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Der grosse Kampf zwischen Licht und Finsternis „Untreue und Abfall in der Christenheit” Die Bibel und die franzoesische Revolution Im 16. Jahrhundert hatte die Reformation, die dem Volk die Bibel zugaenglich machte, in allen Laendern Europas Eingang gesucht. Einige Nationen hiessen sie mit Freuden als einen Boten vom Himmel willkommen. In andern Laendern gelang es dem Papsttum in erheblichem Masse, ihren Eingang zu verhindern. Das Licht biblischer Erkenntnis mit seinem veredelnden Einfluss war nahezu gaenzlich erloschen. In einem Lande allerdings wurde das Licht, obgleich es Eingang gefunden hatte von der Finsternis nicht begriffen. Jahrhundertelang kaempften Wahrheit und Irrtum um die Oberherrschaft. Schliesslich siegte das Boese, und die Wahrheit des Himmels wurde hinausgestossen. "Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht." (Joh. 3.19) Diese Nation musste die Folgen ihrer Wahl tragen. Der Einhalt gebietende Einfluss des Geistes Gottes wurde einem Volk, das seine Gnadengabe verachtet hatte, entzogen. Gott liess das Boese ausreifen und alle Welt sah die Fruechte der vorsaetzlichen Verwerfung des Lichtes. Der in Frankreich viele Jahrhunderte lang gegen die Bibel gefuehrte Kampf erreichte in den Geschehnissen der Revolution (*) seinen Hoehepunkt. Jener schreckliche Ausbruch war die unausbleibliche Folge der von Rom geuebten Unterdrueckung der Heiligen Schrift. (**) Er bot der Welt das schlagenste Beispiel von der Wirkung der paepstlichen Politik: eine Darstellung der Folgen, auf die die Lehren der roemischen Kirche mehr als ein Jahrtausend zugesteuert hatten. Die Unterdrueckung der Heiligen Schrift waehrend der paepstlichen Oberherrschaft wurde von den Propheten vorhergesagt; auch der Seite 266 (Englisch Seite 265,266) Schreiber der Offenbarung weist auf die schrecklichen Folgen hin, die besonders Frankreich von der Herrschaft des "Menschen der Suende" (2.Thess. 2,3) erwachsen sollten. Der Engel des Herrn sagte: "Die heilige Stadt werden sie zertreten zweiundvierzig Monate. Und ich will meinen zwei Zeugen geben, dass sie sollen weissagen tausendzweihundertundsechzig Tage, angetan mit Saecken... Und wenn sie ihr Zeugnis geendet haben, so wird das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, mit ihnen einen Streit halten und wird sie ueberwinden und wird sie toeten. Und ihre Leichname werden liegen auf der Gasse der grossen Stadt, die da heisst geistlich `Sodom und Aegypten`, da auch ihr Herr gekreuzigt ist... Und die auf Erden wohnen, werden sich freuen ueber sie und wohlleben und Geschenke untereinander senden; denn diese zwei Propheten quaelten die auf Erden wohnten. Und nach drei Tagen und einem halben fuhr in sie der Geist des Lebens von Gott, und sie traten auf ihre Fuesse; und eine grosse Furcht fiel ueber die, so sie sahen." (Offb. 11,2-11) Die hier erwaehnten "zweiundvierzig Monate" und "tausendzweihundertsechzig Tage" sind ein und dieselbe Zeitangabe. Beide bezeichnen die Zeit, als die Gemeinde Christi von Rom unterdrueckt wurde. Die 1260 Jahre paepstlicher Oberherrschaft begannen mit dem Jahre 538 n. Chr. und mussten demnach 1798 ablaufen. Zu dieser Zeit drang eine franzoesische Armee in Rom ein und nahm den Papst gefangen, der spaeter in der Verbannung starb. Wenn auch bald darauf ein neuer Papst gewaehlt wurde, so hat die paepstliche Priesterherrschaft doch nie wieder die Macht auszuueben vermocht, die sie ehedem besessen hatte. Die Verfolgung der Gemeinde Christi erstreckte sich nicht bis an das Ende der 1260 Jahre. Aus Erbarmen mit seinem Volk verkuerzte Gott die Zeit der Feuerprobe. In seiner Weissagung von der "grossen Truebsal", welche die Gemeinde heimsuchen sollte, sagte der Heiland: "Wo diese Tage nicht wuerden verkuerzt, so wuerde kein Mensch selig; aber um der Auserwaehlten willen werden die Tage verkuerzt." (Matth. 24,22) Durch den Einfluss der Reformation wurde die Verfolgung schon vor dem Jahre 1798 eingestellt. Ueber die zwei Zeugen sagt der Prophet ferner: "Diese sind die zwei Oelbaume und zwei Fackeln, stehend vor dem Herrn der Erde." Der Seite 267 (Englisch Seite 266,267) Psalmist erklaert: "Dein Wort ist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Wege." (Offb. 11,4; Ps. 119,105) Die beiden Zeugen stellen die Schriften des Alten und Neuen Testaments dar. Beide sind wichtige Zeugnisse fuer den Ursprung und die Fortdauer des Gesetzes Gottes. Beide sind gleichfalls Zeugen fuer den Heilsplan. Die Vorbilder, die Opfer und die Weissagungen des Alten Testaments weisen auf den kommenden Erloeser hin. Die Evangelien und die Briefe des Neuen Testaments berichten von einem Heiland, der genauso gekommen ist, wie es die Vorbilder und Weissagungen vorhergesagt hatten. "Sie sollen weissagen tausendzweihundertsechzig Tage, angetan mit Saecken." Waehrend des groesseren Teiles dieser Zeit blieben Gottes Zeugen im Verborgenen. Die paepstliche Macht versuchte das Wort der Wahrheit vor dem Volk zu verbergen und stellte falsche Zeugen auf, die dem Zeugnis des Volkes widersprechen sollten. Als die Bibel von kirchlichen und weltlichen Behoerden verbannt (*) und ihr Zeugnis verfaelscht wurde und man allerlei Versuche unternahm, die Menschen und Daemonen nur ersinnen konnten, um die Gemueter des Volkes von ihr abzulenken; als die, welche es wagten, ihre heiligen Wahrheiten zu verkuendigen, gehetzt, verraten, gequaelt, in Gefaengniszellen begraben, um ihres Glaubens willen getoetet oder in die Festen der Berge und in die Schluchten und Hoehlen der Erde zu fliehen gezwungen wurden, - da weissagten die Zeugen in Saecken. Dennoch setzten sie ihr Zeugnis waehrend der ganzen 1260 Jahre fort. In den dunkelsten Zeiten gab es treue Maenner, die Gottes Wort liebten und um seine Ehre eiferten. Diesen treuen Knechten wurde Weisheit, Macht und Staerke verliehen, waehrend dieser ganzen Zeit seine Wahrheit zu verkuendigen. "Und so jemand sie will schaedigen, so geht Feuer aus ihrem Munde und verzehrt ihre Feinde; und so jemand sie will schaedigen, der muss also getoetet werden." (Offb. 11,5) Die Menschen koennen nicht ungestraft das Wort Gottes mit Fuessen treten. Die Bedeutung dieser schrecklichen Drohung wird uns im letzten Kapitel der Offenbarung gegeben: "Ich bezeuge allen, die da hoeren die Worte der Weissagung in diesem Buch: So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so jemand davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Seite 268 (Englisch Seite 267,268) Teil vom Holz des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben ist." (Offb. 22,18.19) Das sind Warnungen, die Gott gegeben hat, um den Menschen zu wehren, auf irgendeine Weise zu veraendern, was er offenbart oder geboten hat. Diese ernsten Drohungen richten sich an alle, die durch ihren Einfluss die Menschen veranlassen, das Gesetz Gottes geringzuachten. Sie sollen jene in Furcht und Zittern versetzen, die leichtfertig behaupten, es bedeute wenig, ob wir Gottes Gesetz halten oder nicht. Alle, die ihre eigenen Ansichten ueber die goettliche Offenbarung erheben; alle, die die klaren Aussagen des Wortes Gottes ihrer eigenen Bequemlichkeit oder der Meinung der Welt anpassen moechten, laden eine furchtbare Verantwortung auf sich. Das geschriebene Wort, das Gesetz Gottes, wird den Charakter aller messen und alle verdammen, deren Charakter diesem unfehlbaren Pruefstein nicht entspricht. "Wenn sie ihr Zeugnis geendet haben": der Zeitabschnitt, in dem die zwei Zeugen, mit Saecken angetan, weissagten, endete 1798. Wenn ihr Werk im Verborgenen sich seinem Ende naehern wuerde, sollte die Macht, die als "das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt", dargestellt wird, mit ihnen in Streit geraten. In vielen europaeischen Nationen waren die Maechte, die in Kirche und Staat das Zepter fuehrten, seit Jahrhunderten von Satan beherrscht worden. Doch hier wird uns eine neue Bekundung satanischer Macht vor Augen gefuehrt. Unter dem Vorwand der Ehrfurcht vor der Bibel hatte Roms Politik diese in einer unbekannten Sprache