nicht auf das Heiligtum jenes Bundes beziehen konnte. Miller teilte die allgemeine Ansicht, dass im christlichen Zeitalter die Erde das Heiligtum sei, und nahm deshalb an, dass die Reinigung des Heiligtums, wovon in Daniel 8, 14 gesprochen wird, die

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Reinigung der Erde durch Feuer bei der Wiederkunft Christi darstelle. Wenn also der richtige Ausgangspunkt fuer die zweitausenddreihundert Tage gefunden werden koennte, waere man auch leicht in der Lage, meinte er, die Zeit der Wiederkunft Christi festzustellen. Auf diese Weise wuerde die Zeit jener grossen Vollendung offenbar werden, die Zeit, da der gegenwaertige Zustand mit "all seinem Stolz und seiner Macht, seinem Gepraenge und seiner Eitelkeit, seiner Gottlosigkeit und Unterdrueckung ein Ende hat"; da der Fluch "von der Erde hinweggenommen, der Tod vernichtet, die Knechte Gottes, die Propheten, die Heiligen und alle, die seinen Namen fuerchten, belohnt, und diejenigen, die die Erde verderben, vernichtet werden". (Bliss, S. 76)

 Mit neuem und groesserem Ernst setzte Miller die Pruefung der Weissagungen fort und widmete Tag und Nacht dem Studium der Dinge, die ihm so ueberragend wichtig und ausserordentlich bedeutungsvoll zu sein schienen. In Daniel 8 konnte er keinen Anhalt fuer den Ausgangspunkt der zweitausenddreihundert Tage finden. Obgleich der Engel Gabriel beauftragt war, Daniel das Gesicht zu erklaeren, gab er ihm nur eine teilweise Auslegung. Als der Prophet die schreckliche Verfolgung schaute, die ueber die Gemeinde kommen sollte, schwanden seine Kraefte. Er konnte nicht mehr ertragen, und der Engel verliess ihn einstweilen. Daniel "ward schwach und lag etliche Tage krank... Und (ich) verwunderte mich des Gesichts", sagt er, "und niemand war, der mir's auslegte". (Dan. 8, 27)

 Doch Gott hatte seinem Boten befohlen: "Lege diesem das Gesicht aus, dass er's verstehe!" (Dan. 8,16) Dieser Auftrag musste erfuellt werden, und deshalb kehrte der Engel spaeter zu Daniel zurueck und sagte: "Jetzt bin ich ausgegangen, dich zu unterrichten... So merke nun darauf, dass du das Gesicht verstehest." (Dan. 9, 22-27) In dem in Kap. 8 berichteten Gesicht war eine wichtige Frage nicht erklaert worden: der Zeitraum der zweitausenddreihundert Tage; deshalb verweilte der Engel, nachdem er die Erlaeuterung des Gesichtes wiederaufgenommen hatte, hauptsaechlich bei diesem Thema.

 "Siebzig Wochen sind bestimmt ueber dein Volk und ueber deine heilige Stadt... So wisse nun und merke: von der Zeit an, da ausgeht der Befehl, dass Jerusalem soll wiederum gebaut werden, bis auf den

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Gesalbten, den Fuersten, sind sieben Wochen; und zweiundsechszig Wochen, so werden die Gassen und Mauern wieder gebaut werden, wiewohl in kuemmerlicher Zeit. Und nach den zweiundsechszig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden und nichts mehr sein... Er wird aber vielen den Bund staerken eine Woche lang. Und mitten in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhoeren." (Dan. 9, 22-27)

 Der Engel war mit der besonderen Absicht zu Daniel gesandt worden, ihm zu erklaeren, was er in dem Gesicht in Kap. 8 nicht verstanden hatte, naemlich die Zeitbestimmung: "Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind, dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden." Nachdem der Engel Daniel aufgefordert hatte: "So merke nun darauf, dass du das Gesicht verstehest", sagte er weiter: "Siebzig Wochen sind bestimmt ueber dein Volk und ueber deine heilige Stadt."

 Das hier mit "bestimmt" uebersetzte Wort heisst woertlich "abgeschnitten". Der Engel erklaerte, dass siebzig Wochen, also vierhundertneunzig Jahre, als besonders den Juden gehoerig abgeschnitten seien. Wovon aber waren sie abgeschnitten? Da die zweitausenddreihundert Tage die einzige in Kap. 8 erwaehnte Zeitspanne sind, so muessen die siebzig Wochen von diesem Zeitraum abgeschnitten sein, also zu den zweitausenddreihundert Tagen gehoeren, und zwar muessen diese beiden Abschnitte denselben Ausgangspunkt haben. Der Beginn der siebzig Wochen sollte nach der Erklaerung des Engels mit dem Ausgang des Befehls zum Wiederaufbau Jerusalems zusammenfallen. Liesse sich das Datum dieses Befehls finden, so waere auch der Ausgangspunkt der grossen Periode von zweitausenddreihundert Tagen festgestellt.

 Im Buch Esra steht dieser Befehl verzeichnet. (Esra 7, 12-16) Er wurde in seiner vollstaendigen Form von Artaxerxes, dem Koenig von Persien, im Jahre 457 v. Chr. erlassen. In Esra 6,14 heisst es jedoch, dass das Haus des Herrn zu Jerusalem gebaut worden sei "nach dem Befehl des Kores (Cyrus), Darius und Arthahsastha (Artaxerxes), der Koenige in Persien". Diese drei Koenige verfassten, bestaetigten und vervollstaendigten den Erlass, der dann die fuer die Weissagung notwendige Vollkommenheit hatte, um den Ausgangspunkt der zweitausenddreihundert Tage

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zu bezeichnen. Man nahm das Jahr 457 v. Chr., in dem der Erlass vollendet wurde, als die Zeit an, da der Befehl ausging, und es zeigte sich, dass jede Einzelheit der Weissagung hinsichtlich der siebzig Wochen erfuellt war.