verschlossen und vor dem Volke verborgen gehalten. Unter dieser Herrschaft weissagten die Zeugen "angetan mit Saecken". Aber eine andere Macht - das Tier aus dem Abgrund - sollte sich erheben und Gottes Wort den Krieg erklaeren. Die "grosse Stadt", in deren Gassen die Zeugen erschlagen wurden und wo ihre Leichname lagen, heisst "geistlich ... Aegypten". Die biblische Geschichte sagt uns von keiner Nation, die das Dasein des lebendigen Gottes dreister verleugnete und sich seinen Geboten mehr widersetzte als Aegypten. Kein Monarch wagte je eine offenere oder vermessenere Empoerung gegen die Autoritaet des Himmels als der Koenig Aegyptens. Als Mose ihm im Namen des Herrn dessen Botschaft brachte, gab Pharao stolz zur Antwort: "Wer ist der Herr, des Stimme Seite 269 (Englisch Seite 268,269) ich hoeren muesse und Israel ziehen lassen? Ich weiss nichts von dem Herrn, will auch Israel nicht lassen ziehen." (2. Mose 5,2) Dies ist Gottesleugnung, und die durch Aegypten versinnbildete Nation sollte die Ansprueche des lebendigen Gottes in aehnlicher Weise verleugnen und den gleichen unglaeubigen und herausfordernden Geist an den Tag legen. Die "grosse Stadt" wird auch geistlich mit Sodom verglichen. Die Verderbtheit Sodoms in der Uebertretung des Gesetzes Gottes bekundete sich ganz besonders in seinem zuchtlosen Verhalten. Diese Suende war ebenfalls ein sehr hervorstechender Zug des Volkes, das die Einzelheiten dieser Schriftstelle erfuellen sollte. Nach den Angaben des Propheten sollte sich kurz vor dem Jahre 1789 eine Macht satanischen Ursprungs und Charakters wider die Bibel erheben. Und in dem Lande, in dem das Zeugnis der beiden Zeugen Gottes auf diese Weise zum Schweigen gebracht werden sollte, wuerde sich die Gottesleugnung Pharaos und die Unzucht Sodoms offenbaren. Diese Weissagung hat in der Geschichte Frankreichs eine ueberaus genaue und treffende Erfuellung gefunden. Waehrend der Revolutionszeit, im Jahre 1793, "hoerte die Welt zum erstenmal, dass eine Versammlung von Maennern, die gesittet geboren und erzogen waren und sich das Recht anmassten, eine der schoensten Nationen Europas zu regieren, ihre vereinte Stimme erhob, um die feierlichste Wahrheit, welche die Seele des Menschen empfangen kann, zu verleugnen und einstimmig den Glauben an Gott und die Anbetung der Gottheit zu verwerfen". ( Scott, "Life of Napoleon Buonaparte", Bd. I, Kap. 17) - "Frankreich ist die einzige Nation in der Welt, von der berichtet wird, dass sie als Nation ihre Hand in offener Empoerung gegen den Schoepfer des Weltalls erhoben hat. Es gab und gibt noch eine Menge von Laesterern und Unglaeubigen in England, Deutschland, Spanien und anderswo; aber Frankreich steht in der Weltgeschichte als einziger Staat da, der durch den Erlass seiner gesetzgebenden Versammlung erklaerte, dass es keinen Gott gebe, in dessen Hauptstadt saemtliche Bewohner, und eine ungeheure Menge anderswo, Weiber und Maenner, vor Freude sangen und tanzten, als sie die Bekanntmachung empfingen." (Blackwood's Magazine, November 1870) Seite 270 (Englisch Seite 269,270) Frankreich zeigte die Merkmale, die Sodom besonders gekennzeichnet hatten. Waehrend der Revolution herrschte ein Zustand sittlicher Erniedrigung und Verderbtheit aehnlich dem, der einst den Untergang ueber die Staedte Sodom und Gomorra brachte. Ein Historiker spricht ueber die Gottesleugnung und die Unzucht Frankreichs, wie sie uns in der Weissagung vorhergesagt sind: "Eng verbunden mit diesen religionsfeindlichen Gesetzen war jenes, welches das Ehebuendnis - die heiligste Verbindung, das menschliche Wesen eingehen koennen, und deren Dauerhaftigkeit am meisten zur Festigung der Gesellschaft beitraegt - auf die Stufe eines rein buergerlichen Uebereinkommens voruebergehender Natur herabwuerdigte, welches irgendwelche zwei Personen miteinander treffen und nach Willkuer wieder loesen konnten... Haetten boese Geister es unternommen, ein Verfahren zu entdecken, welches auf die wirksamste Weise alles zugrunde richtet, was sich an Ehrwuerdigem, Anmutigem oder Dauerhaftem im Familienleben bietet, und haetten sie gleicherzeit die Zusicherung gehabt, dass das Unheil, das sie anzurichten beabsichtigten, von einem Geschlecht auf das andere fortgepflanzt werden sollte, so haetten sie keinen wirksameren Plan ersinnen koennen als die Herabwuerdigung der Ehe... Sophie Arnould, eine durch ihren geistreichen Witz beruehmte Saengerin, beschrieb die republikanische Hochzeit als das `Sakrament des Ehebruchs`." (Scott, Bd. I, Kap. 17) "Da auch ihr Herr gekreuzigt ist." Dieses Merkmal der Weissagung erfuellte Frankreich ebenfalls. In keinem Land hatte sich der Geist der Feindschaft wider Christus auffallender entfaltet. Nirgends ist die Wahrheit auf bittereren oder grausameren Widerstand gestossen. In den Verfolgungen, mit denen Frankreich die Bekenner des Evangeliums heimsuchte, hatte es Christus in der Person seiner Juenger gekreuzigt. Jahrhundertelang war das Blut der Heiligen vergossen worden. Waehrend die Waldenser in den Gebirgen Piemonts um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu Christi willen ihr Leben liessen, hatten ihre Brueder, die Albigenser in Frankreich, ein aehnliches Zeugnis fuer die Wahrheit abgelegt. In den Tagen der Reformation waren ihre Anhaenger unter schrecklichsten Qualen hingerichtet worden. Koenig und Adel, hochgeborene Frauen und zarte Maedchen, der Stolz und Glanz Seite 271 (Englisch Seite 270,271) der Nation, ergoetzten sich an den Leiden der Maertyrer Jesu. Die tapferen Hugenotten hatten im Kampf um die Rechte, die das menschliche Herz fuer die heiligsten haelt, ihr Blut auf manchem heftig umstrittenen Feld dahingegeben. Die Protestanten wurde fuer vogelfrei erklaert. Man setzte Kopfpreise aus und hetzte sie von Ort zu Ort wie wilde Tiere. Im 18. Jahrhundert hielt die "Gemeinde in der Wueste", die wenigen Nachkommen der alten Christen, die versteckt in den Gebirgen des suedlichen Frankreichs uebriggeblieben waren, noch immer am ehrwuerdigen Glauben ihrer Vaeter fest. Wagten sie es, sich nachts an den Gebirgsabhaengen oder auf der einsamen Heide zu versammeln, wurden sie von den Dragonern verfolgt und zu lebenslaenglicher Gefangenschaft auf die Galeeren geschleppt. Die Reinsten, die Gebildesten und Verstaendigsten der Franzosen wurden unter schrecklichen Qualen mit Raeubern und mit Meuchelmoerdern zusammengekettet. (Wylie, "History of Protestanitsm", 22. Buch, Kap. 6) Andern widerfuhr eine barmherzigere Behandlung: sie wurden, waehrend sie unbewaffnet und hilflos betend auf die Knie fielen, kaltbluetig niedergeschossen. Hunderte von betagten Maennern, wehrlosen Frauen und unschuldigen Kindern wurden am Versammlungsort tot auf dem Boden liegend zurueckgelassen. Beim Durchstreifen der Gebirgsabhaenge oder der Waelder, wo sie sich gewoehnlich versammelten, waren nicht selten "alle vier Schritte Leichname auf dem Rasen oder an den Baeumen haengend zu finden". Ihr Land, von Schwert, Henkerbeil und Feuerbrand verwuestet, "wurde zu einer grossen duesteren Wildnis... Diese Greuel wurden nicht in dem finsteren Zeitalter..., sondern in jener glaenzenden Zeitperiode Ludwigs XIV. begangen. Die Wissenschaften wurden damals gepflegt, die Literatur bluehte, die Geistlichkeit des Hofes und der Hauptstadt waren gelehrte und beredte Maenner, welche sich gern mit dem Anschein der Demut und der Liebe zierten." (Wylie, 22. Buch, Kap. 7) Doch das schwaerzeste in dem schwarzen Verzeichnis der Verbrechen, die schrecklichste unter den hoellischen Taten aller Schreckensjahrhunderte war die blutige Bartholomaeusnacht (1572). Noch erinnert sich die Welt mit Schaudern und Entsetzen jenes besonders grausamen und feigen Gemetzels. Der Koenig von Frankreich genehmigte, durch roemische Priester und Praelaten gedraengt, das schreckliche Werk. Eine Seite 272 (Englisch Seite 271,272) Glocke gab in naechtlicher Stille das Zeichen zum Blutbad, Tausende von Hugenotten, die ruhig in ihren Wohnungen schliefen und sich auf die verpfaendete Ehre des Koenigs verliessen, wurden ohne Warnung hervorgeschleppt und kaltbluetig niedergemacht. Wie Christus unsichtbar sein Volk aus der aegyptischen Knechtschaft fuehrte, so unsichtbar leitete Satan seine Untertanen in diesem schrecklichen Werk, die Zahl der Maertyrer zu vergroessern. Sieben Tage lang wurde das Gemetzel in Paris fortgesetzt; an den ersten drei Tagen mit unbegreiflicher Raserei. Auf besonderen Befehl des Koenigs erstreckte es sich nicht nur auf Paris selbst, sondern auch auf alle Provinzen und Staedte, in denen sich Protestanten befanden. Weder Alter noch Geschlecht wurde geachtet, weder der unschuldige Saeugling noch der Greis blieben verschont. Der Adlige wie der Bauer, alt und jung, Mutter und Kind wurden zusammen niedergehauen. Das Gemetzel hielt in ganz Frankreich zwei Monate lang an. Siebzigtausend der Besten der Nation kamen ums Leben. "Als die Nachricht von dem Blutbad Rom erreichte, kannte die Freude der Geistlichkeit keine Grenzen. Der Kardinal von Lothringen belohnte den Boten mit tausend Kronen, der Domherr von St. Angelo liess hundert Freudenschuesse abgeben, die Glocken laeuteten von jedem Turm, Freudenfeuer verwandelten die Nacht in einen Tag, und Gregor XIII. zog, begleitet von den Kardinaelen und andern geistlichen Wuerdentraegern, in einer grossen Prozession nach der Kirche von St. Ludwig, wo der Kardinal von Lothringen ein Tedeum sang... Zur Erinnerung an das Gemetzel wurde eine Gedenkmuenze gepraegt, und im Vatikan kann man drei Freskogemaelde von Vasari sehen, welche den Angriff auf den Admiral, den Koenig, wie er im Rate das Hinschlachten plante, und das Blutbad selbst darstellen. Gregor sandte Karl die goldene Rose und hoerte vier Monate spaeter... ruhigen Gemuets die Predigt eines franzoesischen Priesters an..., der von jenem `Tage des Gluecks und der Freude sprach, als der Heilige Vater die Nachricht empfing und hoechst feierlich hinging, um Gott und St. Ludwig seinen Dank darzubringen." (White, "The Massacre of St. Bartholomew", Kap. 14, 34. Abschnitt) Der gleiche maechtige Geist, der zu dem Blutbad in der Bartholomaeusnacht den Antrieb gab, bekundete sich auch in den Ereignissen Seite 273 (Englisch Seite 272,273) der Revolution. Jesus Christus wurde als Betrueger hingestellt, und der gemeinsame Kampfruf der franzoesischen Gottesleugner hiess: "Nieder mit dem Elenden!", womit sie Christus meinten. Den Himmel herausfordernde Laesterung und abscheuliche Gottlosigkeit gingen Hand in Hand. Die gemeinsten Menschen, die verwahrlosesten Ungeheuer, voller Grausamkeit und Laster, wurden aufs hoechste erhoben. Durch all dieses Geschehen wurde Satan die aeusserste Huldigung gezollt, waehrend man Christus mit seinen Eigenschaften der Wahrheit, der Reinheit und der selbstlosen Liebe kreuzigte. "So wird das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt mit ihnen einen Streit halten und wird sie ueberwinden und wird sie toeten." Die gottesleugnerische Macht, die in Frankreich waehrend der Revolution und der nachfolgenden Schreckensherrschaft das Zepter fuehrte, unternahm einen solchen Krieg gegen Gott und sein heiliges Wort, wie ihn die Welt noch nie gesehen hatte. Die Anbetung Gottes wurde von der Nationalversammlung verboten. Bibeln wurden eingesammelt und unter jedem moeglichen Zeichen der Verachtung oeffentlich verbrannt. Das Gesetz Gottes trat man mit Fuessen. Biblische Einrichtungen wurden abgeschafft. Den woechentlichen Ruhetag hob man auf; statt diesem widmete man jeden zehnten Tag der Lustbarkeit und der Gotteslaesterung. Taufe und Abendmahl wurden verboten. Ueber den Grabstaetten deutlich sichtbar angebrachte Inschriften erklaerten den Tod fuer einen ewigen Schlaf. Die Gottesfurcht, behauptete man, sei nicht der Anfang der Weisheit, sondern vielmehr der Anfang der Torheit. Jegliche Verehrung ausgenommen die der Freiheit und des Vaterlandes, wurde untersagt. Der "konstitutionelle Bischof von Paris wurde herbeigeholt, um in der schamlosesten und anstoessigsten Posse, die sich je vor einer Nationalvertretung abspielte, die Hauptrolle zu uebernehmen... Man fuehrte ihn in einer foermlichen Prozession vor, um der Versammlung zu erklaeren, dass die Religion, welche er so viele Jahre lang gelehrt hatte, in jeglicher Hinsicht ein Stueck Pfaffentrug ohne irgendeinen Grund in der Geschichte noch in der heiligen Wahrheit sei. Er verleugnete mit feierlichen und deutlichen Worten das Dasein der Gottheit, zu deren Dienst er eingesegnet worden war, und widmete sich in Zukunft der Verehrung der Freiheit, Gleichheit, Tugend und Sittlichkeit. Dann legte Seite 274 (Englisch Seite 273,274) er seinen bischoeflichen Schmuck auf den Tisch und empfing eine bruederliche Umarmung von dem Praesidenten des Konvents. Verschiedene abgefallene Priester folgten dem wuerdelosen Beispiel dieses Praelaten." (Scott, Bd. I, Kap. 17). "Und die auf Erden wohnen, werden sich freuen ueber sie und wohlleben und Geschenke untereinander senden; denn diese zwei Propheten quaelten die auf Erden wohnten." Das unglaeubige Frankreich hatte die strafende Stimme jener beiden Zeugen Gottes zum Schweigen gebracht. Das Wort Gottes lag erstorben auf seinen Strassen, und alle, die die Einschraenkungen und Forderungen des Gesetzes Gottes hassten, frohlockten. Oeffentlich forderten Menschen den Koenig des Himmels heraus. Wie vor alters die Suender, riefen sie aus: "Was merkt Gott? Weiss der Hoechste ueberhaupt etwas?" (Ps. 73,11, Schlachter) Mit laesterlicher Vermessenheit, die beinahe alle Glaubwuerdigkeit uebersteigt, sagte einer der Priester dieser neuen Art: "Gott, so du existierst, raeche deinen beleidigten Namen. Ich biete dir Trotz! Du schweigst! Du wagst es nicht, deine Donner zu schleudern! Wer wird hinfort an dein Dasein glauben?" (Lacretelle, "Histoire de la Révolution francaise jusqu`au 18 et 19 brumaire", Bd. IX, S. 309) Welch ein Widerhall der Forderung Pharaos: "Wer ist der Herr, des Stimme ich hoeren muesse?... Ich weiss nichts von dem Herrn." "Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott." (Ps. 14,1) Und der Herr erklaert von den Verfaelschern seiner Wahrheit: "Ihre Torheit wird offenbar werden jedermann." (2. Tim. 3,9) Nachdem Frankreich sich von der Anbetung des lebendigen Gottes, des "Hohen und Erhabenen, der ewiglich wohnt", losgesagt hatte, verstrich nur kurze Zeit, bis es zu erniedrigendem Goetzendienst herabsank, indem es die Goettin der Vernunft in der Person eines lasterhaften Frauenzimmers anbetete - dies in der Nationalversammlung, durch die Vertreter des Volkes und durch seine hoechsten zivilen und gesetzgebenden Behoerden! Ein Geschichtsschreiber sagt: "Eine der Zeremonien dieser wahnsinngen Zeit steht unuebertroffen da wegen ihrer mit Gottlosigkeit verbundenen Abgeschmacktheit. Die Tore des Konvents wurden einer Schar von Musikanten geoeffnet, der in feierlichem Zuge die Mitglieder der Stadtbehoerde folgten, waehrend sie ein Loblied auf die Freiheit sangen und Seite 275 (Englisch Seite 274,275) den Gegenstand ihrer zukuenftigen Anbetung, ein verschleiertes Frauenzimmer, welches sie die Goettin der Vernunft nannten, geleiteten. Als man sie innerhalb der Schranken gebracht, mit grosser Foermlichkeit entschleiert und zur Rechten des Praesidenten hingesetzt hatte, erkannte man sie allgemein als eine Taenzerin aus der Oper... Dieser Person, der passendsten Vertreterin jener Vernunft, die man anbetete, brachte die Nationalversammlung Frankreichs oeffentliche Huldigung dar. Jene gottlose und laecherliche Mummerei wurde zu einem gewissen Brauch, und die Einsetzung der Goettin der Vernunft wurde in der ganzen Nation an allen Orten, wo die Bewohner sich auf der Hoehe der Revolution zeigen wollten, erneuert und nachgeahmt." (Scott, Bd. I. Kap. 17) Der Redner, der die Anbetung der Vernunft einfuehrte, sagte: "Mitglieder der gesetzgebenden Versammlung! Der Fanatismus ist der Vernunft gewichen. Seine getruebten Augen konnten den Glanz des Lichts nicht ertragen. Heute hat sich eine unermessliche Menge in den gotischen Gewoelben versammelt, welche zum erstenmal von der Stimme der Wahrheit widerhallen. Dort haben die Franzosen die wahre Anbetung der Freiheit und der Vernunft vollzogen; dort haben wir neue Wuensche fuer das Glueck der Waffen der Republik ausgesprochen; dort haben wir die leblosen Goetzen gegen die Vernunft, dieses belebte Bild, das Meisterwerk der Natur, eingetauscht." (Thiers, "Histoire de le Révolution francaise", Bd.II, S. 370. 