 "Von der Zeit an, da ausgeht der Befehl, dass Jerusalem soll wiederum gebaut werden, bis auf den Gesalbten, den Fuersten, sind sieben Wochen; und zweiunsechzig Wochen" - also neunundsechzig Wochen oder vierhundertdreiundachtzig Jahre. Der Erlass des Artaxerxes trat im Herbst des Jahres 457 v. Chr. in Kraft. Von diesem Zeitpunkt an gerechnet erstreckten sich die vierhundertdreiundachtzig Jahre bis in den Herbst des Jahres 27 n. Chr. (*) Zu jener Zeit ging die Weissagung in Erfuellung. Im Herbst des Jahres 27 n. Chr. wurde Christus von Johannes getauft und empfing die Salbung des Heiligen Geistes. Der Apostel Petrus legte Zeugnis ab, dass "Gott diesen Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem heiligen Geist und Kraft". (Apg. 10, 38) Und der Heiland selbst erklaerte: "Der Geist des Herrn ist bei mir, darum dass er mich gesalbt hat; er hat mich gesandt, zu verkuendigen das Evangelium den Armen." (Luk. 4, 18) Nach seiner Taufe im Jordan durch Johannes den Taeufer "kam Jesus nach Galilaea und predigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: Die Zeit ist erfuellet". (Mark. 1, 14. 15)

 "Er wird aber vielen den Bund staerken eine Woche lang." Die hier erwaehnte Woche ist die letzte der siebzig; es sind die letzten sieben Jahre der den Juden besonders zugemessenen Zeitspanne. Waehrend dieser Zeit, die sich von 27 bis 34 n. Chr. erstreckte, verkuendigte Jesus ganz besonders den Juden das Evangelium, erst persoenlich, dann durch seine Juenger. Als die Apostel mit der frohen Botschaft vom Reiche Gottes hinausgingen, lautete die Anweisung des Heilandes: "Gehet nicht auf der Heiden Strasse und ziehet nicht in der Samariter Staedte, sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel." (Matth. 10, 5. 6)

 "Mitten in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhoeren." Im Jahre 31. n. Chr., dreieinhalb Jahre nach seiner Taufe, wurde der Herr gekreuzigt. Mit diesem grossen, auf Golgatha dargebrachten Opfer hoerten die Opferordnungen auf, die vier Jahrtausende lang in die Zukunft, auf das Lamm Gottes, gewiesen hatten. Der Schatten war im

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Wesen aufgegangen, und alle Opfer und Gaben des Zeremonialgesetzes hatten ihre Erfuellung gefunden.

 Die besonders fuer die Juden bestimmten siebzig Wochen oder vierhundertneunzig Jahre liefen, wie wir gesehen haben, im Jahre 34 n. Chr. ab. Zu jener Zeit besiegelte das juedische Volk durch den Beschluss des Hohen Rates die Verwerfung des Evangeliums, indem es Stephanus steinigte und die Nachfolger Christi verfolgte. Dann wurde der Welt die Heilsbotschaft verkuendigt, die hinfort nicht laenger auf das auserwaehlte Volk beschraenkt blieb. Die Juenger, durch Verfolgungen gezwungen, Jerusalem zu verlassen, "gingen um und predigten das Wort. Philippus aber kam hinab in eine Stadt in Samarien und predigte ihnen von Christo". (Apg. 8, 4. 5.) Petrus, von Gott geleitet, erschloss dem Hauptmann von Caesarea, dem gottesfuerchtigen Kornelius, das Evangelium, und der fuer den Glauben an Jesus gewonnene eifrige Paulus wurde beauftragt, die frohe Botschaft "ferne unter die Heiden " zu tragen. (Apg. 22, 21)

 Soweit ist jede Angabe der Weissagung auffallend erfuellt und der Anfang der siebzig Wochen ohne irgendwelchen Zweifel auf 457 v. Chr., ihr Ende auf 34 n. Chr. festgestellt worden. Durch diese Angaben ist es nicht schwer, das Ende der zweitausenddreihundert Tage zu ermitteln. Da die siebzig Wochen oder vierhundertneunzig Tage von den zweitausenddreihundert abgeschnitten sind, bleiben noch achtzehnhundertzehn Tage uebrig. Nach Ablauf der vierhundertneunzig Tage hatten sich noch die achtzehnhundertzehn Tage zu erfuellen. Vom Jahre 34 n. Chr. reichen weitere achtzehnhundertzehn Jahre bis 1844. Folglich enden die zweitausenddreihundert Tage von Daniel 8, 14 im Jahre 1844. Nach dem Ablauf dieser grossen prophetischen Zeitspanne sollte nach dem Zeugnis des Engels Gottes "das Heiligtum wieder geweiht (gereinigt) werden". Somit war die Zeit der (Weihe oder) Reinigung des Heiligtums, die, wie man nahezu allgemein glaubte, zur Zeit der Wiederkunft stattfinden sollte, genau und bestimmt angegeben.

 Miller und seine Mitarbeiter glaubten anfangs, die zweitausenddreihundert Tage wuerden im Fruehjahr 1844 ablaufen, wohingegen die Weissagung auf den Herbst jenes Jahres verweist. Dieses Missverstaendnis brachte denen, die das fruehere Datum als die Zeit der

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Wiederkunft des Herrn angenommen hatten, Enttaeuschung und Unruhe. Aber dies beeintraechtigte durchaus nicht die Kraft der Beweisfuehrung, dass die zweitausenddreihundert Tage im Jahre 1844 zu Ende gingen und dass das grosse, als Reinigung des Heiligtums bezeichnete Ereignis dann stattfinden musste.

 Als Miller sich an das Studium der Heiligen Schrift begeben hatte, um zu beweisen, dass sie eine Offenbarung Gottes ist, hatte er nicht die geringste Ahnung, dass er zu dem Schuss kommen wuerde, zu dem er dann gelangt ist. Er konnte die Ergebnisse seiner Forschungen selbst kaum glauben; aber der schriftgemaesse Beweis war zu klar und zu stark, als dass er ihn haette unbeachtet lassen koennen.

 Er hatte zwei Jahre auf das Studium der Bibel verwandt, als er im Jahre 1818 zu der ernsten Ueberzeugung kam, dass Christus in ungefaehr fuenfundzwanzig Jahren zur Erloesung seines Volkes erscheinen wuerde. "Ich brauche", sagte Miller, "nicht von der Freude zu reden, die im Hinblick auf die entzueckende Aussicht mein Herz erfuellte, oder von dem heissen Sehnen meiner Seele nach einem Anteil an den Freuden der Erloesten. Die Bibel galt mir nun als ein neues Buch. Sie bedeutete mir in der Tat ein angenehmes, geistreiches Gespraech; alles, was mir finster, geheimnisvoll oder dunkel erschien in ihren Lehren, war durch das helle Licht, das nun aus ihren heiligen Blaettern hervorbrach, zerstreut worden. Oh, wie glaenzend und herrlich zeigte sich die Wahrheit! Alle Widersprueche und Ungereimtheiten, die ich vorher in dem Worte gefunden hatte, waren verschwunden; und wenn es auch noch viele Stellen gab, die ich, wie ich ueberzeugt war, nicht voellig verstand, so war doch so viel Licht zur Erleuchtung meines vorher finsteren Gemuetes daraus hervorgegangen, dass ich beim Studium der Heiligen Schrift ein Entzuecken empfand, das ich nie geglaubt haette durch ihre Lehren erlangen zu koennen." (Bliss, S. 76. 77)