371) Als die Goettin in den Konvent gefuehrt wurde, nahm der Redner sie bei der Hand und sagte, indem er sich an die Versammlung wandte: " `Sterbliche, hoert auf vor dem ohnmaechtigen Donner eines Gottes zu beben, den eure Furcht geschaffen hat. Hinfort erkennet keine Gottheit ausser der Vernunft. Ich stelle euch ihr reinstes und edelstes Bild vor; muesst ihr Goetter haben, so opfert nur solchen wie dieser... O Schleier der Vernunft, falle vor dem erlauchten Senat der Freiheit!...' Nachdem der Praesident die Goettin umarmt hatte, wurde sie auf einen praechtigen Wagen gesetzt und inmitten eines ungeheuren Gedraenges zur Liebfrauenkirche gefuehrt, damit sie dort die Stelle der Gottheit einnehme. Dann wurde sie auf den Hochaltar gehoben und von allen Anwesenden verehrt." (Alison, "History of Europe from the Commencement of the French Revolution in 1789 to the Restoration of the Bourbons in 1815", Bd. I. Kap. 10) Seite 276 (Englisch Seite 275,276) Bald darauf erfolgte die oeffentliche Verbrennung der Bibel. Bei einem derartigen Anlass betrat die "Gesellschaft der Volksfreunde" den Saal der hoechsten Behoerde mit dem Ruf:" Es lebe die Vernunft!" Auf der Spitze einer Stange trugen sie die halbverbrannten Ueberreste verschiedener Buecher, darunter Gebetbuecher, Messbuecher und das Alte und Neue Testament, die wie der Praesident sich ausdrueckte, "in einem grossen Feuer die gesamten Torheiten suehnten, die zu begehen sie das menschliche Geschlecht veranlasst hatten". (Journal von Paris, 1793, Nr. 318) Das Papsttum hatte das Werk begonnen, das die Gottesleugner nun vollendeten. Roms Politik hatte jene gesellschaftlichen, politischen und religioesen Zustaende zur Folge die Frankreich dem Verderben zutrieben. Schriftsteller, die die Schrecken der Revolution schildern, sagen, dass jene Ausschreitungen dem Thron und der Kirche zur Last gelegt werden muessen. Ein gerechtes Urteil muss sie der Kirche zurechnen. Das Papsttum hatte Voreingenommenheit gegen die Reformation in die Gemueter der Koenige gesaet, als waere sie ein Feind der Krone, eine Ursache zur Uneinigkeit, die sich dem Frieden und der Eintracht der Nation verhaengnisvoll erwiese. Der Einfluss Roms fuehrte auf diese Weise zu den entsetzlichsten Grausamkeiten und zur bittersten Unterdrueckung, die je von einem Thron ausgegangen sind. Der Geist der Freiheit zog mit der Bibel in die Herzen der Menschen ein. Wo das Evangelium Aufnahme fand, wurden die Gemueter der Menschen belebt. Sie fingen an, die Fesseln, die sie als Sklaven der Unwissenheit, des Lasters und des Aberglaubens gehalten hatten, abzuschuetteln und wie Maenner zu denken und zu handeln. Die Herrscher sahen es und fuerchteten fuer ihre unumschraenkte Gewalt. Rom versaeumte es nicht, ihre eifersuechtigen Befuerchtungen zu naehren. Der Papst sagte im Jahre 1525 zu dem Regenten Frankreichs: "Diese Tollwut (der Protestantismus) wird nicht nur die Religion verwirren und verderben, sondern ausserdem auch alle Fuersten- und Adelswuerden, Gesetze, Orden und Rangunterschiede." (Félice, "Geschichte der Protestanten Frankreichs", 1. Buch, Kap. 2, 8. Abschnitt, Leipzig, 1855) Einige Jahre spaeter warnte ein paepstlicher Gesandter den Koenig: "Sire, taeuschen Sie sich nicht, die Protestanten werden die buergerliche wie die religioese Ordnung untergraben... Der Thron ist ebensosehr in Gefahr wie der Seite 277 (Englisch Seite 276,277) Altar... Die Einfuehrung einer neuen Religion bringt notwendigerweise die einer neuen Regierung mit sich." (D'Aubigné, Geschichte der Reformation zu den Zeiten Calvins", 2. Buch, Kap. 36) Theologen machten sich das Vorurteil des Volkes zunutze, indem sie erklaerten, dass die protestantische Lehre "die Leute zu Neuerungen und Torheiten verlocke, dem Koenige die aufopfernde Liebe seiner Untertanen raube und Kirche und Staat verheere". So gelang es Rom, Frankreich dahin zu bringen, dass es sich gegen die Reformation erhob. "Zur Erhaltung des Thrones, zur Bewahrung des Adels und zur Aufrechterhaltung der Gesetze wurde das Schwert der Verfolgung in Frankreich zuerst gezogen." (Wylie, 13. Buch, Kap. 4) Die Herrscher jenes Landes waren weit davon entfernt, die Folgen dieser verhaengnisvollen Politik vorauszusehen. Die Lehren der Heiligen Schrift haetten in die Gemueter und Herzen des Volkes jene Grundsaetze der Gerechtigkeit, Maessigkeit, Wahrheit, Gleichheit und Wohltaetigkeit eingepflanzt, die die eigentliche Grundlage zu seiner Wohlfahrt sind. "Gerechtigkeit erhoehet ein Volk"; "durch Gerechtigkeit wird der Thron befestigt." (Spr. 14,34; 16,12) "Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein", ja "ewige Stille und Sicherheit". (Jes. 32,17) Wer das goettliche Gesetz haelt, wird auch aufs getreueste die Gesetze seines Landes achten und ihnen gehorchen. Wer Gott fuerchtet, wird den Koenig in der Ausuebung aller gerechten und gesetzlichen Macht ehren. Aber das unglueckliche Frankreich verbot die Heilige Schrift und verbannte deren Anhaenger. Ein Jahrhundert nach dem andern mussten aufrichtige, unbescholtene Maenner - Maenner mit guten Grundsaetzen, von geistigem Scharfblick und sittlicher Kraft, die den Mut hatten, ihrer Ueberzeugung treu zu bleiben, und den Glauben besassen, fuer die Wahrheit leiden zu koennen - als Sklaven auf den Galeeren arbeiten, auf den Scheiterhaufen zugrunde gehen, in dumpfen Kerkerzellen vermodern, waehrend sich Tausende und aber Tausende nur durch die Flucht den Verfolgungen entziehen konnten; und dies dauerte noch zweihundertfuenfzig Jahre nach Beginn der Reformation fort. "Waehrend jener langen Zeitspanne gab es unter den Franzosen wohl kaum ein Geschlecht, das nicht Zeuge gewesen waere, wie Juenger des Evangeliums vor der wahnsinnigen Wut der Verfolger flohen und Bildung, Kuenste, Gewerbefleiss und Ordnungsliebe, in denen sie sich Seite 278 (Englisch Seite 277,278) in der Regel auszeichneten, mit sich nahmen und damit das Land, das ihnen Zuflucht bot, bereicherten. Im gleichen Verhaeltnis, wie andere Laender mit diesen guten Gaben beglueckt wurden, verarmte ihr eigenes Land. Waeren alle, die vertrieben wurden, in Frankreich geblieben, haette die Geschicklichkeit dieser Verbannten in ihren Gewerben waehrend der dreihundert Jahre auf heimatlicher Scholle befruchtend wirken koennen, waeren in dieser langen Zeit ihre kuenstlerischen Anlagen dem heimatlichen Gewerbefleiss zugute gekommen, haette ihr schoepferischer Geist und forschender Verstand die Literatur des Landes befruchtet und seine Wissenschaften gepflegt, haette ihre Weisheit seine Beratungen geleitet, ihre Tapferkeit seine Schlachten geschlagen, ihre Unparteilichkeit seine Gesetze aufgestellt, haette die Religion der Bibel den Geist des Volkes gestaerkt und dessen Gewissen beherrscht - welche Herrlichkeit wuerde Frankreich an dem Tage umgeben haben! Welch grosses, bluehendes und glueckliches Land - den Nationen ein Vorbild - wuerde es gewesen sein! Aber eine blinde und unerbittliche Froemmelei jagte von seinem Boden jeden Lehrer der Tugend, jeden Streiter fuer Ordnung, jeden ehrlichen Verteidiger des Thrones; sie sagte zu den Menschen, die ihr Land zu einem Ruhm und zu einer Herrlichkeit auf Erden gemacht haben wuerden: Waehlet, was ihr haben wollt, den Marterpfahl oder die Verbannung! Schliesslich war das Verderben des Staates vollstaendig. Es blieb kein Gewissen mehr, das man aechten, keine Religion, die man auf den Scheiterhaufen schleppen, kein Patriotismus, den man in die Verbannung jagen konnte." Die Revolution mit all ihren Schrecken war die entsetzliche Folge. (*) "Mit der Flucht der Hugenotten geriet Frankreich in allgemeinen Verfall. Bluehende Fabrikstaedte gingen zugrunde, fruchtbare Strecken verfielen in ihre urspruengliche Wildnis, geistiger Stumpfsinn und sittlicher Verfall folgten einer Zeit ungewoehnlichen Fortschritts. Paris wurde ein ungeheures Armenhaus; man sagt, dass beim Ausbruch der Revolution 200.000 Arme um Unterstuetzung von der Hand des Koenigs nachsuchten. Nur der Jesuitenorden bluehte in der verfallenen Nation und herrschte mit fuerchterlicher Willkuer ueber Kirchen und Schulen, ueber Gefaengnisse und Galeeren." (Wylie, 13. Buch, Kap. 20) Seite 279 (Englisch Seite 278,279) Das Evangelium haette Frankreich die Loesung jener politischen und sozialen Fragen gebracht, die die Geschicklichkeit seines Klerus, seines Koenigs und seiner Gesetzgeber durchkreuzten und schliesslich die Nation in Zuchtlosigkeit und Verderben stuerzten. Doch unter der Herrschaft Roms hatte das Volk die segensreichen Lehren des Heilandes ueber die Selbstaufopferung und selbstlose Liebe vergessen; man hatte es davon abgebracht, fuer das Wohl anderer Selbstverleugnung zu ueben. Die Reichen wurden nicht dafuer geruegt, dass sie die Armen unterdrueckten; und die Armen blieben in ihrer Erniedrigung und Knechtschaft ohne Hilfe. Die Selbstsucht der Wohlhabenden und Maechtigen wurde immer augenscheinlicher und drueckender. Jahrhundertelang hatte die Habgier und die Ruchlosigkeit des Adels die Bauern grausam erpresst. Die Reichen uebervorteilten die Armen, und die Armen hassten die Reichen. In vielen Provinzen besassen die Adligen das Land, und die arbeitenden Klassen waren nur Paechter, die von der Gnade der Gutsbesitzer abhingen und sich gezwungen sahen, deren uebermaessigen Forderungen nachzukommen. Die Last, die Kirche und den Staat zu unterhalten, ruhte auf den mittleren und niederen Klassen, die von den zivilen Behoerden und der Geistlichkeit schwer besteuert wurden. "Die Willkuer des Adels galt als das hoechste Gesetz; die Bauern und Landbewohner konnten verhungern, ohne dass die Unterdruecker sich darum gekuemmert haetten... Die Leute sahen sich bei jeder Gelegenheit gezwungen, einzig und allein den Vorteil des Gutsbesitzers zu beruecksichtigen. Das Leben der Landarbeiter war nichts als bestaendige Muehsal und ungelindertes Elend; ihre Klagen, falls sie es ueberhaupt wagten, solche vorzubringen, wurden mit beleidigender Verachtung abgewiesen. Die Gerichtshoefe liehen eher einem Adligen als einem Bauern Gehoer. Bestechung der Richter wurde offenkundig betrieben, und die geringste Laune der Vornehmen hatte infolge dieser allgemeinen Verderbtheit Gesetzeskraft. Nicht einmal die Haelfte der den arbeitenden Klassen von den weltlichen Grossen einerseits und der Geistlichkeit anderseits abgepressten Steuern gelangten in die koenigliche oder kirchliche Schatzkammer; alles andere wurde in schaendlicher Genussucht verschleudert. Und die Leute, die auf diese Weise ihre Mitmenschen an den Bettelstab brachten, waren selbst aller Steuern enthoben und durch Seite 280 (Englisch Seite 279,280) Gesetze oder Brauchtum zu allen Staatsaemtern berechtigt. Zu den bevorzugten Klassen zaehlten 150.000 Personen, und fuer deren Annehmlichkeiten wurden Millionen zu einem hoffnungslosen und herabwuerdigenden Leben verdammt." (*) Der Hof ergab sich der Ueppigkeit und der Ausschweifung. Zwischen den Regierenden und den Untertanen bestand nur wenig Vertrauen. An alle Massnahmen der Regierung heftete sich der Verdacht, dass sie hinterlistig und selbstsuechtig seien. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor der Revolution bestieg Ludwig XV., der sich selbst in jenen boesen Zeiten als ein traeger, leichtfertiger und sinnlicher Fuerst auszeichnete, den Thron. Angesichts des verderbten und grausamen Adels, der verarmten und unwissenden unteren Klasse, der finanziellen Verlegenheit des Staates und der Erbitterung des Volkes bedurfte es keines prophetischen Auges, um einen schrecklichen Ausbruch vorauszusehen. Auf die Warnung seiner Ratgeber erwiderte der Koenig gewoehnlich: "Bemueht euch, alles im Gang zu erhalten, solange ich leben mag; nach meinem Tode mag es kommen, wie es will." Vergebens drang man auf die Notwendigkeit einer Reform. Er sah die Uebelstaende, hatte aber weder den Mut noch die Macht, ihnen zu begegnen. Das Schicksal, das Frankreich bevorstand, wurde nur zu deutlich durch seine laessige und selbstsuechtige Antwort gekennzeichnet: "Nach mir die Sintflut!" Rom hatte durch staendiges Schueren der Eifersucht der Koenige und der herrschenden Klassen diese beeinflusst, das Volk in Knechtschaft zu halten, wohl wissend, dass der Staat dadurch geschwaecht wuerde; damit wollte es jedoch sowohl die Herrscher als auch das Volk zu seinen Sklaven machen. Mit weitsichtiger Politik erkannte die paepstliche Macht, dass man, um die Menschen endgueltig zu unterjochen, ihren Seelen Fesseln anlegen muesse; dass es am sichersten sei, sie fuer die Freiheit unfaehig zu machen, um ihr Entrinnen aus der Knechtschaft zu verhindern. Tausendmal schrecklicher als die koerperlichen Leiden, die aus solcher Politik hervorgingen, war die sittliche Erniedrigung. Der Bibel beraubt, den Lehren der Froemmelei und der Selbstsucht preisgegeben, wurde das Volk in Unwissenheit und Aberglauben eingehuellt, so dass es in Laster versank und voellig untuechtig wurde, sich selbst zu beherrschen. Seite 281 (Englisch Seite 280,281) Doch die Ergebnisse dieser Bemuehungen unterschieden sich erheblich von dem, was Rom angestrebt hatte. Statt dass sich die Massen blind ergeben seinen Lehrsaetzen unterstellten, wurden sie zu Gottesleugnern und Revolutionaeren. Die Politik, die Lehren und Gebraeuche der Kirche verachteten sie als Pfaffentrug und betrachteten die Geistlichkeit als mitverantwortlich fuer ihr elendes Dasein. Der Gott Roms war der einzige Gott, den sie kannten, Roms Lehre ihre einzige Religion. Rom hatte den Charakter Gottes falsch dargestellt und seine Forderungen verdreht, und nun verwarfen die Menschen sowohl die Bibel als auch ihren Urheber. Rom hatte einen blinden Glauben an seine Lehrsaetze gefordert, und dabei die Schrift angeblich gutgeheissen. Die Rueckwirkung sah so aus, dass Voltaire und die ihm Geistesverwandten das Wort Gottes gaenzlich beiseitesetzten und ueberall das Gift des Unglaubens verbreiteten. Rom hatte das Volk unter seinen eisernen Fuessen niedergetreten, und nun brachen die entwuerdigten und verrohten Massen als Erwiderung auf die Zwangsherrschaft alle Schranken. Rasend vor Wut ueber den gleissenden Betrug, dem sie so lange gehuldigt hatten, verwarfen sie Wahrheit und Irrtum zusammen. Indem sie die Zuegellosigkeit fuer Freiheit hielten, jubelten die Sklaven des Lasters in ihrer vermeintlichen Freiheit. Nach Beginn der Revolution raeumte der Koenig dem Volk eine Vertretung ein, die die gemeinsame des Adels und der Geistlichkeit ueberwog. Somit befand sich das Uebergewicht der Macht in der Hand des Volkes, das aber nicht imstande war, sie zu benutzen. Eifrig bestrebt, das erlittene Unrecht zu ahnden, beschloss es, die Erneuerung der Gesellschaft vorzunehmen. Die schimpflich behandelten Volksmassen, deren Gemueter mit bitteren, seit langem angehaeuften Erinnerungen an Ungerechtigkeiten erfuellt waren, erklaerten, den unertraeglich gewordenen Zustand des Elends aendern und sich an denen raechen zu wollen, die sie als Urheber ihrer Leiden ansahen. Die Unterdrueckten setzten die Lehre, die sie unter der Gewaltherrschaft gelernt hatten, in die Tat um und tyrannisierten jetzt die, von denen sie unterdrueckt worden waren. Das unglueckliche Frankreich heimste eine blutige Ernte der ausgestreuten Saat ein. Schrecklich waren die Folgen seiner Unterwerfung Seite 282 (Englisch Seite 281,282) unter die beherrschende Macht Roms. Wo Frankreich unter dem Einfluss Roms beim Beginn der Reformation den ersten Scheiterhaufen errichtet hatte, stellte die Revolution ihre erste Guillotine auf. An derselben Staette, wo die ersten Maertyrer des protestantischen Glaubens im 16. Jahrhundert verbrannt wurden, fielen die ersten Opfer der Revolution im 18. Jahrhundert unter der Guillotine. Indem Frankreich das Evangelium verwarf, das ihm Heilung haette