 "Bei der ernsten Ueberzeugung, dass so ueberwaeltigende Ereignisse, wie sie in der Heiligen Schrift vorhergesagt waren, sich in einem kurzen Zeitraum erfuellen sollten, trat mit gewaltiger Macht die Frage an mich heran, welche Pflicht ich angesichts der Beweise, die mein eigenes Gemuet ergriffen hatten, der Welt gegenueber haette." (Bliss, S. 81) Miller fuehlte, dass es seine Pflicht sei, das Licht, das er empfangen hatte, andern

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mitzuteilen. Er erwartete von seiten der Gottlosen Widerspruch, war aber voll Zuversicht, dass sich alle Christen der Hoffnung freuen wuerden, dem Heiland, den sie liebten, zu begegnen. Seine einzige Befuerchtung ging dahin, dass viele in der grossen Freude auf die herrliche Erloesung, die sich so bald erfuellen sollte, die Lehre annehmen koennten, ohne hinreichend die Schriftstellen geprueft zu haben, die diese Wahrheit enthielten. Er zoegerte noch sie vorzutragen, damit er nicht, falls er selber irrte, andere verfuehrte. Das veranlasste ihn, die Beweise seiner Schlussfolgerungen nochmals zu pruefen und jede Schwierigkeit, die sich ihm entgegenstellte, sorgfaeltig zu untersuchen. Er fand, dass die Einwaende vor dem Licht des Wortes Gottes verschwanden wie der Nebel vor den Strahlen der Sonne. Nach fuenf Jahren, die er in dieser Weise zugebracht hatte, war er von der Richtigkeit seiner Auslegung vollstaendig ueberzeugt.

 Jetzt draengte sich ihm mit neuer Kraft die Pflicht auf, andern das nahezubringen, was, wie er glaubte, die Heilige Schrift klar lehrte. Er sagte: "Wenn ich meinen Geschaeften nachging, toente es bestaendig in meinen Ohren: `Geh und erzaehle der Welt von ihrer Gefahr.`Folgende Bibelstelle kam mir immer wieder in den Sinn: `Wenn ich nun dem Gottlosen sage: Du Gottloser musst des Todes sterben! und du sagst ihm solches nicht, dass sich der Gottlose warnen lasse vor seinem Wesen, so wird wohl der Gottlose um seines gottlosen Wesens willen sterben; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. Warnest du aber den Gottlosen von seinem Wesen, dass er sich davon bekehre, und er will sich nicht von seinem Wesen bekehren, so wird er um seiner Suende willen sterben, und du hast deine Seele errettet. `(Hes. 33, 8. 9) Ich fuehlte, dass sehr viele Gottlose, falls sie nachdruecklich gewarnt werden koennten, Busse taeten; dass aber, wenn das nicht geschaehe, ihr Blut von meiner Hand gefordert wuerde." (Bliss, S. 92)

 Miller begann seine Ansichten im stillen zu verbreiten, wie sich ihm Gelegenheit bot. Er betete darum, dass irgendein Prediger ihre Kraft erkennen und sich ihrer Ausbreitung widmen moechte. Aber er konnte die Ueberzeugung nicht aus seinem Herzen bannen, dass er bei der Verkuendigung der Warnungsbotschaft eine persoenliche Pflicht zu erfuellen habe. Bestaendig standen ihm die Worte vor Augen: Geh und

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sage es der Welt; ihr Blut werde ich von deiner Hand fordern. - Neun Jahre wartete er, und immer noch lastete die Buerde auf seiner Seele, bis er im Jahre 1831 zum erstenmal oeffentlich die Gruende seines Glaubens darlegte.

 Wie Elisa von seinen Ochsen auf dem Felde weggerufen wurde, um den Mantel zu empfangen, der ihn zum Prophetenamt weihte, so wurde William Miller aufgefordert, seinen Pflug zu verlassen und dem Volk die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verkuenden. Mit Zittern begann er seine Aufgabe und fuehrte seine Zuhoerer Schritt fuer Schritt durch die prophetischen Abschnitte hindurch bis in die Zeit der Wiederkunft Christi. Mit jeder Anstrengung gewann er Kraft und Mut, denn er bemerkte das weitverbreitete Aufsehen, das seine Worte hervorriefen.

 Nur dadurch, dass seine Glaubensbrueder, in deren Worten er den Ruf Gottes vernahm, ihn dazu aufforderten, liess sich Miller bewegen, seine Auffassungen oeffentlich vorzutragen. Er war nun fuenfzig Jahre alt und des oeffentlichen Auftretens ungewohnt. Er hatte das Gefuehl, der vor ihm liegenden Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Aber von Anfang an wurden seine Bemuehungen zur Rettung von Seelen in bemerkenswerter Weise gesegnet. Seinem ersten Vortrag folgte eine religioese Erweckung, bei der dreizehn Familien mit Ausnahme von zwei Personen bekehrt wurden. Man bat ihn sofort, auch an andern Orten zu sprechen, und fast ueberall zeigte sich eine Wiederbelebung der Sache Gottes. Suender wurden bekehrt, Christen zu groesserer Hingabe angeregt und Deisten und Unglaeubige zur Anerkennung der Bibelwahrheiten und der christlichen Religion gebracht. Diejenigen, unter denen er arbeitete, bezeugten: "Er erreicht eine Klasse von Menschen, die sich von andern Maennern nicht beeinflussen lassen." (Bliss, S. 138) Seine Predigt war darauf abgestellt, allgemeines Verstaendnis fuer die religioesen Grundlinien zu erwecken und die ueberhandnehmende Weltlichkeit und Sinnlichkeit der Zeit im Zaum zu halten.

 Nahezu in jeder Stadt wurden durch seine Predigt viele, an etlichen Orten Hunderte, bekehrt. In vielen Orten oeffnete man ihm die protestantischen Kirchen fast aller Bekenntnisse. Die Einladungen an Miller kamen gewoehnlich von den Predigern der verschiedenen Gemeinden.

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Es war sein unabaenderlicher Grundsatz, nur an den Orten zu wirken, wohin er eingeladen wurde; doch er sah sich bald ausserstande, auch nur der Haelfte dieser Aufforderungen, mit denen man ihn ueberhaeufte, nachzukommen.

 Viele, die seine Ansichten hinsichtlich der genauen Zeit der zweiten Erscheinung Christi nicht annahmen, wurden doch von der Gewissheit und Naehe seines Kommens und der Notwendigkeit einer Vorbereitung ueberzeugt. In einigen grossen Staedten machte Millers Wirken sichtbaren Eindruck. Schankwirte gaben ihren Handel auf und verwandelten ihre Trinkstuben in Versammlungssaele; Spielhoellen schlossen; Unglaeubige, Deisten, Universalisten und selbst die verkommensten Boesewichte, von denen etliche jahrelang kein Gotteshaus betreten hatten, aenderten ihre Gesinnung. Die verschiedenen Gemeinschaften fuehrten in den einzelnen Stadtteilen zu fast jeder Tagesstunde Gebetsversammlungen ein. Geschaeftsleute versammelten sich mittags zu Gebet und Lobgesang. Es herrschte keine schwaermerische Erregung, sondern ein allgemeiner feierlicher Ernst hatte die Gemueter des Volkes ergriffen. Millers Wirken ueberzeugte gleich dem der Reformatoren weit mehr den Verstand und erweckte eher das Gewissen, als es die Gefuehle erregte.

 Im Jahre 1833 erhielt Miller von der Baptistenkirche, der er angehoerte, die Erlaubnis zu predigen. Viele Prediger seiner Gemeinschaft billigten seine Taetigkeit und bestaetigten sie formell, so dass er sein Wirken fortsetzte. Er reiste und predigte unaufhoerlich, wenn auch sein persoenliches Wirken hauptsaechlich auf Neuengland und die mittleren Staaten beschraenkt blieb. Jahrelang bestritt er saemtliche Auslagen aus seiner eigenen Kasse und erhielt auch spaeter nicht genug, um die Reisekosten nach den verschiedenen Orten, wohin er geladen wurde, zu decken. So belastete seine oeffentliche Arbeit, statt ihm finanziellen Gewinn zu bringen, sein Eigentum, das waehrend dieses Abschnitts seines Lebens immer weniger wurde. Er war Vater einer grossen Familie; da sich aber alle genuegsam und fleissig zeigten, reichte sein Landgut sowohl fuer ihren als auch fuer seinen eigenen Unterhalt aus.

 Im Jahre 1833, zwei Jahre, nachdem Miller angefangen hatte, die Beweise der baldigen Wiederkunft Christi oeffentlich zu verkuendigen, erschien das letzte der von Christus erwaehnten Zeichen, die er als

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Vorlaeufer seiner Wiederkunft angekuendigt hatte. Jesus sagte: "Die Sterne werden vom Himmel fallen", und Johannes erklaerte in der Offenbarung, als er im Gesicht die Vorgaenge erblickte, die den Tag Gottes ankuendigen sollten: "Die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von grossem Wind bewegt wird." (Matth. 24, 29; Offb. 6, 13) Diese Weissagung erfuellte sich treffend und nachdruecklich durch den grossen Meteorregen vom 13. November 1833. Es war das ausgedehnteste und wunderbarste Schauspiel fallender Sterne, von dem je berichtet worden ist. "Das ganze Himmelsgewoelbe ueber den gesamten Vereinigten Staaten war damals stundenlang in feuriger Bewegung. Noch nie hatte sich von der ersten Ansiedlung an in jenem Lande eine Naturerscheinung gezeigt, die von dem einen Teil der Bevoelkerung mit so grosser Bewunderung und von dem andern mit so viel Schaudern und Bestuerzung betrachtet wurde." "Die Erhabenheit und feierliche Pracht lebt noch heute in manchem Gedaechtnis... Niemals ist Regen dichter zur Erde gefallen als jene Meteore; und in allen Himmelsrichtungen die gleiche Erscheinung. Mit einem Wort, das ganze Himmelsgewoelbe schien in Bewegung zu sein... Das Schauspiel, wie Prof. Sillimans Journal es schildert, war in ganz Nordamerika sichtbar... Bei vollkommen klarem und heiterem Himmel dauerte das unaufhoerliche Spiel blendend glaenzender Lichtkoerper am ganzen Himmel von zwei Uhr bis zum Tagesanbruch." (Devens, "American Progress or The Great Events of the Greatest Century", Kap. 28, 1.-5. Abschnitt)

 "Keine Sprache kann der Pracht jenes herrlichen Schauspiels gerecht werden; ... niemand, der es nicht selbst gesehen hat, kann sich eine entsprechende Vorstellung von seiner Herrlichkeit machen. Es schien, als ob der ganze Sternenhimmel sich... in einem Punkt gesammelt haette und mit Blitzesschnelle gleichzeitig nach allen Richtungen des Horizontes hin seine Sterne hervorschoesse; und doch hoerte es nicht auf: Tausende folgten schnell der Bahn, die Tausende schon durcheilt hatten, als seien sie fuer diese Gelegenheit erschaffen gewesen." (Christian Advocate and Journal, 13.12.1833) "Ein genaueres Bild von einem Feigenbaum, der seine Feigen abwirft, wenn ein heftiger Wind durch ihn hindurchfaehrt, haette man nicht sehen koennen." (Portland Advertiser, 26.11.1833)

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 Im Neuyorker "Journal of Commerce" vom 14. November 1833 erschien ein ausfuehrlicher Artikel ueber diese wundersame Naturerscheinung, in dem es heisst: "Kein Weiser oder Gelehrter hat je, wie ich annehme, eine Erscheinung wie die von gestern morgen muendlich oder schriftlich berichtet. Vor achtzehnhundert Jahren hat ein Prophet sie genau vorausgesagt, so wir uns nur die Muehe nehmen wollen, unter einem Sternenfall fallende Sterne... in dem allein moeglichen Sinne, in dem es buchstaeblich wahr sein kann, zu verstehen."

 So erschien das letzte jener Zeichen seines Kommens, worueber Jesus seinen Juengern sagte: "Also auch wenn ihr das alles sehet, so wisset, dass es nahe vor der Tuer ist." (Matth. 24, 33) Als das naechste grosse Ereignis, das nach diesen Zeichen geschah, sah Johannes, dass "der Himmel entwich wie ein zusammengerolltes Buch", waehrend die Erde erbebte, die Berge und Inseln bewegt wurden und die Gottlosen vor der Gegenwart des Menschensohnes entsetzt zu fliehen suchten. (Offb. 6, 12-17) Womit dann aber die Wiederkunft Christi bereits beginnt.

 Viele Augenzeugen sahen den Sternenfall als den Vorboten des kommenden Gerichts an, "als ein schreckliches Vorbild, einen sicheren Vorlaeufer, ein barmherziges Zeichen jenes grossen und schrecklichen Tages". (Portland Advertiser, 26.11.1833) Auf diese Weise wurde die Aufmerksamkeit auf die Erfuellung der Weissagung gerichtet und viele dadurch veranlasst, die Botschaft von der Wiederkunft Christi zu beachten.