bringen koennen, oeffnete es dem Unglauben und dem Verderben die Tuer. Als das Volk die Schranken des Gesetzes Gottes niedergeworfen hatte, stellte es sich heraus, dass die menschlichen Gesetze unzulaenglich waren, um die maechtige Flut menschlicher Leidenschaften zu hemmen, und im Lande herrschten Empoerung und Gesetzlosigkeit. Der Krieg gegen die Bibel eroeffnete eine Zeitperiode, die in die Weltgeschichte als "die Schreckensherrschaft" eingegangen ist. Friede und Glueck waren aus den Wohnungen und den Herzen der Menschen verbannt. Keiner war sicher. Wer heute triumphierte, wurde morgen verdaechtigt und verdammt. Gewalt und Wollust fuehrten unbestritten das Zepter. Der Koenig, die Geistlichkeit und der Adel waren genoetigt, sich der Grausamkeit eines erregten und sich wie toll gebaerdenden Volkes zu fuegen. Der Rachedurst wurde durch die Hinrichtung des Koenigs nur noch staerker, und die seinen Tod bestimmt hatten, folgten ihm bald aufs Schafott. Mann beschloss eine allgemeine Niedermetzelung aller, die verdaechtig waren, der Revolution feindlich gesonnen zu sein. Die Gefaengnisse waren ueberfuellt und bargen zu einer Zeit mehr als 200.000 Haeftlinge. In den Staedten des Koenigreichs spielten sie die furchtbarsten Schreckensszenen ab. Die revolutionaeren Parteien bekaempften sich gegenseitig. Frankreich wurde zu einem ungeheuren Schlachtfeld streitender Volksmassen, die sich von der Wut ihrer Leidenschaften beherrschen liessen. "In Paris folgte ein Aufstand dem andern, und die Buerger waren in viele Parteien zersplittert, die es auf nichts anderes als auf ihre gegenseitige Ausrottung abgesehen zu haben schienen." Zu dem allgemeinen Elend kam noch hinzu, dass die Nation in einen langen, verheerenden Krieg mit den europaeischen Grossmaechten verwickelt wurde. "Das Land war beinahe bankrott, die Truppen schrien nach ihrem rueckstaendigen Sold, die Pariser waren am Verhungern, die Provinzen Seite 283 (Englisch Seite 282,283) wurden von Raeubern verwuestet und die Zivilisation ging beinahe unter im Aufruhr und in der Zuegellosigkeit." Nur zu genau hatte das Volk die Lehren der Grausamkeit und der Folter gelernt, die Rom mit solchem Fleiss erteilt hatte. Jetzt war der Tag der Vergeltung gekommen. Aber es waren nicht mehr die Juenger Jesu, die in Kerker geworfen und auf Scheiterhaufen geschleppt wurden; denn diese waren laengst umgekommen oder aus ihrer Heimat vertrieben worden. Das unbarmherzige Rom selbst fuehlte die toedliche Macht derer, die es ausgebildet hatte, sich an Bluttaten zu vergnuegen. "Das Beispiel der Verfolgung, das die franzoesische Geistlichkeit so lange gegeben hatte, wurde ihr nun mit grossem Nachdruck vergolten. Die Schafotte faerbten sich rot von dem Blut der Priester. Die Galeeren und Gefaengnisse, die einst Hugenotten bargen, wurden jetzt mit deren Verfolgern angefuellt. An die Ruderbank gekettet und muehsam am Riemen ziehend, machte die katholische Geistlichkeit alle Qualen durch, die sie so reichlich ueber die friedliebenden Ketzer gebracht hatte." (*) "Dann kamen jene Tage, als die grausamsten aller Gesetze von dem unmenschlichsten aller Gerichtshoefe gehandhabt wurden, als niemand seinen Nachbar gruessen oder sein Gebet verrichten konnte..., ohne Gefahr zu laufen, ein Kapitalverbrechen zu begehen, als in jedem Winkel Spione lauerten, als allmorgendlich die Guillotine lange und schwer arbeitete, die Gefaengnisse so gedraengt voll waren wie die Raeume eines Sklavenschiffes, in den Strassenrinnen das Blut schaeumend der Seine zueilte... Waehrend taeglich Wagenladungen mit Opfern durch die Strassen von Paris ihrem Schicksal entgegengefahren wurden, schwelgten die Kommissare, die der Konvent in die Provinzen gesandt hatte, in uebermaessiger Grausamkeit, wie man sie selbst in der Hauptstadt nicht kannte. Das Messer der Todesmaschine stieg und fiel zu langsam fuer das Werk der Metzelei. Lange Reihen von Gefangenen maehte man mit Kartaetschen nieder. Besetzte Boote wurden angebohrt. Lyon wurde zur Wueste. In Arras blieb den Gefangenen selbst die grausame Barmherzigkeit eines schnellen Todes versagt. Die ganze Loire hinab, von Saumur bis zum Meer, frassen Scharen von Kraehen und Weihen (habichtartige Falken) an den nackten Leichnamen, die in abscheulichen Umarmungen miteinander verschlungen waren. Weder dem Geschlecht noch dem Alter erwies man Barmherzigkeit. Seite 284 (Englisch Seite 283,284) Die Anzahl der Juenglinge und Maedchen von siebzehn Jahren, die von dieser fluchwuerdigen Regierung ermordet wurde, laesst sich nach Hunderten berechnen. Der Brust entrissene Saeuglinge wurden von Spiess zu Spiess die Reihen der Jakobiner entlang geworfen." (*) In dem kurzen Zeitraum von zehn Jahren kamen Scharen von Menschen ums Leben. All dies war nach Satans Sinn; dies zu erreichen, hatte er sich seit Jahrhunderten bemueht. Sein Plan beruhte von Anfang bis Ende auf Taeuschung, und sein unverwandter Vorsatz ist, Leid und Elend ueber die Menschen zu bringen, Gottes Werke zu entstellen und zu beflecken, die goettliche Absicht der Liebe und des Wohlwollens zu vereiteln und dadurch Trauer im Himmel zu verursachen. Dann verblendet er durch seine taeuschenden Kuenste die Sinne der Menschen und verleitet sie, statt ihn, Gott zu tadeln, als sei alles Elend die Folge des goettlichen Planes. Auf die gleiche Weise treibt er alle, die durch seine grausame Macht in einen erniedrigenden und entmenschten Zustand geraten sind, wenn sie ihre Freiheit erringen, zu allerlei Ausschreitungen und Greueltaten, und dann weisen grausame und gewissenlose Tyrannen auf dieses Bild zuegelloser Ausgelassenheit hin als ein Beispiel, welche Folgen die Freiheit habe. Wird der Irrtum in einem Gewand entdeckt, so huellt Satan ihn einfach in ein anderes, und die Menge nimmt ihn ebenso gierig an wie zuerst. Als das Volk fand, dass die roemisch-katholischen Lehren und Gebraeuche eine Taeuschung waren, als Satan es nicht mehr dadurch zur Uebertretung des Gesetzes Gottes bringen konnte, noetigte er es, alle Religion als einen Betrug und die Heilige Schrift als ein Maerchen zu betrachten. Das Volk setzte die goettlichen Grundsaetze beiseite und gab sich der ungezuegelten Gesetzlosigkeit hin. Der verderbliche Irrtum, der solches Weh ueber die Bewohner Frankreichs brachte, bestand darin, dass sie die grosse Wahrheit verachteten und nicht erkannten, dass die wahre Freiheit innerhalb der Schranken des Gesetzes Gottes liegt. "O dass du auf meine Gebote merktest, so wuerde dein Friede sein wie ein Wasserstrom, und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen... Aber die Gottlosen, spricht der Herr, haben keinen Frieden." - "Wer aber mir gehorcht, wird sicher bleiben und genug haben und kein Unglueck fuerchten." (Jes. 48, 18, 22; Spr. 1,33) Seite 285 (Englisch Seite 284,285) Gottesleugner, Unglaeubige und Abtruennige widersetzen sich Gottes Gesetz und verwerfen es; aber die Folgen ihres Einflusses beweisen, dass die Wohlfahrt des Menschen mit dem Gehorsam gegen die goettlichen Verordnungen verbunden ist. Wer diese Lehre nicht aus dem Buche Gottes erkennen will, muss sie in der Geschichte der Nation erkennen lernen. Als Satan die Menschen durch die roemische Kirche vom Gehorsam wegzufuehren versuchte, war seine Taetigkeit derart verborgen und sein Wirken so verstellt, dass die Entartung und das Elend, die daraus entstanden, nicht als Fruechte der Uebertretung erkannt wurden; aber das Wirken des Geistes Gottes vereitelte des Boesen Macht so weit, dass seine Absichten nicht zur vollen Reife gelangten. Das Volk schloss nicht von den Wirkungen auf die Ursache; ihm blieb daher die Quelle seines Elends verborgen. Bei der Revolution aber wurde das Gesetz Gottes von der Nationalversammlung oeffentlich beiseitegesetzt, und waehrend der darauf folgenden Schreckensherrschaft konnten alle den wahren Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung deutlich erkennen. Als Frankreich oeffentlich Gott leugnete und die Bibel beiseitesetzte, frohlockten boese Menschen und Geister der Finsternis, dass sie das so lang erwuenschte Ziel, ein Reich, frei von den Schranken des Gesetzes Gottes, erreicht hatten. "Weil nicht alsbald geschieht ein Urteil ueber die boesen Werke, dadurch wird das Herz der Menschen voll, Boeses zu tun." (Pred. 8,11) Aber die Uebertretung eines gerechten und heiligen Gesetzes muss unvermeidlich in Elend und Verderben enden. Wenn die Menschen auch nicht sofort von Strafgerichten heimgesucht werden, so bewirkt ihre Gottlosigkeit doch ihr sicheres Verderben. Jahrhunderte des Abfalls und des Verbrechens hatten den Zorn auf den Tag der Vergeltung angehaeuft, und als das Mass ihrer Ungerechtigkeit voll war, erfuhren die Veraechter Gottes zu spaet, dass es etwas Schreckliches ist, die goettliche Geduld verwirkt zu haben. Der zuegelnde Geist Gottes, der der grausamen Macht Satans Schranken setzt, wurde in hohem Masse hinweggetan, und der, dessen einzige Freude das Elend der Menschen ist, durfte nach seinem Willen handeln. Alle, die sich dem Aufruhr ergaben, ernteten dessen Fruechte, bis das Land von Verbrechen Seite 286 (Englisch Seite 285,286) erfuellt war, die jeder Beschreibung spotteten. Aus den verwuesteten Provinzen und zerstoerten Staedten erhob sich ein schrecklicher Schrei - ein Schrei furchtbarster Angst. Frankreich wurde erschuettert, als bebte die Erde. Religion, Gesetz, soziale Ordnung, Familie, Staat und Kirche - alles wurde von der ruchlosen Hand niedergestreckt, was sich gegen das Gesetz Gottes erhoben hatte. Wahr ist das Wort des weisen Mannes: "Der Gottlose wird fallen durch sein gottlos Wesen." "Ob ein Suender hundertmal Boeses tut und lange lebt, so weiss ich doch, dass es wohl gehen wird denen, die Gott fuerchten, die sein Angesicht scheuen. Aber dem Gottlosen wird es nicht wohl gehen." "Darum, dass sie hassten die Lehre und wollten des Herrn Furcht nicht haben,... so sollen sie essen von den Fruechten ihres Wesens und ihres Rats satt werden." (Spr. 11,5; Pred. 8, 12,13; Spr. 1, 29, 31) Gottes treue Zeugen, die durch die laesterliche Macht, die "aus dem Abgrund aufsteigt", erschlagen wurden, sollten nicht lange schweigen. "Nach drei Tagen und einem halben fuhr in sie der Geist des Lebens von Gott, und sie traten auf ihre Fuesse, und eine grosse Furcht fiel ueber die, so sie sahen." (Offb. 11,11) Es war im Jahre 1793, als die franzoesische Nationalversammlung die Erlasse genehmigte, welche die christliche Religion abschafften und die Bibel verboten. Dreieinhalb Jahre spaeter wurde von der gleichen Versammlung ein Beschluss angenommen, der diese Erlasse widerrief und somit der Heiligen Schrift Duldung gewaehrte. Die Welt war ueber die ungeheure Schuld, die aus der Verwerfung des lebendigen Wortes Gottes hervorgegangen war, bestuerzt, und die Menschen erkannten die Notwendigkeit des Glaubens an Gott und sein Wort als die Grundlage von Tugend und Sittlichkeit. Der Herr sagt: "Wen hast du geschmaeht und gelaestert? Ueber wen hast du die Stimme erhoben? Du hebst deine Augen empor wider den Heiligen in Israel." "Darum siehe, nun will ich sie lehren und meine Hand und Gewalt ihnen kundtun, dass sie erfahren sollen, ich heisse der Herr."(Jes. 37,23; Jer, 6,21) Ueber die zwei Zeugen sagt der Prophet ferner: "Und sie hoerten eine grosse Stimme vom Himmel zu ihnen sagen: Steiget herauf! Und sie stiegen auf in den Himmel in einer Wolke, und es sahen sie ihre Feinde." (Offb. 11,12) Seit Frankreich sich gegen Gottes beide Zeugen erhoben Seite 287 (Englisch Seite 286,287) hatte, sind diese wie nie zuvor geehrt worden. Im Jahre 1804 wurde die Britische und die Auslaendische Bibelgesellschaft gegruendet. Es folgten aehnliche Einrichtungen mit zahlreichen Zweigen auf dem europaeischen Festland. Im Jahre 1816 nahm die amerikanische Bibelgesellschaft ihre Taetigkeit auf. Zur Gruendungszeit der britischen Gesellschaft war die Bibel in fuenfzig Sprachen gedruckt und verbreitet worden. Seitdem hat man sie in mehr als vierhundert Sprachen und Mundarten uebersetzt.(Uebersetzungen aus der Heiligen Schrift gibt es gegenwaertig in rund 1150 Sprachen und Dialekten, und jedes Jahr werden zwischen 40 und 50 Millionen Bibeln und Bibelteile in der Welt verbreitet.) (*) Waehrend der letzten fuenfzig Jahre vor dem Jahre 1792 wurde dem auslaendischen Missionswerk nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Es gab keine neuen Missionsgesellschaften und nur wenige Gemeinschaften, die sich irgendwie bemuehten, das Christentum in heidnischen Laendern zu verbreiten. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts aenderte sich das. Man wurde unzufrieden mit den Ergebnissen des Vernunftglaubens und erkannte die Notwendigkeit einer goettlichen Offenbarung und einer Erfahrungsreligion. Von dieser Zeit an wuchs das Werk der aeusseren Mission mit bis dahin noch nie dagewesener Schnelligkeit. (**) Die Verbesserungen der Buchdruckerkunst haben der Verbreitung der Bibel neuen Auftrieb gegeben. Durch die zahlreichen Verkehrserleichterungen zwischen verschiedenen Laendern, den Zusammenbruch althergebrachter Schranken, sei es Vorurteil oder nationale Abgeschlossenheit, und durch den Verlust der weltlichen Macht des Papstes wurde der Weg fuer den Eingang des Wortes Gottes gebahnt. Schon seit langem ist die Bibel ohne irgendwelche Behinderungen auf den Strassen Roms verkauft und jetzt auch nach allen Teilen der bewohnten Erdkugel getragen worden. Prahlend sagte einst der unglaeubige Voltaire: "Ich habe es satt, die Leute immer wieder sagen zu hoeren, dass zwoelf Maenner die christliche Religion gegruendet haben. Ich will beweisen, dass ein Mann genuegt sie umzustossen." Ein Jahrhundert ist seit seinem Tode verstrichen. (Voltaire lebte von 1694 bis 1778. Zeit der Niederschrift dieses Buches.) Millionen haben sich dem Kampf gegen die Heilige Schrift angeschlossen. Aber statt ausgerottet zu sein, sind dort, wo zu Voltaires Zeit hundert Bibeln waren, nun zehntausend, ja hunderttausend Exemplare der Seite 288 (Englisch Seite 287,288) Heiligen Schrift. Die Worte eines der ersten Reformatoren ueber die christliche Lehre lauten: "Die Bibel ist ein Amboss, der viele Maenner abgenutzt hat." Der Herr sagt: "Einer jeglichen Waffe, die wider dich zubereitet wird, soll es nicht gelingen; und alle Zunge, so sich wider dich setzt, sollst du im Gericht verdammen."(Jes. 54,17) "Das Wort unsres Gottes bleibt ewiglich." "Alle seine Gebote sind rechtschaffen. Sie werden erhalten immer und ewiglich und geschehen treulich und redlich." (Jes. 40, 8; Ps. 111, 7.8) Was immer auf menschliche Macht gebaut ist, wird umgestossen werden, was aber auf den Felsen des unveraenderlichen Wortes Gottes gegruendet ist, wird ewiglich bestehen. Seite 289 (Englisch Seite 288) Anmerkungen *S.266 (Zurueck) H. v. Sybel, Geschichte der Revolutionszeit 1789-1800, 10 Bd.; H. T. Buckle, History of Civilisation in England, Bd. I, Kap. 8. 12, S. 364-366. 369-371, 437. 450. 540. 