 Im Jahre 1840 erregte eine andere merkwuerdige Erfuellung der Weissagung grosse Aufmerksamkeit. Zwei Jahre vorher hatte Josia Litch, einer der leitenden Prediger, welche die Wiederkunft Christi verkuendigten, eine Auslegung von Offenbarung 9 veroeffentlicht, in welcher der Fall des Osmanischen Reiches (*) vorhergesagt wurde. Seiner Berechnung gemaess sollte diese Macht im Monat August des Jahres 1840 gestuerzt werden, und nur wenige Tage vor ihrer Erfuellung schrieb Josia Litch:

 "Wenn wir zugeben, dass der erste Zeitabschnitt von 150 Jahren sich genau erfuellt hatte, ehe Konstantin XI. mit der Erlaubnis der Tuerken den Thron bestieg, und dass die dreihunderteinundneunzig Jahre und fuenfzehn Tage am Schluss des ersten Zeitabschnittes anfingen, so muessen sie am 11. August enden, wenn man erwarten darf,

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dass die osmanische Macht in Konstantinopel gebrochen werden wird. Und ich glaube gewiss, dass dies eintreten wird." (Signs of the Times and Expositors of Prophecy, 1.8.1840)

 Genau zur bezeichneten Zeit nahm die Tuerkei durch ihre Gesandten den Schutz der vereinigten Grossmaechte Europas an und stellte sich auf diese Weise unter die Aufsicht der christlichen Nationen. Dieses Ereignis erfuellte genau die Weissagung. Als dies bekannt wurde, gewannen viele die Ueberzeugung, dass die Grundsaetze der prophetischen Auslegung, wie Miller und seine Gefaehrten sie angenommen hatten, richtig seien, und so erhielt die Adventbewegung einen wunderbaren Antrieb. Gelehrte und angesehene Maenner vereinigten sich mit Miller, um seine Auffassungen zu predigen und zu veroeffentlichen. Das Werk dehnte sich von 1840 bis 1844 rasch aus.

 William Miller besass grosse geistige Gaben, geschult durch Denken und Studium. Ihnen fuegte er die Weisheit des Himmels hinzu, imdem er sich mit der Quelle der Weisheit verband. Er war ein Mann von echtem Ansehen, der Achtung und Wertschaetzung einfloessen musste, wo Rechtschaffenheit des Charakters und sittliche Vorzuege geschaetzt wurden. Er besass wahre Herzensguete und zeigte sich demuetig und beherrscht, war aufmerksam und liebenswuerdig gegen alle und bereit, auf die Meinungen anderer zu hoeren und ihre Beweisgruende zu pruefen. Sachlich und leidenschaftslos verglich er alle Theorien und Lehren mit dem Worte Gottes; und sein gesundes Denken sowie seine gruendliche Kenntnis der Heiligen Schrift befaehigten ihn, Irrtum zu widerlegen und Luegen blosszustellen.

 Dennoch konnte er seiner Aufgabe nicht ohne schweren Widerstand folgen. Es erging ihm wie den Reformatoren vor ihm; die Wahrheiten, die er verkuendigte, wurden von den beim Volk beliebten religioesen Lehrern unguenstig aufgenommen. Da diese ihre Stellung nicht durch die Heilige Schrift aufrechterhalten konnten, waren sie gezwungen, ihre Zuflucht zu den Ausspruechen und Lehren der Menschen, den Ueberlieferungen der Vaeter zu nehmen. Doch Gottes Wort war das einzige von den Predigern der Adventwahrheit angenommene Zeugnis. "Die Bibel, und nur die Bibel!" hiess ihre Losung. Der Mangel an biblischen Beweisen seitens ihrer Gegner wurde durch Hohn und Spott ersetzt. Zeit, Geld und Faehigkeiten wurden angewandt, um die zu verunglimpfen,

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welche nur dadurch Anstoss gaben, dass sie mit Freuden die Wiederkehr ihres Herrn erwarteten und danach strebten, ein heiliges Leben zu fuehren und andere zu ermahnen, sich auf sein Erscheinen vorzubereiten.

 Es wurden ernsthafte Anstrengungen unternommen, die Gemueter des Volkes von der Wiederkunft Christi abzulenken. Die Weissagungen zu erforschen, die sich auf das Kommen Christi und das Ende der Welt beziehen, wurde als Suende hingestellt, als etwas, dessen sich die Menschen schaemen muessten. Auf diese Weise untergruben die beim Volk beliebten Prediger den Glauben an das Wort Gottes. Ihre Lehren machten die Menschen zu Unglaeubigen, und viele fuehlten sich berechtigt, nach ihren eigenen, gottlosen Luesten zu wandeln. Die Urheber des Uebels aber legten alles den Adventisten zur Last.

 Waehrend Millers Name Scharen verstaendiger und aufmerksamer Zuhoerer anzog, wurde er in der religioesen Presse selten genannt, es sei denn, man zog ihn ins Laecherliche oder beschuldigte ihn. Die Gleichgueltigen und Gottlosen, die durch die Stellungnahme mancher religioesen Lehrer kuehn geworden waren, griffen in ihren Bemuehungen, ihn und sein Werk zu schmaehen, zu schimpflichen Ausdruecken, zu gemeinen und gotteslaesterlichen Witzeleien. Der altersgraue Mann, der die Bequemlichkeiten seines haeuslichen Herdes verlassen hatte, um auf eigene Kosten von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf zu reisen, der sich unaufhoerlich abmuehte, der Welt die ernste Warnung von dem bevorstehenden Gericht zu verkuendigen, wurde hoehnisch als Schwaermer, Luegner und vorwitziger Bube verschrien.

 Der auf ihn gehaeufte Spott, die Verleumdungen und Schmaehungen riefen sogar bei der weltlichen Presse entruesteten Widerstand hervor. "Eine Sache von so ueberwaeltigender Hoheit und furchtbaren Folgen leichtfertig und mit unzuechtigen Reden zu behandeln, so erklaerten weltlich gesinnte Maenner, hiesse nicht nur sich ueber die Gefuehle ihrer Vertreter und Verteidiger zu belustigen, sondern auch den Tag des Gerichts ins Laecherliche zu ziehen, die Gottheit selbst zu verhoehnen und die Schrecken jenes Gerichts geringschaetzig zu betrachten." (Bliss, S. 183)

 Der Anstifter alles Uebels versuchte nicht nur der Wirkung der Adventbotschaft entgegenzuarbeiten, sondern auch den Botschafter

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selbst zu vernichten. Miller wandte die biblische Wahrheit praktisch auf die Herzen seiner Zuhoerer an, ruegte ihre Suenden und beunruhigte ihre Selbstzufriedenheit; seine einfachen, treffenden Worte erregten ihre Feindschaft. Durch den offenen Widerstand der Kirchenglieder wurden die unteren Volksschichten ermutigt, noch weiterzugehen. Feinde schmiedeten Plaene, um ihn beim Verlassen der Versammlung zu toeten. Doch heilige Engel befanden sich unter der Menge, und einer von ihnen nahm in Gestalt eines Mannes diesen Knecht Gottes beim Arm und geleitete ihn durch den zornigen Poebel hindurch in Sicherheit. Sein Werk war noch nicht beendet; Satan und seine Sendboten fanden sich in ihren Absichten getaeuscht. Ungeachtet des Widerstandes hatte die Anteilnahme an der Adventbewegung zugenommen. Von Dutzenden und Hunderten von Zuhoerern waren die Versammlungen auf viele Tausende angewachsen. Die verschiedenen Gemeinschaften hatten grossen Zuwachs erfahren. Nach etlicher Zeit offenbarte sich der Geist des Widerstandes auch gegen diese Bekehrten, und die Gemeinden begannen die Menschen zu massregeln, die Millers Ansichten teilten. Dieses Vorgehen veranlasste ihn zu einer Erwiderung in Form einer Denkschrift an die Christen aller Gemeinschaften, in der er nachdruecklich darauf bestand, dass man ihm seinen Irrtum aus der Bibel beweisen solle, falls seine Lehren falsch seien.