541, New York, 1895; Blackwood's Magazine, Bd. XXXIV, Nr. 215, November, 1833; J. G. Lorimer, An Historical Sketch of the Protestant Church in France, Kap. 8; Oncken, Das Zeitalter der Revolution, des Kaiserreichs und der Befreiungskriege, 2. Bde. (in Oncken, Allgemeine Geschichte in Einzeldarstellungen); Carlyle, The French Revolution, 3 Bde., 1837; Thiers, Histoire de la Révolution francaise, 10 Bde., 1855.) (Zurueck) **S.266 (Zurueck) Erneuert und verschaerft wurde das Verbot des Bibellesens gegenueber dem Jansenismus (Reformationsrichtung in Frankreich), besonders nach dem Erscheinen der franzoesischen Uebersetzung des Neuen Testaments von Pater Quesnel (Paris 1693) mit Erklaerungen, in welchen gelehrt wird, dass die Bibel fuer alle Christen gegeben worden sei, ja, dass sie ihnen nuetzlich, ja notwendig sei... Diesen Lehrsaetzen trat Clemens XI. in der beruechtigten Bulle Unigenitus 1713 mit 101 Propositiones entgegen, in welchen nicht bloss Saetze aus Quesnels Neuem Testament, sondern auch solche, die beinahe buchstaeblich in der Heiligen Schrift sich finden, ... kurz als Ausbund alles Schlechten verdammt wurden... Nach heftigen Kaempfen gelang es den Jesuiten, bei dem Parlamente ihre Eintragung in die Reichsgesetze durchzusetzen. (Meusel, Kirchliches Handlexikon, Bd. I, S. 417 f.) Er bot der Welt das schlagendste Beispiel von der Wirkung der paepstlichen Politik: eine Darstellung der Folgen, auf die die Lehren der roemischen Kirche mehr als ein Jahrtausend zugesteuert hatten. (Zurueck) *S.268 (Zurueck) Das Konzil zu Tarragona (1234) bestimmte: "Niemand darf das Alte oder Neue Testament lesen oder verbreiten... oder... er wuerde der Ketzerei angeklagt werden." Auf dem Konzil zu Konstanz 1415 wurde Wiklif nachtraeglich noch durch den Erzbischof von Canterbury, Arundel, verdammt als "jener giftige Bube einer verdammungswuerdigen Ketzerei, der eine neue Uebersetzung der Heiligen Schrift in seiner Muttersprache eingefuehrt hat". Der Kampf der katholischen Kirche gegen die Bibel zieht sich durch alle Jahrhunderte hindurch und entfaltete sich besonders zur Zeit der Gruendung der Bibelgesellschaften. Am 8. Dezember 1866 veroeffentlichte Papst Pius IX, in dem der Enzyklika Quanta cura beigefuegten Syllabus errorum ein Verzeichnis von 80 "Irrtuemern". Hier sind unter Hinweis auf fruehere paepstliche Verlautbarungen die Bibelgesellschaften zusammen mit Sozialismus, Kommunismus, heimlichen Vereinigungen und Vereinigungen liberaler Geistlicher als "Pest" verdammt, nachdem bereits 1864 Pius IX. in der Enzyklika Qui pluribus von den "ueberaus verschmitzten Bibelgesellschaften, die den alten Kunstgriff der Haeretiker erneuert und die Buecher der goettlichen Schriften, entgegen den allerheiligsten Vorschriften der Kirche, in alle Landessprachen uebersetzen und mit oft verdrehten Erklaerungen versehen", gesprochen hat. Erst in neuerer Zeit ist in dieser Hinsicht eine gewisse Wendung wahrnehmbar, wenn auch das Verbot, protestantische oder vom Heiligen Stuhl nicht genehmigte Uebersetzungen zu lesen, noch fortbesteht und seine Uebertretung unter Kirchenstrafe steht. Immerhin ist es gelungen, die hindernden Einfluesse so weit zurueckzudraengen, dass sich eine sogenannte Katholische Bibelbewegung entfalten konnte, zu der sich auch Papst Pius XII. in seiner Enzyklika De divino afflante spiritu (1943) bekannt hat. Ueber die gegenwaertigen Bestrebungen der Bibelbewegungen in der katholischen Kirche siehe auch die letzten Abschnitte der Anmerkung zu Seite 51: "Bibelverbot". (Zurueck) *S.279 (Zurueck) Die Pariser Zeitung Le Moniteur Universal (Gazette nationale ou le Moniteur universal) war die halbamtliche Zeitung zur Zeit der Revolution und ist eine erstklassige Quelle, die einen authentischen Bericht der von der Nationalversammlung gefassten Beschluesse sowie den vollstaendigen Text der Dokumente u.a. enthaelt. Sie wurde wiederholt abgedruckt. Siehe auch: A. Aulard, Christianity and the French Revolution, London, 1927, eine ausgezeichnete Studie; W. H. Jervis, The Gallican Church and the Revoltuion, London, 1882, eine sorgfaeltige Arbeit eines Anglikaners mit einer gewissen Vorliebe fuer den Katholizismus. Ueber das Verhaeltnis zwischen Kirche und Staat in Frankreich waehrend der Revolution bei: Henry A. Walsh, The Concordate of 1801: A study of nationalism in relation to Church and State, New York, 1933; Charles Ledre, L 'Eglise de France sous la Révolution, Paris, 1949. Einige zeitgenoessische Studien ueber die religioese Bedeutung der Revolution sind: G. Chais de Sourcesol, Le Livre des Manifestes, Avignon, 1800, in dem der Autor versucht, den Ursachen der Revolution nachzuspueren; James Bicheno, The Signs of the Times, London, 1794; James Winthrop, A Systematic Arrangement of Several Scripture Prophecies Relating to Antichrist; with Their Application to the Course of History, BOSTON, 1795; Lathrop; The Prophecy of Daniel Relating to the Time of the End, Springfield, 1811. Ueber die Kirche waehrend der Revolution siehe: W.M. Sloane, The French Revolution and Religious Reform, 1901; P.F. La Gorce, Histoire Religieuse de la Révolution, Paris, 1909. Ueber das Verhaeltnis zum Papsttum siehe: G. Bourgin, La France et Rome de 1788-1797, Paris, 1808, basierend auf geheimen Dokumenten des roemischen Stuhles; A. Latreille, L'Eglise Catholique et la Révolution, Paris, 1950, mit besonders interessanten Einzelheiten ueber Pius VI. und die religioese Krise zwischen 1775 und 1799. Ueber die Protestanten waehrend der Revolutionszeit siehe: E. de Pressencé, The Reign of Terror, Cincinnati, 1869. (Zurueck) *S.281 (Zurueck) Von der ueberaus traurigen Lage des sogenannten dritten Standes zur Zeit des Ausbruchs der Franzoesischen Revolution berichtet Oncken ausfuehrlich in Das Zeitalter der Revolution, des Kaiserreichs und der Befreiungskriege, 4. Hauptabteilung, 1. Teil, Bd I, S. 120. 123. 125.130. Weitere Quellen: H. v. Holst, Lowell Lectures on the French Revolution, Lektion 1; H. Taine, Les origines de la France contemporaine, Bd. I (L'ancien régime), 1875; A. Young, Travels in France.) (Zurueck) *S.284 (Zurueck) *S.285 (Zurueck) *S.288 (Zurueck) Die Amerikanische Bibelgesellschaft hat in der Zeit von 1816 bis 1970 weit ueber eine halbe Milliarde Bibeln, Neue Testamente und Teile aus dem Alten und Neuen Testament verbreitet. 1971 verteilte sie fast 15 Millionen Bibeln, Testamente und Bibelteile in der ganzen Welt. Allein im Jahre 1970 wurden in der ganzen Welt 173 404 415 Bibeln, Neue Testamente, Bibelteile und Auswahlhefte verbreitet, darunter ueber 5 Millionen Vollbibeln. Die Bibel, vollstaendig oder Teile daraus, wurde bis Ende 1972 in 1500 Sprachen gedruckt; und neue Sprachen kommen staendig hinzu. Im Jahre 1972 waren es 42. Die groesste deutsche Bibelgesellschaft, die Wuerttembergische Bibelanstalt, Stuttgart, hat allein im Jahre 1972 fast 1 Million Bibeln und Bibelteile verbreitet; seit ihrem Bestehen sind es schon mehr als 50 Millionen. (Zurueck) **S.288 (Zurueck) "Am Ende des 18. Jahrhunderts hatte das Christentum eine im Vergleich zu anderen Religionen einzigartige Verbreitung in allen fuenf Erdteilen gefunden. Mit dem 19. Jahrhundert begann seine groesste geographische Ausbreitung ueberhaupt. In Gebieten, in denen es bereits Fuss gefasst hatte, wurden neue Stuetzpunkte gewonnen, in Laendern, auf Inseln, unter Voelkern und Staemmen, die bislang mit dem Christentum nicht in Beruehrung gekommen waren, fand es Eingang. In Nord-, Mittel- und Suedamerika nahmen Missionare ihre Arbeit unter Eingeborenen auf, denen man sich bisher nicht genaehert hatte; auch wurde die Mehrzahl der Neger jetzt zu Christen. Auf den Inseln im Grossen Ozean hatte das Christentum ein ungewoehnliches Wachstum zu verzeichnen... Auch in Asien und Sibirien, in Indien, Burma, Siam, auf Ceylon und dem Malaiischen Archipel, in Franzoesisch-Indochina, in China, Korea und wohl auch in Japan nahm die Zahl der Christen schneller zu als je zuvor. Auf die Kultur dieser Laender wirkte das Christentum staerker ein, als nach dem Umfang der Kirchen haette erwartet werden koennen... Der neuen Ausbreitung, die dem Christentum im 19. Jahrhundert beschieden war, waren in der zweiten Haelfte des 18. Jahrhunderts schwere Rueckschlaege vorausgegangen, die im Gegensatz zu frueheren fast ausschliesslich inneren Faktoren zuzuschreiben waren. Dies koennte als ein Anzeichen dafuer gedeutet werden, dass dem Christentum die Kraft fehlte, sich anderen geistigen Stroemungen gegenueber durchzusetzen. In Hinblick auf die Entwicklung jedoch, die das Christentum im 19. Jahrhundert nahm, erscheinen diese Rueckschlaege, verglichen mit denen in den zwei vorausgehenden Hauptperioden des Christentums, nicht als folgenschwer. Dies um so weniger, als trotz der Weiterwirkung jener Stroemungen waehrend des 19. Jahrhunderts und trotz der Verstaerkung, die sie in anderen antireligioesen Bewegungen fand, das Christentum eine Stosskraft entfaltete wie nie zuvor." (Kenneth Scott Latourette, Geschichte der Ausbreitung des Christentums, gekuerzte Ausgabe, S. 120 ff., Goettingen, 1956.) Ferner: Walther v. Loewenich, Der Weg des Evangeliums durch die Welt, S. 130,131; Martin Schlunk, Die Weltmission des Christentums, Hamburg, 1925.) (Zurueck) |