 "Was haben wir geglaubt", sagte er, "das zu glauben uns nicht durch das Wort Gottes geboten ist, das, wie ihr selbst zugebt, die Regel, und zwar die einzige unseres Glaubens und Wandels ist? Was haben wir getan, das solche giftigen Anschuldigungen von der Kanzel und in der Presse gegen uns herausfordern und euch eine gerechte Ursache geben konnte, uns (Adventisten) aus euren Kirchen und eurer Gemeinschaft auszuschliessen?" "Haben wir unrecht, so zeigt uns, worin unser Unrecht besteht; zeigt uns aus dem Worte Gottes, dass wir im Irrtum sind. Verspottet wurden wir genug; das kann uns nie ueberzeugen, dass wir unrecht haben; das Wort Gottes allein kann unsere Ansichten aendern. Unsere Schluesse wurden ueberlegt und unter Gebet gezogen, da wir die Beweise in der Heiligen Schrift fanden." (Bliss, S. 250-252)

 Von Jahrhundert zu Jahrhundert sind den Warnungen, die Gott durch seine Diener der Welt gesandt hat, der gleiche Zweifel und

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Unglaube entgegengebracht worden. Als die Gottlosigkeit der vorsintflutlichen Menschen Gott veranlasste, eine Wasserflut ueber die Erde zu bringen, gab er ihnen erst seine Absicht kund, damit sie Gelegenheit haetten, sich von ihren boesen Wegen abzuwenden. Hundertundzwanzig Jahre lang toente der Warnungsruf an ihre Ohren, Busse zu tun, damit sich der Zorn Gottes nicht in ihrem Untergang offenbare. Aber die Botschaft schien ihnen wie eine eitle Maer, und sie glaubten ihr nicht. In ihrer Gottlosigkeit bestaerkt, verspotteten sie den Boten Gottes, verschmaehten seine Bitten und klagten ihn sogar der Vermessenheit an. Wie darf es ein Mann wagen, gegen alle Grossen der Erde aufzutreten? Waere Noahs Botschaft wahr, warum wuerde dann nicht alle Welt sie erkennen und glauben? Was ist die Behauptung eines Mannes gegenueber der Weisheit von Tausenden! - Sie wollten weder der Warnung Glauben schenken noch in der Arche Zuflucht suchen.

 Spoetter wiesen auf die Vorgaenge in der Natur hin, auf die unveraenderliche Reihenfolge der Jahreszeiten, auf den blauen Himmel, der noch nie Regen herabgesandt hatte, auf die gruenen Gefilde, erfrischt von morgendlichem Tau, und riefen aus: Redet er nicht in Gleichnissen? - Geringschaetzig erklaerten sie den Prediger der Gerechtigkeit fuer einen wilden Schwaermer, jagten eifriger ihren Vergnuegungen nach und beharrten mehr denn je auf ihren boesen Wegen. Doch ihr Unglaube verhinderte nicht das vorhergesagte Ereignis. Gott duldete ihre Gottlosigkeit lange und gab ihnen reichlich Gelegenheit zur Busse; aber seine Gerichte kamen zur bestimmten Zeit ueber die, die seine Gnade verwarfen.

 Christus erklaerte, dass bei seiner Wiederkunft ein aehnlicher Unglaube herrschen werde. Die Menschen zu Noahs Zeiten "achteten's nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin -, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes", wie der Heiland selbst sagte. (Matth. 24, 39) Wenn sich das bekennende Volk Gottes mit der Welt vereint und wandelt, wie sie wandelt, und mit ihr teilnimmt an ihren verbotenen Vergnuegungen; wenn die Ueppigkeit der Welt zur Ueppigkeit der Gemeinde wird; wenn die Hochzeitsglocken klingen und alle Menschen vielen Jahren weltlichen Gedeihens entgegensehen - dann wird so

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ploetzlich, wie der Blitz vom Himmel herabfaehrt, das Ende ihrer glaenzenden Vorspiegelungen und truegerischen Hoffnungen kommen.

 Wie Gott seinen Diener sandte, um die Welt vor der kommenden Sintflut zu warnen, so sandte er auserwaehlte Boten, um das Nahen des Juengsten Gerichts zu verkuenden. Und wie Noahs Zeitgenossen die Vorhersagen des Predigers der Gerechtigkeit hoehnend verlachten, so spotteten auch zur Zeit Millers viele ueber diese Warnung, ja sogar solche, die sich zum Volk Gottes bekannten.

 Warum war den Kirchen die Lehre und die Predigt von der Wiederkunft Christi so unwillkommen? Waehrend die Ankunft des Herrn den Gottlosen Wehe und Verderben bringt, ist sie fuer die Gerechten voller Freude und Hoffnung. Diese grosse Wahrheit gereichte den Gottgetreuen aller Zeitalter zum Trost. Warum war sie jetzt wie ihr Urheber seinem sich zu ihm bekennenden Volk zu einem Stein des Anstosses und einem Fels des Aergernisses geworden? Hatte doch unser Heiland selbst seinen Juengern die Verheissung gegeben: "Wenn ich hingehe, euch die Staette zu bereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen." (Joh. 14, 3) Als der mitleidsvolle Erloeser die Verlassenheit und den Kummer seiner Nachfolger voraussah, beauftragte er Engel, sie mit der Versicherung zu troesten, dass er persoenlich wiederkaeme, und zwar ebenso, wie er gen Himmel gefahren war. Als die Juenger standen und zum Himmel aufschauten, um einen letzten Blick auf den zu werfen, den sie liebten, wurde ihre Aufmerksamkeit von den Worten in Anspruch genommen: "Ihr Maenner von Galilaea, was steht ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren." (Apg. 1, 11) Durch die Botschaft des Engels wurde ihre Hoffnung neu angefacht. Die Juenger "kehrten wieder gen Jerusalem mit grosser Freude und waren allewege im Tempel, priesen und lobten Gott". (Luk, 24, 52. 53) Sie freuten sich nicht, weil Jesus von ihnen getrennt war und sie im Kampf mit den Pruefungen und Versuchungen der Welt alleinstanden, sondern sie frohlockten ueber die Versicherung des Engels, dass Jesus wiederkommen wuerde.

 Die Verkuendigung des Kommens Christi sollte wie damals, als sie durch die Engel den Hirten von Bethlehem gebracht wurde, eine Botschaft

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grosser Freude sein. Alle, die den Heiland wahrhaft liebhaben, koennen die auf Gottes Wort gegruendete Botschaft nur freudig begruessen, jene Botschaft, dass der, welcher der Mittelpunkt ihrer Hoffnung auf ein ewiges Leben ist, wiederkommen soll - nicht, um wie bei seinem ersten Kommen geschmaeht, verachtet und verworfen zu werden, sondern in Macht und Herrlichkeit, um sein Volk zu erloesen. Alle, die den Heiland nicht lieben, wuenschen, dass er wegbleiben moege, und es kann keinen ueberzeugenderen Beweis fuer den Abfall der Kirchen von Gott geben, als die Erbitterung und die Feindseligkeit, die diese von Gott gesandte Botschaft ausloest.

 Wer die Botschaft von der Wiederkunft Christi annahm, erkannte die Notwendigkeit der Reue und Demuetigung vor Gott. Viele hatten lange zwischen Christus und der Welt hin und her geschwankt, fuehlten aber nun, dass es Zeit sei, einen festen Standpunkt einzunehmen. "Alles, was die Ewigkeit angeht, nahm fuer sie eine ungewoehnliche Wirklichkeit an. Der Himmel wurde ihnen nahegebracht, und sie fuehlten sich vor Gott schuldig." ( Bliss, S. 146) Christen erwachten zu neuem geistlichen Leben. Sie erfassten, dass die Zeit kurz sei und dass bald getan werden muesse, was sie fuer ihre Mitmenschen tun wollten. Das Irdische trat in den Hintergrund, die Ewigkeit schien frei vor ihnen zu liegen, und die das ewige Wohl und Wehe der Seele betreffenden Dinge stellten alle zeitlichen Fragen in den Schatten. Der Geist Gottes ruhte auf ihnen und verlieh ihrem ernsten Aufruf an ihre Brueder und an die Suender, sich auf den Tag Gottes vorzubereiten, besondere Kraft. Das stille Zeugnis ihres taeglichen Wandels war fuer die scheinheiligen und unbekehrten Kirchenglieder ein bestaendiger Vorwurf. Sie wuenschten in ihrer Jagd nach Vergnuegungen, Gelderwerb und weltlicher Ehre nicht gestoert zu werden. Auf diese Weise entstand Feindschaft und Widerstreit gegen die Adventwahrheit und ihre Verkuender.

 Da die Beweisfuehrungen aus den prophetischen Zeitabschnitten nicht erschuettert werden konnten, bemuehten sich die Gegner, von der Untersuchung dieses Themas abzuraten, indem sie lehrten, die Weissagungen seien versiegelt. Also folgten die Protestanten den Fusstapfen der roemisch-katholischen Kirche. Waehrend die paepstliche Kirche den Laien die Bibel vorenthielt (*), behaupteten die protestantischen Kirchen,

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dass ein wichtiger Teil des heiligen Wortes nicht verstanden werden koenne, und zwar jener Teil, der vor allem Wahrheiten enthaelt, die auf unsere Zeit verweisen.

 Prediger und Volk erklaerten, die Weissagungen Daniels und der Offenbarung seien unverstaendliche Geheimnisse. Aber Christus hatte seine Juenger hinsichtlich der Ereignisse, die in ihrer Zeit stattfinden sollten, auf die Worte des Propheten Daniel verwiesen und gesagt: "Wer das liest, der merke darauf!" (Matth. 24, 15) Der Behauptung, dass die Offenbarung ein Geheimnis sei, das nicht verstanden werden koenne, widerspricht schon der Titel dieses Buches: "Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in der Kuerze geschehen soll... Selig ist, der da liest und die da hoeren die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe." (Offb. 1, 1-3)

 Der Prophet sagt: "Selig ist, der da liest." Es gibt solche, die nicht lesen wollen; so gilt ihnen auch der Segen nicht. "Und die da hoeren": Es gibt auch etliche, dich sich weigern, etwas von den Weissagungen anzuhoeren; auch dieser Gruppe von Menschen gilt der Segen nicht. "Und behalten, was darin geschrieben ist": Viele weigern sich, auf die in der Offenbarung enthaltenen Warnungen und Unterweisungen achtzugeben; auch sie koennen den verheissenen Segen nicht beanspruchen. Alle, welche die Weissagungen ins Laecherliche ziehen und ueber ihre feierlich gegebenen Sinnbilder spotten; alle, die sich weigern, ihr Leben umzugestalten und sich auf die Zukunft des Menschensohnes vorzubereiten, werden ohne Segen bleiben.

 Wie koennen Menschen es angesichts des Zeugnisses der goettlichen Eingebung wagen, zu lehren, dass die Offenbarung ein Geheimnis sei, das ueber den Bereich des menschlichen Verstaendnisses hinausgeht? Sie ist ein offenbartes Geheimnis, ein geoeffnetes Buch. Das Studium der Offenbarung lenkt die Gedanken auf die Weissagungen Daniels, und beide enthalten ausserordentlich wichtige Unterweisungen, die Gott den Menschen ueber die am Ende der Weltgeschichte stattfindenden Ereignisse gegeben hat.

 Johannes wurde ein tiefer und durchdringender Einblick in die Erfahrungen der Gemeinde gewaehrt. Er schaute die Stellung, die Gefahren,

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die Kaempfe und die endliche Befreiung des Volkes Gottes. Er vernahm die Schlussbotschaften, welche die Ernte der Erde zur Reife bringen werden, entweder als Garben fuer die himmlischen Scheunen oder als Reisigbuendel fuer das Feuer der Vernichtung. Besonders wichtige Dinge wurden ihm vor allem fuer die Gemeinde offenbart, damit die, welche sich vom Irrtum zur Wahrheit wenden sollten, ueber die ihnen bevorstehenden Gefahren und Kaempfe unterrichtet waeren. Niemand braucht ueber das zukuenftige Geschehen auf Erden im unklaren zu sein.

 Warum denn diese weitverbreitete Unkenntnis ueber einen wichtigen Teil der Schrift? Woher diese allgemeine Abneigung, ihre Lehren zu untersuchen? Es ist die Folge eines wohlberechneten Planes Satans, des Fuersten der Finsternis, vor den Menschen das zu verbergen, was seine Taeuschungen offenbar werden laesst. Aus diesem Grunde segnete Christus, der Offenbarer, indem er den Kampf gegen das Studium der Offenbarung voraussah, alle Menschen, die die Worte der Weissagung lesen, hoeren und beachten.

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Anmerkungen

*S.320 (Zurueck)
(WILLIAM MILLER. - Er wurde am 15. Februar 1782 in Pittsfield, Mass., geboren. Am 20. Dezember 1849 starb er in Low Hampton, N.Y., wohin seine Eltern im Jahre 1786 gezogen waren. Eine ausfuehrliche Lebensbeschreibung wurde von seinem Biographen Sylvester Bliss herausgegeben: Memoirs of William Miller, Boston, 1853.) (Zurueck)

*S.330 (Zurueck)
(PROPHETISCHE DATEN. - Der juedischen Zaehlung gemaess fiel der fuenfte Monat (Ab) des siebenten Jahres der Regierung des Artaxerxes in die Zeit vom 23. Juli bis zum 21. August 457 v. Chr. Nach der Ankunft Esras in Jerusalem im Herbst jenes Jahres trat der Befehl des Koenigs in Kraft. Fuer die Bestimmung des Datums 457 v. Chr. als das siebente Jahr des Artaxerxes siehe bei: S. H. Horn und L. H. Wood, The Chronology of Ezra 7, Washington, 1953; E. G. Kraeling, The Brooklyn Museum Aramaic Papyri, S. 191-193, New Haven or London, 1953; Seventh-day Adventist Bible Commentary, Bd. III, S. 97 - 110, Washington, 1954. (Zurueck)

*S.337 (Zurueck)
(DER FALL DES OSMANISCHEN REICHES.- Der Vormarsch der mohammedanischen Tuerken gegen Europa nach dem Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 war ebenso ernst und heftig wie eineinhalb Jahrhunderte nach Mohammeds Tod die verhaengnisvollen Eroberungszuege der mohammedanischen Sarazenen gegen das Ostroemische Reich. Waehrend des ganzen Reformationszeitalters waren die Tuerken an den oestlichen Toren der europaeischen Christenheit eine staendige Bedrohung; die Schriften der Reformatoren enthalten eine Fuelle von Verdammungsurteilen gegen die osmanische Macht. Christliche Schreiber haben sich seitdem immer wieder mit der Rolle der Tuerken im zukuenftigen Weltgeschehen befasst, und Ausleger der prophetischen Schriften haben die tuerkische Macht und ihren in der Schrift vorausgesagten Niedergang erkannt.

 Fuer diese Schlussentwicklung erarbeitete Josia Litch auf Grund der Zeitangaben in der Weissagung von der sechsten Posaune (Stunde, Tag, Monat, Jahr") eine Deutung der Zeitweissagung und nannte fuer das Ende der tuerkischen Unabhaengigkeit den August des Jahres 1840. Litchs Thesen findet man ausfuehrlich dargestellt in seinem Buch The Probability of the Second Coming of Christ About A. D. 1843 (veroeffentlicht im Juni 1838); in An Address to the Clergy (veroeffentlicht im Fruehjahr 1840; eine zweite Auflage mit historischen Daten, die die Genauigkeit der gemachten Voraussagen ueber die Dauer der prophetischen Periode bis zum Fall des Osmanischen Reiches unterstuetzten, wurde 1841 herausgegeben); das gleiche Thema behandelt ferner ein Beitrag in der Zeitschrift Signs of the Times and Expositor of Prophecy vom 1. August 1840. Ebenso ein Beitrag in der gleichen Zeitschrift vom 1. Februar 1841.

 Siehe auch: J.N.Loughborough, The Great Advent Movement, S. 129-132, 1905; U. Smith, Thoughts on Daniel and the Revelation, S. 506-517, rev. Ausgabe, 1944.

 Die fruehe Geschichte des Osmanischen Reiches und der Niedergang der tuerkischen Macht bei: William Miller, The Ottoman Empire and Its Successors, 1801 bis 1927, Cambridge, 1936; George G. S. L. Eversley, The Turkish Emipre from 1288 to 1914, London, 1923; Joseph v. Hammer-Purgstall, Geschichte des Osmanischen Reiches, 10 Bde.; Herbert A. Gibbons, Foundation of the Ottoman Emipre, 1300 bis 1403, Oxford, 1916; Arnold J. Toynbee/Kenneth B.Kirkwood, Turkey. London, 1926; J.W. Zinkeisen, Geschichte des Osmanischen Reiches in Europa, 7 Bde.) (Zurueck)

*S.343 (Zurueck)
(BIBELVERBOT IN DER LANDESSPRACHE.- Seit etwa 30 Jahren gibt es auch eine katholische Bibelbewegung, zu deren Bestrebungen sich die letzten Paepste bekannt haben. Ziel der Bewegung ist die Verbreitung der Bibel in der Landessprache und die Foerderung ihres Verstaendnisses. Diese Bibelbewegung konnte in dem Augenblick einsetzen, als feststand, dass die Bibel nach katholischer Auffassung nicht die massgebliche Quelle der Wahrheit sei, sondern die Kirche und ihr Lehramt. Gestattet sind jedoch nur katholische Bibeluebersetzungen.

 Ueber die Stellung der roemisch-katholischen Kirche zur Verbreitung der Heiligen Schrift in der Landessprache unter der Laienschaft siehe bei: G.P. Fisher, The Reformation, Kap. 15, 16, S. 530-532, 1873; Catholic Encyclopedia, Artikel "Bibel"; J. Kardinal Gibbons, Der Glaube unserer Vaeter, Kap. 8; J. Dowling, History of Romanism, 7. Buch, Kap. 2, und 9. Buch, Kap. 3; L. F. Bungener, History of the Council of Trent, S. 101-110, Edingburgh, 1853 (Histoire du concile de Trente, 2 Bde.); G. H. Putnam, Books and Their Makers during the Middle Ages, Bd. I, 2. Teil, Kap.2.

 Ferner: William Muir, The Arrested Reformation, S. 37 - 43; 1912; Harold Grimm, The Reformation Era, S. 285, 1954; Index of Prohibited Books, S. IX f., 1930; Timothy Hurley, A Commentary on the Present Index Legislation, S. 71, New York, 1908; Translation of the Great Encyclical Letters of Leo XIII., S. 413, New York, 1903; Walther von Loewenich, Der moderne Katholizismus, Witten, 1955, S. 69. 147, 194-218; Realenzyklopaedie fuer protestantische Theologie und Kirche, Bd. II, S. 375-381; Meusel, Kirchliches Handlexikon; Zeller, Theologisches Handwoerterbuch; Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts, 1953, Nr. 6, S. 88 f.; Hermann Strathmann, "Der Geist der modernen katholischen Bibelbewegung" in Protestantische Rundschau, 1943, Heft 2; Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. I, Tuebingen, 1957, Sp. 1224 - 1226; W. Auer, Katholische Bibelkunde, 1956.

 (Siehe auch die Anmerkungen zu S. 51: "Bibelverbot") (Zurueck)